{"id":5144,"date":"2011-10-13T11:45:11","date_gmt":"2011-10-13T09:45:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=5144"},"modified":"2011-10-13T11:45:11","modified_gmt":"2011-10-13T09:45:11","slug":"einladung-zum-paradies-wie-die-salafisten-in-monchengladbach-scheiterten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2011\/10\/13\/einladung-zum-paradies-wie-die-salafisten-in-monchengladbach-scheiterten_5144","title":{"rendered":"Einladung zum Paradies: Wie die Salafisten in M\u00f6nchengladbach scheiterten"},"content":{"rendered":"<p><em>Islamisten wollen in M\u00f6nchengladbach ihr Hauptquartier errichten. Ein Anwohner tritt ihnen entgegen, gr\u00fcndet eine B\u00fcrgerbewegung. Pl\u00f6tzlich wird Feuer gelegt, der Konflikt spitzt sich zu Von J\u00d6RG LAU<\/em><\/p>\n<p><em>ZEIT-Dossier aus Nr. 42 vom 13. Oktober<\/em><br \/>\nWenn nur dieser rheinische Singsang nicht w\u00e4re. Wie soll man Abu Adam ernst nehmen, wenn er sich st\u00e4ndig \u00fcber Menschen aufregt, die er \u00bbJ\u00f6tzendiener\u00ab nennt? Abu Adam tr\u00e4gt eine wei\u00dfe H\u00e4kelm\u00fctze und ein arabisches Gewand. Sein dunkelblonder Rauschebart kommt so besonders gut zur Geltung. Er hat sich in Rage geredet. Die rechte Hand schnellt in die H\u00f6he, der Zeigefinger peitscht die Luft. Er h\u00e4lt das Freitagsgebet in der M\u00f6nchengladbacher Moschee Masjid As-Sunnah, einem sch\u00e4bigen Haus, in dem fr\u00fcher ein Ladenlokal war. Hier trifft er sich mit seinen 50 Glaubensbr\u00fcdern, den Salafisten vom Niederrhein. Er ruft ihnen zu: \u00bb\u00dcberall werden wir fertiggemacht. Terroristen, Verr\u00fcckte, Wahhabiten! Die lachen, wenn sie unsere B\u00e4rte sehen. Die lachen, wenn sie unsere Gew\u00e4nder sehen. Die lachen dich aus. Dabei musst du stolz sein, weil das eine Best\u00e4tigung ist. Eine Best\u00e4tigung, dass du dem Gesandten Allahs folgen darfst. Aber du, statt stolz zu sein, Muslim sein zu d\u00fcrfen, du duckst den Kopf.\u00ab Abu Adam ballt seine Faust. Er br\u00fcllt.<\/p>\n<p>Abu Adam ist ein Junge aus M\u00f6nchengladbach, auch wenn er sich wie ein saudischer Scheich kleidet. Sein b\u00fcrgerlicher Name ist Sven Lau (die Namensgleichheit mit dem Dossier-Autor ist zuf\u00e4llig). Er ist 31 Jahre alt. Viele hier im Viertel kennen ihn seit seiner Kindheit. Seitdem sich aber \u00bbder Sven\u00ab, wie ihn Nachbarn nennen, in Abu Adam verwandelt hat, ist hier nichts mehr, wie es war. Polizisten sind gekommen, Leute vom Verfassungsschutz, Politiker aller Parteien. Sven Lau hat versucht, den unauff\u00e4lligen Stadtteil Eicken zum Hauptquartier des fundamentalistischen Islams zu machen, das war der Beginn einer komplizierten Schlacht.<\/p>\n<p>Salafisten sind extreme Islamisten, die seit Kurzem in Deutschland st\u00e4rker in Erscheinung treten. Sie lesen aus dem Koran die radikalen Botschaften heraus, sie stellen die Scharia, das islamische Recht, \u00fcber das Grundgesetz und predigen, den Ungl\u00e4ubigen drohe die H\u00f6lle. Der Salafismus war die ideologische Grundlage des Terroristen Osama bin Laden. Verfassungssch\u00fctzer haben festgestellt, dass nicht alle Salafisten Terroristen sind, aber alle jungen M\u00e4nner, die in den letzten Jahren von Deutschland aus in den sogenannten Heiligen Krieg gezogen sind, Kontakt zu Salafisten hatten.<\/p>\n<p>Im September wurde in K\u00f6ln Anklage gegen einen dieser Hassprediger erhoben, den Kopf eines salafistischen Netzwerkes. Im selben Monat wurden in Berlin zwei M\u00e4nner verhaftet, die versucht haben sollen, Sprengstoff zu beschaffen, und die Kontakt zu Salafisten hatten. Im M\u00e4rz dieses Jahres erschoss ein 21-j\u00e4hriger Islamist am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten, auch er stand mit Salafisten in Verbindung.