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Gecko (Vor-)lesegschichte: Abdullah, Emma und das schöne Wetter

 

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Gecko ist das Vorlesemagazin für Kinder mit Geschichten, Sprachspielen und Mitmachseiten. Seit vielen Jahren lest Ihr hier bei der KinderZEIT immer eine Geschichte aus dem aktuellen Heft. Dieses Mal haben wir wieder eine Geschichte von Emma und Abdullah für euch ausgesucht, passend zum herbstlich-regnerischen Wetter.

Emma, Abdullah und das schöne Wetter

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Emma sitzt auf der Treppe vorm Haus. Schon ziemlich lange. Abdullah kommt und kommt heute einfach nicht. Genau wie die Sonne. Auf die wartet sie auch schon den ganzen Tag. Emma starrt die Wolken an, die dicht und grau den Himmel bedecken. Dann entdeckt sie ganz hinten auf der Straße einen riesigen Karton mit Beinen. Abdullahs Beinen, das sieht man genau. Es dauert lange, bis er da ist. »Was willst du denn damit?«, fragt Emma. »Das ist ein Fernseher«, behauptet Abdullah. »Hast du eine Fernbedienung?« Emmas Augenbrauen schieben sich zusammen. »Aber ich habe keine Lust auf Sportschau oder so was.« »Nee!«, sagt Abdullah. »Auf dem hier kommt nur Kinderzeug und so was.« »Auch Nachrichten mit Wetter?« Emmas Augen leuchten auf. Dann bestellt sie nämlich heute noch die Sonne! »Meinetwegen auch Nachrichten«, seufzt Abdullah. »Aber wir brauchen eine Fernbedienung. Und eine
Schere.« »Ich guck mal«, sagt Emma und läuft ins Haus.

Sie bringt eine Schere, einen Filzstift und Mamas Taschenrechner aus der Küche mit. Beim Loch-Reinschneiden müssen sie sich abwechseln. Der Karton ist dick, und die Schere drückt in der Hand beim Schneiden. Als das Loch fertig ist, bohrt Emma mit der Spitze der Schere noch ein kleines Loch unten in die Ecke. Sie drückt einen Stein hinein und schreibt mit dem Filzstift »on« daneben. »Das heißt ›an‹«, sagt sie und klingt dabei wie Frau Kurbel, ihre Klassenlehrerin. »Und jetzt nur noch irgendwas zum Draufstellen«, sagt sie und holt einen Klappstuhl aus dem Garten. »Willst du die Nachrichten sprechen oder willst du die Fernbedienung?«, fragt Abdullah. Emma kratzt sich am Kopf. Eigentlich war klar, dass sie Nachrichtensprecherin ist. Aber die Fernbedienung hat sie glatt vergessen. »Also, ich bin Nachrichtensprecherin«, sagt Emma. »Aber du darfst nicht umschalten!« »Nee«, sagt Abdullah, »nur wenn das Wetter
kommt. Das ist immer so langweilig.« »Also, ich bin Nachrichtensprecherin mit Wetter!«, sagt Emma.

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»Für das Wetter kommt aber immer ein anderer Mensch«, sagt Abdullah. Emma kaut auf ihrer Unterlippe. »Na gut«, sagt sie schließlich. »Ich bin Nachrichtensprecherin, und du machst danach das Wetter.« »Guten Abend, liebe Kinder, