{"id":4000,"date":"2010-07-08T14:18:47","date_gmt":"2010-07-08T12:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=4000"},"modified":"2010-07-22T15:12:45","modified_gmt":"2010-07-22T13:12:45","slug":"das-islambild-in-den-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2010\/07\/08\/das-islambild-in-den-medien_4000","title":{"rendered":"Das Islambild in den Medien"},"content":{"rendered":"<p><em>Mein Gastvortrag vom Dienstag, 6.7.2010, an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/fb\/fb09\/islam\/forschung\/ringvorlesungen\/Ringvorlesung_SS_10.html\">Ringvorlesung<\/a>: &#8222;Wieviel Islam vertr\u00e4gt Europa?&#8220;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wo soll man blo\u00df beginnen? Der Zugang der Muslime zu den Me\u00addien in Deutschland, das Bild des Muslims in den Medien, Muslime als Medienma\u00adcher?<br \/>\nWoher nehme ich \u00fcberhaupt die Berechtigung, \u00fcber dieses Thema &#8211; Islam in den deutschen Medien \u2013 zu reden vor einem akademischen Publikum. Woher nehme ich das Recht, dar\u00fcber zu schreiben? Denn: Islamwis\u00adsenschaftler wie viele von Ihnen hier bin ich nicht. Ich spreche weder t\u00fcrkisch noch arabisch und habe auch nicht Theologie oder Islamkunde studiert.<br \/>\nTrotzdem haben Sie mich ja eingeladen. Sie werden sich schon was dabei ge\u00addacht haben. Und ich f\u00fchle mich geehrt, in einer Reihe mit gro\u00dfen Fachleuten hier vor ihnen reden zu k\u00f6nnen. Sie werden von mir keinen wissenschaftlichen Vortrag er\u00adwarten, sondern eine Reflexion der Praxis, aus der ich selbst komme. Ich danke Ihnen f\u00fcr die Gelegenheit dazu, einmal innezuhalten und zu fragen: Wie \u00fcber den Islam, die Muslime und islambezogene Themen berichten?<br \/>\nImmer mehr Muslime in Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien glauben nicht, dass die Mainstream-Medien ausgewogen \u00fcber sie berichten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Pilotprojekt des Londoner Institute for Strategic Dialogue und der Vodafone Stiftung Deutschland.<br \/>\n55 Prozent der befragten Muslime vertraten die Auffassung, die gro\u00dfen Medien berichteten negativ \u00fcber Muslime. Bei den nicht muslimischen Befragten waren es immerhin 39 Prozent.<br \/>\nMehr als die H\u00e4lfte der Studienteilnehmer sind \u00fcberzeugt, dass es in den meisten Berichten \u00fcber Muslime um Terrorismus geht. Ein Drittel glaubt, dass vor allem Fundamentalismus eine Rolle spielt; ein Viertel nimmt als h\u00e4ufigstes Thema in der Berichterstattung \u00fcber Muslime die Kopftuchdebatte wahr.<br \/>\nNat\u00fcrlich haben diese Befragten nicht Recht in einem objektiven Sinn: Keineswegs geht es in der Mehrzahl der Berichte um Terrorismus. Und das Kopftuch ist immer noch ein Aufregerthema, aber das \u201eh\u00e4ufigste\u201c? Nein. Dennoch scheint es mir unbestreitbar richtig, dass die Intuition der Befragten stimmt, dass hier etwas im Argen liegt.<br \/>\nEin j\u00fcngeres Beispiel: \u201eJung, muslimisch, brutal\u201c titelte Spiegel Online einen Bericht \u00fcber die Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer zum Zusammenhang von Religi\u00ad\u00f6sit\u00e4t und Gewaltneigung. Der S\u00fcddeutschen fiel zur gleichen Untersuchung die Zei\u00adle ein: \u201eDie Faust zum Gebet\u201c.\u00a0 blick.ch: \u201eMacht Islam ag\u00adgresiv? Jung, brutal \u2014 Muslim&#8220;, Tagesspiegel: &#8222;Allah macht hart&#8220;, heise.de: &#8222;Jun\u00adge m\u00e4nnliche Macho-Muslime&#8220;, Financial Times Deutschland: &#8222;Studie zu jungen Muslimen \u2014 Je gl\u00e4ubiger, desto gewaltt\u00e4tiger&#8220;, Welt.de: &#8222;Studie \u2014 Gl\u00e4ubige Musli\u00adme sind deutlich gewaltbereiter&#8220;, Welt: &#8222;Muslime \u2014 Mehr Religiosit\u00e4t = mehr Ge\u00adwaltbereitschaft&#8220;, Bild.de: &#8222;Junge Muslime: je gl\u00e4ubiger desto brutaler&#8220;, Hamburger Abendblatt: &#8222;Junge Muslime: Je gl\u00e4ubiger, desto brutaler&#8220;.<br \/>\nDas ist die Ausbeute der Schlagzeilen, und sie ist nicht einmal vollst\u00e4ndig. In Wahr\u00adheit steht in der Studie allerdings, <!--more-->dass es nur einen moderaten Anstieg der Gewaltbe\u00adreitschaft bei jenen jugendlichen Muslimen gibt, die sich als \u201esehr religi\u00f6s\u201c bezeich\u00adnen. (Einzig der Tagesspiegel weist darauf hin und konterkariert so die rei\u00dferische \u00dcberschrift.) Und die Studie f\u00fchrt auch aus, dass f\u00fcr diesen Anstieg der Gewaltbereitschaft haupts\u00e4chlich au\u00dferreligi\u00f6se Gr\u00fcnde verantwortlich sind \u2013 eine Machokultur, die Zahl straff\u00e4lliger Freunde oder der Konsum von gewaltverherrlichenden Medien zum Beispiel. Es gibt laut der Studie \u201ekeinen signifikanten Zusammenhang\u201c zwischen Re\u00adligiosit\u00e4t und Gewalt. Ich zitiere:<br \/>\n\u201eDas Modell III belegt ferner, dass diese erh\u00f6hte Gewaltbereitschaft weitestgehend auf andere Belastungsfaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, wobei die vier bereits bekannten Faktoren einbezogen werden. Dies f\u00fchrt dazu, dass von der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Konfessionsgruppe kein Effekt mehr auf das Gewaltverhalten zu beobachten ist. (KFN-Studie, Seite 116)<br \/>\n(\u2026) Mit st\u00e4rkerer religi\u00f6ser Bindung steigt die Gewaltbereitschaft tendenziell an. Da dieser Zusammenhang aber als nicht signifikant ausgewiesen wird, ist bei isla\u00admischen Jugendlichen von keinem unmittelbaren Zusammenhang (und damit auch nicht von einem Gewalt reduzierenden Zusammenhang) zwischen der Religiosit\u00e4t und der Gewaltdelinquenz auszugehen. (KFN-Studie, S. 118)<br \/>\n(\u2026) Mit den hier dargestellten Forschungsergebnissen ist noch nicht ausreichend belegt, dass der Islam f\u00fcr die dargestellte Problematik direkt verantwortlich gemacht werden kann. Zur Kl\u00e4rung bedarf es tiefergehende Analysen (\u2026). (KFN-Studie, S. 129)<br \/>\nKein Effekt, nicht signifikant ausgewiesen, kein unmittelbarer Zusammenhang, nicht ausreichend belegt \u2013 so lautet die Schlu\u00dffolgerung der Studie.<br \/>\nUnd dennoch kam es zu den zitierten Schlagzeilen.\u00a0 Das ist ein journalistisches De\u00adsaster! Dass Muslime angesichts einer solchen Parxis von Islamophobie sprechen, kann ich verstehen.<br \/>\nSo darf es nicht weitergehen!<br \/>\nWie in diesem Fall aus einer Studie, die vorsichtig formuliert, eine Alarmmeldung \u00fcber brutale junge Muslime gemacht wurde \u2013 im vollen Bewu\u00dftsein des Herrn Pfeif\u00adfer \u00fcbrigens, dem es offenbar lieber ist, falsch zitiert zu werden als gar nicht \u2013 das ist ein Lehrst\u00fcck dar\u00fcber, wie es nicht geht.<br \/>\nWarum ich den Begriff Islamophobie dennoch nicht f\u00fcr geeignet halte zu beschrei\u00adben, was sich in unserer \u00d6ffentlichkeit abspielt, werde ich sp\u00e4ter beschreiben.<br \/>\nNoch ein Lehrst\u00fcck, das hierher passt. Es bildet f\u00fcr mich sozusagen den Widerpart zu dem eben zitierten. Pfeiffers Ergebnisse wurden ungeb\u00fchrlich aufgeblasen, um daraus antimuslimische Ressentiments zu bedienen. Umgekehrt wurde in einem anderen Fall ein Verbrechen marginalisiert \u2013 an den Rand der Wahrnehmbarkeit gedr\u00e4ngt.<br \/>\nDer Umgang der deutschen Medien \u2013 die ZEIT eingeschlossen &#8211; mit dem Fall von Marwa El-Sherbiny ist erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig.\u00a0 Ich muss Ihnen nicht vor Augen f\u00fchren, was sich vor einem Jahr in Dresden abgespielt hat. Eine junge Frau wurde vor Ge\u00adricht ermordet, und ihr Mann dann auch noch von der Polizei angeschossen, und dies alles w\u00e4hrend eines Prozesses, den diese junge Frau f\u00fchrte, weil sie von jenem Alex W. auf \u00fcbelste Weise beschimpft worden war: \u201eIslamistin\u201c, \u201eTerroristin\u201c, \u201eSchlampe\u201c. Hier hatte jemand das Richtige getan: auf die deutsche Justiz vertraut, um sich gegen antimuslimische Hetze zur Wehr zu setzen. Und war dann im Scho\u00df eben dieser Justiz einem Mord zum Opfer gefallen.<br \/>\nUnd nun\u00a0 kommt das Erstaunliche: Tagelang war dies in den deutsche Medien ein Non-Event! Erst als von den tumultartigen Szenen der Beerdigung in Alexandria be\u00adrichtet wurde, erst als eine Wiederholung der emotionalen Aufwallung aus den Zeiten der Karikaturen-Aff\u00e4re drohte. Die Emp\u00f6rung kam also von au\u00dfen. Es mu\u00dfte erst die Bef\u00fcrchtung hinzukommen, dass Deutschland au\u00dfenpolitisch Schaden nehmen k\u00f6nn\u00adte, damit die f\u00fchrenden Politiker sich \u00e4u\u00dferten. Merkel verurteilte den Mord, M\u00fcnte\u00adfering nahm an der Trauerfeier teil, wichtige gesellschaftliche Gruppen meldeten sich entsetzt zu Wort \u2013 allen voran \u00fcbrigens die Juden.