<\/p>\n<p>Es war Anfang August vergangenen Jahres, als bekannt wurde, dass eine \u00bbIslamschule\u00ab der Salafisten auf dem Gel\u00e4nde der As-Sunnah-Moschee in M\u00f6nchengladbach entstehen soll. Ein Braunschweiger Verein mit dem Namen \u00bbEinladung zum Paradies\u00ab wolle nach M\u00f6nchengladbach umziehen, hie\u00df es in der Rheinischen Post, der Verein werde sich mit Sven Laus Moschee zusammenschlie\u00dfen. Mehrere Nachbargrundst\u00fccke der Moschee waren bereits gekauft worden. Aus einem bescheidenen Bethaus sollte ein um 1000 Quadratmeter erweitertes, 300 Menschen fassendes Schulungszentrum mit Moschee und Kindergarten werden. Sven Lau stellte sich an die Spitze dieses Vorhabens, und schnell wurde klar, dass er den B\u00fcrgermeister gegen sich aufbringen w\u00fcrde. Ein nationaler Anziehungspunkt f\u00fcr Salafisten in M\u00f6nchengladbach? Er werde \u00bbmit allen mir zur Verf\u00fcgung stehenden rechtlichen M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr eintreten, dass die Aktivit\u00e4ten des Vereins Einladung zum Paradies verfolgt werden und rechtswidriges Handeln geahndet wird\u00ab, erkl\u00e4rte der B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p>Vieles in diesem Kampf, den Sven Lau begonnen hatte, w\u00e4re anders gelaufen, reibungsloser, wenn nicht pl\u00f6tzlich Wilfried Schultz aufgetreten w\u00e4re, ein Unternehmensberater, kein Politiker, ein geb\u00fcrtiger Ostfriese, kein Einheimischer, im Grunde ein Fremder. Wilfried Schultz ist vor Kurzem 61 Jahre alt geworden, erst seit 2003 lebt er am Niederrhein. Schultz hat Theologie und Jura studiert, er ist Freiberufler, seine Frau Lehrerin. Er hat lange Zeit Unternehmen abgewickelt, das hei\u00dft: Er hat Firmen bestattet. Heute hilft er jungen Unternehmern in der IT-Branche, Businesspl\u00e4ne aufzustellen und an Wagniskapital zu kommen. Schultz hat vor ein paar Jahren ein Haus gekauft, nur wenige Hundert Meter entfernt von der Stelle, an der die Salafisten ihr neues Zentrum planen. Er wei\u00df nicht viel \u00fcber den Salafismus, aber er wei\u00df, dass er dieses Zentrum verhindern will. Er sagt: \u00bbDieses Viertel w\u00e4re am Ende, wenn die B\u00e4rtigen mit ihren voll verschleierten Frauen das Ruder \u00fcbernehmen w\u00fcrden.\u00ab<\/p>\n<p>Bis vor einem Jahr lebte Schultz mit seiner Frau, seiner 12-j\u00e4hrigen Tochter und einem Jack Russell Terrier abgeschieden in M\u00f6nchengladbach. Schultz war von Berlin hierhergezogen, weil er es wieder etwas ruhiger haben wollte. Er ist auf einem Bauernhof in Ostfriesland gro\u00df geworden. Er hat ein rundes Gesicht, tr\u00e4gt eine Nickelbrille. In seinem Wohnzimmerregal stehen viele B\u00fccher. Wilfried Schultz sieht nicht aus wie jemand, der sich in einen Kampf st\u00fcrzen will. Er h\u00e4tte nie gedacht, dass er einmal eine Figur des \u00f6ffentlichen Lebens werden w\u00fcrde, jemand, der in Fronten denken muss, die zwischen Islamisten, Rechtsradikalen, Linken, Staatssch\u00fctzern und Lokalpolitikern verlaufen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSchultz erf\u00e4hrt zuerst aus der Zeitung von den Pl\u00e4nen der Salafisten. Beamte des nieders\u00e4chsischen Verfassungsschutzes haben durchsickern lassen, dass eine Braunschweiger Salafistengruppe des deutsch-t\u00fcrkischen Predigers Muhamed Seyfudin Ciftci nach M\u00f6nchengladbach umziehen wolle. Der Chef des Verfassungsschutzes in Niedersachsen, so war zu lesen, sah es offenbar mit Genugtuung, dass sich jetzt Nordrhein-Westfalen mit den Extremisten herumschlagen m\u00fcsse. Es gilt als Erfolg, wenn sich Radikale au\u00dferhalb Niedersachsens ansiedeln? In Wilfried Schultz w\u00e4chst von diesem Tag an die Wut.<\/p>\n<p>Schultz trat 1967 in die SPD ein &#8211; in einer Zeit, als der Slogan \u00bbWilly w\u00e4hlen\u00ab eine Euphorie ausl\u00f6ste. Er war ein treuer Sozialdemokrat, doch nach der deutschen Einheit verlie\u00df er die Partei, weil er nicht mehr erkannte, wohin die SPD steuerte. Er selbst wurde von Jahr zu Jahr konservativer, wie viele Menschen seiner Generation. Heute ist er ein heimatloser Liberaler, der sich nach einer b\u00fcrgerrechtlich-sozialen FDP sehnt, einer Partei, die es nicht mehr gibt. Schultz ging auf Abstand zur Politik, aber er f\u00fchlte sich nie als ihr Opfer. Das \u00e4ndert sich an dem Tag, als er von den Salafisten erf\u00e4hrt. Wilfried Schultz f\u00fchlt sich von der Politik verraten, und er beginnt damit, sich kritisch mit dem Salafismus zu besch\u00e4ftigen. Er liest Verfassungsschutzberichte, in denen Salafisten als gef\u00e4hrlichste Gruppe der Islamisten gehandelt werden.