{"id":4393,"date":"2010-12-03T12:11:09","date_gmt":"2010-12-03T11:11:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=4393"},"modified":"2010-12-03T12:11:09","modified_gmt":"2010-12-03T11:11:09","slug":"tariq-ramadan-migranten-sind-keine-opfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2010\/12\/03\/tariq-ramadan-migranten-sind-keine-opfer_4393","title":{"rendered":"Tariq Ramadan: Migranten sind keine Opfer"},"content":{"rendered":"<p><em>Ich habe mit Tariq Ramadan  ein Interview \u00fcber die europ\u00e4ische Islam-Debatte gef\u00fchrt. Ich finde die Klarheit, mit der er ein Bekenntnis der Muslime zu Europa fordert und auch um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Irritation der Alteingesessenen wirbt, bemerkenswert. \u00dcber die Jahre habe ich mich <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2007\/02\/04\/tariq-ramadan-reformer-oder-radikaler_190\">immer<\/a> <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2004\/37\/Prediger?page=all\">wieder<\/a> mit Ramadan auseinandergesetzt. Ich finde seine Entwicklung seit der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/28\/Tagung-Muslime\">Istanbuler Erkl\u00e4rung<\/a> von 2006 ziemlich erfreulich. <\/em><\/p>\n<p><em>Ramadan ist seit kurzem Professor f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Islam am St. Antony&#8217;s College in Oxford. Dort habe ich ihn vor zwei Wochen besucht.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>DIE ZEIT: Professor Ramadan, in Europa macht sich eine Stimmung gegen den Islam breit. Minarette, Burkas und Kopft\u00fccher werden verboten. Deutschland debattiert \u00fcber integrationsunwillige Muslime. Warum diese Zuspitzung?<br \/>\nTariq Ramadan: Unsere westlichen Gesellschaften sind verunsichert durch die Globalisierung. Auch die Einwanderungsstr\u00f6me geh\u00f6ren dazu. Aber entscheidend ist das Sichtbarwerden des Fremden. Darum erregen sich die Leute \u00fcber Moscheebauten, Minarette, Kopft\u00fccher, andere Hautfarben, Sprachen und Ger\u00fcche in ihren Vierteln. Wenn gegen die angebliche Islamisierung der St\u00e4dte protestiert wird, geht es um die Sichtbarkeit einer fremden Religion, die dazugeh\u00f6ren will. Das ist neu. Solange das Fremde nicht dazugeh\u00f6rt, kann man leichter damit leben.<br \/>\nZEIT: Seit Jahren leben wir mit der Terrordrohung im Namen des Islams.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/12\/tariq-ramadan-540x304.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4394\" title=\"tariq-ramadan-540x304\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/12\/tariq-ramadan-540x304.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/12\/tariq-ramadan-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/12\/tariq-ramadan-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Foto: Martin Bureau, Getty Images<\/em><\/p>\n<p>Ramadan: Gewalt im Namen der Religion vergiftet die Debatte. Wir Muslime k\u00f6nnen die Augen nicht davor verschlie\u00dfen, dass dies die Wahrnehmung des Islams beeinflusst. Doch handelt die Islam-Debatte von unserer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t. Sie ist hochpolitisch: Auf dem ganzen Kontinent bilden sich Parteien, deren Wahlerfolg davon abh\u00e4ngt, Misstrauen zu sch\u00fcren. Sie f\u00fcttern das Gef\u00fchl der Verunsicherung, man k\u00f6nne nicht mehr Deutscher oder Niederl\u00e4nder sein wegen dieser Einwanderer.