{"id":3835,"date":"2010-05-28T17:20:08","date_gmt":"2010-05-28T15:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=3835"},"modified":"2010-05-28T17:20:08","modified_gmt":"2010-05-28T15:20:08","slug":"in-der-piratengrotte-%e2%80%93-angela-merkel-am-golf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2010\/05\/28\/in-der-piratengrotte-%e2%80%93-angela-merkel-am-golf_3835","title":{"rendered":"In der Piratengrotte \u2013 Angela Merkel am Golf"},"content":{"rendered":"<p>Angela Merkel steht am Montagabend dieser Woche unter einer Golddecke mit pr\u00e4chtigem Kandelaber in einem Saal des Emirates Palace in Abu Dhabi. Das wahrscheinlich protzigste Hotel der Welt und die manchmal bis zur Schnoddrigkeit n\u00fcchternste Regierungschefin der Welt bilden einen sch\u00f6nenn Kontrast. Im taubenblauen Blazer mit w\u00fcstensandfarbener Hose hebt sie sich auch dezent vom Wei\u00df der traditionellen Dishdasha des Kronprinzen der Emirate ab, Scheich Mohammed bin Zayed al Nahyan. Die beiden scherzen im Hintergrund, w\u00e4hrend am Tisch vor den beiden ein Abkommen nach dem anderen unterzeichnet wird. Immer wieder aufs Neue treten je ein deutscher Wirtschaftsf\u00fchrer und ein Scheich in Dishdasha mit beduinischem Kopftuch an den Tisch, \u00f6ffnen die Ledermappen mit den Vertr\u00e4gen und paraphieren. Chemieanlagen, Renommierbauten, Kompressortechnik \u2013 was die deutsche Wirtschaft eben zu bieten hat, geht hier \u00fcber den Tisch.<br \/>\nEine tolle Inszenierung, die den Hauptsinn dieser Reise unterstreichen soll: die deutsche Wirtschaft am Golf zu f\u00f6rdern und Deutschland mit den moderaten arabischen L\u00e4ndern enger zu verkn\u00fcpfen. Doch: Die Reise hat eben erst begonnen, da ist sie auch schon angeknockt.<br \/>\nDenn w\u00e4hrend Angela Merkel noch mit dem Scheich sch\u00e4kert, wartet der Parteifreund Koch aus Hessen bereits auf einen R\u00fcckruf. Sie mag zun\u00e4chst gedacht haben, er wolle ihr vielleicht neue Debattenbeitr\u00e4ge zur Spar-Debatte ank\u00fcndigen. Als Roland Koch ihr aber noch an diesem Montagabend mitteilt, von allen politischen \u00c4mtern zur\u00fccktreten zu wollen, wird Angela Merkel schlagartig klar geworden sein:\u00a0 Sie ist als Kanzlerin in Tegel gestartet, aber als Parteivorsitzende in Abu Dhabi gelandet.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag werden es alle wissen. Merkel hatte angek\u00fcndigt, es werde eine \u201epolitische Reise\u201c werden. Es sollte um den Nahostkonflikt und um das iranische Atomprogramm gehen. Und nat\u00fcrlich w\u00fcrden Fragen \u00fcber die Stabilit\u00e4t des Euros aufkommen, in den viele Scheichs und Prinzen einen gro\u00dfen Teil ihrer Dirhams und Rials angelegt haben. Jetzt aber ist es eine innenpolitische Reise geworden.<br \/>\nDie Kanzlerin darf sich das aber erst einmal nicht anmerken lassen. Noch ist Koch nicht vor die Kameras getreten. Und so verbringt sie mehr als einen halben Tag damit, tapfer Renommierprojekte zu besuchen \u2013 die \u00d6kostadt Masdar bei Abu Dhabi etwa, und dann eine hochmoderne Gastankstelle des deutschen Mittelst\u00e4ndlers Bauer Group. Dort nimmt sie am Ende gar die Zapfpistole selbst in die Hand und betankt einen Mercedes. Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt beginnen 2800 Kilometer entfernt erste Ger\u00fcchte \u00fcber Koch zu zirkulieren.<br \/>\nSoll sie das etwa hier, unter Palmen, kommentieren? Sie will nicht vor die Kameras. Das w\u00e4re zu viel der Ehre f\u00fcr Koch, und ein Affront f\u00fcr die Gastgeber.