{"id":4927,"date":"2011-05-25T13:12:51","date_gmt":"2011-05-25T11:12:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=4927"},"modified":"2011-05-25T13:14:51","modified_gmt":"2011-05-25T11:14:51","slug":"wir-sind-wieder-wer-aber-wer-deutschland-zwischen-hegemonie-und-selbstverzwergung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2011\/05\/25\/wir-sind-wieder-wer-aber-wer-deutschland-zwischen-hegemonie-und-selbstverzwergung_4927","title":{"rendered":"Wir sind wieder wer &#8211; aber wer? Deutschland zwischen Hegemonie und Selbstverzwergung"},"content":{"rendered":"<p><em>F\u00fcr die aktuelle Ausgabe der ZEIT habe ich mit dem Kollegen Marc Brost eine Einsch\u00e4tzung der deutschen Au\u00dfenpolitik geschrieben &#8211; zum morgen beginnenden G-8 Gipfel. Der Text steht auf der Seite 3 der Zeit von morgen:<\/em><\/p>\n<p>Thomas de Maizi\u00e8re hat einen Nebenberuf. Er ist jetzt zweiter Chefdiplomat der Regierung. Seine erste Mission: Reparaturarbeiten im westlichen B\u00fcndnis. Der neue Verteidigungsminister l\u00e4chelt verbissen, als er am Mittwoch der vergangenen Woche vor die Generalit\u00e4t von Heer, Luftwaffe und Marine tritt. Hier, in der Julius-Leber-Kaserne im Berliner Stadtteil Wedding, will er die Truppe f\u00fcr einen historischen Schnitt begeistern \u2013 den Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee. Aber de Maizi\u00e8re hat an diesem Tag noch mehr vor. Er will Signale nach drau\u00dfen senden: an die Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Nein, liebe Freunde, wir melden uns nicht ab.<br \/>\nNein, wir gleiten nicht klammheimlich ab, in Neutralismus und Isolation.<br \/>\nDer Neue spricht vom level of ambition seiner Truppe und davon, dass er die Zahl der einsatzbereiten Soldaten steigern wolle \u2013 um ein Drittel, auf 10\u2008000 Mann. Dann gestattet er sich noch eine Unfreundlichkeit in Richtung des Kabinettskollegen Westerwelle. Man m\u00fcsse k\u00fcnftig nicht nur jeden Einsatz begr\u00fcnden, sagt der Minister, sondern auch bedenken, \u00bbwelche Folgen ein Nicht-Einsatz hat\u00ab.<br \/>\nDas Wort Libyen f\u00e4llt nicht. Aber das Signal an die deutschen Verb\u00fcndeten ist auch so klar: Wir wissen, dass euch unsere Enthaltung im UN-\u00adSicherheitsrat nicht eingeleuchtet hat. Wir sind zu verflochten mit der Welt, um uns noch einmal auf einen deutschen Sonderweg zu begeben. Wir hatten uns da nur kurzfristig etwas verlaufen.<br \/>\nF\u00fcr Angela Merkel kommen diese Signale gerade rechtzeitig. An diesem Donnerstag und Freitag trifft die Kanzlerin auf die M\u00e4chtigen der G\u20088, der wichtigsten Industriestaaten. Und die Agenda dieses Wirtschaftsgipfels ist gepr\u00e4gt von den au\u00dfenpolitischen Ersch\u00fctterungen.<\/p>\n<p>Im franz\u00f6sischen Deauville wird \u00fcber die Aufst\u00e4nde in Nordafrika und im Nahen Osten gesprochen werden \u2013 und \u00fcber m\u00f6gliche Hilfe des Westens. Seit der Libyen-Entscheidung steht Merkel unter Druck. Man konnte es merken, als sie sich etwas \u00fcbereifrig \u00fcber bin Ladens Tod freute \u2013 als h\u00e4tte sie bei den amerikanischen Freunden, die sie eben noch ohne Not im Stich gelassen hatte, etwas gutzumachen. So paradox k\u00f6nnen die Folgen des Nicht-Einsatzes aussehen.