<br \/>\nZEIT: Der deutsche Pr\u00e4sident hat gesagt, der Islam geh\u00f6re zu Deutschland. Er wurde angegriffen, auch aus dem eigenen Lager.<br \/>\nRamadan: Diese Identit\u00e4tsfragen \u00fcbersteigen die Bindungskraft der politischen Lager. Sie k\u00f6nnen heute Menschen auf der Linken finden, die sehr scharf gegen den Multikulturalismus polemisieren, und auf der Rechten gibt es welche, die einer pluralistischen Gesellschaft offen gegen\u00fcberstehen. Ihr Pr\u00e4sident hat etwas Offensichtliches festgestellt: Wenn es Millionen von Muslimen in Deutschland gibt, ist der Islam nat\u00fcrlich auch eine deutsche Religion. Der Islam ist eine europ\u00e4ische Religion, er ist ein Teil von Europas Geschichte und Gegenwart. Er ist nicht das ganz andere, er ist f\u00fcr Europa nichts \u00c4u\u00dferliches mehr, bei sieben Millionen Muslimen in Frankreich, drei Millionen in England, vier in Deutschland.<br \/>\nZEIT: Ebendies macht vielen Angst. Wie kommt man vom Hiersein zum Dazugeh\u00f6ren?<br \/>\nRamadan: Es hilft nicht, wenn sich die Haltung breitmacht: Was auch immer diese Leute tun, sie k\u00f6nnen nicht zu uns geh\u00f6ren, denn ihre Werte sind nicht die unseren, ihre religi\u00f6sen Dogmen und Praktiken sind anders. Den Muslimen sage ich: Ein B\u00fcrger zu sein bedeutet nicht nur, die Gesetze zu achten und die Sprache zu sprechen. Ich muss loyal zu meinem Land stehen, weil ich das Beste f\u00fcr es will. Nur so wird die Wahrnehmung eines unl\u00f6sbaren Konflikts zwischen Muslimsein und Europ\u00e4ertum verschwinden. <!--more--><br \/>\nZEIT: Zweifeln nicht auch viele Muslime, ob man zugleich Muslim und Europ\u00e4er sein kann?<br \/>\nRamadan: Die erste Generation von Muslimen war ungebildet, sie waren Arbeiter und wussten wenig \u00fcber ihren Glauben. Die heutige dritte Generation stellt endlich Fragen, das ist gut. Unsere Eltern sagten, ein Muslim zu sein hei\u00dft so zu sein wie wir. Und die Gesellschaft hat signalisiert: So wirst du nie einer von uns. Das Neue entwickelt sich durch diesen Konflikt. Vor 25 Jahren wurde ernsthaft gefragt, ob es in Ordnung ist, als Muslim auf Dauer unter Ungl\u00e4ubigen zu leben. Das ist vorbei. Ich sage jungen Muslimen: Du bist ein Westler, du geh\u00f6rst zu diesem Land, engagiere dich daf\u00fcr.<br \/>\nZEIT: Zu wenige Muslime vertreten das offen.<br \/>\nRamadan: Wir haben zwei Problemgruppen: die kleine Minderheit von Ultrakonservativen, die so genannten Salafiten, und schlie\u00dflich diejenigen, die Gewalt religi\u00f6s rechtfertigen. Ich k\u00e4mpfe gegen beide. Diese Gruppen profitieren allerdings davon, wenn gesagt wird, der Islam k\u00f6nne nicht integriert werden. Ihre F\u00fchrer k\u00f6nnen dann den jungen Leuten sagen: Wir haben es doch immer gesagt, die wollen euch nicht, die werden euch nie akzeptieren, weil ihr Muslime seid! Die radikalen Islamisten benutzen so den Diskurs der Islamophoben, um junge Leute zu rekrutieren. Es gibt also eine objektive Allianz zwischen Islamhassern und extremistischen Muslimen. Und dann haben Letztere immer irgendwelche Verse aus dem Koran zur Hand, in denen negativ \u00fcber Christen oder Juden gesprochen wird. Und schon scheint die Ablehnung des Westens eine unab\u00e4nderliche historische Tradition zu sein, seit den Tagen des Propheten. Das ist Geschichtsklitterei. Die Muslime m\u00fcssen aufh\u00f6ren, die westlichen Gesellschaften f\u00fcr alle \u00dcbel verantwortlich zu machen. Kompromittieren wir unsere Religion, wenn wir uns verwestlichen? Ich sage, dass es keinen Glauben ohne Entwicklung gibt.