<br \/>\nAber etwas war nicht in Ordnung daran: Die merkw\u00fcrdige Verz\u00f6gerung der Reaktion des \u00f6ffentlichen Deutschland verlangt nach einer Erkl\u00e4rung. Eine naheliegende M\u00f6g\u00adlichkeit dabei w\u00e4re \u201eIslamophobie\u201c. Ist es Islamfeindlichkeit, die das verz\u00f6gerte Rea\u00adgieren erkl\u00e4rt? Mir f\u00e4llt es schwer, Merkel, M\u00fcntefering, Sch\u00e4uble oder anderen Re\u00adpr\u00e4sentanten der Berliner Politik Islamfeindlichkeit zu unterstellen. Irritierend ist eher eine gewisse Z\u00f6gerlichkeit und Unger\u00fchrtheit \u2013 als h\u00e4tte das Geschehen nichts mit dem Deutschland\u00a0 zu tun, in dem diese Politiker arbeiten. Das Gleiche gilt allerdings auch f\u00fcr die Medien. Auch sie haben offenbar tagelang erfolgreich den Fall Narwa von sich weggeschoben. In der ZEIT haben einige Kollegen damals eine erschrocke\u00adne Seite 3 geschrieben, die das eigene Versagen reflektierte. Ich zitiere:<br \/>\n\u201eWenn man einmal Mutma\u00dfungen \u00fcber das (west-)deutsche Mehrheitsbewusstsein anstellen darf, dann spielten sich dort nach dieser Tat folgende Gedankeng\u00e4nge ab: 1. Wie furchtbar, die arme Frau, was f\u00fcr ein Ungl\u00fcck. 2. Die Tat geschah nicht wirklich in Deutschland, sondern im Osten. 3. Der T\u00e4ter ist ein Russlanddeutscher, bekannter\u00adma\u00dfen die problematischste Minderheit, die in diesem Land lebt, also keiner von uns. 4. Ein Einzelfall also: \u00dcbergang zur Tagesordnung. So wurde die Sache mental mar\u00adginalisiert, auch die Politik nahm das alles zun\u00e4chst nur aus dem Augenwinkel wahr.\u201c<br \/>\nImmer wieder war in jenen Tagen zu h\u00f6ren und zu lesen, das w\u00e4re nicht so gelaufen, wenn das Opfer j\u00fcdisch \u2013 und nicht muslimisch \u2013 gewesen w\u00e4re. Daran gef\u00e4llt mir die mitlaufende Unterstellung nicht, dass die Juden sich einen privilegierten Platz als Opfer in der deutschen Wahrnehmung irgendwie unverdient erschlichen h\u00e4tten. Und leider ist das auch faktisch gar nicht wahr, dass es jedesmal eine gro\u00dfe Aufmerksam\u00adkeit findet, wenn Juden hierzulande drangsaliert werden.<br \/>\nVielleicht gibt es ganz banale Gr\u00fcnde f\u00fcr die schlechte Reaktion der \u00d6ffentlichkeit, wie meine Kollegen in dem ZEIT-Beitrag vermuteten:<br \/>\n\u201eEs geht nicht um Islamfeindlichkeit, eher um Islamferne \u2013 vielleicht auch um eine in der Ferne gedeihende K\u00e4lte und Abneigung. &#8218;Es war keine b\u00f6se Absicht, son\u00addern eher Gleichg\u00fcltigkeit und Ignoranz&#8216; meint Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime. Noch fehlt uns Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die muslimische Gef\u00fchlswelt. Noch immer hat man das Gef\u00fchl, dass die deutsche Gesellschaft mit dem R\u00fccken zu ihren Migran\u00adten lebt, dass sie ihnen zu wenig gibt und zu wenig von ihnen verlangt. Noch immer sind hier &#8218;wir&#8216; und da &#8217;sie&#8216; \u2013 die Identifikation und die selbstverst\u00e4ndliche Solidarit\u00e4t fehlen, und das ist es, was die Muslime in der tr\u00e4gen \u00f6ffentlichen Reaktion auf die Mordtat von Dresden gesp\u00fcrt haben m\u00f6gen. Die Islamkonferenz war eben nur ein Anfang. Und die Medien? Zuf\u00e4llig hat sich k\u00fcrzlich eine Journalistenvereinigung f\u00fcr Migran\u00adten gegr\u00fcndet. Sie will dem Missstand abhelfen, dass in deutschen Redaktionen fast keine Einwanderer arbeiten. W\u00e4re es anders, so h\u00e4tte es diese langen f\u00fcnf Tage ge\u00adwiss nicht gegeben. Und es sollte sie nie wieder geben.\u201c<br \/>\nZur\u00fcck zum Thema: Muslime und Medien.<br \/>\nIch m\u00f6chte mit einer Feststellung beginnen: Es handelt sich hier um ein zentrales Feld der Gesellschaftspolitik.<br \/>\nDas ist in den vergangenen Jahren wohl auch dem letzten klar geworden. Als ich vor etwa 8 Jahren anfing, in der ZEIT regelm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber zu schreiben, war das noch nicht so. Mein Be\u00adricht zum Beispiel \u00fcber eine erregte Kontroverse in der Islamwissenschaft landete im Feuilleton. Ein Chef\u00a0 hatte Bedenken, als ich mich wochenlang in Streitigkeiten \u00fcber die \u00dcbersetzbarkeit bestimmter Passagen des Korans einw\u00fchlte. \u201eSie fehlen mir zu lange f\u00fcr die Hauptthemen\u201c, war die Begr\u00fcndung seiner Sorge.<br \/>\nNun ist aber der Islam zweifellos eines der Hauptthemen unserer Profession gewor\u00adden. Und die Chefs haben auch umgedacht. Vor zwei Jahren wurde ich gebeten f\u00fcr eine Reihe in unserem Politikteil \u00fcber die neue politische Bedeutung der Religionen \u2013 also auf den vorderen Seiten \u2013 ein St\u00fcck \u00fcber den Islam\u00a0 zu schreiben. Das h\u00e4tte man sich vor zehn Jahren auch nicht tr\u00e4umen lassen, dass die Religion so in den Vordergrund des politischen Berichtes r\u00fccken w\u00fcrde. Aber so ist es.<br \/>\nEs gibt daf\u00fcr zwei Gr\u00fcnde, \u00fcber die wir hier nicht viel Worte verlieren m\u00fcssen, so of\u00adfensichtlich ist das: Terrorismus und Einwanderung \u2013 anders gesagt: radikale, religi\u00f6s motivierte poltische Bewegungen einerseits und Immigration demographischer Wan\u00addel andererseits. Ein au\u00dfenpolitisches Motiv also, und ein innenpolitisches.<br \/>\nAllerdings sprengt das Themenfeld \u201eIslam\u201c diese fein s\u00e4uberliche Aufteilung der journalistischen Welt in \u201eInnen\u201c und \u201eAu\u00dfen\u201c, auf die wir so viel Wert legen in mei\u00adnem Beruf.<br \/>\nNehmen wir mal die Aff\u00e4re vor einem Monat um das Boot, das aus der T\u00fcrkei nach Gaza aufgebrochen ist, um dort die israelische Blockade zu brechen \u2013 die Mavi Mar\u00admara. Eine t\u00fcrkisch-islamische Hilfsorganisation namens IHH steckte hinter dem Un\u00adternehmen. Aber auch deutsche Abgeordnete der Linkspartei waren mit an Bord. Neun Menschen starben bei dem Versuch der isarelischen Armee, das Boot zu st\u00fcr\u00admen.<br \/>\nNun ist das f\u00fcr Deutschland ganz klar erst einmal eine au\u00dfenpolitische Angelegen\u00adheit. Aber nicht mehr ausschlie\u00dflich: Wenn die deutsche Regierung sich hier positio\u00adniert, hat das auch Auswirkungen in der Innenpolitik: Wie nimmt\u00a0 der Teil des Publi\u00adkums die Einlassungen der deutschen Bundeskanzlerin oder des Au\u00dfenministers wahr, der selber t\u00fcrkische Wurzeln hat? Es kann sein, dass sich in einem solchen Konflikt die deutsche Kanzlerin im Wettbewerb befindet \u2013 im Wettbewerb mit dem t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten um die \u00f6ffentliche Meinung der Deutscht\u00fcrken zum Thema Israel, Gaza, Blockade. Und wenn bei einer solche Aktion neun t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrger sterben, dann ist das f\u00fcr ein Land wie Deutschland mit einer gro\u00dfen t\u00fcr\u00adkischen Minderheit ein Faktum von Bedeutung. In der deutschen Politik \u2013 und in den deutschen Medien \u2013 wird aber \u00fcber den aktuellen isarelisch-t\u00fcrkischen Konflikt immer noch geredet und geschrieben, als ginge uns diese Sache nut etwas an im Lichte unseres au\u00dfenpolitischen Credos, die Existenz Israels sei \u201eTeil der deutschen Staatsr\u00e4son\u201c. Ich glaube, dass hier in langer Sicht die innenpolitische Lage die au\u00dfenpolitische Perspektive ver\u00e4ndern wird. Deutschland ist da nicht in einer schlechten Position durch seine glaubw\u00fcrdige, ausbalancierte Haltung im Nahen Osten.<br \/>\nUnd diese Tendenz des Islam-Themas, die Grenzlinie von Innen und Au\u00dfen zu verwi\u00adschen, macht es so interessant und zu einem Zukunftsthema \u2013 denn die Weise wie sich uns das Thema Islam in den letzten Jahren aufgedr\u00e4ngt hat, hat mit den Ver\u00e4nde\u00adrungen in der Welt zu tun, f\u00fcr die wir noch nicht die richtigen Begriffe haben. Manch\u00admal sagen wir Globalisierung dazu, aber das ist auch hilflos.<br \/>\nDer Islam ist offensichtlich ein au\u00dfenpolitisches Thema \u2013 seit die Nato in Bos\u00adnien einen Krieg (wenn auch zu sp\u00e4t \u2013 ich sage nur: Srebrenica) f\u00fcr die Rechte der Muslime gef\u00fchrt hat. Und seit sie in Afghanistan versucht, an Stelle eines failed state in den H\u00e4nden einer islamistischen Terrorgruppe eine Art von afghanischer Selbstre\u00adgierung zu installieren und zu st\u00fctzen &#8211; ein moderates islamisches Regime, das sich nun auch mit den gespr\u00e4chsbereiten Teilen der Taliban auss\u00f6hnen soll. Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, einen f\u00fchrenden Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes zu sprechen, der sich mit Nahostpolitik besch\u00e4ftigt. Der Mann vom BND, er nannte sich Herr Schulz, erz\u00e4hlte mir, er habe in den letzten Jahren ein Dutzend neuer Stellen be\u00adsetzen d\u00fcrfen: alles Islamwissenschaftler.\u00a0 Sie sehen, Ihr Fach hat gl\u00e4nzende Zu\u00adkunftsaussichten!