<br \/>\nMan wird in Deauville aber auch \u00fcber Japans Notlage reden, die Folgen der Atomkatastrophe, die Euro-Krise und Afghanistan. Viel h\u00e4ngt dabei von Deutschland ab \u2013 schon wegen der Schw\u00e4che der anderen. Japans Wirtschaft wurde durch Erdbeben, Tsunami und Super-Gau um Jahre zur\u00fcckgeworfen. Amerika ist strukturell \u00fcberschuldet und au\u00dfenpolitisch \u00fcberdehnt. Gro\u00dfbritannien unterliegt brutalen Sparzw\u00e4ngen. Frankreich und Italien kommen mit erratischen Chefs schlecht durch die Krise, und beider L\u00e4nder politische Kulturen sind durch die Skandale um \u00bbBunga Bunga\u00ab und Dominique Strauss-Kahn tief ersch\u00fcttert. Sieht man von den Zaung\u00e4sten Kanada und Russland ab, l\u00e4uft alles auf die Deutschen zu, die als Einzige die Krise nahezu unbeschadet \u00fcberstanden haben.<br \/>\nMerkel wird das zu sp\u00fcren bekommen, im Kreis der anderen Regierungschefs. Selten war Deutschland so wichtig \u2013 und zugleich so isoliert wie heute. Die Regierung agiere \u00bbausweichend, abwesend, und unvorhersehbar\u00ab, hei\u00dft es in einem Thesenpapier des Thinktanks European Council on Foreign Relations (ECFR). Die Gleichzeitigkeit von Euro-Krise und neuem deutschen Wirtschaftswunder macht Deutschland zu einer unverzichtbaren Nation. Aber ein Land, auf das es derart ankommt, wird auch anders angeschaut. Wir sind wieder wer \u2013 aber wer?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nBr\u00fcssel, vor einem Jahr: Es ist Montag fr\u00fch, kurz nach halb drei, als Thomas de Maizi\u00e8re, damals noch Innenminister, vor die Fernsehkameras tritt. Er hat dunkle Ringe unter den Augen, seine Stimme klingt leiser als sonst, ein wenig br\u00fcchig. Griechenland steht vor der Staatspleite. Die Europ\u00e4ische Union ist entschlossen, sie zu verhindern. Stundenlang hat der Deutsche anstelle des erkrankten Wolfgang Sch\u00e4uble mit seinen europ\u00e4ischen Kollegen verhandelt, sie haben \u00fcber die H\u00f6he der Finanzhilfen gefeilscht und an den Details eines Rettungsschirms gearbeitet. Nun ist klar: Europa legt ein 500 Milliarden Euro gro\u00dfes Hilfspaket auf, dazu kommen weitere 250 Milliarden Euro vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF). Es ist der 10. Mai 2010, und an diesem Morgen steht Europa fest zusammen.<br \/>\nWenige Stunden sp\u00e4ter an diesem Montag treten in Berlin die Kanzlerin und ihr Au\u00dfenminister vor die Presse. Die Situation erinnert an einen spektakul\u00e4ren Auftritt zu Beginn der Finanzkrise: Damals, im November 2008, wandten sich Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck im Kanzleramt direkt an die B\u00fcrger. Die Regierung garantierte die Sicherheit aller Spareinlagen im Land. Nun, knapp anderthalb Jahre sp\u00e4ter, geht es nicht mehr um die Banken, sondern um die W\u00e4hrung, die Summen sind gr\u00f6\u00dfer, und die Zweifel sind es auch. Wieder zielt Merkels Botschaft auf die Geldbeutel der B\u00fcrger: \u00bbWir sch\u00fctzen das Geld der Menschen in Deutschland\u00ab, sagt sie.<br \/>\nDas passt zu den Schlagzeilen, mit denen die Bild-Zeitung in jenen Wochen Stimmung macht: \u00bbSo verbrennen die Griechen die sch\u00f6nen Euros\u00ab oder \u00bbDeutschland darf nicht f\u00fcr die Zocker bluten\u00ab. Um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, muss die Kanzlerin an diesem Tag sagen, dass uns die Rettung Griechenlands nichts kosten werde. In Wirklichkeit hatten die Staats- und Regierungschefs der Europ\u00e4ischen Union schon im Februar vereinbart, bei der Rettung der Euro-Zone bis zum \u00c4u\u00dfersten zu gehen.