<br \/>\nZEIT: Muslimische Masseneinwanderung ist ein neues Ph\u00e4nomen f\u00fcr Deutschland. Die erste Moschee wurde 1928 erbaut, heute haben wir \u00fcber 2600 islamische Gebetsst\u00e4tten. Wissen Muslime, welchen enormen Wandel dies bedeutet?<br \/>\nRamadan: Es ist zwar richtig, der populistischen Instrumentalisierung der Angst vor dem Fremden entgegenzutreten. Aber Muslime m\u00fcssen auch die verst\u00e4ndlichen \u00c4ngste ihrer Nachbarn respektieren! Es ist v\u00f6llig normal, dass eine Gesellschaft die Frage stellt: Tausende Moscheen in wenigen Jahrzehnten \u2013 was passiert mit meinem Land? Ich war in Rotterdam als Integrationsberater unterwegs. Die Leute dort sagten mir: Ich f\u00fchle mich nicht mehr zu Hause mit all diesen Fremden. Die sprechen, essen, ja, sie riechen nicht wie wir. Das darf nicht abgetan werden.<br \/>\nZEIT: Zurzeit sehen sich Muslime aber vor allem als Opfer von Vorurteilen.<br \/>\nRamadan: Das ist eine Falle, auch wenn es Vorurteile gibt. Wie erz\u00e4hlen wir von unserem Europa? Von unserer Erfahrung hier als Einwanderer? Es mag zwar sein, dass viele von uns durch Not oder Unfreiheit gezwungen waren, auszuwandern. Dennoch ist es falsch, von Migration im bedauernden Ton zu reden, als seien Migranten lauter Opfer. Wir haben Erfolge vorzuweisen, wir sollten stolz sein und davon erz\u00e4hlen. Wir m\u00fcssen die Opfermentalit\u00e4t vermeiden. Allzu schnell steigert man sich da hinein: Die Europ\u00e4er m\u00f6gen den Islam ohnehin nicht, es ist egal, was wir machen.<br \/>\nZEIT: Muslime bilden schon die Mehrheit in vielen Vierteln. Aber sie verharren in einer Minderheitenhaltung.<br \/>\nRamadan: Diese Mentalit\u00e4t muss \u00fcberwunden werden. So stellt man sich selbst an den Rand der Gesellschaft. Das inflation\u00e4re Gerede von der Integration bef\u00f6rdert dies leider. Der Begriff Integration greift zu kurz. Er klingt zu sehr nach Anpassung: Ich spreche lieber von Einmischung und Beitrag. Die Minderheitenmentalit\u00e4t bewirkt, dass man sich intellektuell abschottet. Das Gegenteil ist gefragt. Ein deutscher Muslim soll sich nicht nur f\u00fcr den Islam zust\u00e4ndig f\u00fchlen. Was immer dein Land bewegt, ist als deutscher Muslim deine Sache: Bildungsfragen Arbeitsmarktpolitik, Literatur.<br \/>\nZEIT: Die Zeichen stehen eher auf R\u00fcckzug.<br \/>\nRamadan: Darum brauchen wir eine intellektuelle Revolution unter den europ\u00e4ischen Muslimen. Sie f\u00e4ngt mit einer anderen Haltung zu dem Land an, in dem man lebt: Dies ist nicht das Gastgeberland. Dies ist auch mein Land. Selbst da, wo die Muslime schon de facto eine Mehrheit sind, benehmen sie sich wie Belagerte. Sie handeln nicht wie aktive, verantwortliche B\u00fcrger. Wer integriert denn da eigentlich wen? Beide Seiten in der Integrationsdebatte m\u00fcssen aufh\u00f6ren, sich obsessiv mit der eigenen Identit\u00e4t zu besch\u00e4ftigen. Wenn das Wort Integration wie eine Peitsche geschwungen wird, verfestigt sich der Eindruck, man lebe in einem Land als Gast, der sich anzupassen habe. Das ist das Denken von gestern: Wir m\u00fcssen von der Integration zum Beitrag voranschreiten. Man kann es das \u00d6zil-Syndrom nennen: Wenn einer in einer Mannschaft spielt und einen Beitrag zum Erfolg leistet, fragt keiner, woher er kommt.