<br \/>\nDas ist die au\u00dfenpolitische Lage: Doch der Islam ist selbstverst\u00e4ndlich auch ein innenpolitisches Thema, seit sich die Lesart durchgesetzt hat, dass erstens die Muslime nicht wieder weggehen, die durch die Migration hierhergekommen sind. Und zweitens, dass diese Muslime ihren Islam nicht irgendwann abstreifen werden und also der Islam als Religion eines wesentlichen Teils der Bev\u00f6lkerung Teil der staatverfassungsrechtlichen Wirklichkeit hier werden muss. Und mehr als das, denn damit ist ja nur die institutionelle Seite benannt. Ich habe gerne das Wort \u201eEinb\u00fcrge\u00adrung des Islams\u201c benutzt, weil es auch um das Vertrautwerden miteinander geht, das sich aufeinander Einlassen in einem viel umfassenderen Sinn. An unseren Debatten \u00fcber Kruzifixe in Klassenzimmern, Amtseide mit Gottesformel, Moscheebauten in deutschen Innenst\u00e4dten k\u00f6nnen wir ablesen, wie viel da noch zu tun \u2013 und zu schrei\u00adben \u2013 bleibt.<br \/>\nAlso: das Thema ist erkannt.<br \/>\nSehr sp\u00e4t, vielleicht noch nicht zu sp\u00e4t. In der Deutschen Islamkonferenz, die Wolf\u00adgang Sch\u00e4uble vor f\u00fcnf Jahren begonnen hat, gab es einen Arbeitskreis zu diesem Thema.<br \/>\nViel bewegt hat dieser Arbeitskreis freilich nicht. Sie kennen ja das sch\u00f6ne und leider auch wahre Motto: Wenn Du nicht mehr weiterwei\u00dft, gr\u00fcnde einen Arbeitskreis. Der Nachfolger Sch\u00e4ubles, der neue Innenminister de Maizi\u00e8re, wollte die AG Medien denn auch nicht weiterf\u00fchren. Er pflegt statt dessen inen inoffiziellen Stammtiscch deutscher und t\u00fcrkischer, auch arabischer Journalisten. Man tagt unregelm\u00e4ssig und tauscht lose Meinungen und Eindr\u00fccke aus. Ich habe daran einmal teilgenommen. Schlecht war es nicht, aber ein bisschen struktur- und damit wahrscheinlich auch: fol\u00adgenlos.<br \/>\nImmerhin ist es ein Anfang, die manchmal krachend laute Sprachlosigkeit in diesem Land zwischen Journalisten deutscher, t\u00fcrkischer und arabischer Medien zu \u00fcberwin\u00adden. Immerhin. Immer noch gibt es sehr wenige t\u00fcrkischst\u00e4mmige Autoren\/ Autorin\u00adnen deutscher Bl\u00e4tter. Aber es tut sich was. Dazu sp\u00e4ter einige Worte.<br \/>\nAber die schlechte Quote in den deutschen Redaktionen kann hier nicht das Haupt\u00adthema sein. Denn wir w\u00fcrden uns wahrscheinlich schnell einig darber, dass sich hier dringend die Lage \u00e4ndern muss. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, dass die Redaktionen in ih\u00adrer Zusammensetzung ein Bild davon geben, wie die Welt ist (und wie sie noch zu\u00adnehmend werden wird), in der wir leben: sehr viel bunter gemischt, ein Patchwork von ethnischen, kulturellen und religi\u00f6sen Identit\u00e4ten. Wie man dahin kommt, dar\u00ad\u00fcber l\u00e4sst sich streiten: Quotierungen? Gezielte Qualifikationsmassnahmen? Oder einfach durch einen aufmerksamen Blick derjenigen, die \u00fcber die Stellenbesetzungen entscheiden, f\u00fcr Talente unter den \u201eneuen Deutschen\u201c?<br \/>\nEs ist ja vielleicht auch nicht so schwer zu verstehen, warum\u00a0 &#8211; wenn das auch nicht begr\u00fcssenswert ist -,\u00a0 die Medien, was die Mischung angeht, hinter man\u00adchen anderen Bereichen der Gesellschaft hinterherhinken (denken wir nur an den Sport, in dem es offenbar leichter ist): denn um in den Medien Karriere zu machen, braucht man nicht nur ein regelhaftes Wissen, das man methodisch erwerben kann wie in den exakten Wissenschaften. (Dies braucht man allerdings auch!) Und man braucht auch nicht nur nur ein hermeneutisches Spezialwissen wie in den Geisteswis\u00adsenschaften. (Dies braucht man allerdings auch!) Sondern vor allem braucht man die seltene und schwer zu fassende Ressource \u201ekulturelles Kapital\u201c. Das hei\u00dft: Man muss Anspielungen verstehen k\u00f6nnen, man braucht eine gewisse Selbstsicherheit im Auf\u00adtreten, man muss mit den kulturellen Codes der Gesellschaft vertraut sein.<br \/>\nWor\u00fcber sich die Leute aufregen, was sie lustig finden und was absto\u00dfend, das muss man in dieser Branche ersp\u00fcren k\u00f6nnen, um Erfolg zu haben. Das sind Qualifikatio\u00adnen, die man so leicht an keiner Journalistenschule erwerben kann.<br \/>\nDas soll keine Entschuldigung daf\u00fcr sein, dass so wenige Journalisten bisher \u201eneue Deutsche\u201c sind. Nur eine Erkl\u00e4rung, die n\u00fcchtern auf das Gewerbe schaut und nicht von vornherein von einer systematischen Diskriminierung ausgeht. Ich prophezeie, dass sich in absehbarer Zeit vieles \u00e4ndern wird. Nicht weil die Medienmacher pl\u00f6tz\u00adlich zu \u2013 wie man hierzulande gerne absch\u00e4tzig\u00a0 sagt\u2013 \u201eGutmenschen\u201c werden, die unbedingt Minderheiten f\u00f6rdern wollen. Im Gegenteil: Weil das Thema der Einb\u00fcrgerung einer in Deutschland und Europa immer noch neuen Religion l\u00e4ngst kein Minderheiten-Thema mehr ist. Es dr\u00e4ngt sich auf,\u00a0 und es wird in der journalistischen Konkurrenz immer wichtiger, es kompetent zu besetzen. Ein Konflikt wie der um die Ermordung von Marwa El-Sherbiny kann leicht zu einem Weltenbrand werden, wie wir seit der Karikaturen-Aff\u00e4re wissen. Darum wird es essentiell sein, Menschen mit der n\u00f6tigen Sensibilit\u00e4t in den Redaktionen zu haben, die sofort verstehen, warum sich hier ein Erregunsgpotenzial verbirgt. Diese m\u00fcssen nicht selbst Muslime sein \u2013 aber wenn wir ehrlich sind: helfen w\u00fcrde es schon, einige in Reichweite zu haben. Ich erz\u00e4hle Ihnen sp\u00e4ter noch etwas \u00fcber meine eigenen Erfahrungen w\u00e4hrend der Karikaturen-Aff\u00e4re, \u00fcber die ich damals als einer der ersten berichtet habe.<br \/>\nDer Islam in Europa ist eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen. Er ist von einem so genannten \u201eweichen\u201c zu einem so genannten \u201eharten\u201c Thema gewor\u00adden, weil zwei Gruppen ihn in unseren Gesellschaften f\u00fcr ihre Zwecke zu kapern ver\u00adsuchen: Radikale Islamisten auf der einen Seite und radikale Rechtspopulisten auf der anderen. Beide leben gut voneinander, beide f\u00f6rdern und stabilisieren ihre jeweiligen Lager. Beide sind Feinde des europ\u00e4ischen Modells der Moderne als einer offenen \u2013 auch f\u00fcr andere Religionen offenen \u2013 Gesellschaftsordnung.<br \/>\nF\u00fcr jede Redaktion wird es in Zukunft unabdingbar sein, Experten zu haben, die sprech- und lesef\u00e4hig sind in Fragen, die den Islam betreffen. Und wenn es Musli\u00adme interessieren sollte, als solche journalistische Experten, Dolmetscher, Erkl\u00e4rer zu agieren, dann werden sie hier ihre Chance bekommen \u2013 aus einem harten Konkurenz\u00adinteresse der Medien heraus.<br \/>\nDagegen ist nichts zu sagen. Nein, das ist gut so.\u00a0 Es er\u00f6ffnen sich Chancen, die man ergreifen sollte &#8211; die Sie ergreifen sollten!<br \/>\nDie mediale Debatte \u00fcber den Islam ist etwas anderes als das, was in diesen Hallen hier stattfindet &#8211; ein leidenschaftlicher Diskurs, in dem es um Selbst- und Fremdbilder geht. Zwei extreme Grundannahmen auf beiden Seiten markieren die Grenzen, zwi\u00adschen denen die Rede hin und her changiert: \u201eIhr wollt uns nicht. Darum reduziert ihr den Islam so gerne auf Zwangsehen, Gewalt legitimierende Koranverse, strikte Scha\u00adria-Normen, Ehrenmorde, Machotum und so weiter.\u201c Die andere Grundannahme lau\u00adtet: \u201eIhr wollt uns am Ende doch islamisieren. Ihr akzeptiert unsere liberale Verfas\u00adsung und unsere offene Gesellschaft nur so lange, wie sie Euch als Minderheit sch\u00fctzt, um uns dann irgendwann doch eure rigiden Vorstellungen von Moral und An\u00adstand, individueller Freiheit und \u00f6ffentlichem Glauben aufzun\u00f6tigen, wie wir sie in den islamischen L\u00e4ndern sehen.\u201c<br \/>\nEs ist diese unterschwellige Logik des Verdachts, die unsere Debatten strukturiert. Eine faire Berichterstattung wird sich immer gegen diese beiden Extreme absto\u00dfen m\u00fcssen. Und dabei besteht eine besondere Schwierigkeit darin, dass die\u00a0 \u00c4ngste bei\u00adder Seiten manchmal durchaus berechtigt sind \u2013 denn es gibt zweifellos Teilnehmer der Debatte, die den Islam hier um keinen Preis akzeptieren wollen, und es gibt eben\u00adso jene, die tats\u00e4chlich von einer \u201eIslamisierung\u201c tr\u00e4umen. Weder kann es verboten sein, Islamfeindlichkeit zu benennen, noch kann es tabu sein, muslimische Feinde der Freiheit auch als solche zu beschreiben.<br \/>\nWas darf man denn in Deutschland noch sagen \u2013 wenn es um den Islam und die mus\u00adlimischen Einwanderer geht? Die erregteste Debatte zu diesem Thema hat der Bun\u00addesbankvorstand Thilo Sarrazin angesto\u00dfen \u2013 im letzten Herbst in einem Interview mit der wenig bekannten Intellektuellenzeitschrift \u201eLettre International\u201c. Nicht nur das Interview und die folgenden Meinungsbeitr\u00e4ge waren bemerkenswert \u2013 sondern auch die Reaktionen des Publikums. Ich habe das Interview in einem Leitartikel der ZEIT und in meinem Blog kommentiert. Die Leserreaktionen waren \u00fcberw\u00e4ltigend \u2013 und teilweise be\u00e4ngstigend. Ich hatte den Eindruck, dass Sarrazin etwas Neues her\u00advorgelockt hatte, das sich zu begreifen lohnen w\u00fcrde.