<\/p>\n<p>Im August 2010, kurz nachdem die Umzugspl\u00e4ne der Islamisten bekannt geworden sind, versammeln sich einige von Schultz&#8216; Nachbarn auf dem Marktplatz in M\u00f6nchengladbach-Eicken. Auch sie sind ver\u00e4rgert. Was kommt da auf uns zu, wenn die Salafisten hier Fu\u00df fassen? Das ist die Frage, die niemand beantworten kann. Zu den Anwohnern stellen sich M\u00e4nner der islamkritischen Organisation Pax Europa, Fremde, die hier niemand je gesehen hat. Sie sind Teil eines rechtsradikalen Netzwerks von Islamfeinden. Die Zugereisten tragen Transparente \u00fcber den Platz, auf denen sie vor der Islamisierung in Deutschland warnen. Sie wollen Stimmung gegen den Islam machen. Die Polizei versucht, die unangemeldete Demonstration aufzul\u00f6sen, vergeblich.<\/p>\n<p>Dann mischt sich Wilfried Schultz unter die Demonstranten. Seine Frau, die schon auf dem Marktplatz stand, hatte ihn angerufen: \u00bbKomm mal, wir brauchen hier einen Juristen.\u00ab Schultz macht den Islamfeinden klar, dass sie hier nicht erw\u00fcnscht seien. Und Schultz erkl\u00e4rt den Polizisten, dass es sich um einen legitimen, spontanen Protest von Anwohnern handele, der von Islamfeinden umfunktioniert werden solle. Jetzt stehen die Nachbarn hinter ihm. Wilfried Schultz gestikuliert in der Mitte des Marktes. Mit einem Mal ist er der Sprecher all jener, die das \u00bbIslamzentrum\u00ab verhindern wollen, ein Wortf\u00fchrer. Sp\u00e4ter sagt er: \u00bbUnd dabei hatte ich mich von der Politik eigentlich verabschiedet.\u00ab<\/p>\n<p>Wilfried Schultz m\u00f6chte, dass die Einwanderung nach Deutschland st\u00e4rker gesteuert wird. In vielen europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern gibt es Rechtspopulisten, die auf Leute wie Schultz zielen, wenn sie Ressentiments gegen den Islam sch\u00fcren. Schultz wei\u00df, dass er von nun an auch auf sich selbst aufpassen muss. Er muss einen inneren Kompass finden, der ihn vor politischen Fallen bewahrt. Es w\u00e4re so leicht, einfach den Islam als solchen zu beschimpfen, aber die Sache ist verzwickter. Schultz meint: \u00bbNachdem ich den Rechtspopulisten gesagt hatte, dass sie hier nicht erw\u00fcnscht sind, bin ich f\u00fcrchterlich angepinkelt worden von diesen Leuten. Die haben mich f\u00fcr naiv erkl\u00e4rt, der Islam per se sei das Problem, wer es auf die Salafisten reduziere, verschleiere die Sache nur.\u00ab<\/p>\n<p>Wilfried Schultz aber hat nichts gegen den Islam in Deutschland, er hat etwas gegen Radikalismus in M\u00f6nchengladbach-Eicken. Schon an der Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen hatte er es im Theologiestudium hin und wieder mit Fundamentalisten zu tun, mit radikalen Christen. Aber die waren harmlos im Vergleich zu Sven Lau und seinen b\u00e4rtigen Br\u00fcdern. Im Studium lernte Schultz, sich weder von religi\u00f6ser Intoleranz noch von totalit\u00e4ren politischen Ideen einsch\u00fcchtern zu lassen. Sieht er Abu Adam mit H\u00e4kelm\u00fctze und Kaftan durch die M\u00f6nchengladbacher Fu\u00dfg\u00e4ngerzone schreiten, fragt er sich: Wie wurde aus so einem pl\u00f6tzlich ein Extremist?<\/p>\n<p>Die Verwandlung begann vor sechs Jahren, als sich der gelernte Brandmeister Lau entscheiden musste zwischen seinem neuen Glauben und seinem Brotberuf bei der Feuerwehr. Lau hatte begonnen, sein Gesichtshaar sprie\u00dfen zu lassen &#8211; gestutzter Schnurrbart, buschiges Haar an Kinn und Backen. Er wollte ein guter Salafist sein.<\/p>\n<p>Die Atemmaske der Feuerwehr konnte er \u00fcber dem langen Bart nicht mehr tragen. Sven Lau gab mit Mitte zwanzig sein b\u00fcrgerliches Leben auf, um sich ganz der Mission, der Dawa, zu widmen. Aus Sven Lau wurde Abu Adam. Er begann, seine S\u00e4tze mit frommen arabischen Formeln zu w\u00fcrzen &#8211; subhanallah, alhamdulillah, mashallah. Gelobt sei Gott. Dank sei Gott. Gott sch\u00fctze dich. Heute spricht er von seinem \u00bbg\u00f6ttlichen Auftrag, die Menschen zum Islam einzuladen\u00ab. Das klingt, als werbe er f\u00fcr einen Ausbildungsberuf, den jedes Kind aus M\u00f6nchengladbach anstreben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Wenn Sven Lau davon erz\u00e4hlt, wie er zum Islam gekommen ist, dann tut er das in der Baguetterie Andalouse, die von einem Glaubensbruder betrieben wird. In seiner Familie, sagt Lau, habe Religion keine Rolle gespielt. Es habe \u00bbdas \u00fcbliche luschige Christentum\u00ab nicht praktizierender Katholiken geherrscht. Als Jugendlicher war er in Spielhallen und Discos zu Hause, er kiffte und trank. Spa\u00df habe das gemacht, ihn aber \u00bbnicht erf\u00fcllt\u00ab.