<br \/>\nGegen\u00fcber den eigenen B\u00fcrgern H\u00e4rte signalisieren \u2013 innerhalb Europas aber trotzdem fast alles mitmachen: Merkels Taktik befremdet nicht nur die Deutschen. Sie entfremdet manch andere Nationen immer mehr von uns.<br \/>\nDie Griechen glauben, wir wollten sie nur retten, damit wir ihnen weiter unsere U-Boote verkaufen k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Iren f\u00fcrchten, wir wollten sie nur knebeln, um dadurch unsere Banken zu retten.<br \/>\nAuch die Spanier demonstrieren gegen die Sparauflagen der EU, hinter denen sie als Drahtzieher die Deutschen vermuten.<br \/>\nDeutschlands Regierung fordert \u00bbStabilit\u00e4t\u00ab, andere Regierungen verlangen \u00bbSolidarit\u00e4t\u00ab. Dazwischen liegen Welten. Zwar wird die deutsche Position von vielen L\u00e4ndern, gerade in Nordeuropa, unterst\u00fctzt. Aber weil Berlin und Paris sich verzanken, statt, wie \u00fcblich, Europa Hand in Hand zu f\u00fchren, steht Deutschland pl\u00f6tzlich als Spalter da.<br \/>\nH\u00e4tte man das vergangene Jahr auf einer einsamen Insel verbracht \u2013 ohne Telefon, Fernsehen und Internet \u2013, dann w\u00fcrde man sich nach der R\u00fcckkehr doch wundern, was sich in der Zwischenzeit alles getan hat. Gigantische Rettungspakete, \u00c4nderungen am EU-Vertrag, die Errichtung eines st\u00e4ndigen Krisenfonds: Alles, was die Deutschen zun\u00e4chst vehement ablehnten, ist doch eingetreten. Europa ist so eng zusammengewachsen wie nie. Nur redet man nicht dar\u00fcber: in den Nachbarl\u00e4ndern nicht, weil man mit der deutschen Sonderrolle auch trefflich von den eigenen Vers\u00e4umnissen ablenken kann. In Deutschland nicht, weil man lieber die Euro-skeptische Stimmung im Land bedient.<br \/>\nSo hat der Begriff der Isolation etwas Schillerndes. Manchmal sucht Deutschland aktiv die Sonderrolle \u2013 zum Beispiel wenn es darum geht, bei den Euro-Rettungspaketen auch die Beteiligung privater Gl\u00e4ubiger durchzusetzen. Manchmal schreiben die anderen auch Deutschland eine Sonderrolle zu \u2013 etwa wenn es hei\u00dft, dass vor allem die Bundesregierung auf h\u00e4rtere Sparma\u00dfnahmen in Griechenland, Portugal oder Irland dringe. Deutschlands wirtschaftliche St\u00e4rke, seine wirtschaftspolitische Tradition und seine geografische Lage lassen das Land zwangsl\u00e4ufig\u00a0 zu einer Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr W\u00fcnsche und Verw\u00fcnschungen werden. \u00bbEntweder werden wir kritisiert, weil wir nicht f\u00fchren. Oder es ist vom deutschen Diktat die Rede\u00ab, sagt ein hoher Regierungsbeamter. \u00bbDazwischen gibt es nichts.\u00ab<br \/>\nAllerdings irrlichtern auch die Botschaften aus Berlin zwischen Hegemonieanspruch und Selbstverzwergung. Die Bundesregierung hat keine Scheu, die anderen Staaten der Euro-Zone verbal zu ma\u00dfregeln. Doch wenn es darum geht, einem Diktator unter UN-Mandat in den Arm zu fallen, versteckt man sich selbst gern hinter einer \u00bbhistorisch gebotenen Kultur der Zur\u00fcckhaltung\u00ab.