<br \/>\nIm Flugzeug zwischen Abu Dhabi und Dschidda, hoch \u00fcber den W\u00fcsten Arabiens, wirkt sie gefa\u00dft. Sie bedauere den R\u00fcckzug von Roland Koch aus der Politik, sagt sie. Aber sie habe auch Respekt davor. Und sie spricht sogar von freundschaftlichen Ratschl\u00e4gen, die sie vermissen werde. Koch war ein klarer, rationaler Wettbewerber, der irgendwann eingesehen hatte, dass er an Merkel nicht vorbeikam. Die Parteivorsitzende Merkel scheint den Konservativen, der sie oft nervte, schon ein wenig zu vermissen. Das Kr\u00e4ftefeld, in dem sie agiert, ist jetzt noch ein wenig unberechenbarer geworden.<br \/>\nAber erst einmal muss sie jetzt gl\u00fccklicherweise zu einem weiteren Prestigeprojekt \u2013 zur neuen Universit\u00e4t KAUST bei Dschidda am Roten Meer.<br \/>\nDer saudische K\u00f6nig Abdullah wollte unbedingt, dass Angela Merkel sein Renommierprojekt besucht, die KAUST (King Abdullah University for Science and Technology), eine Autostunde n\u00f6rdlich von Dschidda, direkt am Ufer des Roten Meeres gelegen.<br \/>\nDer saudische K\u00f6nig l\u00e4sst hier internationale Koryph\u00e4en forschen, und zwar \u2013 revolution\u00e4rer Schritt \u2013 M\u00e4nner und Frauen zusammen. Er wollte unbedingt, dass die Physikerin Merkel sich das ansieht und es mit ihrer Anwesenheit adelt. Die Konservativen im Land rebellieren dagegen und sch\u00e4umen vor Wut. Die K\u00f6nigliche Univerit\u00e4t mit ihrem noblen Hochsicherheitscampus, sagt Merkel, steht pars pro toto f\u00fcr das Modernisierungsprojekt des K\u00f6nigs. Der K\u00f6nig, das wei\u00df sie, ist sehr geschickt und vorsichtig darin, die Gegner seines Kurses nicht zu untersch\u00e4tzen. Er wei\u00df, dass er mit ihnen arbeiten muss und allzu schnelle Schritte den ganzen \u00d6ffnunsgproze\u00df gef\u00e4rden k\u00f6nnten. Sp\u00e4ter wird sie mit ihm zu Abend essen. Man darf wetten, dass die beiden skeptischen Modernisierer sich dieser Tage etwas zu erz\u00e4hlen haben.<\/p>\n<p>Beim Essen fragt der K\u00f6nig, erz\u00e4hlt sie sp\u00e4ter, wieviel nach ihrer Sch\u00e4tzung die Erschlie\u00dfung eines Bohrloches koste. Die Antwort: 2 Milliarden Dollar. Merkel lag, sagt sie \u201eum eine Gr\u00f6\u00dfenordnung daneben\u201c. Der K\u00f6nig wollte damit auf die steigenden Kosten des \u00d6lreichtums hinaus \u2013 und auf dessen Endlichkeit.<\/p>\n<p>Die 13 Millarden Dollar teure Neugr\u00fcndung ist das Lieblingskind des Herrschers. Auf dem Campus d\u00fcrfen erstmals im K\u00f6nigreich M\u00e4nner und Frauen zusammen studieren. Die Rekrutierer des K\u00f6nigs waren in den letzten Jahren an allen Eliteuniversit\u00e4ten weltweit unterwegs, um Spitzenwissenschaftler hierher zu locken. Meeresbiologen, Geowissenschaftler, Genetiker, Chemiker und Physiker sollen hier Grundlagenforschung in bestausgestatteten Laboren betreiben.<br \/>\nSeit dem letzten Herbst sind nun die ersten Professoren am Werk. Die Studenten haben viele von ihnen gleich mitgebracht. Die gr\u00f6\u00dfte Zahl von Studenten kommt aus China, an zweiter Stelle sind S\u00fcdamerikaner, der Uni-Pr\u00e4sident Choo Fong Shih ist Chinese. Die Akademiker \u2013 es sind erst ein paar Hundert auf einem Campus, der locker Zehntausend beherbergen kann, k\u00f6nnen hier in eingespielten Teams zu optimalen Bedingungen arbeiten. Der Meeresbiologe Christian Voolstra kam aus Berkeley an die KAUST und spricht begeistert von der M\u00f6glichkeit, im Roten Meer zu forschen. Er arbeitet an der Sequenzierung von Korallengenomen. Alice Gabriel, eine junge Deutsche aus Dresden, kam \u00fcber ihr Studium der Geowissenschaften an der ETH Z\u00fcrich nach Saudi-Arabien. Der Erdbebenforscherin, die erst seit zwei Monaten \u00fcbergesiedelt ist, merkt man noch die Verwunderung \u00fcber die fremde Umgebung an. Man lebt in der abgeschlossenen Welt der KAUST fast wie daheim. Es gibt Caf\u00e9s, die Frauen tragen ihr Haar offen und zeigen Haut. Auch ein Kino ist vorhanden, das einzige \u00fcberhaupt in Saudiarabien. Frauen d\u00fcrfen auf dem Campus Auto fahren.<\/p>\n<p>Aber jenseits des wohl bewachten Gel\u00e4ndes beginnt eine andere Welt, in der das immer noch nicht m\u00f6glich ist. Alice und ihre Studienkollegen nehmen den Shuttlebus nach Dschidda, wenn sie einkaufen gehen wollen. Doch in den Malls gibt es in Bekleidungsgesch\u00e4ften keine Umkleiden f\u00fcr Frauen. Man muss also die Kleidung zuhause anprobieren und gegebenenfalls zur\u00fcckbringen.<br \/>\nDas sind noch die kleinsten Irritationen in der hermetischen Welt Saudiarabiens. Die meisten der Forscher und Studenten, die bisher an der KAUST t\u00e4tig sind, haben sich damit abgefunden, dass ihre guten Arbeitsbedingungen um den Preis eines normalen westlichen Lebens erkauft sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr den K\u00f6nig ist das Experiment KAUST von enormer Bedeutung. Es geht hier darum, ob der Geist wissenschaftlicher Forschung auf dem widrigen Boden der arabischen Halbinsel verankert werden kann. Werden die Familien der Elite, die ihre Kinder heute noch nach Cambridge, Oxford, Harvard oder an die LSE schicken, eines Tages die KAUST w\u00e4hlen? Wird es einen Platz in der saudiarabischen Gesellschaft geben f\u00fcr die selbstbewu\u00dften jungen M\u00e4nner \u2013 und vor allem f\u00fcr die jungen Frauen \u2013, die hier lernen sollen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen? Das ist alles andere als gewi\u00df, auch wenn es zarte Ans\u00e4tze gibt, wie Merkel sp\u00e4ter beim Besuch der Handelskammer von Dschidda erfahren wird.<\/p>\n<p>Zur KAUST sollte sie zun\u00e4chst \u00fcberhaupt keine Journalisten mitbringen d\u00fcrfen. Nach langem Bohren der deutschen Seite wurde dann f\u00fcnf (ausgelosten) Teilnehmern der Delegation doch erm\u00f6glicht, mitzukommen. Allerdings unter der Bedingung, dass keine Bilder entstehen. Der Hintergrund: Man f\u00fcrchtet, dass Bilder von der Koedukation \u00fcber ausl\u00e4ndische Medien in die saudische Gesellschaft zur\u00fcckflie\u00dfen und zum Futter f\u00fcr die radikalen Feinde der \u00d6ffnungspolitik des K\u00f6nigs w\u00fcrden. Man will an der KAUST erst einmal unterhalb der Wahrnehmungsschwelle aufbauen und dann mit ersten Ergebnissen den Schritt in die \u00d6ffentlichkeit wagen.<\/p>\n<p>Angela Merkel unterst\u00fctzt dieses Projekt mit ihren Besuch, aber sie l\u00e4sst sich nicht vereinnahmen. Sie stellt den Studierenden freundlich-skeptische Fragen \u00fcber ihre Rekrutierung, \u00fcber ihr Alltagsleben, \u00fcber ihre Motive. Eine promovierte Physikerin pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, die es zur Bundeskanzlerin gebracht hat, ist f\u00fcr Choo Fong Shih eine tolle Motivationshilfe in diesem Teil der Welt, in dem die Ausbildung von Frauen als Forscherinnen immer noch wie ein verr\u00fccktes kulturrevolution\u00e4res Experiment wirkt.<br \/>\nUnd es ist ja auch verr\u00fcckt: Eine schariafreie Zone, mitten in einem Land, in dem Frauen keinen F\u00fchrerschein erwerben k\u00f6nnen. Ob an der KAUST die saudische Zukunft entsteht \u2013 oder ob sie am Ende die teuerste Sandburg der Welt sein wird, wenn die Feinde der Modernisierung gewinnen sollten, wird sich weisen m\u00fcssen. Der K\u00f6nig ist kein Feminist. Er hat nur verstanden, dass die Uhr l\u00e4uft. Die Tage nach dem \u00d6l werden kommen. Und ein Land, dass keinen Anteil an der weltweiten Wissensgesellschaft hat, ist dann zum Abstieg verdammt.<br \/>\nAm kommenden Morgen trifft Angela Merkel im Glaspalast der Handelskammer von Dschidda eine Gruppe von Unternehmerinnen. W\u00e4hrend die mitreisenden Herren (Deutschland hat keine Managerin von bedeutung aufzubieten \u2013 ein Delegationsmitglied scherzt: \u201eOhne die Kanzlerin k\u00f6nnten unsere Delegation auch saudisch sein&#8230;\u201c) von Siemens, EADS, Bahn und Co die Gelegenheit nutzen, Gesch\u00e4ftskontakte aufzufrischen, zieht sich die Kanzlerin mit 11 saudischen Business-Ladies in ein Hinterzimmer zur\u00fcck. Der Handelsminister Saleh Abdulaah Kamel ist ganz hin- und hergerissen. Einerseits will er gerne zeigen, dass sein Land gar\u00a0 nicht so r\u00fcckst\u00e4ndig und frauenfeindlich ist wie immer behauptet. Andererseits macht ihn offenbar die Vorstellung nerv\u00f6s, die Damen einfach so mit der Kanzlerin alleine zu lassen: \u201eGlauben Sie bloss nicht alles, was die Ihnen sagen!\u201c ruft er Merkel nur halb im Scherz hinterher. Es sind Medzinerinnen, Bankerinnen und Medienunternehmerinnen dabei. Aus Teilnehmerkreisen kann man nachher erfahren, dass die Frauen Merkel \u00fcber ihre Erfahrungen ausquetschen und sie sich gar nicht einkriegen k\u00f6nnen dar\u00fcber, welchen Mut ihr Beispiel ihnen mache. Einfach schon als lebender Beweis daf\u00fcr, dass\u00a0 so etwas m\u00f6glich ist, wird Merkel hier f\u00fcr die Frauen eine Sensation\u2013 eine Kanzlerin, deren innerparteiliche Gegner als politische Leichen ihren Weg s\u00e4umen (nun auch Roland Koch unter ihnen), und die wehenden Haars mit einer Delegation durch Dschidda reist, in der keine einzige Frau ein Kopftuch tr\u00e4gt, ja nicht einmal eine der schwarzen Abbayas, die sonst Pflicht sind.<br \/>\nIn Saudiarabien ist die Wirtschaft derzeit der wichtigste Motor f\u00fcr Emanzipation. Weil es keine Zivilgesellschaft mit NGOs gibt, findet der Wandel unter dem Dach der Handelskammern statt. Hier k\u00f6nnen Frauen mit Einflu\u00df sich zusammenschlie\u00dfen, ohne dass die Religionspolizei sofort dazwischen geht. In vielen Familien der Elite sind die M\u00e4dchen gut ausgebildet worden. Sie haben Uniabschl\u00fcsse erworben und konnten Talente zeigen, die man ihnen nicht zugetraut hatte. Nun sehen viele Eltern es nicht ein, dass dieses Investment in ihre Kinder einfach f\u00fcr die Katz gewesen sein soll. Und so kommt es immer h\u00e4ufiger vor, dass die M\u00e4dchen die Familienfirmen weiterf\u00fchren oder mindestens dabei mitmachen. Diese Form der Emanzipation, erfuhr Merkel, sei erfolgreicher als der direkte Kampf f\u00fcr Frauenrechte sein k\u00f6nnte \u2013 er f\u00fchrt direkt zur Partizipation an der gesellschaftlichen Macht. Merkel erz\u00e4hlt den Frauen von den verschiedenen Stufen der Emanzipation in Deutschland \u2013 von Alice Schwarzer und ihren notwendigen Provokationen bis zu ihrer eigenen Laufbahn, die von den erk\u00e4mpften Freiheiten bereits profitieren konnte.<br \/>\nAngela Merkel wird von den Frauen auch auf die Minarettdebatte in Europa angesprochen. Offenbar war der Eindruck entstanden, in Europa mache sich Islamfeindlichkeit breit. Merkel konterte, in Deutschland werde es kein Minarettverbot geben. Dass man allerdings \u00fcber eine neuerdings sichtbar werdende neue Religion debattiere, sei legitim. Ob es nicht auch eine Debatte geben w\u00fcrde, wenn in Dschidda Kirchen gebaut w\u00fcrden?