{"id":796,"date":"2014-05-24T18:31:37","date_gmt":"2014-05-24T16:31:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/?p=796"},"modified":"2014-05-24T21:05:27","modified_gmt":"2014-05-24T19:05:27","slug":"ein-schwatz-vor-der-us-botschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/2014\/05\/24\/ein-schwatz-vor-der-us-botschaft\/","title":{"rendered":"Ein Schwatz vor der US-Botschaft &#8211; mit Folgen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/2014\/05\/24\/vor-der-us-botschaft\/img_8736\/\" rel=\"attachment wp-att-792\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"IMG_8736\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kabul\/files\/2014\/05\/IMG_8736-580x387.jpg\" width=\"580\" height=\"387\" \/><\/a><\/p>\n<p>Manchmal ist Kabul kompliziert. Es gibt Tage, da vergisst man das. Und dann gibt es Tage, da wird man wieder dran erinnert. Heute war einer der letzteren.<\/p>\n<p>Wir waren f\u00fcr ein Interview im Camp Eggers, dem Hauptquartier von ISAF in Kabul. Obwohl das Interview f\u00fcr eine TV-Dokumentation ist, war Filmen nicht erlaubt.\u00a0 Wir f\u00fchrten also das Interview, machten ein paar Fotos und filmten stattdessen, mit Erlaubnis der afghanischen Soldaten, direkt an der Schranke vor dem Feldlager.<\/p>\n<p>Dann fuhren wir wieder zur\u00fcck. Wenn man vom Hauptquartier zu uns nach hause will, muss man erst einmal f\u00fcnf Minuten lang an vier Meter hohen Betonmauern, Stacheldraht, Stra\u00dfensperren und Checkpoints vorbei. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/niklasschenck\">Niklas<\/a> filmte den Stacheldraht, f\u00fcnf Sekunden lang, dann wurden wir angehalten. Filmen sei verboten, sagte ein Bewaffneter in Uniform.<\/p>\n<p>Wir erkl\u00e4rten die Geschichte und boten an, die f\u00fcnf Sekunden Stacheldraht zu l\u00f6schen. &#8222;Alles sch\u00f6n und gut&#8220;, sagte der Mann, &#8222;aber ich muss den Kommandeur informieren. Und l\u00f6scht blo\u00df nicht den Film!&#8220; Es kam noch ein Mann und noch ein Mann. Alle fragten das Gleiche, alle h\u00f6rten das Gleiche. Der letzte hatte ein Funkger\u00e4t in der Hand. Daraus: &#8222;Nehmt ihm das Telefon und alle Kameras weg und mit rein. Wir m\u00fcssen das checken.&#8220; Ein Mann schrie unseren Fahrer, sichtbar Afghane, auf Englisch an, er solle den Schl\u00fcssel aus dem Z\u00fcndloch nehmen und aufs Armaturenbrett legen. Der Fahrer versteht kein Englisch &#8211; also schrie der Mann nochmal auf Englisch &#8211; und wurde sauer, als ich anbot, zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Wir mussten aus dem Auto aussteigen und auf einen weiteren Mann warten. Inzwischen hatten wir erfahren, dass wir vor der amerikanischen Botschaft gefilmt hatten. Anders als die deutsche Botschaft ist sie nicht entsprechend gekennzeichnet. Ich bot an, dass man bei der deutschen Botschaft nachfragen k\u00f6nne, sie ist nicht weit entfernt und dort kennt man uns. Keine Reaktion.<\/p>\n<p>Stattdessen nahm ein Mann unsere Reisep\u00e4sse, Arbeitserlaubnis und afghanische Presseausweise, und ging davon. In der Zwischenzeit kam der lang angek\u00fcndigte Kommandeur. Niklas erz\u00e4hlte unsere Geschichte noch einmal, und l\u00f6schte dann, wie seit 20 Minuten angeboten, die f\u00fcnf Sekunden Stacheldrahtzaun. Der Mann mit den Reisep\u00e4ssen kam zur\u00fcck, entschuldigte sich f\u00fcr das Aufheben und sagte, er h\u00e4tte nur unsere Daten registriert, alle Papiere kopiert und einen Report nach Washington geschickt, wir seien das ja sicher gew\u00f6hnt. &#8222;Eigentlich nicht&#8220;, sagte Nik, &#8222;ich wohne erst seit drei Monaten hier.&#8220; &#8222;Seit drei Monaten?&#8220;, fragte der Mann. &#8222;Dann kennen die eure Namen eh schon.&#8220;<\/p>\n<p>P.S. W\u00e4hrend die auf Sicherheit bedachten M\u00e4nner uns festhielten, waren sie \u00fcbrigens so freundlich, uns alle umstehenden Geb\u00e4ude und den Namen der Sicherheitsfirma, f\u00fcr die sie arbeiten, zu erkl\u00e4ren. Danke!<\/p>\n<p>P.P.S. Das Bild ist ein Symbolbild. Ich habe es nicht in Kabul, sondern im amerikanischen Teil des Feldlagers in Masar-i-Scharif aufgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal ist Kabul kompliziert. Es gibt Tage, da vergisst man das. 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