<br \/>\nAus einem Interview in einer wenig bekannten Intellektuellenzeitschrift war binnen dreier Wochen ein \u00bbFall Sarrazin\u00ab geworden. Der Streit \u00fcber die \u00c4u\u00dferungen des Bundesbankvorstands in Lettre International mutierte zur Debatte \u00fcber die deutsche Debattenkultur. Es wurde bald genauso leidenschaftlich dar\u00fcber gestritten, was man hierzulande um welchen Preis sagen darf \u2013 wie \u00fcber die urspr\u00fcngliche Frage: Ob Sar\u00adrazin denn recht hat mit seinen Behauptungen \u00fcber Einwanderer in Berlin.<br \/>\nAuch die Leser meiner Zeitung und ihrer Onlineausgabe waren hochengagiert in der Analyse des Vorgangs. Seit dem Streit um die d\u00e4nischen Karikaturen hatte es eine solche Welle der Emp\u00f6rung nicht mehr gegeben. In vielen Hundert Beitr\u00e4gen sch\u00e4lte sich ein Deutungsmuster heraus, das sich immer weiter vom Ursprung der Debatte l\u00f6ste.<br \/>\nEs lautet etwa so: Einer sagt, was schiefl\u00e4uft im Land mit den \u00bbT\u00fcrken und Arabern\u00ab \u2013 und wird daf\u00fcr bestraft. Man kann einem Mythos beim Entstehen zuschauen: Thilo Sarrazin, einsamer K\u00e4mpfer gegen Rede- und Denkverbote.<br \/>\nZwei M\u00e4nner hatten ma\u00dfgeblichen Anteil daran: Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der behauptete, dass \u00bbSarrazin mit seinem Gedankengut G\u00f6\u00adring, Goebbels und Hitler gro\u00dfe Ehre erweist\u00ab. Und Axel Weber, Vorstandschef der Bundesbank, der Sarrazin erst den R\u00fccktritt nahelegte und ihn dann hinter den Kulis\u00adsen teilentmachtete \u2013 ohne aber je ein offenes Wort \u00fcber die Aussagen seines Bank\u00adkollegen zu wagen, die den Anlass gegeben hatten.<br \/>\nKramer und Weber lieferten Beispiele daf\u00fcr, wie man die Diskussionskultur auf den Hund bringen kann: Die fast schon bis zur Selbstkarikatur \u00fcbertriebene Intervention des Zentralratssekret\u00e4rs und das verdruckste Powerplay des Bankchefs haben\u00a0 den Eindruck verfestigt, dass man in Deutschland \u00fcber bestimmte Dinge nicht mehr reden kann, ohne erst in die rechte Ecke gedr\u00e4ngt und dann in den Senkel gestellt zu wer\u00adden. Mein Beitrag auf ZEIT ONLINE, der Kramers \u00c4u\u00dferung \u00bbeinfach lachhaft\u00ab nannte und bef\u00fcrchtete, er mache \u00bbkleine M\u00fcnze aus dem NS-Vorwurf\u00ab, erhielt in kurzer Zeit 600 \u00fcberwiegend zustimmende Kommentare.<br \/>\nIch muss sagen, dass viele dieser Beitr\u00e4ge mich erschreckt haben.<br \/>\nDa macht sich einerseits Emp\u00f6rung \u00fcber den Umgang mit einem Unbequemen Luft. Aber es ist auch etwas anderes im Spiel, das man nicht so leicht als Beitrag zu einer freieren und konfliktfreudigeren Debattenkultur verbuchen kann. Es kommen in den Leserbriefen und den Onlinedebatten Annahmen \u00fcber den Stand der Integration, \u00fcber die \u00bbwahren Ursachen\u00ab der Probleme des Einwanderungslandes, \u00fcber die deutsche Identit\u00e4t und \u00fcber die Haltung der Migranten zutage, die noch weit \u00fcber Sarrazins Zuspitzungen hinausgehen. Eine unterdr\u00fcckte Wut macht sich Luft.<br \/>\nViele Beitr\u00e4ge sind von einem Gef\u00fchl der Befreiung getragen. Endlich kann man mal sagen, was man schon lange \u00fcber die Einwanderer denkt, aber sich nicht zu sagen ge\u00adtraut hat.<br \/>\nMit der alten v\u00f6lkisch-rechten Fremdenangst hat dieses Ph\u00e4nomen herzlich wenig zu tun. Der politisch-emotionale Druckausgleich findet diesmal eher auf der liberal-\u00adprogressiven Seite der Gesellschaft statt. Nicht schon die Andersheit des anderen sei das Anst\u00f6\u00dfige, sondern sein Zur\u00fcckbleiben im Modernisierungsprozess, wie es sich in religi\u00f6sen Symbolen, traditionsverhafteten Familiensitten und Machismo \u00e4u\u00dfere. Entsprechend geriert man sich wohlig als Bannertr\u00e4ger der Freiheit. Eine manchmal schwer ertr\u00e4gliche Aura biederer Selbstgerechtigkeit gegen\u00fcber den Modernisie\u00adrungsversagern pr\u00e4gt viele \u00c4u\u00dferungen, die zuweilen an einen fortschrittlichen Ras\u00adsismus grenzen. Einen altkonservativen Provokateur wie Peter Gauweiler verleitet dies, in die Debatte zu werfen, ihm seien \u00bbKopftuchm\u00e4dchen allemal lieber als Arschgeweihm\u00e4dchen\u00ab.<br \/>\nDas Gef\u00fchl der Befreiung wird interessanterweise dadurch bef\u00f6rdert, dass hier nicht etwa ein Mann vom rechten Rand behauptet hat, dass die Mehrzahl der T\u00fcrken und Araber \u00bbkeine produktive Funktion\u00ab h\u00e4tten und die T\u00fcrken Deutschland mit ihrer Ge\u00adburtenrate eroberten, \u00bbgenauso wie die Kosovaren das Kosovo\u00ab (Sarrazin) \u2013 sondern ein SPD-Mann. Das macht die Sache n\u00e4mlich weniger verd\u00e4chtig. Mit besonderer Genugtuung wird denn auch darauf verwiesen &#8211; ich zitiere einen Leserbrief &#8211; , dass \u00bbHerr Sarrazin keineswegs am rechten Rand poltert, er poltert mitten in der Gesell\u00adschaft. (\u2026) Er vermittelt dem viel zitierten kleinen Mann, dass es da oben doch noch welche gibt, die um seine \u00c4ngste, Sorgen und auch ganz konkreten Erfahrungen im Umgang mit Einwanderern jedwelcher Generation wissen und ihn auch ernst neh\u00admen.\u00ab<br \/>\nMancher Leser h\u00e4lt schon den Begriff Integration selbst f\u00fcr \u00bbreichlich naiv\u00ab und meint, die M\u00fche \u00bber\u00fcbrigt sich nicht nur aufgrund der zu unterschiedlichen Kulturen. Die wollen es einfach nicht, nehmt das endlich zur Kenntnis.\u00ab Wieder andere zitieren gen\u00fcsslich die Zustimmung zu Sarrazins Aussagen von so prominenten K\u00f6pfen wie Hans-Olaf Henkel und Ralph Giordano. Die beiden lie\u00dfen sich nicht dem \u00bbrechten Lager\u00ab zuordnen und h\u00e4tten festgestellt, dass Sarrazin \u00bbeinfach recht\u00ab habe \u2013 anders als die \u00bbprofessionellen Gutmenschen\u00ab, die uns die Verh\u00e4ltnisse erst eingebrockt h\u00e4t\u00adten. Viele Leser geben sich vollkommen sicher, dass die Integration scheitern m\u00fcsse, weil \u00bbdie\u00ab (Einwanderer) einfach nicht wollten. Woraus folge, dass es infrage stehe, wie einer triumphierend schreibt, dass wir \u00bb\u00fcberhaupt eine Einwanderungspolitik\u00ab brauchten. Und es dauert nicht lange, da kommt derselbe Leser mit seiner Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass \u00bbMenschen eines v\u00f6llig anderen Kulturkreises\u00ab nicht integriert werden k\u00f6nnten: Es folgen aus dem Internet kopierte saftige Koranzitate \u00fcber die \u00bbUngl\u00e4ubi\u00adgen\u00ab. Wieder ein anderer Leser ist zwar nicht per se gegen Einwanderung, aber wenn schon, dann \u00bbnur aus katholischen L\u00e4ndern\u00ab. (Vom schlechten Schulerfolg der italie\u00adnischen Einwandererkinder hat er offenbar noch nicht geh\u00f6rt.)<br \/>\nDas ist nicht abzutun als das \u00fcbliche Ma\u00df an Ressentiment am Rand der Gesellschaft. Die paar handfesten Neonazis in den Debattenforen und Leserbriefspalten sind kaum der Rede wert. Sarrazin selber scheint sich erschrocken zu haben: Ob seine Entschul\u00addigung, offenbar sei \u00bbnicht jede Formulierung gelungen\u00ab gewesen, darauf hindeutet, dass ihm die Enthemmung mancher seiner Unterst\u00fctzer selber unheimlich geworden ist?<br \/>\nAussagen wie \u00bbJeder Ausl\u00e4nder raus, wenn er nach sechs Monaten keinen Job gefun\u00adden hat\u00ab stammen eben nicht von den wenigen Extremisten, die\u00a0 Volksverhetzung be\u00adtreiben in solchen Foren. Es ist vielmehr die wutsch\u00e4umende Mitte, \u00fcber die man sich Gedanken machen muss.<br \/>\nZum Glaubenssatz hat sich bei diesen Lesern verfestigt, der Islam sei das Problem, und Muslime seien nun einmal nicht integrierbar.<br \/>\nSarrazin hat sich in seinem Interview dabei gar nicht speziell \u00fcber den Islam ausge\u00adlassen. Er redet zwar sehr abf\u00e4llig \u00fcber \u00bbT\u00fcrken und Araber\u00ab. Doch er betont auch, dass die deutschst\u00e4mmige Unterschicht die gleichen Probleme habe. Und: \u00bbT\u00fcrkische Anw\u00e4lte, t\u00fcrkische \u00c4rzte, t\u00fcrkische Ingenieure werden auch Deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren.\u00ab Das passt eigentlich nicht ins Weltbild vieler, die glauben, man m\u00fcsse nur den Koran lesen, um zu verstehen, warum die \u00bbT\u00fcrken und Araber sich hier nie integrieren k\u00f6nnen\u00ab.<br \/>\nDas Interview ist offenbar f\u00fcr manche Teilnehmer der Debatte zur Nebensache, zu ei\u00adnem blo\u00dfen Anla\u00df geworden: Man hat sich Sarrazin zum Helden erkoren und f\u00fchlt sich nun ermuntert, Dampf abzulassen. Beschweren kann sich Sarrazin \u00fcber diese Fans allerdings nicht, denn er hat sie durch seine lustvoll ver\u00e4chtlichen Formulierun\u00adgen angestachelt: Sie (die \u00bbT\u00fcrken und Araber\u00ab) \u00bbproduzieren st\u00e4ndig neue kleine Kopftuchm\u00e4dchen\u00ab, sie \u00bbwollen keine Integration\u00ab, sie \u00bberobern Deutschland\u00ab.<br \/>\nDas Schnarrende, Herablassende, H\u00f6hnische ist seit je das Geheimnis seines Erfolgs. Thilo Sarrazin spricht vom Elitemangel in der Hauptstadt, vom Verfall der B\u00fcrger\u00adlichkeit, den er aufhalten wolle. Sein eigener Ton, der bewusst mit dem \u00dcberschreiten ziviler Standards spielt, ist allerdings ziemlich unb\u00fcrgerlich. Elite, die den Namen verdient, w\u00fcrde die P\u00f6belei gegen den hart arbeitenden Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler scheuen, der um drei Uhr morgens aufsteht, um seine Ware einzukaufen. Sarrazin ist in Wahrheit eine jener Gestalten, die den Leuten die Lizenz zur Verachtung derer ganz unten erteilen.<br \/>\nSarrazin assoziiert in wildem Lauf eine \u00bbAraberfrau\u00ab, die in Neuk\u00f6lln ihr sechstes Kind bekommt, weil sie dann durch Hartz IV eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung bekommt, mit der teilweisen erblichen Bedingung von Begabung \u2013 und folgert flugs, dass darum in der Hauptstadt der \u00bbAnteil der intelligenten Leistungstr\u00e4ger aus demografischen Gr\u00fcnden kontinuierlich f\u00e4llt\u00ab. Es steht zwar nicht da, dass Araber die Dummheit ver\u00aderben, aber es ist schon verzeihlich, dass mancher Sarrazin-Fan dies schlussfolgert, wenn der Interviewte im Gegenzug die \u00fcberlegene Intelligenz der \u00bbosteurop\u00e4ischen Juden\u00ab preist, die angeblich einen \u00bb15 Prozent h\u00f6heren IQ\u00ab hatten. Woher er die Zahl 15 Prozent hat, verr\u00e4t Sarrazin nat\u00fcrlich nicht.<br \/>\nManche seiner Verteidiger finden den Ton des Bundesbankers zwar auch nicht sch\u00f6n. Sie meinen, er habe sich vielleicht hier und da im Register vergriffen, vielleicht dies und jenes \u00fcberspitzt \u2013 aber dennoch eine tolle Debatte angesto\u00dfen. Dazu ist Folgen\u00addes zu sagen: Ton und Haltung sind keine Nebensache, wo es um Integration geht. Wie die Mehrheitsgesellschaft sich gegen\u00fcber den Neuen und ihren Kindern, die hier geboren sind, aufstellt, ist eine Kernfrage der Gesellschaftspolitik.<br \/>\nUnd was die Integrationsdebatte angeht, m\u00f6chte ich folgendes feststellen: Deutsch\u00adland hat dabei in den letzten Jahren gro\u00dfe Fortschritte gemacht. Die Debatte, die Sar\u00adrazin angestossen hat,\u00a0 mit ihrer reichlich wirren Kombination von \u00d6konomismus, Eugenik (\u00bbUnterschichtgeburten\u00ab) und kokettem Borderline-Rassismus wirft den Streit um die Integration in Wahrheit um Jahre zur\u00fcck \u2013 in jene Phase, als das Schimpfen noch geholfen hat und man glaubte, die Alteingesessenen m\u00fcssten diesen Neuank\u00f6mmlingen nur mit harter Hand klarmachen, dass sie sich entweder einzuf\u00fc\u00adgen oder zu verschwinden h\u00e4tten. Diese Welt ist l\u00e4ngst perdu &#8211; und mit ihr die Alter\u00adnative von Assimilation oder R\u00fcckf\u00fchrung.<br \/>\nWir sind l\u00e4ngst weiter. Wir haben in Deutschland die Scheinalternative von Harmo\u00adnieso\u00dfe oder kaum verhohlener Verachtung hinter uns gelassen, die fr\u00fchere Debatten \u00fcber die \u00bbGastarbeiter\u00ab kennzeichnete. Die Konservativen haben sich von der infanti\u00adlen Sehnsucht nach dem Status quo ante verabschiedet und akzeptiert, dass die Ar\u00adbeitsmigration nicht r\u00fcckabgewickelt werden kann und mit ihren Folgen politisch umgegangen werden muss. So wie die Rechte akzeptiert hat, dass wir ein Einwande\u00adrungsland sind, hat die Linke sich stillschweigend von der naiven Idee verabschiedet, Einwanderung sei automatisch eine Bereicherung und Multikulturalismus ein Selbst\u00adl\u00e4ufer. Zwei kostspielige Formen der Wirklichkeitsverleugnung sind vor aller Augen gescheitert, und die Politik hat begonnen, mit einer neuen Integrationspolitik darauf zu reagieren.<br \/>\nSeit Jahren debattieren wir \u2013 auch in der ZEIT \u2013 zum Beispiel die schlechten Schuler\u00adgebnisse der T\u00fcrken und Italiener und scheuen auch nicht die Frage, warum etwa Vi\u00adetnamesen und Iraner besser abschneiden. Das ist ein legitimes Thema, das man nicht unter \u201eRassismus\u201c oder Islamophobie abtun kann. Die M\u00e4ngel des deutschen Schul\u00adsystems sind Thema in den Medien \u2013 aber eben auch die bildungsferne Einstellung vieler Eltern mit t\u00fcrkischen Wurzeln. Auch die t\u00fcrkischen Gruppen und die t\u00fcrkisch\u00adsprachigen Zeitungen haben nach jahrelanger Abwehr angefangen, dies zu skandali\u00adsieren \u2013 ein Erfolg der harten Debatte in Politik und Medien. Thilo Sarrazin bezieht seine Beispiele \u00fcbrigens selbst aus den Medien \u2013 wie etwa aus dem ZEIT-Dossier \u00fcber grillende Orientalen im Berliner Tiergarten. (Allerdings macht er aus 15 bis 20 Tonnen Abfall, den Menschen aus aller Herren L\u00e4nder dort hinterlassen, inklusive Weinflaschen und H\u00e4hnchenkeulen, mal eben \u00bb20 Tonnen Hammelreste der t\u00fcrki\u00adschen Grillfeste\u00ab.) Ehrenmorde und Zwangsehen sind seit der Ermordung von Hatun S\u00fcr\u00fcc\u00fc Gegenstand von Bestsellern.<br \/>\nNoch etwas: T\u00fcrkische Autorinnen wie Necla Kelek und Seyran Ate\u015f sind bei uns keine Au\u00dfenseiter, sondern mit vielen Preisen geehrte \u00f6ffentliche Intellektuelle, mit denen die Regierung gern ihre Islamkonferenz schm\u00fcckt. Dort mussten sich konser\u00advative Muslime diese Kritik anh\u00f6ren, in Anwesenheit des Ministers. Nirgendwo sonst in Europa gibt es ein \u00e4hnlich ambitioniertes, geradezu kulturrevolution\u00e4res Experiment. Wo sonst treffen diese unterschiedlichen Stimmen so aufeinander?<br \/>\nDie Niederlande haben Ayaan Hirsi Ali fallen und ins Exil gehen lassen. Unsere isla\u00admischen Feministinnen aber sind keine Ruferinnen vom Rand der Gesellschaft, sie sitzen mit dem Innenminister und den Verb\u00e4nden, die sie kritisieren, an einem Tisch.<br \/>\nNach Jahren des Streits \u00fcber Moscheebauten, Deutschpflicht, Kopft\u00fccher, Gewalt und Machismo an den Schulen gibt es in Deutschland praktisch kein Tabu mehr beim Reden \u00fcber die Integration. Und das ist ein hohes Gut!<br \/>\nDas macht es geradezu bizarr, wenn Sarrazin\u00a0 wegen seiner Zivilcourage gelobt wur\u00adde und ein Kollege in der FAZ ihn gar auf eine Stufe mit dem in der M\u00fcnchner S-Bahn erschlagenen Dominik Brunner stellt. Die de facto tabulose Debatte ist ein ho\u00adhes Gut. Nat\u00fcrlich wei\u00df das nicht jeder Beteiligter jederzeit zu sch\u00e4tzen. Es kommt selbstrverst\u00e4ndlich zu Verletzungen dabei, zu Kr\u00e4nkungen. Aber das m\u00fcssen wir alle zusammen aushalten lernen.<br \/>\nDie Sarrazin-Debatte war eine am Ende \u00fcberschnappende Debatte. Allerdings konnte die neue Regierung etwas aus ihr lernen: Die begonnene Integrationspolitik muss nicht nur viel entschiedener fortgef\u00fchrt werden. Sie muss auch wesentlich besser be\u00adgr\u00fcndet und \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt werden. Es kann doch nicht sein, dass von den feder\u00adf\u00fchrenden Integrationspolitikern der Koalition wochenlang nichts zu h\u00f6ren ist: Kein einziges Wort hat die Integrationsbeauftragte Maria B\u00f6hmer zu der laufenden Debatte verloren. Innenminister Sch\u00e4uble war ebenso verschwunden, von der Kanzlerin oder dem Bundespr\u00e4sidenten gar nicht erst zu reden. Wer die emp\u00f6rten Leserdebatten ver\u00adfolgt, sieht, wie fahrl\u00e4ssig dieses abwartende Schweigen der Politik ist.<br \/>\nLeider ist es nicht das erste Mal. Ich habe es ja schon erw\u00e4hnt: Als in Dresden die \u00c4gypterin Marwa al-Scherbiny erstochen wurde, hat man es Islamisten und Rechtsra\u00addikalen wochenlang \u00fcberlassen, das Thema zu besetzen. Weder zu dem Beinahemord an dem Rentner Hubert N. in der M\u00fcnchner U-Bahn noch zum Mord an Dominik Brunner konnte die Politik deutlich machen, dass ihr ein angstfreier \u00f6ffentlicher Raum ein hohes Gut ist.<br \/>\nDarauf aber sind \u2013 besonders in einem Einwanderungsland mit vielen neuen Konflik\u00adten \u2013 alle angewiesen. Darum muss die Politik in der Debatte f\u00fchren, statt sich unter den eruptiven Reaktionen des Publikums wegzuducken.<br \/>\nUnd die Medien m\u00fcssen sie, wenn sie es nicht von alleine tut, dahin treiben.<br \/>\n\u00dcbrigens: Als Sarrazin vor kurzem seine Meinung wiederholte, Deutschland\u00a0 werde durch Einwanderung \u201eauf nat\u00fcrlichem Wege durchschnittlich d\u00fcmmer\u201c, da hat die Kanzlerin daf\u00fcr ein klares Wort gefunden: \u201eSolche schlichten Pauschalurteile sind dumm und nicht weiterf\u00fchrend.\u201c Richtig sei, \u201edass die Bildungsabschl\u00fcsse von Sch\u00fc\u00adlern mit Migrationshintergrund verbessert werden m\u00fcssen und der wichtigste Schl\u00fcs\u00adsel dabei die Beherrschung der deutschen Sprache ist\u201c, erkl\u00e4rte Merkel. \u201eAber wenn wir genau das f\u00f6rdern und fordern, dann haben diejenigen, die zu uns kommen und in unserem Land leben wollen, gro\u00dfe Chancen und bereichern uns alle.\u201c<br \/>\nNa bitte, es geht doch.<br \/>\nNachdem ich nun so ausf\u00fchrlich \u00fcber islamfeindliche \u00c4u\u00dferungen in unseren Medien gesprochen habe, muss ich etwas scheinbar paradoxes tun, um Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Ich will Ihnen erkl\u00e4ren, warum ich den Begriff \u201eIslamophobie\u201c nicht f\u00fcr geeignet halte, unsere Situation in den deutschen Medien zu beschreiben.<br \/>\nIslamophobie \u2013 mit diesem Konzept werden ohne Unterschied irrationale und ratio\u00adnale \u00c4ngste im Bezug auf den Islam zu Symptomen einer Art psychischen Krankheit erkl\u00e4rt.<br \/>\nEine Phobie ist schlie\u00dflich etwas anderes als ideologische Voreingenommenheit wie sie uns etwa in Form einer rassistischen Einstellung, eines religi\u00f6sen Fanatismus oder politischer Parteilichkeit begegnen. Eine Phobie hat man, unter einer Phobie leidet man, mehr noch, sie hat einen, sie nimmt einen in Beschlag. Die Phobie muss behan\u00addelt werden wie andere bedrohlich psychische Erkrankungen. Der Phobiker verh\u00e4lt sich zwanghaft. Er kann anderen zur Gefahr werden und wird zugleich als Opfer ei\u00adner Krankheit betrachtet, statt als Subjekt mit \u00dcberzeugungen und Meinungen, wie fragw\u00fcrdig diese auch immer sein m\u00f6gen.<br \/>\nWollen wir wirklich in solchen Begriffen von der \u00f6ffentlichen Debatte um den Islam reden, wie sie sich bei uns in den letzten Jahren entfaltet hat? Ich halte das nicht f\u00fcr sinnvoll. Ich kann sehr wohl verstehen, warum sich bei manchen Muslimen der Ein\u00addruck einer generellen Islamfeindlichkeit festgesetzt hat. Dies auf eine sich immer weiter verbreitende Islamophobie zur\u00fcckzuf\u00fchren, hielte ich dennoch f\u00fcr falsch.<br \/>\nDenn dadurch werden bestimmte Redeweisen und Einstellungen von vornherein in den Bereich der Angst ger\u00fcckt und somit psychologisiert. Man r\u00fcckt sie damit aus dem Bereich des Verstehbaren und Widerlegbaren heraus. Mit einem Phobiker kann man nicht debattieren. So einfach k\u00f6nnen wir es uns aber nicht machen.<br \/>\nSchauen wir uns kurz ein paar prominente Versuche an, Islamophobie zu definieren. Dann wird das Problematische dieses Begriffs deutlich werden.<br \/>\nDer Begriff wurde durch eine Studie des britischen Runnymede Trust 1997 in die De\u00adbatte eingef\u00fchrt. Runnymede Trust ist eine unabh\u00e4gige Lobbygruppe f\u00fcr eine mul\u00adti-ethnische, multireligi\u00f6se und multikulturelle Gesellschaft.<br \/>\nEine islamophobe Einstellung kommt nach einer Definition des Trust in folgenden Meinungen zum Ausdruck:<br \/>\n\u2013 Der Islam sei ein allein stehender monolithischer Block, statisch und f\u00fcr Ver\u00e4nde\u00adrung unempf\u00e4nglich.<br \/>\n\u2013 Der Islam sei gesondert und fremd, er habe keine gemeinsamen Ziele und Werte mit anderen Kulturen; weder sei er von ihnen beeinflusst noch beeinflusse er sie.<br \/>\n\u2013\u00a0 Der Islam sei dem Westen unterlegen, barbarisch, irrational, primitiv und sexistisch.<br \/>\n\u2013\u00a0 Der Islam sei gewaltt\u00e4tig, aggressiv, bedrohlich, den Terrorismus unterst\u00fctzend und in einen Kulturkampf verstrickt.<br \/>\n\u2013\u00a0 Der Islam sei eine politische Ideologie, die f\u00fcr politische oder milit\u00e4rische Vorteile genutzt werde.<br \/>\nSo weit die Definition des Forum Against Islamophobia and Racism (FAIR). Islamo\u00adphobie und Rassismus stehen hier nahe beieinander, was auch problematisch ist: Denn ich kann sehr wohl feindliche Gef\u00fchle gegenber dem Islam als Religion hegen, ohne Muslime dabei rassistisch abzulehnen. Sonst w\u00e4re Islamkritik und Islamfeind\u00adlichkeit vonseiten geborener Muslime ja nicht m\u00f6glich. Auch dies ist ein Versuch, jede Kritik am Islam von vornherein als rassistisch zu diskreditieren.<br \/>\nAusserdem bin ich der Meinung, dass alle die islamophoben Ideen, die der Runnyme\u00adde Trust hier auf den Index gesetzt hat, prinzipiell unter dem Schutz der Meinungs\u00adfreiheit stehen.<br \/>\nDer Islam wird von manchen Muslimen als politische Ideologie verstanden. Das be\u00adstreiten am allerwenigsten jene Muslime, die sich dagegen verwehren. Ja, der Islam hat ein gewalt\u00e4tiges, aggressives und bedrohliches Gesicht. Terrorismus und Kultur\u00adkampf sind ihm nicht fremd. (Letzte Woche erst in Lahore: Zwei islamistische\u00a0 Selbst\u00admordattent\u00e4ter sprengen einen Sufi-Schrein in die Luft. Die Opfer sind alle Muslime.) Ist der Islam dem Westen unterlegen? Ist er sexistisch? Ist er barbarisch? Letzteres w\u00fcrde ich nicht sagen, aber Barbaren im Namen eines bestimmten Islam gibt es zwei\u00adfelsohne. Sie bringen mit Vorliebe andere Muslime um, wie wir mit Schrecken jeden Tag im Irak sehen k\u00f6nnen. Sexismus? Wer hier m\u00f6chte aufstehen und sagen, dies sei ein v\u00f6llig absurder Vorwurf? Dass der Islam dem Westen unterlegen sei, ist die gro\u00dfe Angst und der ANTRIEB aller muslimischen Reformdenker der letzten 200 Jahre. Die Geschichte der modernen T\u00fcrkei und ihres strikten Laizimus\/Kemalismus l\u00e4\u00dft sich ohne diese Angst \u00fcberhaupt nicht verstehen. Warum sollten wir diese Aussage also tabuisieren? Nur weil es nicht in Ordnung ist, wenn Nichtmuslime sagen, was Muslime seit 200 Jahren sagen? Genauso verh\u00e4lt es sich mit der Aussage, der Islam sei ein allein stehender monolithischer Block, statisch und f\u00fcr Ver\u00e4nderung unemp\u00adf\u00e4nglich.<br \/>\nEs ist einfach Unsinn, diese Aussage als Indiz f\u00fcr Islamophobie anzusehen. Manche Muslime sehen des Islam genau so, manche Muslime k\u00e4mpfen wiederum gegen jene, weil sie Ver\u00e4nderungen wollen. Eine Aussage, die Gegenstand eines innermuslimi\u00adschen Streits ist, zum Symptom f\u00fcr Islamophobie zu erkl\u00e4ren, wenn sie aus dem Mund von Nichtmuslimen zu h\u00f6ren ist &#8211; das geht einfach nicht.<br \/>\nDas w\u00e4re eine Gefahr f\u00fcr die freie Debatte, f\u00fcr die freie Forschung. Und wie verh\u00e4lt es sich mit der letzten Aussage, die Runnymede als signifikant erkl\u00e4rt: Der Islam sei \u201egesondert und fremd\u201c, er habe keine gemeinsamen Ziele und Werte mit anderen Kulturen; weder sei er von ihnen beeinflusst noch beeinflusse er sie. Der letzte Teil dieses Satzes ist historischer Unfug. Nat\u00fcrlich ist der Islam beeinflusst von anderen Kulturen, und nat\u00fcrlich beeinflusst er auch sie. Ob der Islam gesondert und fremd sei, ob er gemeinsame Ziele und Werte mit anderen Kulturen habe, das ist genau der Kern des Streits, um den sich alles dreht in unserer Debatte. Noch einmal zur Erinnerung: Auf allen Seiten gibt es Vertreter der einen oder anderen Richtung: Muslime, die das Fremde betonen, Muslime, die \u00f6kumenisch denken. Nichtmuslime, die das Gemein\u00adsame sehen, Nichtmuslime, die sich keinen Konsens vorstellen k\u00f6nnen. Es ist dumm, diese Debatte zensieren und regulieren zu wollen. Sie muss ausgetragen werden. Wir mssen alle zusammen da durch.<br \/>\nNoch ein Beispiel f\u00fcr einen ungl\u00fccklichen Definitionsversuch:<br \/>\nIn seiner sozialwissenschaftlichen Studie \u201eDeutsche Zust\u00e4nde. Folge 4&#8243; macht Wil\u00adhelm Heitmeyer Islamophobie im Rahmen einer Befragung u.a. an der Zustimmung zu folgenden Aussagen fest:<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eMuslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eDurch die vielen Muslime hier f\u00fchle ich mich manchmal wie ein Fremder im eige\u00adnen Land.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eEs sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eMuslimen sollte jede Form der Religionsausbung in Deutschland untersagt wer\u00adden.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 F\u00fcr mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unter\u00adscheiden.\u201d<br \/>\n\u2013 \u201eDie Mehrheit der Muslime h\u00e4lt gro\u00dfe Distanz zur restlichen Bev\u00f6lkerung.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eViele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eDie islamistischen Terroristen finden starken R\u00fcckhalt bei den Muslimen.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eIch h\u00e4tte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben.\u201d<br \/>\n\u2013 \u201eIch werde nur solche Parteien w\u00e4hlen, die gegen den weiteren Zuzug von Mos\u00adlems sind.