<\/p>\n<p>Ein t\u00fcrkischer Arbeitskollege beeindruckte ihn durch seine freundliche Gelassenheit. Der fromme Mann schien in sich zu ruhen. Der T\u00fcrke nahm ihn mit zu einer Moschee der islamistischen Gruppierung Milli G\u00f6r\u00fcs. Dort lernte Sven Lau den Islam kennen, aber die t\u00fcrkischen Jugendlichen lebten \u00bbin der gleichen Heuchelei wie die laschen Christen\u00ab. Sven Lau las in der Bibel und fand sie im Vergleich zur Lehre des Islam \u00bbvoller Widerspr\u00fcche\u00ab. Die Lehre des Propheten aber, so hatte er es in der t\u00fcrkischen Moschee gelernt, war unverf\u00e4lscht und eindeutig. Was man zu tun hatte, um nach dem Tod dem H\u00f6llenfeuer zu entgehen, war klar in Koran und Sunna geregelt. Lau wollte nun leben wie im 7. Jahrhundert. M\u00e4nner mussten B\u00e4rte tragen. Die Hosen duften nur bis zum Kn\u00f6chel reichen. Frauen hatten sich vollst\u00e4ndig mit einem Niqab zu verh\u00fcllen und durften fremden M\u00e4nnern nicht die Hand reichen. Von Nichtmuslimen sollte man sich fernhalten. Demokratie, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit sind G\u00f6tzendienst, denn nur Gott darf Gesetze machen. Hielt man sich daran, werde man dem ewigen Feuer nach dem Tod entgehen. Dem H\u00f6llenfeuer.<\/p>\n<p>Sven Lau ist dankbar daf\u00fcr, dass ihm ein voller Bart wuchs. Andere deutsche Konvertiten bringen es nur auf ein paar Fusseln am Kinn. T\u00fcrken und Araber machen sich dann gern \u00fcber die \u00bbWei\u00dfbrote\u00ab und \u00bbKartoffeln\u00ab in den islamischen Gemeinden lustig. Abu Adam \u00fcbertrumpft sie alle, indem er Versammlungen organisiert und Prediger einl\u00e4dt. Er wird zu einem Anf\u00fchrer, wenn auch nicht einem bedeutenden Prediger wie sein Mentor und Idol Pierre Vogel, der Star der Salafisten in Deutschland.<\/p>\n<p>Sven Lau betreibt einen Laden an der Waldhausener Stra\u00dfe in M\u00f6nchengladbach, den Zam Zam Islamic Shop, benannt nach der heiligen Quelle in Mekka. Man kann in dem Laden islamische Kleidung, salafistische Literatur und religi\u00f6sen Nippes kaufen. Laus beste Freunde h\u00e4ngen hier st\u00e4ndig herum, sie reden, beten, schmieden Pl\u00e4ne. Eine professionelle Videokamera liefert Bilder f\u00fcr den eigenen YouTube-Kanal Muslimtube. Im Laden liegt ein \u00bbSurvival Kit\u00ab, ein Kompass, der pausenlos nach Mekka zeigt, und f\u00fcr die Zahnpflege gibt es den Miswak, ein arabisches Wurzelholz. Mit einem solchen soll sich schon der Prophet die Z\u00e4hne geputzt haben.<\/p>\n<p>Dass der neue Glaube den alten Freunden anst\u00f6\u00dfig erschien, hat die Sache f\u00fcr Sven Lau nur noch attraktiver gemacht. Ablehnung ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass man auf der richtigen Seite ist. So sieht er es. Seine Mutter riet seiner ersten Frau &#8211; die gemeinsam mit ihm zum Islam konvertiert war -, sich von ihm zu trennen, als er den Job bei der Feuerwehr aufgab. Die Mutter glaubte, der Junge habe den Verstand verloren. Spricht Sven Lau hingegen von seinem alten Leben, dann klingt es, als h\u00e4tte er Ballast abgeworfen, indem er zu Abu Adam wurde. Das ganze Leben lang arbeiten und blo\u00df am Wochenende einen draufmachen &#8211; das konnte nicht alles sein.<\/p>\n<p>Wenn Abu Adam von Sven Laus wilden Zeiten spricht, dann klingt das Ungl\u00fcck an, in einer freien Gesellschaft leben zu m\u00fcssen, wenn man wenig Talent dazu hat. Und das Gef\u00fchl der Erleichterung, eine Freiheit loszuwerden, die er als Haltlosigkeit erlebte. Die Verfassungsschutzberichte verzeichnen nur, ob Menschen wie Abu Adam die Grundwerte der freien Gesellschaft ablehnen und bek\u00e4mpfen. \u00dcber das Warum wird nicht berichtet, so, als bedeute die Frage nach dem Warum, den Feinden der Freiheit recht zu geben.