<br \/>\nZEIT: \u00d6zil wurde in Berlin von deutsch-t\u00fcrkischen Fans ausgebuht, die ihn offenbar f\u00fcr einen Verr\u00e4ter hielten, weil er f\u00fcr Deutschland spielt.<br \/>\nRamadan: Das Gleiche passierte in Frankreich mit Zidane. Er wurde von algerischst\u00e4mmigen Franzosen ausgebuht. Diese jungen Leute dr\u00fccken damit aus, dass sie sich nicht willkommen f\u00fchlen. Das ist die Opfermentalit\u00e4t, die ich kritisiere. Aber \u00fcbrigens: Zu sagen, der Multikulturalismus sei gescheitert, wie Frau Merkel das getan hat, sendet eine Botschaft an diese jungen Leute: Ihr geh\u00f6rt nicht zu uns. Das ist gef\u00e4hrlich.<br \/>\nZEIT: Was Sie sagen, l\u00e4uft aber auch auf die Kritik eines Multikulturalismus hinaus, der bedeutet, nebeneinanderher zu leben und sich zu meiden. Ist das nicht oft die Wirklichkeit unserer St\u00e4dte: eine Anh\u00e4ufung von Monokulturen?<br \/>\nRamadan: Wenn Frau Merkel dies kritisieren wollte, kann ich folgen. Es ist nicht gut, wenn sich die Menschen ethnisch-religi\u00f6s abschotten. In Ost-London leben viele Leute in Klein-Bangladesch ohne Kontakt zur Au\u00dfenwelt.<br \/>\nZEIT: In vielen L\u00e4ndern mit islamischer Mehrheit werden Andersgl\u00e4ubige unterdr\u00fcckt. Warum hat der Islam Probleme mit dem Pluralismus?<br \/>\nRamadan: Ist die Religion der Grund f\u00fcr den Mangel an Freiheit in der arabischen Welt? Auch die s\u00e4kularen arabischen Regime sind repressiv. Das Osmanische Reich hingegen hat \u00fcber Jahrhunderte religi\u00f6sen Pluralismus gekannt. In Indonesien und in der T\u00fcrkei gibt es mehr und mehr Freiheit, auch wenn viel zu w\u00fcnschen \u00fcbrig bleibt. Die Muslime m\u00fcssen sich fragen, wie sie in einer offenen Welt leben wollen. Sie m\u00fcssen eine Philosophie des Pluralismus entwickeln. F\u00fcr den Einzelnen hei\u00dft das: Welchen Status haben jene, die nicht meine \u00dcberzeugungen teilen? Sind sie Ansporn, mich selbst zu verbessern? Oder nur Objekte der Mission, potenzielle Konvertiten?<br \/>\nZEIT: L\u00e4sst sich eine pluralistische Gesellschaft aus dem Islam heraus begr\u00fcnden? Oder ist Pluralismus immer nur solange gut, wie Muslime herrschen?<br \/>\nRamadan: Im Koran hei\u00dft es, wenn Gott gewollt h\u00e4tte, h\u00e4tte er alle Menschen zu Gl\u00e4ubigen gemacht. Wie kann es also unser Recht sein, den Glauben anderen aufzuzwingen? Das ist verboten. Aber machen wir uns nichts vor: Ich kann den anderen nur respektieren, wenn ich gen\u00fcgend Selbstsicherheit habe. \u00dcbrigens ist das nicht blo\u00df ein muslimisches Problem, wie die europ\u00e4ische Debatte \u00fcber den Islam zeigt. Ich kannte Kardinal Ratzinger, bevor er Papst wurde. Ich habe ihn nach seiner umstrittenen Rede in Regensburg wieder getroffen. Er hat da etwas Bedeutendes gesagt: Was ist heute das Wichtigste f\u00fcr Europa? Der Dialog mit dem Islam? Oder ein Dialog mit sich selbst? Wenn man die eigene Geschichte auf die Ablehnung des anderen reduziert, wie manche Kulturk\u00e4mpfer, dann ist man unsicher \u00fcber sich selbst.