{"id":719,"date":"2014-05-02T17:09:30","date_gmt":"2014-05-02T15:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/?p=719"},"modified":"2014-05-03T16:04:35","modified_gmt":"2014-05-03T14:04:35","slug":"eine-meldung-und-ihre-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/2014\/05\/02\/eine-meldung-und-ihre-geschichte\/","title":{"rendered":"Eine Meldung &#8211; und ihre Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/2014\/05\/02\/eine-meldung-und-ihre-geschichte\/img_1500\/\" rel=\"attachment wp-att-721\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"IMG_1500\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/files\/2014\/05\/IMG_1500-580x355.jpg\" width=\"580\" height=\"355\" \/><\/a><\/p>\n<p>Letzte Woche schrieben mir zwei deutsche Br\u00fcder, die gerade Urlaub in Pakistan machen. Sie wollten versuchen, \u00fcber den Khyberpass nach Kabul zu kommen. Ob ich, falls sie es schaffen sollten, vielleicht Zeit f\u00fcr eine Tasse Tee h\u00e4tte? &#8222;Klar&#8220;, schrieb ich zur\u00fcck. Ein paar Tage sp\u00e4ter berichteten deutsche Medien \u00fcber zwei Deutsche, die an der Grenze festgenommen worden seien, wom\u00f6glich Extremisten, die versucht h\u00e4tten, nach Afghanistan zu gelangen.<\/p>\n<p>Gestern bekam ich dann wieder eine Mail der beiden Br\u00fcder. Sie ist sehr lang, aber vor allem: sehr witzig. Deshalb m\u00f6chte ich sie nicht f\u00fcr mich behalten.<\/p>\n<p><em>Fr\u00fchling in Pakistan. Wunderbar! Mein kleiner Bruder und ich haben bereits einige sch\u00f6ne Wochen hier verbracht und m\u00f6chten nun f\u00fcr kurze Zeit ins Nachbarland Afghanistan reisen. Die Neugier treibt uns an. Jetzt wo die Truppen abziehen oder abgezogen sind, k\u00f6nnte dies h\u00f6chst spannend werden. F\u00fcr den Fall, dass die Luft zu dick wird, haben wir f\u00fcr uns Pakistan ein Visum mit \u201edoppelter Einreise\u201c organisiert, sodass wir jederzeit in Sicherheit fl\u00fcchten k\u00f6nnen. <\/em><\/p>\n<p><em>Der Flug von der grenznahen Stadt Peshwawar nach Kabul ist entschieden zu teuer und erscheint zudem mehr als langweilig, also versuchen wir uns schlau zu machen, wie es derzeit mit der Einreise per Bus \u00fcber den Khyberpass aussieht. Diese Route ist allerdings ber\u00fchmt ber\u00fcchtigt f\u00fcr \u00dcberf\u00e4lle und Entf\u00fchrungen, und prinzipiell wird von einer Grenz\u00fcberquerung an dieser Stelle schon seit Ewigkeiten abgeraten. Dies besonders da ein Gro\u00dfteil der Strecke durch die gef\u00fcrchteten \u201eTribal Areas\u201c f\u00fchrt, die Stammesgebiete, die ihren ganz eigenen Gesetzen unterliegen, und gerne auch einmal als R\u00fcckzugsort f\u00fcr Taliban hinhalten m\u00fcssen. Dies gilt allerdings ma\u00dfgeblich f\u00fcr den S\u00fcden und hier in Khyber wimmelt es nur so von Polizisten und Soldaten, sodass wir uns relativ sicher f\u00fchlen. Zudem haben wir uns in weiser Voraussicht stattliche B\u00e4rte wachen lassen und statt Hemd und Jeans tragen wird den dort \u00fcblichen Shalwar Kamiz, einen Zweiteiler aus einer Pluderhose und einer Art Nachthemd. Damit sind wir in dieser Gegend zwar nicht unsichtbar aber zumindest deutlich weniger auff\u00e4llig, und oftmals werden wir mit den einheimischen Paschtunen aus dem Norden verwechselt. Ein Chitral-Cappy macht unser Outfit komplett und so rechnen wir uns gute Chance aus, die Strecke ohne gro\u00dfes Aufsehen und Zwischenf\u00e4lle zu meistern. <\/em><\/p>\n<p><em>Um von Peshawar zur Grenze zu gelangen muss man erst einmal zu den \u201eKarkhano Markets\u201c fahren, wo die Grenze zu den Tribal Areas verl\u00e4uft. Hier kann man versuchen einen Bus zu ergattern &#8211; oder notfalls ein Taxi nehmen. Als wir den \u201eSchmugglerbasar\u201c erreichen, erz\u00e4hlt man uns an der Busstation jedoch sofort, dass hier ohne \u201eSpecial Permission\u201c gar nichts l\u00e4uft. Dies ist nat\u00fcrlich erst einmal ein herber Schuss vor den Bug, da man uns auch gleich mitteilt, dass das hierf\u00fcr zust\u00e4ndige B\u00fcro in Peshwawar liegt und erst in drei Tagen wieder \u00f6ffnen wird. Resigniert spazieren wir \u00fcber den Markt