<\/p>\n<p>Sven Lau und seine Freunde sind bekennende Feinde der Freiheit. Die Tyrannei einer religi\u00f6sen Ordnung, die einem sogar das Z\u00e4hneputzen vorschreibt, mag einen freiheitsliebenden B\u00fcrger erschaudern lassen. Doch f\u00fcr einen jungen Mann, der um seine Seele f\u00fcrchtet, kann sie die Rettung sein.<\/p>\n<p>Sven Lau ist binnen weniger Jahre zur Schl\u00fcsselfigur eines ganzen Milieus aufgestiegen. Er ist kein Charismatiker wie Pierre Vogel in K\u00f6ln, Hassan Dabbagh in Leipzig oder Ibrahim Abou-Nagie in Bonn. Sven Lau ist der Drahtzieher im Hintergrund. Er ist weniger glamour\u00f6s als die schrillen Sprecher der Bewegung. So wie er haben viele junge M\u00e4nner Karriere im islamistischen Radikalismus gemacht. Jahrelang ahnte niemand in M\u00f6nchengladbach, dass Sven Lau ein Repr\u00e4sentant der \u00bbzurzeit dynamischsten islamistischen Bewegung\u00ab sein sollte, wie die Verfassungssch\u00fctzer in ihrem aktuellen Bericht schreiben.<\/p>\n<p>Sven Lau wird allerdings nicht zum militanten Teil der Szene gerechnet. Er hat sich \u00f6ffentlich stets von Gewalt und Terrorismus distanziert &#8211; solange es den Dschihad, den heiligen Krieg, im Westen betrifft. Fragt man ihn aber, was er einem jungen Mann raten w\u00fcrde, der nach Afghanistan in den Dschihad ziehen wolle, antwortet Lau: \u00bbIch kann von Deutschland aus die Lage in einem anderen Land nicht beurteilen &#8211; ob also dort die Voraussetzungen f\u00fcr einen Dschihad vorliegen, das m\u00fcssten die zust\u00e4ndigen Gelehrten entscheiden.\u00ab<\/p>\n<p>G\u00f6tzendiener. Gottesfurcht. Rechtleitung. Paradies. Und H\u00f6lle, H\u00f6lle, immer wieder H\u00f6lle. Seit Abu Adam gegen das H\u00f6llenfeuer k\u00e4mpft, ist er eine Pers\u00f6nlichkeit in seiner Stadt, verehrt und verachtet. Er liebt es, gehasst zu werden.<\/p>\n<p>Auf den 63 Seiten eines internen Berichtes des Verfassungsschutzes spielt Sven Laus Verein Einladung zum Paradies eine gro\u00dfe Rolle. Der Verein hat seine Wurzeln im Braunschweiger Islamischen Bildungs- und Kulturzentrum, das 2006 von Muhamed Seyfudin Ciftci gegr\u00fcndet wurde. Ciftci ist unter dem Namen Abu Anas einer der einflussreichsten salafistischen Prediger in Deutschland. Das \u00bbBildungszentrum\u00ab wurde in \u00bbEinladung zum Paradies e. V.\u00ab umbenannt, um vom Ruhm einer weiteren Schl\u00fcsselfigur zu profitieren &#8211; Pierre Vogel, der schon eine erfolgreiche Internetseite unter demselben Namen betreibt. Tingelt Vogel, ein ehemaliger Profiboxer der Junioren, als Abu Hamza durch die Moscheen Deutschlands, werden Hunderte Jugendliche von ihm angelockt. Er besch\u00e4ftigt ganze Abteilungen des Staatsschutzes, weil er mit seinen Hasspredigten Hallen f\u00fcllt. W\u00fcrde ein solcher Erfolg auch Abu Adam in M\u00f6nchengladbach gelingen?<\/p>\n<p>Die Stadt hat eine Viertelmillion Einwohner, darunter etwa 10000 Muslime. Neun Moscheen &#8211; t\u00fcrkisch, marokkanisch, bosnisch, arabisch &#8211; gibt es hier seit Jahren, niemand hat mit ihnen ein gr\u00f6\u00dferes Problem. In M\u00f6nchengladbach-Eicken wurde vor 111 Jahren der Fu\u00dfballverein Borussia gegr\u00fcndet, bis vor ein paar Jahren spielten sie auch hier, am B\u00f6kelberg. Ein zehn Tonnen schwerer Granitfu\u00dfball in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone erinnert an die gro\u00dfen Zeiten der Fu\u00dfballhelden Netzer, Vogts und Heynckes. Wilfried Schultz geht jetzt freitags immer an diesem Klotz vorbei, um mit seiner B\u00fcrgerinitiative gegen die geplante Islamschule zu demonstrieren.<\/p>\n<p>Seit die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone durch Bauarbeiten blockiert ist, stehen viele Gesch\u00e4fte leer. Die Immobilienpreise sind gefallen, Schultz&#8216; Nachbarn haben nur eine kleine Rente oder einen schlecht bezahlten Job. Immobilienmakler spr\u00e4chen schon vom \u00bbMoscheenkrater\u00ab, sagt Schultz, rundherum werde sich kaum noch ein seri\u00f6ser Ladeninhaber ansiedeln.