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Gecko (Vor-)lesegeschichte: Pelé Stadtkater

 

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Gecko ist das Vorlesemagazin für Kinder mit Geschichten, Sprachspielen und Mitmachseiten. Seit vielen Jahren lest Ihr hier bei der KinderZEIT immer eine Geschichte aus dem aktuellen Heft. Dieses Mal haben wir für Euch eine Geschichte ausgesucht, die tatsächlich mal passiert ist.

Pelé Stadtkater

Vorsichtig setzt Pelé eine Pfote vor die andere, als er aus der Terrassentür schleicht. Er kennt keine Wiese, er kennt auch keinen Baum, keinen Strauch, keine Hecke. Pelé hat bis jetzt im vierten Stock einer Stadtwohnung
gelebt. Aber jetzt ist er umgezogen und darf zum ersten Mal raus. Hinter dem Zaun beginnt die Feldwiese. Eine riesige grüne Fläche bis zum Wald. Und mittendrin ein großer Bauernhof. Ganz vorsichtig tapst er durch das hohe Gras und schlüpft durch den Zaun.

Da sieht er plötzlich eine andere Katze.´Wie erstarrt hockt sie in der Wiese und guckt in ein Loch. »Was machst du da?«, fragt Pelé. »Nicht so laut!«, faucht die Katze, »Ich jage, das siehst du doch!« »Du bewegst dich doch gar nicht, wie kannst du da jagen?«, fragt Pelé. »Ich laure auf. Auflauern, dann jagen. Schon vergessen?« »Nie gehört!«, antwortet Pelé. »Wie kann ich es da vergessen?« »Auflauern und jagen. So ernähren sich Katzen«, sagt die Katze. »Ich war lange Zeit ein Stadtkater!«, sagt Pelé. »Entweder fresse ich aus dem Napf oder ich mach die Kühlschranktür auf.«

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Da schaut die Katze Pelé mit staunenden Augen an. Das Auflauern und Jagen scheint vergessen zu sein. Ein Glück für den Bewohner im Erdloch. »Wie öffnest du eine Kühlschranktür?«, fragt da die Katze. »So!«, sagt Pelé und macht eine Pfotenbewegung, als würde er einen Vorhang zur Seite schieben. »Das will ich sehen!«, sagt die Katze und vergisst das
Mäuseloch. Noch mehr Glück für die Maus unter der Erde. »Komm mit zu mir!«, sagt die Katze und geht voraus durchs hohe Gras. »Da kannst du eine Kühlschranktür aufmachen.«

Pelé folgt der Katze in Richtung Bauernhof. »Ich bin Pelé!«, sagt Pelé. »Und du?« »Katze!«, sagt die Katze. Sie nähern sich dem großen Gebäude und treffen auf einen Kater. Als er Pelé sieht, lässt er sofort ein wildes Mein-Revier- Fauchen hören. »Lass mal gut sein!«, sagt die Katze. »Der Stadtkater will uns zeigen, wie man einen Kühlschrank aufmacht.«

»Das will ich sehen!«, sagt der Kater fauchlos und schließt sich ihnen an. »Ich bin Pelé!«, sagt Pelé zum Kater. »Und du?« »Kater!«, sagt der Kater. »Du kannst Kühlschränke aufmachen?« »Ja«, antwortet Pelé. »Kein Auflauern und Jagen mehr?«, fragt der Kater. »Auflauern und Jagen kenne ich nicht«, sagt Pelé. Sie gehen weiter, und je näher sie dem Bauernhof kommen, um so mehr Auflauer- und Jagekatzen schließen sich ihnen an. Zum Schluss ist es eine richtige Gruppe und Pelé immer vorneweg, wie der Anführer einer Bande.

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›Der Chef der Kühlschrankknackerbande‹, so fühlt sich Pelé, als sie auf dem Bauernhof eintreffen. »Wo geht ihr hin?«, fragt das Schwein hinter dem Gatter. »Der Stadtkater zeigt uns, wie man die Kühlschranktür aufmacht«, sagt die Katze. »Das will ich sehen!«, sagt das Schwein. »Kann er auch ein Schweinegatter aufmachen?« »Erst mal Kühlschrank!«, sagt die Katze. »Bringt mir Trüffel mit«, sagt das Schwein.

Pelé und die Kühlschrankknackerbande kommen auf den Hof. Sie haben Glück. Der Bauer ist auf dem Feld, die Bäuerin im Stall, die Tür steht o≠en und niemand ist in der Küche. Die Kühlschrankknackerbande geht hinein. »Jetzt bin ich gespannt!«, sagt der Kater vor dem Kühlschrank. Auch alle anderen sind gespannt. Dann sehen sie Pelé staunend zu, wie er mit der Pfote und viel Kraft den Kühlschrank aufmacht.

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Es ist schwieriger als in der Stadt, das merkt Pelé gleich, aber er schafft es. Kaum ist die Tür auf, strömt die kühle Luft auf die Katzen herab. Sie sehen viele Büchsen, Gläser und Schachteln im Kühlschrank. »Und jetzt?«, fragt die Katze. »Fressen«, sagt Pelé.

»Was sollen wir fressen?«, fragt der Kater. »Katzenfutter!«, sagt Pelé. »Das sehe ich nicht«, sagt die Katze.
»Ich auch nicht«, sagt Pelé. »In der Stadt sind immer geöffnete Büchsen im Kühlschrank. »Auf dem Land nicht!«, sagt die Katze. »Also doch Auflauern und Jagen«, sagt der Kater enttäuscht. Die Kühlschrankknackerbande geht wieder nach draußen. Obwohl sie nicht richtig erfolgreich waren, gehört Pelé jetzt dazu. Dass er die Tür aufmachen konnte, dafür bewundern ihn die anderen Katzen.

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»Man könnte im Kühlschrank Mäuse aufbewahren«, sagt da eine der Katzen. »Dann könnten wir was im Kühlschrank finden.« »Gute Idee!«, sagt da der Kater und folgt den anderen auf die Feldwiese.

Autor Bernhard Hagemann, Jahrgang 1956. Seit seinem 13. Lebensjahr befindet sich zwischen ihm und dem Licht der Welt ein Fotoapparat. 1992 begann er, Bücher für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Hagemann lebt bei München.

Illustratorin Dorina Tessmann, in der Uckermark geboren, wuchs leider ohne Katzen auf. Das sollte sich aber ändern, als sie in Berlin Kommunikationsdesign studierte. Hier lebt sie mit ihrer Familie und arbeitet als Illustratorin für in- und ausländische Verlage.

gecko35Diese Geschichte und zwei weitere tolle Erzählungen, Sonnige Grüße aus Ziffernhausen, den beliebten Wortsport und das Li-Labor mit einem Experiment über Fliegkraft kannst Du im neuen “Gecko” nachlesen.

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Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

 

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