und g\u00f6nnen uns eine Cola. Nach einigen Beratschlagungen einigen wir uns darauf die ganze Sache mit dem Afghanistan-Kurztrip abzublasen. Der Landweg dauert zu lange und ein Flug kommt f\u00fcr uns nicht in Frage. Vor dem Heimweg wollen wir noch schnell etwas essen und flanieren \u00fcber den Markt. Dummerweise baut sich dieser entlang der besagten Strasse auf &#8211; und irgendwo hier ist anscheinend auch eine Art Grenzposten zu den Tribal Areas. <\/em><\/p>\n<p><em>Auf dem Markt selbst bekommt man davon nichts mit: Kein Schild oder \u00c4hnliches weist darauf hin. So kommt es, dass wir keine zehn Meter vor einer ansprechend aussehenden Kebap-Bude von einem Soldaten angesprochen und zu seinem Vorgesetzten gef\u00fchrt werden. Dieser erhebt sich sofort von seinem Stuhl, bietet ihn meinem Bruder an und ein weiterer Herr macht ebenfalls eine Sitzm\u00f6glichkeit f\u00fcr mich frei. Es folgt kurzer und \u00fcblicher Smalltalk und wie sich es herausstellt, sind wir unbewusst hinter den Strassengrenzposten geschlendert. So weit erst einmal kein Problem, die Polizisten sind sehr entspannt, dieses Missverst\u00e4ndnis scheint plausibel und nicht ganz ungew\u00f6hnlich. Ein sp\u00e4ter Hinzugesto\u00dfener fuchtelt zwar noch mit seinem Finger vor unserer Nase, das wir hier bereits in den Stammesgebieten sind und dies ja eigentlich nicht erlaubt sei; aber was soll&#8217;s? Wenn wir schon einmal da sind. Wir erkl\u00e4ren erneut unser Anliegen, bekommen eine Limo ausgegeben und nach weiteren Ann\u00e4herungsversuchen und gemeinsamem Herumgealbere verspricht man uns, zu versuchen per Telefon eine Genehmigung zu erwirken. Wir geben uns ein High-Five und h\u00fcpften auf einen Milit\u00e4rpickup, der uns durch das ber\u00fchmte Khyber-Tor f\u00e4hrt und der uns in einer gro\u00dfen Polizeistation in Jamrud absetzen soll. In diesem Moment, so denken wir, sieht ja alles wieder ganz gut aus. Mal wieder mehr Gl\u00fcck als Verstand gehabt. Wir ahnen nicht, wohin dieses ganze Spielchen noch f\u00fchren soll.<\/em><\/p>\n<p><em>In der ersten Station ist man uns ebenfalls sehr freundlich gesonnen. Man f\u00fchrt uns zum Chef, der gerade eine Art Nickerchen macht, und bringt noch eine Runde Limo. Wir sitzen auf seinem Bett und im Minutentakt kommen neue, wichtigere Leute. Jedesmal das aufwendige Begr\u00fc\u00dfen und der \u00fcbliche Smalltalk: Wie geht\u2019s? Bist du verheiratet? Wie findest du Pakistan? Bist du Moslem? Deutsche sind unsere Br\u00fcder! Alles scheint hier einem festen Prozedere zu folgen, dass wir inzwischen ganz gut beherrschen, und flugs werden wir zur Sehensw\u00fcrdigkeit. Unz\u00e4hlige M\u00e4nner versuchen in den Raum zu gelangen, uns zuzul\u00e4cheln oder uns herzlich zu begr\u00fc\u00dfen. Einer sieht aus wie Bud Spencer in seinen besten Jahren und mein Bruder, ein bekennender Fan dieser Figur, schlie\u00dft schnell Freundschaft mit ihm. Arm in Arm sitzen sie nun auf dem Teppich, ich kann mir das Lachen \u00fcber diesen Anblick kaum verkneifen. Als dann der Raum zu Bersten voll ist und wir unsere Geschichte bereits vier Mal aufs Neue erz\u00e4hlt haben, macht einer eine Ansage und fast alle m\u00fcssen gehen. Also wieder von vorne: nach und nach tr\u00f6pfeln neue Gestalten herein und das gro\u00dfe Begr\u00fc\u00dfen und Erz\u00e4hlen beginnt aufs Neue. Wir bekommen langsam Kohldampf und reiben uns auff\u00e4llig unauff\u00e4llig die B\u00e4uche. Schon wird ein Boy losgeschickt um frittiertes H\u00fcnchen zu organiseren. Auf dem Boden rollt man ein Tischtuch aus und wir spachteln was das Zeug h\u00e4lt &#8211; bis pl\u00f6tzlich alle aufspringen und den R\u00fccken durchdr\u00fccken. <\/em><\/p>\n<p><em>Ein junger dicker Mann in zivil kommt herein, gr\u00fc\u00dft alle gelangweilt und beginnt ernsthaft unsere P\u00e4sse durchzubl\u00e4ttern. Eine scheinbar unerl\u00e4ssliche Sache, die vor ihm in der letzten Stunde bereits zehn bis 15 M\u00e4nner getan hatten. Nur uns ist es verg\u00f6nnt, uns wieder zu setzen und weiter zu essen. Kaum beginnen wir an dem Tee zu nippen, springen schon wieder alle auf, und erneut