<\/p>\n<p>Zwei Wochen, nachdem sich die Nachricht vom Islamistenzentrum herumgesprochen hat, demonstriert die NPD auf dem Marktplatz von M\u00f6nchengladbach-Eicken gegen die Salafisten. Jetzt m\u00fcssen Schultz und seine Freunde in der B\u00fcrgerinitiative es nicht nur mit den Islamisten, sondern auch noch mit Nazis aufnehmen. Und pl\u00f6tzlich tauchen linksradikale Gegendemonstranten auf. An einem Freitag im Herbst werden Schultz und seine B\u00fcrger zwischen dem schwarzen Block der Nazis und dem schwarzen Block der Linksautonomen eingeklemmt. Beide Gruppen schreien sich \u00fcber die K\u00f6pfe der Anwohner hinweg an und drohen der anderen Seite. \u00dcberall flie\u00dft reichlich Bier. Die M\u00f6nchengladbacher Linkspartei, im \u00bbKampf gegen Rechts\u00ab st\u00e4ndig auf der Suche nach Gleichgesinnten, setzt sich f\u00fcr die Salafisten ein &#8211; eine abenteuerliche Wendung.<\/p>\n<p>Fernsehberichte locken weitere Akteure an, die sich in den M\u00f6nchengladbacher Konflikt st\u00fcrzen: Die Islamhasser der rechtsradikalen Vereine Pro NRW und Pax Europa kehren zur\u00fcck aufs Schlachtfeld, um ihren Kulturkampf gegen den Islam fortzuf\u00fchren. Wilfried Schultz versucht jetzt die ganze Zeit zu verhindern, dass der Widerstand gegen die Salafisten zu einem Protestzug gegen den Islam ausartet. Er sagt: \u00bbDie versuchen, uns in die rechte Ecke zu stellen. Es wird behauptet, wir h\u00e4tten Integrationsprobleme hier, und wir wollten keine Muslime. Bei uns gibt es aber keine Probleme mit Ausl\u00e4ndern oder fremden Religionen.\u00ab<\/p>\n<p>Im September 2010 wird die As-Sunnah-Moschee aus baupolizeilichen Gr\u00fcnden geschlossen. Die Stadtverwaltung erkl\u00e4rt, dass es f\u00fcr das fr\u00fchere Ladenlokal nie eine Nutzungserlaubnis als Moschee gegeben habe. Von jetzt an beten die Gl\u00e4ubigen jeden Freitag trotzig auf dem Eickener Marktplatz. Pierre Vogel tritt als Stargast auf und h\u00e4lt eine Brandrede. Er fordert die versuchsweise Einf\u00fchrung der Scharia in Berlin-Neuk\u00f6lln, er verlangt die Todesstrafe f\u00fcr Menschen, die einen Ehrenmord begangen haben. Und er will, dass Dieben die H\u00e4nde abgehackt werden.<\/p>\n<p>Danach schlie\u00dfen sich immer mehr Menschen dem Protest gegen die Salafisten an, und es ist immer seltener klar, wer warum gegen was demonstriert. Klar ist, dass der kleine Stadtteil Eicken in die H\u00e4nde von Extremisten zu geraten droht. Wilfried Schultz und seine Nachbarn halten bei jedem Freitagsgebet der Muslime ihre Mahnwache ab. Von den w\u00fctenden Anh\u00e4ngern des Predigers Vogel werden sie bespuckt und bedroht, sobald sie sich mit ihren selbst gebastelten Pappschildern blicken lassen. Eine Rentnerin, 70 Jahre alt, erinnert sich sp\u00e4ter: \u00bbMich haben sie Nazi-Hure genannt!\u00ab Sie ist entr\u00fcstet, aber sie muss auch l\u00e4cheln \u00fcber diese Absurdit\u00e4t: Man hatte die Braunen m\u00fchevoll ferngehalten, um selber als Nazi verunglimpft zu werden!<\/p>\n<p>Jedes Freitagsgebet zieht jetzt ein Ritual nach sich. Die Salafisten bauen sich gegen\u00fcber Schultz und seinen Leuten auf, rufen im Sprechchor \u00bbNazis raus\u00ab. Sie versuchen, die B\u00fcrgerinitiative als einen Haufen von \u00bbMuslimhassern\u00ab hinzustellen &#8211; was schwierig wird, weil auch zwei t\u00fcrkische Moscheegemeinden den Protest der deutschen Anwohner unterst\u00fctzen. Ein Sufi-Scheich, mit dem Wilfried Schultz befreundet ist, tritt sogar \u00f6ffentlich gegen die Salafisten auf. Schultz selber droht auf einer B\u00fcrgerversammlung: Sobald er etwas Rassistisches aus den eigenen Reihen h\u00f6re, werde er Anzeige erstatten.<\/p>\n<p>Das Haus, in dem Schultz mit seiner Familie lebt, wird pl\u00f6tzlich mit Farbbeuteln beworfen. Sp\u00e4ter fliegen Steine, und das Glas im Oberlicht der Eingangst\u00fcr splittert. Im Internet kursieren danach Videos, in denen sich Sven Lau und einige seiner Glaubensbr\u00fcder \u00fcber Wilfried Schultz lustig machen. Dann tauchen bedrohliche, anonyme Videos im Netz auf: Auf ihnen sieht man Schultz und h\u00f6rt in der Ferne Sch\u00fcsse. Morddrohungen werden Schultz aufs Handy geschickt. Aber er beschlie\u00dft, sich nicht kleinkriegen zu lassen, obwohl seine Frau und seine Tochter gro\u00dfe Angst haben. \u00bbVon meiner Kirche\u00ab, sagt er, \u00bbbin ich \u00fcbrigens ziemlich entt\u00e4uscht worden. Die haben lange nicht verstanden, mit wem wir es hier zu tun hatten. Die wollten tats\u00e4chlich mit den Salafisten Dialog machen, weil sie sie f\u00fcr gespr\u00e4chsbereite Muslime gehalten haben.