<br \/>\nZEIT: Es gibt kaum Frauen, die f\u00fcr den Islam sprechen. Und die M\u00e4nner besch\u00e4ftigen sich viel damit, die Freiheit der Frau einzuschr\u00e4nken.<br \/>\nRamadan: Das ist leider so. Neunzig Prozent der islamischen Literatur \u00fcber die Frau handelt von T\u00f6chtern, M\u00fcttern und Ehefrauen \u2013 also immer von der Frau im Bezug auf den Mann. Was ist mit der Frau als Frau? Wenn wir die Frauen st\u00e4rken wollen, m\u00fcssen wir sie selber ernst nehmen, nicht nur in ihrer Rolle in der M\u00e4nnerwelt. Wir brauchen einen islamischen Diskurs \u00fcber die weibliche Autonomie. Das m\u00fcssen die Frauen selber leisten. Musliminnen m\u00fcssen selber mit den heiligen Texten umgehen, ohne m\u00e4nnliche Vermittler. Frauen m\u00fcssen in den Moscheen eine Rolle spielen, so wie sie gleiche Chance auf dem Jobmarkt verdienen und gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit. Das sind Themen f\u00fcr einen islamischen Feminismus.<br \/>\nZEIT: Warum nicht einfach Feminismus?<br \/>\nRamadan: F\u00fcr gl\u00e4ubige Frauen ist es wichtig zu wissen, dass sie bei der Verteidigung ihrer Rechte nicht die Quellen verraten, aus denen sich ihr Glaube speist. Das st\u00e4rkt ihre Position auch gegen den Vorwurf, emanzipiert zu sein bedeute un\u00adislamisch zu sein. Man kann von unterschiedlichen Wurzeln her zu gemeinsamen Prinzipien kommen, zum Beispiel beim Kampf gegen Diskriminierung. Aber: Wenn eine Frau mit Kopftuch selbstbewusst f\u00fcr ihre Rechte eintritt, wird sie dann von s\u00e4kularen Feministinnen akzeptiert? Manche glauben, ein Kopftuch k\u00f6nne per se kein Ergebnis freier Wahl sein. Aber das kann so sein, und es ist sehr wohl m\u00f6glich auch aus der islamischen Tradition heraus, die universalen Prinzipien von Freiheit und Gleichheit zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p><em>Anmerkung: Ich habe mit Tariq Ramadan auch \u00fcber seine Auftritte im iranischen Sender Press  TV gesprochen, die ich falsch finde: Ramadan moderiert dort eine  Sendung \u00fcber Islam im Alltag. Er verteidigt sich damit, dass er die  Niederschlagung der Demonstrationen nach dem Wahlen im letzten Jahr klar  verurteilt habe, ebenso das Urteil gegen Sakineh Ashtiani. Auch  iranische Reformer h\u00e4tten ihm geraten, das Forum von Press TV zu nutzen.  Es sei eine einmalige Gelegenheit, f\u00fcr einen sunnitischen Reformer,  Zugang zu einer schiitisch gepr\u00e4gten \u00d6ffentlichkeit zu bekommen. Er gab  sich sicher, dass seine Sendung nicht vom Regime missbraucht werde. Ich  finde das nicht \u00fcberzeugend. \u00dcberraschend seine Position\u00a0 zu\u00a0 dem New  Yorker Moscheenstreit: Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, am Ground Zero ein  &#8222;abrahamitisches Zentrum&#8220; f\u00fcr Christen, Muslime und Juden zu bauen &#8211; und  eine Moschee einige Blocks entfernt zu errichten, um des Friedens  willen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mit Tariq Ramadan ein Interview \u00fcber die europ\u00e4ische Islam-Debatte gef\u00fchrt. Ich finde die Klarheit, mit der er ein Bekenntnis der Muslime zu Europa fordert und auch um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Irritation der Alteingesessenen wirbt, bemerkenswert. \u00dcber die Jahre habe ich mich immer wieder mit Ramadan auseinandergesetzt. 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