betritt jemand in Zivilklamotten den Raum. Der f\u00e4ngt nun an die Daten unserer P\u00e4sse abzuschreiben &#8211; stattdessen unsere Passkopien zu nehmen lehnt er aus unerfindlichen Gr\u00fcnden ab. Dennoch scheint jener der Kompetenteste von allen zu sein. Nach einer Weile des Telefonierens und Beratschlagens verzieht er sein Gesicht und teilt uns mit, das der Landweg leider nicht m\u00f6glich sei. Er habe wirklich alles versucht, aber der Weg sei ja auch nicht ganz ungef\u00e4hrlich, selbst mit Milit\u00e4reskorte, die man uns selbstverst\u00e4ndlich stellen wollte. Wir werden nun zur\u00fcck nach Peshawar gefahren und sollten daher besser ein Flugzeug nehmen. Schade! Netter Versuch! Wir verabschieden uns von 20 bis 30 M\u00e4nnern mit Handschlag und Umarmung und bekommen ein paar Typen mit Kalaschnikows als Geleit. Innerlich schmunzeln wir dar\u00fcber, dass sich in den letzten zwei bis drei Stunden an die f\u00fcnfzig Personen mit unserem marginalen Anliegen besch\u00e4ftigt haben. Wir gucken dann aber nicht schlecht, als der Milit\u00e4r-Pickup nicht direkt zur\u00fcck in die Stadt f\u00e4hrt, sondern unterwegs zu einer anderen Polizeistation abbiegt. Wir sind verwirrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die neuen Polizisten sind deutlich besch\u00e4ftigter und man fragt uns gar nicht erst, was denn Sache sei, sondern beginn direkt massenhaft Kopien unsere P\u00e4sse zu machen und diese abzuschreiben. Scheinbar braucht jeder hier mit Sternen auf der Schulter sein ganz pers\u00f6nliches Exemplar. Auch muss jeder mit h\u00f6chster Konzentration die Papiere studieren. Besonders mein Pass gibt ihnen gro\u00dfe R\u00e4tsel auf. Bis auf eine Seite ist dieser voll mit Visa und Stempel. Ich versuche zu erl\u00e4utern, was es mit dem vielen Reisen auf sich hat, treffe aber nur auf Unverst\u00e4ndnis. Wir werden wieder mit Limo gef\u00fcttert, ein Essen lehnen wir dankend ab. Mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, aber teils auch in gutem Englisch, verlaufen weitere Erkl\u00e4rungen zu meinem Pass. Wir bekommen den Ratschlag, dass wir besser fliegen sollten. Zudem auch besser nach Deutschland, da die Alpen ja auch ganz wunderbar sein sollen. Zumindest meint jemand dies mal im Fernsehen mitbekommen zu haben. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das Ger\u00fccht \u00fcber die Sehensw\u00fcrdigkeit der Alpen. Pl\u00f6tzlich formierte sich eine Art gut gemeinte Abschiebe-Front gegen uns. Von verschiedenen Seiten quasselt man auf uns ein, unser Reiseziel spontan um einige Tausend Kilometer zu verlegen. Im Nachhinein kommt es mir vor, als h\u00e4tte das ganze B\u00fcro lautstark \u201eALPEN! ALPEN! ALPEN!\u201c skandiert. Aber da muss mir mein Ged\u00e4chtnis wohl einen Streich spielen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir bekommen noch mehr Limo und unterhalten uns mit einigen jungen Soldaten, als zwei Typen mit steinzeitlicher Kamera den Raum betreten. An uns scheinen sie gar nicht interessiert &#8211; sie sprechen nur mit dem Oberboss hinter dem gr\u00f6\u00dften Schreibtisch. Wir denken uns nichts weiter dabei, bekommen aber wenig sp\u00e4ter eine SMS von einem pakistanischen Freund, dass wir soeben in den Hot News im Fernsehen aufgetaucht seien. So schnell geht das also: \u201eTwo German nationals were arrested, illegally passing to Afghanistan through the tribal area Khyber Agency.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em> Im ersten Moment m\u00fcssen wir etwas Kichern, wie schnell so etwas doch geht und wie falsch diese Meldung doch ist. Im Nachhinein und unter Betrachtung der Verbreitung dieser Ente sollten wir uns bei Gelegenheit jedoch noch einmal bei dieser Pfeife von Polizeichef f\u00fcr diesen st\u00fcmperhaften Versuch als Mediensprecher bedanken. Diesen Trubel h\u00e4tten wir uns gerne erspart, denn wie sich zeigen wird, warten hier vor Ort noch ganz andere Probleme auf uns. <\/em><\/p>\n<p><em>Das ganze Passkopieren und Erl\u00e4utern zieht sich ewig hin. Fast jeder sucht das Gespr\u00e4ch mit uns und wie immer hebt es die Stimmung enorm, wenn jemand feststellt, dass wir beide Geschwister sind. Familie steht hier hoch im Kurs. Und dazu auch noch Deutsche. Das ist nat\u00fcrlich famos, da man hierzulande der Ansicht ist, dass sowohl Deutsche als auch Paschtunen geschichtlich betrachtet Arier sind und daher in unser aller Adern dasselbe Blut fliesst. Gro\u00dfartig! Die Polizisten sind begeistert: \u201ePashtuns and Germans are brothers! BROTHERS!