\u201d<br \/>\nUmgekehrt gilt ihm auch die Ablehnung der folgenden Aussagen als Indiz f\u00fcr eine is\u00adlamophobe Einstellung:<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eDer Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht.\u201d<br \/>\n\u2013 \u201eDie muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt.\u201d<br \/>\n\u2013 \u201eIch w\u00fcrde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet.\u201d<br \/>\n\u2013\u00a0 \u201eEs ist allein Sache der Muslime, wenn sie ber Lautsprecher zum Gebet aufrufen.\u201d<br \/>\nAuch mit dieser Art der Erfassung habe ich Probleme: Was, wenn ich den Gebetsruf ablehne, wie ich auch das Glockenl\u00e4uten ablehne, weil ich am Sonntag (oder Freitag) nicht gest\u00f6rt werden will, oder weil ich berzeugter S\u00e4kularist oder Atheist bin, der Religion nur im Stillen f\u00fcr akzeptabel h\u00e4lt?<br \/>\nMuss ich den Islam nicht nur hinnehmen, sondern sogar bewundern, um nicht als is\u00adlamophob zu gelten? Ist die Ablehung einer bekopftuchten Lehrerin \u2013 auch unter T\u00fcr\u00adken weit verbreitet \u2013 schon islamophob? Und was ist mit den T\u00fcrken, die Kreuzberg verlassen, weil sie f\u00fcr ihre Kinder bessere Schulen wollen? J\u00fcngst fragte mich eine iranische Freundin, wie viele Ausl\u00e4nder auf der Schule unserer T\u00f6chter seien? Ich dachte, sie wollte wissen, ob sich ihre Tochter \u2013 sie ist eine Deutsche mir ira\u00adnisch-t\u00fcrkischen Wurzeln \u2013 alleine f\u00fchlen w\u00fcrde. Ich sagte also wahrheitsgem\u00e4\u00df: Sehr we\u00adnige. Sie war erleichtert: Ihre Tochter wird also ab n\u00e4chstem Jahr dieses Gymnasium besuchen \u2013 eben weil es dort kaum t\u00fcrkische, arabische oder iranische Sch\u00fcler gibt.<br \/>\nZu sagen, die islamistischen Parteien f\u00e4nden starken R\u00fcckhalt bei Muslimen ist, glo\u00adbal gesehen, ein Irrtum, wie wir aus vielen Umfragen wissen. In \u00c4gypten aber ist es die reine Wahrheit.<br \/>\nUnd so weiter, und so fort: Sie sehen schon, was mir an dem Begriff Islamophobie nicht gef\u00e4llt: Es ist die Tatsache, dass er in meist bester Absicht die notwendigen, pei\u00adnigenden Debatten einfach abschneidet, statt sie leichter f\u00fchrbar zu machen. Der Isla\u00admophobie-Begriff, wenn er sich durchsetzen sollte in der Breite, in der ich ihn hier skizziert habe, h\u00e4tte f\u00fcrchterliche Folgen f\u00fcr unsere liberale \u00d6ffentlichkeit. Er w\u00e4re ein Instrument, um jede mi\u00dfliebige Debatte zu ersticken. Diejenigen muslimischen Gruppen, die ihn in Gro\u00dfbritannien propagieren, sind durch die Salman-Rus\u00adhdie-Aff\u00e4re entstanden. Ich halte das nicht f\u00fcr einen Zufall. Die Verwendung des Islamo\u00adphobie-Begriffs seitens dieser Gruppen ist ein Versuch, den in der Rushdie-Aff\u00e4re ge\u00adwonnenen Boden zu verteidigen und zu vergr\u00f6\u00dfern.<br \/>\nWer aber die Wahrnehmung der Menschen ver\u00e4ndern will, ist schlecht berufen, mit Verboten, Tabus und Sprachregelungen zu arbeiten. Besser w\u00e4re es, der \u00d6ffentlichkeit ein anderes Image des Islam zu pr\u00e4sentieren. Allerdings darf das nicht blo\u00df eine Art besch\u00f6nigende Gegenpropaganda sein. Es mu\u00df ein authentisches Gegenbild sein, dass die problematischen Dinge nicht ausblendet und von echter Auseinandersetzung mit ihnen zeugt.<br \/>\nIn den letzten Jahren habe ich an vielen Debatten zum Thema \u201eMuslime und Medien\u201c teilgenommen. Jedesmal sa\u00df ich gewissermassen stellvertretend auf der Anklagebank f\u00fcr meine Zunft. Die Unterstellung war: Es gibt immer mehr Islamophobie. Sie (die Medien) sind schuld daran. Was, werter Herr Lau, gedenken Sie also zu \u00e4ndern? Was ist der \u0412eitrag &#8211; wurde ich einmal gefragt-, den die Medien zum gesellschaftlichen Frieden leisten k\u00f6nnen?<br \/>\nEin bi\u00dfchen trotzig \u2013\u00a0 aber auch aus tiefster \u00dcberzeugung \u2013 habe ich dazu gesagt: Nichts. Keinen Beitrag. Daf\u00fcr sind wir nicht zust\u00e4ndig. Ich verbitte mir solche sugges\u00adtiven Fragen. Stellen Sie sich einfach vor, unserem Wirtschaftskorresponden\u00adten w\u00fcrde vom Bund der deutschen Industrie vorgehalten, in Deutschland werde das Klima immer wirtschaftsfeindlicher. Immer mehr Geschichten ber Korruption bei Siemens und VW, immer mehr Kommentare ber Managergeh\u00e4lter, viel zu viel Ver\u00adst\u00e4ndnis f\u00fcr Gewerkschaftsforderungen. Was k\u00f6nnen wir tun, was k\u00f6nnen die Medien tun, damit das Klima in Deutschland wieder wirtschaftsfreundlicher wird? Das w\u00e4re ein Skandal.<br \/>\nOder stellen Sie sich vor, der Vorsitzende einer Partei w\u00fcrde sich beschweren, wir w\u00fcrden nur Negativberichte \u00fcber ihn und seine Truppe bringen. (Es gibt diesen Fall wirklich, und Sie k\u00f6nnen ja gerne mal raten, wen ich meine&#8230;) Was kann die Presse tun, um das Klima wieder freundlicher f\u00fcr meine Partei zu gestalten? Absurd, w\u00fcr\u00adden Sie zu Recht sagen.<br \/>\nDie Chinesen\u00a0 w\u00fcnschen sich eine andere Tibet-Berichterstattung. Wir sollen die Probleme mit diesen paar M\u00f6nchlein nicht so hoch spielen, h\u00f6ren wir da. Wir sollen die Tugenden des chinesischen Wirtschaftswunders mehr in den Vordergrund stellen. Wir sollen die Bedeutung Chinas f\u00fcr den Weltfrieden und die Welt\u00f6konomie im Blick behalten und nicht so sehr auf einzelnen Menschenrechtsverletzungen herumreiten. Eine Presse, die sich darauf einlie\u00dfe, w\u00e4re erledigt.<br \/>\nOder Israel: Immer wieder beschweren sich Lobbyorganisationen \u00fcber eine einseitige Berichterstattung \u2013 wie j\u00fcngst bei der Sache mit der Mavi Marmara.<br \/>\nWarum findet niemand etwas dabei, im Bezug auf den Islam mit den gleichen merkw\u00fcrdigen Zumutungen zu kommen?<br \/>\nVielleicht hat es etwas mit der Frage von Macht und Ohnmacht, St\u00e4rke und Schw\u00e4che zu tun? Der Islam ist nun einmal hierzulande haupts\u00e4chlich die Religion einer politisch schwachen und verletzlichen Minderheit. China ist ein m\u00e4chtiges Land, Israel auch \u2013 da scheint eine etwas einseitige Kritik vielleicht weniger verwerflich, als wenn es eine Minderheit und ihre relgi\u00f6se Kultur trifft? Solche Dinge m\u00f6gen eine Rolle spielen, helfen uns aber letztlich nicht weiter. Denn die Selbstwahrnehmung einer Gruppe kann kein Kriterium f\u00fcr die Legitimit\u00e4t oder Illegitimit\u00e4t der Kritik an ihr sein.\u00a0 China tritt in Tibet als dominante Macht auf, sieht sich aber selbst im Weltma\u00dfstab als Entwicklungsland, dem man vieles durchgehen lassen m\u00fcsste auf seinem legitimen Weg zur Sonne. Ebenso ist die Selbstwahrnehmung Israels \u2013 in krassem Kontrast zu der Au\u00dfenwahrnehmung seiner Nachbarn \u2013 die eines kleinen, gef\u00e4hrdeten, von lauter mi\u00dfg\u00f6nnerischen Feinden umgebenen Landes. Viele Muslime hierzulande sehen sich als eine Minderheit, die nicht gen\u00fcgend offen und herzlich\u00a0 angenommen wird. F\u00fcr Journalisten ist es wichtig, so etwas zu wissen. Aber am Ende darf es die Berichterstattung nicht entscheidend beeinflussen. Sonst wird der Journalismus (noch mehr) Teil der Identit\u00e4tspolitik, indem er versucht, das \u201erichtige Bild des Islam\u201c zu formen.<br \/>\nEin Journalist darf sich so etwas nicht vornehmen, sonst wird er zum Identit\u00e4tspolitiker. Er soll \u2013 das ist eine Banalit\u00e4t \u2013 sein jeweiliges Thema fair und unvoreingenommen angehen. Sobald er sich vornimmt, er wolle \u201edem Islam gerecht werden\u201c, f\u00e4ngt er schon an, die Wirklichkeit in seinem Kopf zu formen, die er doch beschreiben soll. Das journalistische Ethos l\u00e4\u00dft sich in\u00a0 einem kleinen Satz zusammenfassen: \u201eDies alles gibt es also.\u201c Am Anfang soll das Staunen stehen und der Wunsch, die Leser ins Erstaunen zu versetzen \u00fcber eine Wirklichkeit, die fast immer ein bisschen anders ist, als man denkt. Pathetischer kann ich es nicht sagen.<br \/>\nUnd das bedeutet f\u00fcr das Thema Islam: Wir m\u00fcssen gleichzeitig auf- und abr\u00fcsten. Die Aufmerksamkeit f\u00fcr viele Ph\u00e4nomene, die heute noch am Rande unserer Wahrnehmung liegen, muss aufgebohrt werden. Und der Gestus des kulturellen Endkampfes, mit dem wir \u00fcber islambezogene Themen reden, muss entschieden runtergedreht werden. Dabei will ich nicht bestreiten, dass wir Zeugen einer dramatischen Entwicklung sind: Von einem Land mit einem Dutzend Moscheen sind wir in weniger als 50 Jahren zu einem Land der zweitausend Moscheen geworden \u2013 welch eine gro\u00dfartige Leistung f\u00fcr ein Land, das sich noch vor wenigen Jahrzehnten so schwer getan hat mit Fremden.<br \/>\nWas also sollen wir Journalisten tun?<br \/>\nWir sollen weiter \u2013 und mehr als vorher &#8211; \u00fcber den Islam berichten, aber ohne das Leben der muslimischen Migranten und ihrer Kinder hier darauf zu reduzieren.