\u00ab<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich, im Fr\u00fchjahr dieses Jahres, scheint sich die Schlachtordnung zu wenden. W\u00e4hrend der Karnevalstage wird die T\u00fcr eines Hauses demoliert, in dem einer der Salafisten wohnt. Waren das die Leute von der B\u00fcrgerinitiative? Ein Fenster in Sven Laus Ladenlokal wird eingeworfen. Jede Menge Hundekot liegt pl\u00f6tzlich auf dem Parkplatz vor der geplanten Islamschule. Dorthin weichen die Salafisten jetzt freitags aus, nachdem ihnen das gemeinsame Gebet auf dem Marktplatz verboten worden ist.<\/p>\n<p>Nach jeder dieser Taten sind auf YouTube Videos zu sehen, in denen Abu Adam die neuesten Exzesse der Islamfeindschaft gei\u00dfelt. Das ist der Punkt, an dem die Salafisten ihre Strategie \u00e4ndern. Haben sie sich bislang gegen die normalen Muslime gestellt und sich selbst als einzig wahre Muslime pr\u00e4sentiert, wollen sie jetzt blo\u00df noch als gew\u00f6hnliche Gl\u00e4ubige gelten. Der Begriff Salafismus wird mit einem Mal vermieden: Was sich hier in M\u00f6nchengladbach austobe, seien heimt\u00fcckische Attacken auf den Islam im Allgemeinen. Wilfried Schultz und seine Leute werden in den Videos f\u00fcr das vergiftete Klima verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>Jetzt versucht auch die Stadtverwaltung, die drohende Eskalation zu verhindern. Rasch wird der Bebauungsplan f\u00fcr das Grundst\u00fcck in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone ge\u00e4ndert. An Stelle des Islamzentrums soll dort ein Supermarkt entstehen. Nachdem dies im Juni durchgesickert ist, steckt jemand nachts einen Container auf dem Baugel\u00e4nde der geplanten Islamschule in Brand. Auch im Keller des Nachbargeb\u00e4udes bricht Feuer aus. Der Salafistenverein Einladung zum Paradies hat dort eine Wohnung gemietet, in der sich die Aktivisten treffen.<\/p>\n<p>Wieder sind, kaum hat es gebrannt, Videos im Internet zu sehen, in denen Sven Lau den \u00bblieben Geschwistern im Islam\u00ab von den j\u00fcngsten Angriffen erz\u00e4hlt. Seine S\u00e4tze werden immer atemloser: Von einem angeblichen Mordanschlag auf seine Familie ist pl\u00f6tzlich die Rede. In M\u00f6nchengladbach w\u00fcrden Andersgl\u00e4ubige gejagt, behauptet er.<\/p>\n<p>Sven Lau wei\u00df, dass sein Traum von der Missionszentrale am Niederrhein platzen kann. Spricht man ihn darauf an, gibt er sich unger\u00fchrt. Immer wieder klingelt sein Handy. Er sagt: \u00bbDie Br\u00fcder sind in Aufregung.\u00ab Es gebe viel fitna, Zwietracht, Verwirrung, Glaubensspaltung. Intern kritisieren die Br\u00fcder inzwischen, dass das Projekt M\u00f6nchengladbach in den Sand gesetzt worden sei. Dass nur \u00bbFeinde des Islams\u00ab Schuld am Scheitern sind, glauben die Br\u00fcder nicht l\u00e4nger. Ihre Wut richtet sich vor allem gegen Sven Lau und den aggressiven Prediger Pierre Vogel, der die Islamschule mit seiner Forderung nach der Scharia in Verruf gebracht hat.<\/p>\n<p>Abu Adam muss viele nerv\u00f6se Br\u00fcder am Telefon beruhigen. Die Kriminalpolizei hat einige M\u00e4nner aus der Gemeinde zu Verh\u00f6ren geladen. Wegen des letzten Brandes werde jetzt \u00bbin alle Richtungen\u00ab ermittelt. Sp\u00e4ter treffen sich Sven Lau und seine Glaubensbr\u00fcder im Hinterzimmer des Islamic Shop. Man m\u00fcsse sich abstimmen, der Gast von der ZEIT m\u00f6ge sich gedulden.