{"id":5756,"date":"2012-10-22T10:57:38","date_gmt":"2012-10-22T08:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=5756"},"modified":"2012-10-22T19:15:36","modified_gmt":"2012-10-22T17:15:36","slug":"die-vergiftung-der-deutschen-integrationsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2012\/10\/22\/die-vergiftung-der-deutschen-integrationsdebatte_5756","title":{"rendered":"Die Vergiftung der deutschen Integrationsdebatte"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00a0Diesen Vortrag habe ich letzte Woche beim &#8222;<a href=\"http:\/\/berlinerintegrationsforum.wordpress.com\/\">B<\/a><a href=\"http:\/\/berlinerintegrationsforum.wordpress.com\/\">erliner Integrationsforum<\/a>&#8220; gehalten.\u00a0<em>Regelm\u00e4\u00dfige Leser dieses Blogs werden einiges wiedererkennen.<\/em><\/em><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Wo steht die deutsche Integrationsdebatte? Ich neige zum Optimismus, trotz allem. Warum? <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Da Herkunft in dieser Debatte eine so gro\u00dfe Rolle spielt, will auch ich sie hier einmal in Anspruch nehmen, um meine Argumente zu untermauern. Ich spreche also als artgerecht aufgewachsener \u201eBiodeutscher\u201c (Aua!) aus der westdeutschen Provinz. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich komme aus einem d\u00f6rflich-kleinb\u00fcrgerlichen Milieu Westdeutschlands, in dem das, was man\u00a0heute\u00a0Rassismus nennt, in den siebziger und achtziger Jahren noch zum normalen Umgangston geh\u00f6rte. Rassismus h\u00e4tte man es damals nat\u00fcrlich nicht genannt.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Man war stolz auf seine Vorurteile, und wer irgendetwas dagegen sagte, dass man gegen Itaker, Spanier, T\u00fcrken und Griechen wetterte, hatte wahrscheinlich keinen Humor. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Gegen Juden sagte man lieber nichts (mehr), jedenfalls nicht laut, denn die konnten uns nachtragender Weise die Sache mit Hitler nicht vergessen. Alle anderen waren Freiwild f\u00fcr den Stammtischhumor. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Es war ein kenntnisfreier, gewisserma\u00dfen unschuldiger und urspr\u00fcnglicher Rassismus, der alle Andersartigen gleichm\u00e4\u00dfig traf, einfach nur weil sie anders waren. Es war nicht pers\u00f6nlich gemeint, pures Ressentiment, Fiesheit gegen jedermann. Auch diejenigen, die sich im realen Leben sehr korrekt und nett mit den wenigen Fremden auf dem Dorf und in der Kleinstadt besch\u00e4ftigten, zogen dabei mit. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Der Kern der Sache war das Unbehagen an gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung. Und im Verfluchen der anderen leuchtete auch viel deutscher Selbsthass auf. Sehr berechtigter deutscher Selbsthass, m\u00f6chte ich sagen: der Selbsthass eines ungl\u00fccklichen Volkes, das sich selbst im tr\u00fcben Licht der Katastrophengeschichte des letzten Jahrhunderts sehen musste, ein Selbsthass, der sich am Objekt der schw\u00e4cheren, \u00e4rmeren, neuen Unterschicht der Einwanderer abreagierte. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Dieses Ph\u00e4nomen ist irgendwann ausgestorben. Die Deutschen in meinem Herkunftsmilieu wollen sich so nicht mehr sehen und sie k\u00f6nnen es nicht mehr h\u00f6ren. Sie sind herumgekommen, sie waren auf guten Schulen (oder ihre Kinder jedenfalls), sie haben sich abgeregt. Viele von ihnen kennen ein paar T\u00fcrken, Araber, Vietnamesen, seltener, muss ich sagen: Juden. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Die Ausl\u00e4nderwitze, die man in den siebziger und fr\u00fchen achtziger Jahren in diesem Milieu noch normal fand, w\u00e4ren heute absolut indiskutabel. Es gibt Schwiegert\u00f6chter und Schwiegers\u00f6hne mit Migrationshintergrund, Freunde der Kinder haben Migrationshintergrund \u2013 oder gar, wie ich mit Erstaunen feststellen musste: in meinem Fall sogar die eigenen Kinder. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Deutschland ist auf dem Weg des Sich-Abregens weltoffener, entspannter, welterfahrener geworden. Die Ver\u00e4nderungspanik hat abgenommen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">So sehe ich es, trotz unserer erregten Debatten der letzten Jahre.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Gut so. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Trotzdem l\u00e4uft hier etwas schief. Die gesellschaftliche Kommunikation leidet an einer schleichenden Vergiftung.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Mein Grund-Optimismus macht zur Zeit eine schwere Phase durch. Manchmal habe ich den Eindruck, ich erliege meinem eigenen Wunschdenken und es geht eigentlich \u00fcberhaupt nicht voran. Ich denke dann, ich mache mir das nur vor, weil ich mir das eigene Land sch\u00f6n singen will.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">In den letzten beiden Jahren war ich viel damit besch\u00e4ftigt, auf t\u00fcrkisch-deutsche, arabisch-deutsche, iranisch-deutsche, und deutsch-j\u00fcdische Freunde einzureden, sie sollen sich bitte nicht verr\u00fcckt machen lassen. Sie sollen hier bleiben und weitermachen.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Wie oft habe ich geh\u00f6rt, jetzt reiche es, man halte es nicht mehr aus, man gehe nun endg\u00fcltig weg, in die T\u00fcrkei, nach Amerika, nach Israel&#8230; Und manchmal sind das keine leeren Drohungen geblieben. Meist jedoch war die Auswanderungsdrohung nicht ernst gemeint. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Sehr wohl ernst gemeint war die Botschaft der Verletzung und Entt\u00e4uschung. Ich habe bei manchen Freunden und Bekannten eine Art innere K\u00fcndigung ihrer Liebe zu Deutschland erlebt. Das ist etwas Gef\u00e4hrliches.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Unsere \u201eIntegrationsdebatte\u201c mit dem H\u00f6hepunkt Sarrazin hat diesen \u201etipping point\u201c vorbereitet. Aber die Enth\u00fcllungen \u00fcber die \u201eD\u00f6nermorde\u201c haben dann f\u00fcr viele den Ausschlag gegeben. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Und die j\u00fcngste Debatte \u00fcber Beschneidung hat zu tiefer Verunsicherung gef\u00fchrt \u2013 eine Verunsicherung, die viele aus der Mehrheit nicht verstehen. Dazu gleich mehr. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Es wird untersch\u00e4tzt, wie ersch\u00fcttert viele t\u00fcrkische Deutsche von der NSU-Mordserie, vom Versagen der Beh\u00f6rden und der Medien bis heute sind. Schon die letzten Jahre einer zunehmend als Dem\u00fctigung und Kujonierung empfundenen \u201cIntegrationsdebatte\u201d haben viel Schaden angerichtet. Der Erfolg des Buchs von Thilo Sarrazin wurde als eine Abstimmung gegen T\u00fcrken an der Ladenkasse empfunden. Mehrere t\u00fcrkische Bekannte haben mir erz\u00e4hlt, dass sie in Folge dieser Debatte Freunde verloren haben. Es wurde nicht verstanden, dass sie Sarrazins Buch und seine Interventionen \u2013 von den \u201cKopftuchm\u00e4dchen\u201d \u00fcber die \u201cGem\u00fcseh\u00e4ndler\u201d bis zu den \u201cbelgischen Ackerg\u00e4ulen\u201d als pers\u00f6nliche, ehrabschneidende Angriffe empfanden. Und dass die breite Zustimmung der Bev\u00f6lkerung die Sache erst recht schlimm machte. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Wenn sie das ihren Freunden sagten, hie\u00df es oft, hab dich doch nicht so, Du bist doch nicht gemeint! Doch, ich bin gemeint, antworteten sie, mindestens innerlich. Mich und meine Leute meint ihr, wenn ihr diese Buch kauft. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Man f\u00fchlte sich von Sarrazin und seinem begeisterten Publikum aus Deutschland herausdefiniert. Das Wort Ausgrenzung habe ich nie gemocht. Es wird inflation\u00e4r gebraucht und hat einen moralistischen Ton. Aber hier passt es. Viele meiner Bekannten mit so genanntem Migrationshintergrund, bestens integriert, haben in diesen letzten Jahren Ausgrenzungserfahrungen gemacht. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Die Enth\u00fcllung \u00fcber die Mordserie traf auf diese Gef\u00fchlslage. Ohnehin angeknackstes Vertrauen war nun bei vielen ganz dahin: Die Hinrichtung von T\u00fcrken, wie sich nun herausstellte, durch Neonazis, war jahrelang den Opfern und ihrem mutma\u00dflichen \u201cMilieu\u201d zugeschrieben worden. Im Begriff \u201cD\u00f6nermorde\u201d schien der antit\u00fcrkische Rassismus der Beh\u00f6rden und der Medien zu sich zu kommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Gerade bei gut ausgebildeten und erfolgreichen deutschen T\u00fcrken trifft man derzeit auf eine Mischung aus entt\u00e4uschter Liebe zu ihrer Heimat, auf Wut, Trauer und allgemeine Aufgew\u00fchltheit, in einem Ma\u00df, dass einem Angst um dieses Land und seinen Zusammenhalt machen kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Wir verlieren so die Besten. Auch diejenigen, die nicht weggehen, schlie\u00dfen innerlich mit Deutschland ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich habe also dagegen geredet und gesagt, schaut doch mal, das ist zwar nicht sch\u00f6n, das ist alles h\u00e4sslich, aber es sind doch R\u00fcckzugsgefechte. Vergleicht das mal mit wirklichem, offenem Rassismus! Das Sentiment der deutschen Debattentreiber wie Sarrazin hat so was Verklemmtes und Verschwiemeltes, weil sie ja wisssen, dass es politisch nicht wirksam wird. Die gesamte politische Klasse h\u00e4lt doch dagegen. Merkel hat die Sache gleich mit ihrem \u201enicht hilfreich\u201c gekillt. Und dann Wulff mit seinem Islam-Diktum, gegen die BILD und die FAZ&#8230; Wir haben keine rechtspopulistische Partei in Deutschland! Alle unsere Nachbarn haben eine! <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">So richtig tr\u00f6stlich hat das nicht gewirkt. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Seither bin ich \u00fcber meine eigene Theorie ins Stutzen geraten, mit der ich mir bisher immer erkl\u00e4rt habe, warum das so ist, dass Deutschland keine rechtspopulistische Partei hat \u2013 ein Umstand, auf den ich einigerma\u00dfen stolz bin. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Meine Theorie dar\u00fcber, warum Deutschland keine rechtspopulistische Partei hat wie alle unsere Nachbarn \u2013 keine Partei vom Typ <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\"><em>Front National<\/em><\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\"><em>SVP<\/em><\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\"><em>Folkepart<\/em><\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">i oder <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\"><em>PVV<\/em><\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">, besteht aus zwei Elementen.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Das erstere ist banal: Das Rechte ist tabuisiert, herausgedr\u00e4ngt aus der wohlanst\u00e4ndigen Mitte in die Au\u00dfenbezirke des Politischen. Analog zu dem, was ich anfangs berichtet habe \u00fcber die Inakzeptabilit\u00e4t eines offenen Rassismus in der Mitte der Gesellschaft: Populismus geht in Deutschland nur noch links. Auch der kann sich \u00fcbrigens mit xenophoben und rassistischen Motiven verkn\u00fcpfen, wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie mal die B\u00fccher von Oskar Lafontaine!<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Aber es ist undenkbar, dass eine einflu\u00dfreiche Politikerin hierzulande f\u00fcr ein Kippaverbot eintr\u00e4te wie Marine Le Pen das k\u00fcrzlich getan hat. Und ich prophezeie, dass aus diesem Grund auch in absehbarer Zeit die Kopftuchverbote in Deutschland fallen werden. Man wird das abr\u00e4umen wie so viele andere Angstregelungen aus der \u00dcbergangszeit, wie etwa auch das Verbot der Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft. Man wird einsehen, dass Loyalit\u00e4t zu unserer Gesellschaft und den Werten sich weder am Kopfschmuck noch an der Zahl der P\u00e4sse festmachen l\u00e4sst. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Das zweite Element meiner Erkl\u00e4rung geht so: <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Wo andere L\u00e4nder eine rechtspopulistische Partei haben, haben wir in Deutschland die \u201eIntegrationsdebatte\u201c. \u00dcber \u201eIntegration\u201c zu reden, das muss man heute schon betonen, war einmal ein Fortschritt. In dem Wort liegt ja die Akzeptanz, dass der zu Integrierende bleibt und dazugeh\u00f6ren soll. In der Geschichte des Einwanderungslandes Deutschland war es eine historisch wichtige Schritt, das anzuerkennen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Heute aber empfindet man diese Debatte seitens derjenigen, \u00fcber die gesprochen wird, oft als Schikane und Falle. Immer neue Kriterien f\u00fcr Integration lassen den Eindruck zur\u00fcck: Hier soll entgegen dem Sinn des Begriffs eigentlich eine un\u00fcberwindliche Differenz ausgedr\u00fcckt werden. Anders als der Begriff suggeriert, ist die Integrationsdebatte eine Ausschlussdebatte, die am Ende die Pointe hat aufzuzeigen, warum ihr hier nie dazugeh\u00f6ren werdet. Integration ist ein Distanzmarker geworden. Das Wort ist unbrauchbar f\u00fcr seinen urspr\u00fcnglichen Zweck, und es wird darum weithin abgelehnt. Zu Recht, denn um Integration geht es gar nicht mehr: das setzt noch das Bild einer selbstgewissen Mehrheit voraus, die den Neuank\u00f6mmlingen und ihren Kindern die Regeln vorgibt, nach denen sie sich integrieren k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Von diesem Punkt aus spricht B\u00fcrgermeister Buschkowsky in seinem Buch. Aber das ist eine Retro-Fantasie: In den Siebzigern h\u00e4tte es vielleicht funktioniert nach diesem Ma\u00dfstab zu integrieren, aber damals war Integration ja eben nicht gewollt. Die Einwanderer sollten separat bleiben, damit ihnen die Heimkehr nicht schwer fiele: Re-Integration in ihre Herkunftsl\u00e4nder, das war das (illusorische) Ziel.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Heute ist die Vorstellung pass\u00e9, die eingeborene Mehrheit gebe einer zugereisten Minderheit die Regeln vor. Wozu sollen wir denn die hier geborenen, hier zur Schule und zur Uni gehenden Kinder von Einwanderern und Alteingesessenen rechnen? Sie sind vielerorts die Mehrheit. Sie sind die Eingeborenen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Wozu rechnen dann etwa meine eigenen Kinder, die einen iranischen und einen deutschen Opa haben und eine Mutter mit doppeltem Pass? (Wobei der Iraner ein Exilant ist, den sein eigenes Land verfolgt, und der deutsche Opa ein Vertriebener war, der im heutigen Polen geboren wurde.) <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich kann es Ihnen sagen: So lange meine Kinder gut in der Schule sind, sind sie Deutsche. W\u00fcrden sie \u00c4rger machen, w\u00fcrde man vielleicht beginnen, ihren \u201eHintergrund\u201c durchleuchten. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Es geht nicht mehr um Integration, sondern um Partizipation von Menschen mit verschiedensten Mix-Identit\u00e4ten. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">\u00dcbrigens: Ich mag das Wort Identit\u00e4t nicht besonders. Es ist ein Plastikwort. \u201eIdentit\u00e4ten\u201c sind entweder aus spannenden, sch\u00f6nen, traurigen Geschichten zusammengesetzt, oder sie sind blo\u00dfe, langweilige, ideologische Behauptungen dar\u00fcber, wer man ist. Identit\u00e4ten sind oft nur Anma\u00dfungen ohne viel Inhalt: die \u201echristlich-j\u00fcdische Identit\u00e4t\u201c unseres Landes, die gerne behauptet wird \u2013 dass ich nicht lache! Man muss sich nur die Beschneidungsdebatte vor Augen halten, um zu erkennen, was das f\u00fcr ein Quatsch ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Ich habe mich lange gegen die Auffassung gewehrt, Islamophobie und Antisemitismus h\u00e4tten bedeutende \u00dcberschneidungsfl\u00e4chen. Seit der Beschneidungsdebatte habe ich das Gef\u00fchl, es ist eben doch ein und das Gleiche.