\u00a0 Der Islam ist die L\u00f6sung, lautet die Parole der Islamisten. Und die Rechtspopulisten\u00a0\u00a0 stimmen ihnen zu, nur ins Negative gewendet: Der Islam ist das Problem.\u00a0 Eine reduktionistische Berichterstattung kommt diesen beiden Gruppen gerade recht. Dagegen sollte der Pluralismus des islamischen Lebens hier sichtbar werden. Es gibt so viele Weisen, Muslim zu sein in Deutschland \u2013 fromm, konservativ, liberal, skeptisch, desinteressiert, ja sogar auf eine spezifisch muslimische Weise atheistisch.<br \/>\nInsofern stimme ich \u00fcberein mit den Autoren einer gro\u00dfen Studie \u00fcber das \u201eIslambild bei ARD und ZDF\u201c, Kai Hafez und Carola Richter. Sie fanden vor drei Jahren,\u00a0 \u201edass das Hauptproblem der Islamberichterstattung von ARD\/ZDF nicht so sehr die Darstellung von Konflikten an sich ist, sondern die extrem hohe Konzentration auf dieses Themenspektrum. Nicht die Darstellung des Negativen ist das Problem, sondern die Ausblendung des Normalen, des Allt\u00e4glichen und des Positiven. Es entsteht der Eindruck, als lie\u00dfen sich ARD\/ZDF ungeachtet vieler offizieller Bekundungen des Gegenteils von einem simplifizierten Bild des &#8218;Kampfes der Kulturen&#8216; zwischen dem Islam und dem Westen leiten, das ungeachtet seiner gro\u00dfen Popularit\u00e4t fast keine Unterst\u00fctzer in der Wissenschaft findet. Vor allem der Themenhaushalt der Magazin- und Talksendungen sowie Dokumentationen und Reportagen von ARD\/ZDF ben\u00f6tigt im Hinblick auf den Islam dringend eine Revision. Es bedarf keiner an vorgefertigten Kulturmodellen orientierten Nachrichtenroutine, sondern eines lebendigen und dynamischen Journalismus, der nicht mehr \u00fcber den Islam berichtet, sondern die vorhandenen medialen R\u00e4ume so pluralistisch konzipiert, dass alle Bereiche des muslimischen Lebens eingeschlossen werden.\u201c<br \/>\nEin Beispiel daf\u00fcr, wie man&#8217;s nicht macht: Ein islamischer Theologe hat mir erz\u00e4hlt, dass er vor wenigen Jahren einmal zu einer der gro\u00dfen Talksendungen im\u00a0 deutschen Fernsehen eingeladen werden sollte. Es fand ein Vorgespr\u00e4ch statt, das angenehm verlief. Dann wurde er kurz vor der Sendung doch noch ausgeladen. Begr\u00fcndung: Man h\u00e4tte sich etwas sch\u00e4rfere Kommentare von ihm erhofft. Tja, und in der Sendung bei Sabine Christiansen sa\u00df dann der Leipziger Salafist Hassan Dabagh mit seinem malerischen Rauschebart. Er wirkte toll im Fernsehen. Er wirkte wie f\u00fcrs Fernsehen geschaffen.<br \/>\nEine Verallt\u00e4glichung der Islamberichterstattung, wie von Hafez und Richter\u00a0 gefordert, w\u00e4re zweifellos w\u00fcnschenswert. Aber ich habe Probleme mit der Scheu vor Konflikten. Ich bin n\u00e4mlich nicht der Meinung der Autoren, dass die Berichterstattung \u00fcber Konflikte im Zusammenhang mit dem Islam integrationshemmend wirkt. Ganz im Gegenteil glaube ich, dass Integration sich immer im Modus des Konflikts vollzieht. Zu einer pluraleren Gesellschaft geh\u00f6rt ganz zentral auch das Aushalten von Konflikten. Die sch\u00f6ne Idee, dass man in einer pluralistischeren Gesellschaft r\u00fccksichtsvoller zu sein habe, kann nicht von oben her durchgesetzt werden. Sie wird sich nur aus durchlebten Konflikten ergeben, in denen man einander kennen \u2013 und die Sensibilit\u00e4t des anderen respektieren \u2013 lernt. Dass es am Ende in einer \u201ebunten Republik Deutschland\u201c , wie der neue Bundespr\u00e4sident sagt, netter und h\u00f6flicher zugeht, darauf w\u00fcrde ich also nicht wetten. Alle Seiten m\u00fcssen wohl lernen, mit immer mehr Zumutungen zu leben.<br \/>\nUnd keiner sollte sich einbilden, von Konflikten einseitig profitieren zu k\u00f6nnen, indem man sie immer weiter anheizt. Das ist meine Lektion aus der Karikaturen-Aff\u00e4re, mit der ich schlie\u00dfen will.<br \/>\nIch war von meinem Ressortleiter im fr\u00fchen Januar 2006 nach Kopenhagen geschickt worden, um \u00fcber einen kleinen lokalen Konflikt zu berichten: Mohammed-Karikaturen in einer d\u00e4nischen Zeitung hatten zu Protesten der Muslime gef\u00fchrt. Fahr mal hin und schau, ob das was f\u00fcr uns ist. Der Konflikt k\u00f6nnte lehrreich sein auch f\u00fcr Deutschland. Die D\u00e4nen scheinen es in den Griff bekommen zu haben. Und so fuhr ich nach D\u00e4nemark und sprach mit K\u00e5re Bluitgen, dem Autor eines Jugendbuches \u00fcber den Propheten Mohammed, mit dem alles begonnen hatte. Ich sprach mit der \u00e4gyptischen Botschafterin, mit Abgeordneten der Rechtspopulistischen Folkeparti, mit dem Imam Abu Laban, der den Protest angef\u00fchrt hatte und mit dem jungen t\u00fcrkischen Imam Fatih Alev, mit dem Gr\u00fcnder des Netzwerks \u201eDemokratische Muslime\u201c, Naser Khader. Und nat\u00fcrlich mit dem Redakteur der Jyllands Posten, Flemming Rose. Er sagte mir: \u201eWir haben diesen Streit gewonnen. Es war eine h\u00e4\u00dfliche Debatte, aber wir haben eine Lanze f\u00fcr die Kunstfreiheit gebrochen gegen die fundamantalistischen Muslime, die uns die Freiheit nehmen wollen!\u201c Abu Laban, der Imam von N\u00f8rrebro\u00a0war auch der Meinung, er habe gewonnen: \u201eDie d\u00e4nische Regierung wei\u00df jetzt, wer wir sind. Der Ministerpr\u00e4sident kennt jetzt meinen Namen!\u201c Die \u00e4gypische Botschaftern Mona Attia Omar sagte mir: \u201eWir sind sehr zufrieden. Die Aff\u00e4re ist gut ausgegangen f\u00fcr \u00c4gypten. Der Au\u00dfenminister D\u00e4nemarks hat mit unserem Au\u00dfenminister telefoniert. Wir werden jetzt respektiert. Wir haben gewonnen.\u201c Der Sprecher der FP-Fraktion im d\u00e4nischen Parlament sagte: \u201eEs war ein guter Streit. Die fundamentalistischen Muslime haben verstanden, dass D\u00e4nemark sich seinen Freiheitsgeist nicht abhandeln l\u00e4\u00dft. Wir haben gewonnen.\u201c<br \/>\nWie wir alle sp\u00e4testens nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA wissen: Wenn alle glauben, sie h\u00e4tten gewonnen, kann etwas nicht stimmen. In Wahrheit stellte sich schon bald heraus, dass alle Seiten verlieren w\u00fcrden, ausser wieder einmal die radikalen Feinde der Freiheit unter Muslimen und die Fremdenfeinde im rechtspopulistischen Lager. Bald nach diesen Interview begannen die Botschaften zu brennen, und der w\u00fctende Mob \u00fcbernahm die Regie, angestachelt von anderen Kr\u00e4ften, die niemand auf der Rechnung hatte. Die d\u00e4nische Wirtschaft verlor Milliarden durch einen Boykott, ganz Europa geriet in den Verdacht der Islamophobie, die Muslime standen wieder einmal als humorlose Fanatiker da \u2013 und viele Menschen starben. Einer detaillierten Auflistung auf der Website \u201eCartoon Body Count: Death by Drawing\u201c zufolge\u00a0 sind in Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit bis zum 22. Februar 2006 139 Menschen get\u00f6tet und 823 verletzt worden.<br \/>\nHabe ich selber es kommen sehen? Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte sagen: ja. Aber das w\u00e4re gelogen. Als ich von meinen Gespr\u00e4chen Anfang Januar 2006 nach Berlin zur\u00fcckkehrte, begann ich einen Artikel zu schreiben. Der erste Satz ging ungef\u00e4hr so: In D\u00e4nemark hat sich in den vergangenen\u00a0 Wochen eine Krise ereignet, die fast\u00a0 zu einer internationatalen Aff\u00e4re h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Wie dies gerade noch hat verhindert werden k\u00f6nnen, ist ein Lehrst\u00fcck auch f\u00fcr Deutschland.\u201c\u00a0 Fast w\u00e4re mein St\u00fcck am 26. Januar gedruckt worden. Dann kam irgendetwas dazwischen, der Text wurde geschoben. Am 26 Januar begann der internationale Boykott d\u00e4nischer Waren, die Flaggen brannten, der iranische Revolutionsf\u00fchrer entdeckte \u201eZionisten\u201c am Werk hinter den Karikaturen, kurz gesagt: der Wahnsinn nahm seinem Lauf. In der folgenden Woche wurde das St\u00fcck gedruckt, aber mit eindem anderen Beginn:<br \/>\n\u201eDer Mann, der D\u00e4nemark in eine internationale Krise katapultiert hat, sitzt in seiner gem\u00fctlichen Wohnk\u00fcche und versteht die Welt nicht mehr. K\u00e5re Bluitgen hat einen Konflikt ausgel\u00f6st, der Botschaftern und Regierungschefs mehrerer L\u00e4nder den Schlaf raubt&#8230;\u201c<br \/>\nUnd so bin ich heute hier. W\u00e4re mein urspr\u00fcnglicher Text erschienen, h\u00e4tten sie mich wom\u00f6glich nicht eingeladen. Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Geduld und w\u00fcrde mich freuen, mit Ihnen \u00fcber meine Erfahrungen zu diskutieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gastvortrag vom Dienstag, 6.7.2010, an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt im Rahmen der Ringvorlesung: &#8222;Wieviel Islam vertr\u00e4gt Europa?&#8220; Wo soll man blo\u00df beginnen? Der Zugang der Muslime zu den Me\u00addien in Deutschland, das Bild des Muslims in den Medien, Muslime als Medienma\u00adcher? 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