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Gecko (Vor-)lesegeschichte: Karl und Franz

 

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Gecko ist das Vorlesemagazin für Kinder mit Geschichten, Sprachspielen und Mitmachseiten. Seit vielen Jahren lest Ihr hier bei der KinderZEIT immer eine Geschichte aus dem aktuellen Heft. Dieses Mal haben wir für Euch eine Geschichte mit zwei kleinen Goldfischen ausgesucht.

Karl und Franz

Wir müssen uns gut verstecken«, sagt Franz zu Karl. »Nachts kommen die Haie raus.« Karl und Franz sind Goldfische. Bis zu diesem Morgen haben sie ihr ganzes Leben in einem Goldfischglas verbracht. Doch dann sind ihre Besitzer in den Urlaub gefahren, und weil sich niemand um Karl und Franz kümmern konnte, wurden die zwei in den Badesee gesetzt. Da sind sie nicht allein, und zu fressen gibt es auch. Karl und Franz finden es eigentlich ganz toll im See. Aber jetzt wird es langsam dunkel…

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Karl sagt gar nichts. Er schaut angestrengt zur Oberfläche. Was wirft denn da in der Abendsonne diesen riesigen Schatten? Karl blinzelt. Im Gegenlicht ist das schwer zu erkennen. Groß ist es jedenfalls. Tatsächlich ein Hai? Auch Franz hat es jetzt entdeckt. »Mhm. Sieht aus wie ein Delfin«, sagt er. »Puh.« Karl stößt die Luft aus. Ein Delfin, kein Hai. Was für ein Glück. »Merkwürdig, irgendwie bewegt er sich gar nicht«, meint Franz jetzt. »Vielleicht ist er tot.« »Oder vielleicht ist er krank oder verletzt und braucht Hilfe.«

Karl ist schon auf dem Weg nach oben. »Hey, warte mal«, ruft Franz ihm hinterher. »Wie sollen wir denn einem verletzten Delfin helfen? Wir brauchen einen Unterschlupf für die Nacht. Damit uns die Haie nicht fressen.« Aber Karl ist nicht mehr zu bremsen. »Ich geh nur mal schnell gucken. Bin gleich wieder da.«

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Langsam nähert er sich dem Delfin. Es ist jetzt wirklich schon ziemlich dämmrig. Die Sonne ist komplett
verschwunden. Plötzlich macht der Delfin einen Satz. Erschrocken zuckt Karl zurück. Er spürt noch die Welle, die der Delfin verursacht hat. Oder hat die Welle den Delfin bewegt? Jetzt liegt er jedenfalls wieder so reglos da wie
zuvor. Merkwürdig. Nun ist Karl direkt neben dem Delfin. »Hallo«, sagt er vorsichtig. »Entschuldigung, kann ich dir
irgendwie helfen?«

Der Delfin antwortet nicht. Vorsichtig stupst Karl ihn an. Komisch, der Delfin ist total leicht. Und die Haut irgendwie aus Kunststoff. »Hihi«, hört Karl da plötzlich eine Stimme hinter sich. »Hast wohl gedacht, der wäre echt.« Karl dreht sich um und schaut einem Stichling direkt in die Augen. »Und wenn? Hätte ja schließlich sein können.« Der Stichling kriegt sich vor Lachen überhaupt nicht wieder ein. »Klar. Im Riedener Weiher gibt es massig Delfine. Und Wale. Und Haie.«

»Eben.« Jetzt fällt Karl wieder ein, dass er und Franz immer noch keinen Unterschlupf für die Nacht haben. »Hallo. Das war ein Scherz. Ich kenne jeden Winkel dieses Weihers, und mit Sicherheit gibt es hier keinen einzigen Hai oder Wal oder Delfin.« Da staunt Karl aber. Sollte Franz sich so geirrt haben? »Das muss ich gleich meinem Freund erzählen«, sagt er. »Der wird Augen machen.«

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»Ihr solltet euch um diese Uhrzeit aber nicht mehr hier draußen rumtreiben«, sagt der Stichling jetzt. »Nachts gehen immer ein paar Hechte auf die Jagd.« »Oje.« Karl fängt fast an zu weinen. »Wir wissen noch gar nicht, wo wir heute Nacht schlafen sollen.« »Kommt doch mit zu mir. Meine Familie wohnt in dem alten Autoreifen. Da ist genug Platz. Ich bin übrigens Fridolin.«

Fridolins Familie nimmt Karl und Franz sehr nett auf. In dem Autoreifen sind sie gut geschützt – egal ob vor Haien oder vor Hechten.

Autorin Anke Thiemann, 1975 geboren, liebt das Lesen und das Wasser. Normalerweise denkt sie sich nicht selbst Geschichten aus, sondern arbeitet als Lektorin mit Autoren zusammen an deren Geschichten. Sie lebt in München und freut sich schon sehr auf den Sommer am und im Wörthsee.

Illustratorin Katja Gehrmann, Jahrgang 1968, ist gebürtige Hamburgerin. In Hamburg hat sie auch Illustration studiert. Gehrmann ist weit gereist, war Gaststudentin in Mexiko, Valencia und Quebec. Zuletzt gewann sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium. Sie arbeitet mit vielen Illustratoren-Kollegen im Hamburger Atelier amaldi.

gecko36Diese Geschichte und zwei weitere tolle Erzählungen, Sonnige Grüße aus Ziffernhausen, den beliebten Wortsport und das Li-Labor mit der Bauanleitung für eine Eimergitarre kannst Du im neuen „Gecko“ nachlesen.

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Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

 

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