\u201c Wir enthalten uns kritischer Kommentare und nicken freundlich und zustimmend.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch versuchen viele ihre, teils sehr stark begrenzten, Englischkenntnisse zum Besten zu geben, um eine kleine Konversation mit uns anzuleiern. Manchmal nimmt das ziemlich lustige Formen an. Mein Favorit ist ein Polizist, der das Gespr\u00e4ch mit \u201eYou break my heart!\u201c er\u00f6ffnet, danach kommt \u201eHappy new year!\u201c als Verabschiedung gefolgt von der Universalfloskel \u201eGood morning\u201c, zu jeder Tages- und Nachtzeit und am Beginn oder Ende einer Begegnung anwendbar. Wir freuen uns jedes mal riesig, schlie\u00dflich k\u00f6nnen sie damit besser Englisch sprechen als wir Pashtu und dies soll honoriert sein. Die Jungs grinsen ebenfalls bis \u00fcber beide Ohren. Daher erwidern wir auch jedes \u201eI love you!\u201c mit demselben Wortlaut und gleichem Enthusiasmus. Wir wissen genau, wie dies zu werten ist &#8211; und wir erkennen den gutgemeinten Kern.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist bereits dunkel, als wir gehen d\u00fcrfen. Wieder hei\u00dft es, dass wir nun in ein Hotel gefahren werden und morgen dann fliegen sollten. Am besten in die Alpen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zuf\u00e4lligerweise liegt unser Wunschhotel direkt neben einer Polizeistation in der Altstadt von Peshawar, und so beschliesst man kurzerhand, dort noch eben Bericht zu erstatten. Inzwischen sind seit unserem Aufgreifen gute vier bis f\u00fcnf Stunden vergangen und wir wollen nun eigentlich etwas Ruhe haben. Aber okay. Eben Hallo sagen tut nicht weh und wie man uns versichert geht es ja nun nur noch um unsere pers\u00f6nliche Sicherheit. Nicht dass wir heute Nacht noch entf\u00fchrt werden oder so.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie sich herausstellt, beginnt das ganze Spiel nun zum dritten Mal von vorne. Langsam wird es echt nervig, wir sind m\u00fcde und haben alles gesagt, was gesagt werden muss.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden ins B\u00fcro des Chefs gebracht und wieder werden die Daten der P\u00e4sse abgeschrieben. Wiedermal sind die Diensthabenden durcheinander, da auf dem deutschen Reisepass nicht der Name des Vaters vermerkt ist und als Nationalit\u00e4t \u201eDeutsch\u201c anstelle von \u201eGerman\u201c angegeben wird. \u00d6fters hatten wir in der Vergangenheit aus Spa\u00df unsere Nationalit\u00e4t als Nachnamen eingetragen oder unseren Geburtsort als Vornamen. Langsam d\u00e4mmert uns aber, dass die ganze Sache ernster ist als anf\u00e4nglich angenommen. Wieder erscheinen Leute mit Kameras, setzen sich auf die andere Seite des Raumes und versuchen uns unauff\u00e4llig zu filmen. Das rote Licht leuchtet auf, also st\u00fctzen wir den Kopf auf die H\u00e4nde und kratzten uns im Gesicht. Dies auf eine Weise, dass der ausgestreckte Mittelfinger in unserem Gesicht ruht und zuf\u00e4lligerweise in ihre Richtung zeigt. Mein Bruder steht irgendwann auf, m\u00f6chte die Aufnahmen sehen und schaut dem Typen \u00fcber die Schulter. Mein Gesicht ist in der Gro\u00dfaufnahme, also fordert er streng: \u201eStop filming!