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Wenn Menschen zu Ware werden

 
© Ravensburger

Vor gar nicht so langer Zeit, als Eure Ururgroßeltern geboren wurden, konnte man in vielen Ländern der Erde Menschen noch als Sklaven kaufen. Es gab Sklavenhändler, die sich auf den An- und Verkauf von Menschen spezialisiert hatten, wie andere auf verschiedene Baum- und Straucharten. Und wie bei den Leibeigenen in der Ritterzeit, hatten auch die Sklaven keine Rechte. Und ihre Kinder, die in der Sklaverei geboren wurden, gehörten auch nicht sich selbst. Sondern den gleichen Leuten, denen auch ihre Eltern gehörten – bis sie weiterverkauft wurden.

Um immer neue Sklaven zu beschaffen, wurden vor allem in Afrika Menschen gefangen genommen und dann auf Schiffen nach Nord- und Südamerika geschickt. Männer, Frauen und Kinder kamen von der Jagd oder der Arbeit auf den Feldern nicht mehr heim in ihre Dörfer, weil sie Menschenhändlern in die Falle gegangen waren.

So eine Geschichte erzählt die Argentinierin Liliana Bodoc in ihrem Kinderroman „Der afrikanische Spiegel“, der vor über 200 Jahren in Afrika und Mittelamerika spielt. Es ist die Geschichte der kleinen Atima Imaoma, die als Dreijährige beim Beerenpflücken plötzlich in die Maschen eines Netzes von Menschenfängern gerät. Natürlich kann sich das Kleinkind nicht befreien, und so wird es nach Mexiko gebracht. Keiner weiß wie sie heißt und wer ihre Eltern sind. Das interessiert auch keinen, denn jetzt ist sie Sklavin und muss lernen zu gehorchen und viele Arbeiten zu erledigen.

Zuerst hat sie Glück und kommt in eine Familie, in der sie nicht geschlagen wird, sondern immer genug zu essen hat, freundlich behandelt wird und sogar lesen und schreiben lernt. Doch die Familie hat irgendwann kein Geld mehr und muss Atima verkaufen. Dann lernt sie die traurigen Seiten der Sklaverei kennen. Doch sie hat noch immer einen aus schwarzem Ebenholz geschnitzten Spiegel dabei, das einzige, was ihr als Erinnerung an ihre Eltern und Afrika blieb. Und auch wenn sie diesen Spiegel eines Tages in den Wirren des mexikanischen Bürgerkrieges verliert, bringt er ihr doch ihr Leben lang Glück und führt sie und ihre Familie wieder zusammen.

Die Geschichte ist spannend, mitreißend und hat zum Glück ein gutes Ende. So fällt es leichter, sich mit den traurigen Erlebnissen von Atima zu beschäftigen. Traurig ist auch, dass es noch immer Sklavenhandel gibt. Nicht mehr so öffentlich und weltweit wie vor rund 200 Jahren, aber immer noch. In Westafrika werden nach Schätzungen 200.000 Kinder als Sklaven gehalten! Und auch in Europa gibt es Menschen, die aus ihren Heimatländern mit falschen Versprechungen weggelockt wurden und im Geheimen nun Zwangsarbeit machen müssen. Das ist moderne Sklaverei.

Liliana Bodoc
Der afrikanische Spiegel
ab 9 Jahre, Juni 2011
Ravensburger, 12,99 Euro

 

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