<br \/>\nAngela Merkel hat das historisch-moralische Pathos aufgegeben, mit dem alle Kanzler bis Helmut Kohl einst von Europa als Friedensprojekt sprachen. Sie folgt eher Gerhard Schr\u00f6der, der auch schon klagte, in Br\u00fcssel w\u00fcrde \u00bbdeutsches Geld verbraten\u00ab. Die deutsche Europapolitik wird heute von anderen kollektiven Erinnerungen \u2013 und anderen Interessen \u2013 getragen als zu Zeiten der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Von 662 Mitgliedern des Bundestages hatten nur 38 schon vor 1989 ein Mandat. Und es ist ein Unterschied, ob man die Wiedervereinigung Europas als historisches Ziel oder als selbstverst\u00e4ndliche Voraussetzung seiner Arbeit sieht.<br \/>\nGleichzeitig verschieben sich Deutschlands \u00f6konomische Interessen \u2013 zur Beunruhigung seiner Nachbarn \u2013 immer weiter aus der Euro-Zone heraus. Laut ECFR wuchs der deutsche Handel mit China zwischen Anfang 2009 und Mitte 2010 um 70 Prozent. Wenn sich das fortsetzt, k\u00f6nnte China als Exportland f\u00fcr Deutschland schon Ende dieses Jahres so wichtig sein wie Frankreich.<br \/>\nLaurent Wauquiez hat derzeit \u00f6fter Gelegenheit, den sagenhaften Blick von der franz\u00f6sischen Botschaft am Pariser Platz auf das Brandenburger Tor zu genie\u00dfen. Der franz\u00f6sische Europaminister, ein drahtiger 36-J\u00e4hriger mit grauem Wuschelkopf, erinnert gern daran, dass er hier in Berlin einst seinen ersten Marathon gelaufen ist und mit h\u00e4ngender Zunge, aber gl\u00fccklich durchs Ziel ging. Er ist Sarkozys offizieller Deutschenversteher, und das ist zur Zeit ein harter Job, bei dem man Langstreckenatem brauchen kann.<br \/>\nF\u00fcr Wauquiez ist es alarmierend, dass Deutschland Europa nicht mehr so sehr braucht wie umgekehrt Europa die Deutschen. Es bereitet ihm Sorge, dass immer mehr B\u00fcrger \u00f6stlich des Rheins nicht Europa retten, sondern vor Europa gerettet werden wollen. Er ist dieser Tage oft in Deutschland unterwegs, um in sehr gutem Deutsch f\u00fcr Frankreichs Sicht zu werben. Ebenso wichtig ist es ihm, in Frankreich zu erkl\u00e4ren, was an der neuen deutschen Euro-Frostigkeit verst\u00e4ndlich ist: \u00bbIch verstehe, dass europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t den Deutschen heute nicht leichtf\u00e4llt. Deutschland erntet die Fr\u00fcchte einer Dekade der Reformen, und jetzt soll man mit denen teilen, die dazu nicht in der Lage waren?\u00ab Wauquiez kann geradezu schw\u00e4rmen von dem, was \u00bbDeutschlands Sozialisten unter Schr\u00f6der\u00ab geschafft haben \u2013 und scheut sich auch nicht zuzugeben, dass seine konservative Regierung in Frankreich sich bisher daran die Z\u00e4hne ausbei\u00dft. Er glaubt nicht, dass man die Deutschen mit historischen Pathosformeln an Europa binden kann. Die Zeit der gro\u00dfen Gesten ist vorbei. Die Europ\u00e4er m\u00fcssten den Deutschen ihr Interesse an Europa nahebringen. Nur gemeinsam k\u00f6nne man etwa gegen Chinas Verhandlungsmacht bestehen.<br \/>\nDoch in der Nahostpolitik bahnt sich schon das n\u00e4chste Debakel an: Angesichts der Absicht der Pal\u00e4stinenser, im September einen eigenen Staat auszurufen, haben Deutschland (keine Anerkennung) und Frankreich (Anerkennung) sich wieder einmal gegeneinander profiliert. Bevor daraus ein Muster wird: \u00dcber solche Dinge k\u00f6nnte man in Deauville vielleicht mal reden.<br \/>\nWenn Frankreich den Deutschen in Sachen Europa nicht mehr so moralisch kommen soll, wird das aber auch auf Gegenseitigkeit beruhen m\u00fcssen. So mitf\u00fchlend Laurent Wauquiez \u00fcber Deutschlands Euro-Sorgen spricht, so k\u00fchl wird er, wenn es um die Atompolitik geht. Mag sein, dass wir unsere Libyen-Wende nicht mit euch abgesprochen haben. Daf\u00fcr habt ihr uns mit der Energiewende \u00fcberfahren. F\u00fcr ein Land mit 80 Prozent Atomstrom ist es von Bedeutung, wenn der Nachbar das pl\u00f6tzlich zum Teufelszeug erkl\u00e4rt.