\u201c &#8211; worauf jener nur \u201eno problem\u201c erwidert &#8211; und weiterdreht. Wir versuchen uns bei den Polizisten zu beschweren, finden aber kein Geh\u00f6r. Wir wissen nicht, ob wir das ganze gerade lustig oder bescheuert finden sollen. Irgendwann sagt der Reporter etwas zum Oberpolizist und dieser schnauzt dann zur\u00fcck, worauf sich die beiden Reporter verziehen. Wie sich herausstellt, dachten diese wir w\u00e4ren Terroristen, woraufhin der Chef sie rausgeschmissen hat. Der ganze Raum beteuert nun, dass wir ihre Br\u00fcder und G\u00e4ste seien. Niemand wagt es \u00fcberhaupt zu erw\u00e4gen, dass wir gef\u00e4hrliche Fundamentalisten sein k\u00f6nnten. Irgendjemand schmeisst noch eine Runde Limo f\u00fcr uns und man bestellt die Angestellten unseres Wunschhotels auf die Wache, des Park Mehal Hotel. Dort haben wir bereits zuvor residiert und viel Spa\u00df mit den Jungs gehabt. Der Polizeichef faltet die Hotelleute ordentlich zusammen, da ihr Hotel nicht im Ansatz den Sicherheitsbestimmungen entspricht, um Ausl\u00e4nder aufzunehmen. Eine Entfernung von knapp 50 Metern vom Polizeirevier und nur ein Wachmann mit Knarre sind nicht genug. Wir entschuldigen uns f\u00fcr die Unannehmlichkeiten, aber die Angestellten erwidern, das sei alles kein Problem. Man freue sich, uns nachher wieder begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Einen Moment sieht es so aus, als d\u00fcrften wir endlich gehen. Wir sch\u00fctteln H\u00e4nde, werden umarmt und satteln just die Rucks\u00e4cke, als ein nett aussehender Herr in wei\u00dfem Shalwar Kamiz den Raum betritt. In tadellosem Englisch quatschen wir ein wenig und bekommen schlie\u00dflich einen langen Vortrag, dass wir weder hier noch in Kabul etwas zu suchen h\u00e4tten. Alles viel zu gef\u00e4hrlich.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich verkneife mir die Frage, ob seiner Meinung nach die Alpen eine Alternative w\u00e4ren.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Standpauke \u00fcber unsere Reisegewohnheiten scheint kein Ende zu nehmen und wie zwei Schuljungen senken wir dem\u00fctig die K\u00f6pfe. Als wir ausreichend v\u00e4terlich ausgeschimpft sind, nimmt er schlie\u00dflich Zettel und Stift und schreibt mal wieder die Daten aus den Reisep\u00e4ssen ab. Neu ist, dass wir nun auch noch unseren \u201eTribe\u201c angeben sollen. Wir stutzen etwas und entscheiden uns daf\u00fcr, einmal Franke und einmal Friese anzugeben \u2013 \u201eFriesistan\u201c, wie mein Bruder stolz verk\u00fcndet. Nun beginnt das eigentlichen Verh\u00f6r. Wo wir denn die Zeit \u00fcber in Pakistan so gewesen seien, das Einreisedatum und die Uhrzeit, welche St\u00e4dte, welche Hotels? Was haben wir getrieben und mit wem haben gesprochen? Und \u00fcberhaupt, was machen wir in Pakistan? Das Ganze ist nicht einfach, schlie\u00dflich sind wir viel herumgetrampt, hatten drau\u00dfen oder bei spontanen Bekanntschaften geschlafen und an die paar Hotels, in denen wir waren, k\u00f6nnen wir uns namentlich kaum erinnern. Dass wir dazu auch keine Quittung f\u00fcr die horrenden Preise von ein bis zwei Euro pro Nacht aufgehoben haben, macht uns in seinen Augen h\u00f6chst verd\u00e4chtig. Und dass wir die Bev\u00f6lkerung in Pakistan wirklich als nett, gastfreundlich und zuvorkommend empfinden und uns hier pudelwohl f\u00fchlen, ergibt in seinen Augen dann wirklich keinen Sinn mehr. Irgendwas muss bei den Jungs im Busch sein! Man beginnt unser Telefon zu sichten, Nummern zu notieren und SMS zu lesen. Uns wird langsam unwohl, wir wollen in diese Sache keinen unserer Freund mit hineinziehen. Als dann ein Haufen an den H\u00e4nden zusammengeschn\u00fcrter Verbrecher in das B\u00fcro gedr\u00e4ngt wird und der Polizeichef lautstark auf sie einbr\u00fcllt, wechseln wir in den speziellen Untersuchungsraum. Langsam d\u00e4mmert uns auch, dass der Typ ein Agent ist, da seine Fragen um einiges seri\u00f6ser klingen als alles andere, was wir am Tag beantworten mussten. Unsere Vermutung wird mit einem unscheinbaren Kopfnicken verifiziert. Aber \u201eNo problem\u201c, wie er uns versichert, \u201eyou are my guests!\u201c Inzwischen hat diese Floskel f\u00fcr uns einiges an Bedeutung eingeb\u00fc\u00dft &#8211; zumindest aus dem Mund eines Polizisten.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Verh\u00f6r zieht sich etwas hin und es folgen weitere Schelten aufgrund mangelnder Buchf\u00fchrung unserer Reisekasse. Dann erscheinen zwei weitere M\u00e4nner in Begleitung, die sich dann auch direkt als ISI-Agenten vorstellen, das ist der hier bekannteste Geheimdienst. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Es sei nun ganz wichtig, dass wir uns an alles erinnern und ab jetzt ausschlie\u00dflich die Wahrheit sagen. Wir nicken beklommen. Dies Jungs greifen dann bei ihrem Verh\u00f6r auch gleich ganz tief in den Methodenkoffer. Wir werden etwas gefragt, antworten und werden unterbrochen, bekommen eine neue Frage, werden wieder unterbrochen und eine der vorherigen Frage wird wiederholt. Dann machen sie noch die guter Bulle-b\u00f6ser Bulle Nummer und lassen w\u00e4hrenddessen unser Gep\u00e4ck inspizieren. Wir m\u00fcssen die Bilder auf der Kamera und dem Laptop zeigen und Personen identifizieren, erkl\u00e4ren, wie und unter welchen Umst\u00e4nden wir Leute kennengelernt haben und was wir \u00fcberhaupt in Pakistan machen. Dies sei schlie\u00dflich kein Ort f\u00fcr Touristen. Die sch\u00f6ne Natur und die freundlichen Menschen werden als einleuchtender Grund nicht zugelassen. Bitte nur die Wahrheit, ermahnt man uns. Was haben wir in Peshawar getrieben? Wir waren auf dem Basar? Was haben wir gekauft, von wem und wie viel bezahlt? Und Warum? Wieder viel Misstrauen, da die St\u00e4nde alle gleich aussehen und wir keine Verk\u00e4ufer nennen k\u00f6nnen. Weil die Preise hier so gering sind, Kleingeldbetr\u00e4ge, erinnert man sich nur sehr leidlich an seine Ausgaben. Auch die wenig exakten Aufenthaltsdauern in den jeweiligen Gebieten und St\u00e4dten treiben Furchen in die Stirn meines Gegen\u00fcbers. Die Lebenswelt eines Rucksack-Reisenden und seine Loskopplung von Zeit, Datum und Wochentag scheint ihnen v\u00f6llig verschlossen und unverst\u00e4ndlich. Wir leben in den Tag und richten uns nach spontanen Impulsen. Hier treffen Kulturen und Lebenswelten aufeinander und die Kommunikationsschwierigkeiten scheinen un\u00fcberwindbar.<\/em><\/p>\n<p><em>Irgendwann wird mir das Ganze zu bunt und ich frage mit einer Mischung aus Ernst, Wut und Verdrossenheit, was man denn eigentlich wirklich von uns m\u00f6chte? Die Nummer mit unserer pers\u00f6nlichen Sicherheit erkl\u00e4re ich unter diesen Umst\u00e4nden f\u00fcr absurd. Ob sie uns f\u00fcr Spione oder Terroristen halten? Nur schwer kann ich die Lautst\u00e4rke meiner Stimme drosseln, diese perfide Art des Verh\u00f6rs macht uns sauer und man versucht uns anscheinend st\u00e4ndig f\u00fcr dumm zu verkaufen. Nein, niemals, beteuert man wieder, alles nur zu unserer Sicherheit. Wir erwidern, dass es f\u00fcr uns neu ist, dass man zu jemandes Sicherheit die privaten Reisebilder durchschn\u00fcffelt, erhalten aber keine Antwort. Nachdem sie noch eine weitere Stunde ihre Verh\u00f6rmethoden gefeiert haben, wir aber kaum zum Antworten kommen, sind die Typen was die \u201eWahrheit\u201c angeht u.E. kaum schlauer geworden. Unerwarteterweise hat dann aber anscheinend jemand eine Eingebung &#8211; und pl\u00f6tzlich l\u00e4cheln alle wieder. Die Stimmung schl\u00e4gt ins gelassene, freundschaftliche um. Wir d\u00fcrfen endlich gehen und die Agenten helfen sogar das Gep\u00e4ck wieder zu verstauen. Alles ist in Butter. Wir fahren jetzt in ein Hotel.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind kaum \u00fcberrascht, als kurz vorm Verlassen der Station noch ein weiterer Typ auftaucht. In einem dicken Pickup, seine Kinder auf den R\u00fccksitzen, gleitet er in den Innenhof der Festung und wird mit uns in das bis jetzt gr\u00f6\u00dfte B\u00fcro gef\u00fchrt. Das \u00fcbliche Prozedere der Passkopien erfolgt und einige willk\u00fcrliche Fragen, die wohl unsere Spion-Identit\u00e4t aufdecken sollen, zerm\u00fcrben uns langsam. Es ist inzwischen halb eins am Morgen und wir stecken schon seit \u00fcber acht Stunden in diesem Hamsterrad. Unsere Antworten werden einsilbig. Zum Ende werden wir gefragt, in welches Hotel wir m\u00f6chten und nennen den Laden von nebenan, besonders, da die Hoteljungs noch immer in der Polizeistation rumsitzen m\u00fcssen und auf uns warten. Sie werden hereingef\u00fchrt und kurz auf Paschtu gebrieft. Dann teilen sie uns mit, dass zuf\u00e4llig und leider alles ausgebucht sei. Wir seien aber jederzeit wieder willkommen. Wir verabschieden uns von den Jungs und geben ihnen ein riesiges Trinkgeld f\u00fcr die Umst\u00e4nde, die wir ihnen bereitet haben. Gl\u00fccklicherweise weiss der neue Polizist\/Agent von einem guten Luxushotel um die Ecke. Man mobilisiert noch schnell drei bewaffnete Polizisten und l\u00e4sst uns einchecken. Zwar stehen vor dem Eingang bereits drei bis vier Soldaten mit Maschinengewehren aber die Zus\u00e4tzlichen seien zu unserem Extra-Schutz.