<br \/>\nZur Unterst\u00fctzung der Frauen m\u00f6chte Merkel gerne den Austausch mit Deutschland intensivieren, vielleicht eine Gruppe in den Bundestag einladen, Studienm\u00f6glichkeiten in Deutschland erleichtern, Wirtschaftskontakte f\u00f6rdern.<br \/>\nIm ultrareichen Emirat Katar, das gesellschaftlich schon sehr viel weiter modernisiert ist &#8211; Sitz des Senders Al-Jazeera und des World Economic Forum -, f\u00e4llt Merkel eine andere Rolle zu. Hier ist sie nicht die Repr\u00e4sentantin der europ\u00e4ischen Moderne, sondern der europ\u00e4ischen Misere. \u201eWas unsere Schulden sind, ihr ihr Guthaben\u201c, sagt sie in einer Rede unter gro\u00dfem Gel\u00e4chter. Doch die Lage ist bitter ernst. Die Eurokrise wird in Doha mit Argusaugen beobachtet. Wegen der bereits get\u00e4tigten Inverstments \u2013 und wegen weiterer Chancen, die sich vielleicht noch aus der Krise ergeben. Der Ministerpr\u00e4sident des Landes, Scheich Hamad bin Jasim Al Thani, empf\u00e4ngt Merkel mit milit\u00e4rischen Ehren im Emiri Diwan, dem Staatspalast. Der Palast ist von geschmackvollem, aber dennoch erdr\u00fcckendem Prunk,\u00a0 eine riesige Sahnetorte mit goldenen Ornamenten.\u00a0 W\u00e4hrend er Pressekonferenz wird der Scheich gefragt, ob Katar sich weiter in Europa zu engagieren gedenkt. Er sagt: \u201eWie Sie wissen, haben wir soeben Harrods gekauft&#8230;\u201c Dabei schmunzelt er genie\u00dferisch in Gedanken an die 1,7 Milliarden Euro, die das Emirat mal eben f\u00fcr das Londoner Luxuskaufhaus berappt hat. Man pr\u00fcfe weitere Investments.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin ist beeindruckt davon, wie Deutschland &#8211; und damit sie &#8211;\u00a0 in den Emiraten, besonders aber im finanzstarken Katar, permanent gemustert und\u00a0 gerated wird. K\u00fchl kalkulieren die Scheichs alle Faktoren durch \u2013 die Demografie, die wirtschaftliche Struktur, die politische Stabilt\u00e4t, die Gesundheit des Bankensystems. Das ist eine wichtige Funktion ihres Besuchs am Golf: Das Vertrauen in Deutschland und den Euro zu st\u00e4rken. Und so spricht sie leider hier offensiver \u00fcber die Vorteile des Euro f\u00fcr Deutschland, als sie das in Deutschland tut. Das ist die neue Welt: Die deutsche Bundeskanzlerin muss einen guten Eindruck machen bei den Herren Scheichs, deren Kriegskassen gut gef\u00fcllt sind. Der Scheich hat 2009 als Aufsichtsratsvorsitzender der Qatar Holding schon 10 Prozent von Porsche gekauft. Wer ihn an\u00a0 hat l\u00e4cheln sehen wei\u00df, dass das erst der Anfang war.<\/p>\n<p>Lange sitzt Merkel sp\u00e4ter am Abend noch in der Pirate&#8217;s Cove (Piratengrotte &#8211; irgendwie passend!) des Sheraton in Doha und plaudert mit deutschen Wirtschaftsf\u00fchrern \u00fcber die Begegnungen am Golf. Der Abend ist mild, vom Persischen Golf\u00a0 weht ein L\u00fcftchen. Jetzt kommen Sparklausuren und Verteilungsdebatten auf die zu, so hart wie lange nicht mehr. Es k\u00f6nnte f\u00fcr lange Zeit der letzte sch\u00f6ne Abend gewesen sein f\u00fcr die Kanzlerin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkel steht am Montagabend dieser Woche unter einer Golddecke mit pr\u00e4chtigem Kandelaber in einem Saal des Emirates Palace in Abu Dhabi. Das wahrscheinlich protzigste Hotel der Welt und die manchmal bis zur Schnoddrigkeit n\u00fcchternste Regierungschefin der Welt bilden einen sch\u00f6nenn Kontrast. 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