<\/p>\n<p>Efrem (Name ge\u00e4ndert), der seine Tage in diesem Laden verbringt, bietet an, eine Tasse Kaffee zu holen. Seine Mutter, sagt er, sei Deutsche, sein Vater Somalier. Er habe keine Arbeit, aber er suche welche, allerdings \u00bbnicht wieder auf dem Bau, da ist es doch zu hart\u00ab. Er ist nicht religi\u00f6s aufgewachsen, sein Deutsch ist m\u00e4\u00dfig. Erst durch die Br\u00fcder, die Salafisten, sei er zum Islam gekommen, und seither f\u00fchle sich das Leben leichter an. Seine drei Schwestern lebten leider noch nicht \u00bbrechtgeleitet\u00ab, sie beteten nicht und bedeckten sich nicht korrekt, aber das werde sicher noch kommen, inschallah. Allerdings haben die Schwestern alle eigene Jobs, w\u00e4hrend Efrem den Tag mit Kaffeetrinken und Miswak-Kauen verbringt. Drau\u00dfen ist Efrem ein Verlierer. Im Zam Zam Shop hat er eine intakte Welt vorgefunden, in der ihm niemand kritische Fragen stellt.<\/p>\n<p>Am 20. Juni dieses Jahres wird Sven Lau mit zwei anderen M\u00e4nnern der Gruppe von der Polizei verh\u00f6rt. Der ehemalige Brandmeister wird dringend verd\u00e4chtigt, zusammen mit den beiden anderen Salafisten das Feuer im Keller unter dem Versammlungsraum der Salafisten gelegt zu haben. Die drei Beschuldigten verweigern die Aussage und d\u00fcrfen nach ein paar Stunden gehen. Am Tag danach meldet sich Abu Adam erneut per Videobotschaft bei den \u00bblieben Geschwistern\u00ab: Man habe nichts gegen ihn in der Hand, behauptet er. Die Polizei habe ihnen nur Br\u00f6tchen mit Schmierk\u00e4se zu essen gegeben, K\u00e4se gespickt mit Schinken. \u00bbWarum\u00ab, fragt Abu Adam, \u00bbgeben die uns keinen Schmierk\u00e4se ohne Schinken, liebe Geschwister?\u00ab<\/p>\n<p>In der folgenden Woche, nach dem Freitagsgebet, st\u00fcrmen mehrere B\u00e4rtige auf die 25 Anwohner, die auf dem Platz demonstrieren. Ehe Wilfried Schultz in Deckung gehen kann, trifft ihn eine Faust am linken Auge. Ein Notarzt behandelt ihn. Bald ermittelt die Polizei den T\u00e4ter. Es ist einer der beiden M\u00e4nner, die zusammen mit Sven Lau das Feuer gelegt haben sollen.<\/p>\n<p>Wilfried Schultz hat mit seinem Widerstand gegen das Prestigeprojekt die deutsche Szene der Salafisten in die Defensive getrieben. Dass sie in M\u00f6nchengladbach scheitern, ist jetzt wahrscheinlicher geworden. Sven Lau droht eine Anklage als mutma\u00dflicher Brandstifter. Pierre Vogel gibt bekannt, er werde vielleicht nach Saudi-Arabien auswandern. Der Gr\u00fcnder des radikalen Vereins Einladung zum Paradies, Muhamed Seyfudin Ciftci, distanziert sich von Lau und Vogel. Die Szene sei \u00bbzu politisch\u00ab geworden, schreibt er in einer E-Mail an seine Anh\u00e4nger. \u00bbWir sollten nicht andere provozieren und auch nicht zum Sieg des Islam rufen.\u00ab In M\u00f6nchengladbach-Eicken fallen die Freitagsgebete auf dem Parkplatz jetzt aus. Niemand kommt mehr.<\/p>\n<p>Wilfried Schultz, der Mann, der den Islamisten als Muslimfresser galt, hat sich um den Islam verdient gemacht. Viele Muslime danken ihm, dass er es mit den Radikalen aufgenommen hat, die ihren Glauben in Verruf bringen. \u00bbOhne die klare Trennung von den rechtsradikalen Islamhassern\u00ab, sagt er, \u00bbh\u00e4tten wir nie Erfolg gehabt.\u00ab Die Salafisten l\u00f6sen Ende August ihren Verein in M\u00f6nchengladbach auf, die Einladung zum Paradies gibt es nicht mehr. F\u00fcr die Verfassungssch\u00fctzer macht das die Arbeit nicht einfacher, denn die Anf\u00fchrer sind noch aktiv, jetzt aber im Untergrund. Die Islamschule ist verhindert, aber die Gefahr nicht gebannt: \u00bbRadikalisierung\u00ab, sagt ein Mann vom Verfassungsschutz, \u00bbfindet heute rasend schnell am Computer statt, nicht in einer Moschee.\u00ab<\/p>\n<p>Schon als die Faust ihn traf, wusste Wilfried Schultz, dass er diese Schlacht gewonnen hatte. Ein \u00bbMonokelh\u00e4matom\u00ab hat der Arzt festgestellt. Schultz meint: \u00bbWeniger vornehm gesagt: mit einem blauen Auge davon gekommen.\u00ab<\/p>\n<p>Allerdings steht jetzt oft ein Streifenwagen vor seinem Haus, Schultz sieht ihn fast jede Nacht. Er wei\u00df nicht recht, ob ihn der Anblick beru<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Islamisten wollen in M\u00f6nchengladbach ihr Hauptquartier errichten. Ein Anwohner tritt ihnen entgegen, gr\u00fcndet eine B\u00fcrgerbewegung. Pl\u00f6tzlich wird Feuer gelegt, der Konflikt spitzt sich zu Von J\u00d6RG LAU ZEIT-Dossier aus Nr. 42 vom 13. Oktober Wenn nur dieser rheinische Singsang nicht w\u00e4re. 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