<br \/>\nDeutschlands neue Exponiertheit bringt es mit sich, dass Bluffs, abrupte Wenden und Widerspr\u00fcche auffliegen: Ihr k\u00f6nnt, kann die Welt jetzt sagen, nicht in Meschede bei einer CDU-Veranstaltung f\u00fcr innenpolitischen Gewinn mal eben auf die griechischen Fr\u00fchrentner ein\u00adpr\u00fcgeln, wenn die Kreditlinien von ganz S\u00fcdeuropa von eurer Gunst abh\u00e4ngen. Ihr solltet vielleicht ein bisschen warten, bis ihr einen Atomausstieg als globales Modell hinstellt, den ihr vor einem halben Jahr noch revidieren wolltet. Eure Bekenntnisse zu den Menschen- und V\u00f6lkerrechten (\u00bbDer Diktator muss gehen\u00ab) werden k\u00fcnftig daran gemessen werden, ob ihr gegebenenfalls f\u00fcr sie einzutreten bereit seid. Und einen st\u00e4ndigen Sitz im Sicherheitsrat bekommt ihr nur, wenn wir den Eindruck haben, dass ihr mit eurem Stimmrecht mehr anfangen k\u00f6nnt als Enthaltung.<br \/>\nDrei Muster deutscher Au\u00dfenpolitik haben sich zuletzt herausgesch\u00e4lt. Erstens: Man tut etwas, das man angeblich aufgrund der eigenen Werte ablehnt \u2013 wie in der Euro-Krise. Zweitens: Man lehnt ab, was die anderen tun, obwohl man angeblich deren Werte teilt \u2013 wie in der Libyenkrise. Oder drittens: Man tut pl\u00f6tzlich etwas, was alle anderen ablehnen \u2013 wie in der Atompolitik.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist gut, wenn Deutschland nun seinen au\u00dfenpolitischen \u00bblevel of ambition\u00ab erh\u00f6ht. Aber dabei geht es nicht in erster Linie um mehr Soldaten. Sondern um den Anspruch, den Deutschland an sich selbst stellt. Pathetisch gesprochen: Wie ernst dieses Land sich nimmt. Die anderen tun es sowieso.<br \/>\n\u00bbWir haben uns viel vorgenommen\u00ab, sagt \u00adThomas de Maizi\u00e8re am Ende seiner Rede in der Berliner Julius-Leber-Kaserne. Dann prasselt der Applaus seiner Generale. Der Neue kommt an bei der Truppe \u2013 gerade mangels Charisma und Pomp. Doch de Maizi\u00e8res n\u00fcchternes Werben f\u00fcr mehr deutsches Engagement (\u00bbWohlstand erfordert Verantwortung\u00ab) wirft auch R\u00e4tsel auf. Es steht \u00adn\u00e4mlich quer zum Wirken von Drau\u00dfenminister Westerwelle, der gern mit Formeln wie \u00bbAbzugsperspektive\u00ab, \u00bbNichtbeteiligung\u00ab und \u00bbZur\u00fcckhaltung\u00ab hantiert. Was also gilt? Und wer gilt was innerhalb der Regierung?<br \/>\nAngela Merkel hatte die Enthaltung ihres Au\u00dfenministers in der Libyen-Frage vor Wochen noch unterst\u00fctzt. Aber kann ausgerechnet derjenige die Au\u00dfenpolitik mit wachsendem Anspruch planen und verk\u00f6rpern, der sie zuvor geschrumpft hat? Je mehr sich Deutschland nun wieder seinen B\u00fcndnispartnern n\u00e4hert, desto isolierter wird Westerwelle in der eigenen Regierung sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die aktuelle Ausgabe der ZEIT habe ich mit dem Kollegen Marc Brost eine Einsch\u00e4tzung der deutschen Au\u00dfenpolitik geschrieben &#8211; zum morgen beginnenden G-8 Gipfel. Der Text steht auf der Seite 3 der Zeit von morgen: Thomas de Maizi\u00e8re hat einen Nebenberuf. Er ist jetzt zweiter Chefdiplomat der Regierung. 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