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei einer langen Unterhaltung zwischen unserem ersten Agenten und der Rezeption verh\u00e4rtet sich die Miene der Hotelangestellten. Wir fragen nach, was besprochen wurde und man antwortet, es ging nur darum, f\u00fcr Morgen ein eskortiertes Taxi zum Busbahnhof zu organisieren, damit wir ungehindert die Stadt nach Islamabad verlassen k\u00f6nnen. Wir glauben kein Wort. F\u00fcr diese dreis\u00e4tzige Erkl\u00e4rung auf englisch wurden zuvor fast f\u00fcnf Minuten auf Pashtu ben\u00f6tigt. Man gibt uns ein Zimmer im obersten Stockwerk. Wir sind v\u00f6llig im Eimer und fallen fast augenblicklich in den Schlaf, als das Telefon klingelt und wir noch einmal runterstapfen m\u00fcssen. <\/em><\/p>\n<p><em>Zwei neue Agenten warten in der Lobby. Sie verzichten auf eine Begr\u00fc\u00dfung und verlangen direkt unsere Reisep\u00e4sse, dann beginnen sie mit ihren Fragen. Die ganze Geschichte wiederholt sich schon wieder und unser Geduldsfaden reisst. Mein Bruder fordert streng, sie sollten sich gef\u00e4lligst erst einmal vorstellen, wenn sie uns schon nachts aus dem Schlaf reissen. Schlie\u00dflich gibt es bereits an die 30 Kopien unserer P\u00e4sse und die Beh\u00f6rden k\u00f6nnten sich ja einmal untereinander austauschen. Der J\u00fcngere murmelt irgendwas mit Special Forces Agent und geht dann die P\u00e4sse kopieren. Also noch einmal ein neuer Geheimdienst. Jemand hatte uns mal erz\u00e4hlt, dass es hierzulande f\u00fcnf bis sechs davon gibt. Das kann ja noch heiter werden. Wir fordern, uns zun\u00e4chst einmal zu erkl\u00e4ren, was denn \u00fcberhaupt das Problem sei, was man uns vorwirft oder zumindest wie bei unserem Gegen\u00fcber der aktuelle Informationsstand aussieht. Wie sich herausstellt haben die verschiedenen Polizeistationen und Geheimdienste hier eine ganz ausgefeilte Art der Kommunikation untereinander, denn der neue Agent denkt, wir w\u00e4ren irgendwo an der afghanischen Grenze beim illegalen \u00dcbertritt und ohne Papiere verhaftet worden. Wir erkl\u00e4ren ihm das Prinzip von \u201eStiller Post\u201c und die Gefahren dabei, so etwas im Dienst zu nutzen. Tats\u00e4chlich schmunzelt der Agent, als wir ihm unsere Version der Geschichte erz\u00e4hlen und wir d\u00fcrfen endlich wieder schlafen gehen. <\/em><\/p>\n<p><em>Es ist nun fast zwei Uhr und wir werden langsam paranoid. Wird unser Zimmer abgeh\u00f6rt? Was wollen die eigentlich wirklich, also so WIRKLICH wirklich von uns und warum wurde das Verh\u00f6r mit dem ISI so pl\u00f6tzlich abgebrochen, wo doch viele Fragen unsererseits noch gar nicht beantwortet wurden. Es scheint, als w\u00e4ren sie auf irgendeinen Hinweis gesto\u00dfen. Vielleicht hoffen sie, wir w\u00fcrden sie nun naiverweise zu unserem nicht vorhandenen Spionchef f\u00fchren oder \u00c4hnliches. Jedenfalls d\u00e4mmert es uns, dass wir nicht zuf\u00e4llig im sechsten Stock untergebracht werden und die drei Extrawachen nicht f\u00fcr sondern wegen uns da sind. Wir stehen quasi unter Arrest. Zur Vorsicht notieren wir die Notfallnummer der deutschen Botschaft auf unseren Innenschenkeln und versuchen sie auswendig zu lernen. Wir fl\u00fcstern nur noch, versuchen dabei zu nuscheln und Plattdeutsch zu sprechen. Eine wilde Schreckensszenario-Theorie jagt die n\u00e4chste. Wer wird uns morgen wecken? D\u00fcrfen wir wirklich abreisen? Gegen halb vier fallen wir in einen unruhigen Schlaf.