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Morgens im Deutschlandfunk h\u00f6ren zu m\u00fcssen, wie wohlmeinende deutsche \u00c4rzte gleich zwei Weltreligionen freundliche Angebote machen, sich endlich bitte, bitte auf das zivilisatorische Niveau des K\u00f6lner Landgerichts hinaufhieven zu lassen, das war dann doch sehr erhellend. J\u00fcdische Teilnehmer verwahrten sich gegen die Unterstellung, sie seien traumatisiert. Es half nichts. Der deutsche Therapeut wu\u00dfte es besser.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Leserbriefschreibern und Kommentatoren quillt der gesunde Menschenverstand aus den Tasten, dass es keine, aber auch gar keine akzeptable Begr\u00fcndung f\u00fcr die \u201cVerst\u00fcmmelung\u201d von Knaben durch Vorhautentfernung gebe.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Religi\u00f6ser Analphabetismus wird mit erstaunlichem Stolz als Common Sense spazieren gef\u00fchrt.\u00a0Irre, was man so alles an Vergleichen h\u00f6rt: Abtreibung, Ohrfeige, kosmetische Ohrenkorrektur\u2026 Das gro\u00dfm\u00fctige Angebot, man k\u00f6nne Beschneidung verbieten, aber straffrei lassen, wie eben die Abtreibung. Und dem Vorschlagenden f\u00e4llt gar nicht mehr auf, dass damit eine Ritualhandlung aufgrund eines religi\u00f6sen Gebots, die der Aufnahme eines neuen Lebens in die Gemeinschaft dient (und der Feier des Bundes mit Gott), auf die gleiche Stufe mit der Beendigung menschlichen Lebens gestellt wird. Und wie das wohl bei den Betroffenen ankommt, dass ihre Handlung mit einer T\u00f6tung verglichen wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Geht es wom\u00f6glich gar nicht um die Juden und die Muslime? Ist dies wieder einmal eine \u2013 diesmal knisternd pornographisch aufgeladene \u2013 \u00a0Orgie der Selbstbest\u00e4tigung? Der faszinierte Blick auf den beschnittenen Penis der anderen l\u00e4sst uns in Gewissheit erstarren, dass wir aufgekl\u00e4rten Mehrheitsmenschen den L\u00e4ngsten haben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Mit heiligem Ernst besch\u00e4ftigt sich ein Land wie Deutschland Monate lang mit anderer Leute Geschlechtsorganen. Man fasst es nicht. Andererseits: Deutsche wollen die Unversehrtheit j\u00fcdischer und muslimischer Penisse per Gesetz garantieren. Macht nichts, wenn zu diesem Zweck die Eltern und die \u00c4rzte, die an \u201cbarbarischen Br\u00e4uchen\u201d festhalten, kriminalisiert werden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Alle sollen so werden wie wir. Darum gehts es letztlich. Ja, warum auch nicht: Es gibt ja nun wirklich keinen Grund, anders zu sein oder anderes zu glauben, denn wir sind das zwar nicht das auserw\u00e4hlte, aber das aufgekl\u00e4rte Volk. Indem wir ihre Religionen kriminalisieren, geben wir den Juden und den Muslimen eine Chance, sich endlich nach Jahrtausenden von ihren archaischen Praktiken zu distanzieren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Wir Deutschen sind die Guten: Eine Komiker-Nation, wie die Kanzlerin treffend feststellte, im Einklang mit sich selbst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #222222\"><span style=\"font-family: Georgia\"><span style=\"font-size: medium\">Komisch nur, dass keiner lacht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">So viel zur deutschen Identit\u00e4t.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Aber auch wenn ich von der \u201emuslimischen Identit\u00e4t\u201c h\u00f6re, muss ich innerlich kichern: Identisch womit? Mit welcher Rechtsschule, welcher Konfession, welcher historisch-geografischen Pr\u00e4gung? Sufi oder Salafi? Konvertit oder wiedergeborenener Muslim? Muslimischer Atheist? Anti-Muslim?<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich kenne keine zwei Muslime, die \u201eidentisch\u201c sind. Ich kenne viele, die andere Muslime f\u00fcr ganz schlimme Heuchler, Verw\u00e4sserer, Fanatiker, H\u00e4retiker, Holzk\u00f6pfe halten. T\u00fcrken haben selten hohe Meinungen von Arabern und umgekehrt, und Iraner halten ohnehin alle anderen im Nahen Osten f\u00fcr kulturlose V\u00f6lker (au\u00dfer vielleicht die Juden, die auch schon ein paar Jahrtausende Geschichte haben, aber das geben nur wenige zu). <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Also: Geht mir weg mit euren Identit\u00e4tsbehauptungen! Identit\u00e4t ist nicht abendf\u00fcllend. Ganz mit uns identisch werden wir mit Sicherheit an einem Punkt unseres Lebens: Wenn es zuende ist. Tote sind mit sich identisch. Ein Merkmal des Lebens ist es, nicht mit sich identisch zu sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Aber ich schweife ab. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich wollte eigentlich sagen: Ich bin in unseren Debatten f\u00fcr maximale Offenheit, auch f\u00fcr verletzende Positionen. Ich habe lieber eine Debatte als eine rassistische Partei. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Ich halte das f\u00fcr einen entscheidenden Punkt zum Verst\u00e4ndnis der deut\u00adschen und europ\u00e4ischen Debatten \u00fcber den Islam: Sie handeln in Wahrheit nicht wirklich vom Islam als Religion. Man kann die Leidenschaften, die dabei am Werk sind, wohl kaum aus einem Interesse am Verstehen einer Weltreligion ver\u00adstehen, die (als Teil Europas, nicht als sein Gegen\u00fcber) immer noch neu ist. In erheblichem Ma\u00dfe dient die Debatte \u00fcber den Islam der Selbstvergewis\u00adserung einer verunsicherten Mehrheitsgesellschaft. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Es geht bei der \u201eIslamkritik\u201cmin\u00addestens so sehr um die deutsche, die europ\u00e4ische, die christliche, die s\u00e4ku\u00adlare Identit\u00e4t wie um den Islam.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Das ist f\u00fcr sich genommen weder irrational noch illegitim. Es gibt Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Verunsicherung, es gibt auch Gr\u00fcnde, die die \u201eIslamkritik\u201c antreiben &#8211; und ihr die Leser zutrei\u00adben. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Ich sehe Deutschland in der Situation eines Nach-Einwanderungslan\u00addes. Das Wort ist nicht sch\u00f6n, aber es beschreibt die Wirklichkeit: wir leben in einer post-migrantischen Situation. Wir debattieren also nicht mehr unter einem Einwanderungsdruck: Der Wanderungssaldo Deutschlands mit der T\u00fcrkei ist seit Jahren negativ. Beginnend im Jahr 2006 kehrte sich der Trend um: Mehr Menschen zogen von Deutschland in die T\u00fcrkei als umgekehrt. 2009 gingen bereits 10.000 mehr Menschen von Deutschland in die T\u00fcrkei als vice versa.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Das ist nur ein Beleg daf\u00fcr, dass Deutschland (jedenfalls f\u00fcr T\u00fcrken) kein Einwanderungsland mehr ist. Doch just in dem selben Moment nehmen die Debat\u00adten \u00fcber die Eingewanderten und ihre Nachkommen immer sch\u00e4rferen Charakter an. Kann es da einen Zusammenhang geben?<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Das ist nicht ungew\u00f6hnlich: Vielleicht kann man im Amerika der Zwischenkriegszeit des letzten Jahrhunderts einen Pr\u00e4zedenzfall sehen. Damals wurden die Gren\u00adzen f\u00fcr Immigration weitgehend geschlossen \u2013 nach einer gro\u00dfen Welle zwi\u00adschen 1870-1924, die Iren, Deutsche, Polen und andere Osteurop\u00e4er und Italiener in Millionenzahlen nach Amerika gebracht hatte. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Dann ging man daran, mit viel Druck die Integration\/Assimilation der Eingewan\u00adderten zu betreiben. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Ich will die Analogie nicht zu weit treiben. Nur soviel: Europa insgesamt scheint, nach der gigantischen Einwanderungswelle der Nachkriegszeit, die gespeist wurde durch Postkolonialismus und Wirtschaftsboom, ebenfalls in einer Phase der Schlie\u00dfung zu sein. Schlie\u00dfung im Wortsinne durch gesetz\u00adliche Erschwerung von Zuwanderung. Und im \u00fcbertragen Sinne als Ver\u00adsuch, die jeweilige Identit\u00e4t zu bewahren (was auch immer das jeweils sei). Der Erfolg der rechtspopulistischen Anti-Einwanderer-Parteien \u00fcberall in Europa spricht daf\u00fcr.