<\/em><\/p>\n<p><em>Der n\u00e4chste Morgen bringt keine b\u00f6sen \u00dcberraschungen mehr. Das Hotel und die Securitys verabschieden uns mit einem wissenden m\u00fcrrischen Nicken. Man steckt uns in ein Taxi, zwei Bewaffnete folgen auf einem Motorrad. Der Taxifahrer l\u00e4sst sich quittieren, dass er mit uns ein Ticket f\u00fcr einen Nobel-Bus nach Islamabad gekauft hat und verschwindet. Wir sind immer noch paranoid. Folgt uns jemand? Hier wird man als Ausl\u00e4nder dauern angestarrt aber pl\u00f6tzlich ist in unseren Augen jeder ein potenzieller Spion. Wir f\u00fchlen uns wie damals mit 13, als wir heimlich geraucht hatten. Jeder Blick eines Erwachsenen war durchbohrend. Es schein als w\u00fcsste jeder haargenau, was man verbrochen hat. Wir haben die Nase gestrichen voll. <\/em><\/p>\n<p><em>Im Bus gibt es dann englischsprachige Zeitungen zu lesen und auf Seite zwei entdecken wir die Schlagzeile \u00fcber unser Ergreifen, ma\u00dflos \u00fcbertrieben und wenig informativ. In jedem Fall sehr interessant, wie durchl\u00e4ssig die Dienststellen hier sind. Dass wir aus Berlin kommen, wussten n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich die Agenten. In Islamabad angekommen gehen wir in ein Internetcafe. Unsere Postf\u00e4cher sind voll, ebenso wie die deutschen Medien. Manch einer gratuliert humorvoll zu einer Erw\u00e4hnung in der BILD, andere fragen besorgt nach unserem Wohlergehen. Jedenfalls scheint jeder zu wissen, dass es sich bei den Berliner Br\u00fcdern um uns handelt. Wir f\u00fchlen uns geehrt, sind aber auch \u00e4ngstlich, dass jemand die Boulevardpresse mit Namen und Bildern versorgen k\u00f6nnte. Eine ganze Reihe deutscher Medien hat diese f\u00e4lschliche Schlagzeile reproduziert, teilweise noch pikanten Details verfeinert. <\/em><\/p>\n<p><em>Zur falschen Ursprungsmeldung, dass zwei Deutsche unerlaubterweise versucht haben \u00fcber Khyber nach Afghanistan zu gelangen kommt nun hinzu, dass wir neben dem illegalen Grenz\u00fcbertritt zudem noch in die Tribal Areas wollten. Zum einen haben wir g\u00fcltige Visa und zweitens ist von einem Besuch in den Stammesgebieten nie die Rede gewesen. Weiter wurde erg\u00e4nzt, dass europ\u00e4ische Extremisten hier oftmals versuchen zu Gleichgesinnten zu sto\u00dfen, was ich stark bezweifle, da diese wohl eher im S\u00fcden Richtung Waziristan und weniger am Khyberpass zu finden sind. Letztendlich spekulierte eine Zeitung, dass wir wahrscheinlich in den Dijhaad ziehen wollten. Nun sind wir beide aber weder Muslime noch religi\u00f6s. Aber gut, f\u00f6rdert anscheinend die Aufmerksamkeit. Das kleine Detail, dass wir nach dem Verh\u00f6r wieder auf freien Fu\u00df gesetzt wurden, \u00fcberspielen allerdings alle Zeitungen gekonnt.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun sitze ich hier im Norden Pakistans und wei\u00dfe Bergspitzen glitzern in der Sonne. Ich bin froh, dass ich den ganzen Medienrummel nicht vor Ort miterleben muss. Zwar haben wir herausgefunden, dass man hier nun unser Telefon abh\u00f6rt und s\u00e4mtliche unserer Freunde und Bekannten kontaktiert hat, aber die Rolle der Spione gef\u00e4llt uns immer noch besser als die eines islamischen Extremisten. Unter Vorbehalt genie\u00dfen wir hier die Natur, stellen uns aber dauernd die Frage, wer uns zuerst aufgreifen wird. Der Geheimdienst oder die Medien? Spion oder Terrorist? Ein Dazwischen scheint nicht mehr m\u00f6glich. Gestern Abend haben wir beschlossen, das Land zu verlassen um weiteren Problemen oder unerfreulichen Begegnungen aus dem Weg zu gehen. Eigentlich schade, unsere Visa gelten noch f\u00fcr weitere 50 Tage und die Menschen hier sind wirklich sehr gastfreundlich.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/vonwurmbseibel.com\/kolumne\">Hier<\/a> gibt&#8217;s mehr Geschichten aus Kabul. Und wenn Sie m\u00f6chten, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/vonWurmbSeibel\">folgen Sie mir<\/a> auf Twitter!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche schrieben mir zwei deutsche Br\u00fcder, die gerade Urlaub in Pakistan machen. Sie wollten versuchen, \u00fcber den Khyberpass nach Kabul zu kommen. Ob ich, falls sie es schaffen sollten, vielleicht Zeit f\u00fcr eine Tasse Tee h\u00e4tte? &#8222;Klar&#8220;, schrieb ich zur\u00fcck. 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