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">\u00dcberall? Eben nicht. Deutschland hat keine solche Partei. Deutschland hat statt dessen eine Debatte \u00fcber \u201eIntegration\u201c. Mir ist das einstweilen lieber so, wie h\u00e4sslich die Debatte auch sein m\u00f6ge. Bei aller Kritik an der \u201eIslamkritik\u201c sollte das nicht vergessen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">In Deutschland kann ich meinem Unmut an der Einwanderungsgesellschaft nicht an der Wahlurne Ausdruck verleihen. Alle Parteien \u2013 selbst die Union \u2013 haben ihren Frieden damit gemacht, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Es gibt bei uns in der politische Klasse keine erfolgreichen Hetzer. Alle Z\u00fcndler sind politisch gescheitert und aussortiert worden. Fragen Sie mal Roland Koch \u00fcber seinen letzten Wahlkampf.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #1a1a1a\"><span style=\"font-size: medium\">Was ich aber tun kann, um meinem Unmut, meiner Angst, meiner \u00dcberforderung Ausdruck zu geben, ist ein Buch zu kaufen und zu Lesungen zu gehen, bei denen diesem Gef\u00fchl Ausdruck verliehen wird. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Das ist besser als eine Partei zu haben, die monothematisch damit Stimmen sammelt. Aber es ist nicht harmlos. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Vergiftete Kommunikation ist eine schlechte Voraussetzung, wenn eine Gesellschaft eigentlich darangehen muss, ein neues WIR auszuhandeln. Weil man sich dann nur in wechselseitigen Beschimpfungen ergeht: Integrationsverweigerer! Rassist!<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Ich halte nichts davon, Buschkowski als Rassisten zu bezeichnen. Nicht nur aus dem strategischen Grund, dass man ihn mit einem so \u00fcberzogenen Vorwurf zum Helden eines Publikums macht, das ohnehin der Meinung ist, die Wahrheit k\u00f6nne man in diesem Land nicht mehr sagen, weil man dann als Rassist bezeichnet werde. Wenn ich f\u00fcr Buschkowski und die NSU-T\u00e4ter das gleiche Wort verwende, mache ich meine Kritik an seinen Verallgemeinerungen und Zuspitzungen selber unglaubw\u00fcrdig. Aber lassen wir dieses Buch. Ich habe schon gesagt, dass mir B\u00fccher lieber sind als Parteien, und das gilt auch hier, bei aller Kritik.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Um zum Schluss zu kommen:<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Deutschland ist schon sehr viel weiter als es wei\u00df. Wird jetzt alles gut, wird jetzt alles nett?<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Nein, gem\u00fctlich ist es nicht in Einwanderungsl\u00e4ndern, sie sind voller Konflikte und Ressentimens \u2013 auf allen Seiten! Selbstverst\u00e4ndlich auch auf Seiten der Einwanderer. Schauen Sie nach USA, England, Kanada, Israel. Es g\u00e4be keine Standup-Comedy ohne diese Tatsache.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Gegen Vergiftung muss man allerdings eintreten, aber dagegen hilft nicht das Sch\u00f6nreden. Man darf nicht die Arbeitsteilung akzeptieren, dass die einen sich f\u00fcr Religionsfreiheit, S\u00e4kularismus, Frauenrechte, Werte, Bildung einsetzen und die anderen erkl\u00e4ren, alles laufe schon irgendwie und man m\u00fcsse nur abwarten und dem neuen bunten Deutschland beim Wachsen zusehen. \u00c4ngste und Vorbehalte, Konflikte und Ressentiments darf man nicht wegdr\u00fccken, weil sie \u201eder falschen Seite nutzen\u201c. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: medium\">Nur wer weniger Angst vor den eigenen \u00c4ngsten hat, wird sich weiter entspannen k\u00f6nnen. Nur wer nicht f\u00fcrchtet, dass seine \u00c4ngste weggewischt werden, wird sie eines Tages relativieren k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Diesen Vortrag habe ich letzte Woche beim &#8222;Berliner Integrationsforum&#8220; gehalten.\u00a0Regelm\u00e4\u00dfige Leser dieses Blogs werden einiges wiedererkennen. Wo steht die deutsche Integrationsdebatte? Ich neige zum Optimismus, trotz allem. Warum? Da Herkunft in dieser Debatte eine so gro\u00dfe Rolle spielt, will auch ich sie hier einmal in Anspruch nehmen, um meine Argumente zu untermauern. 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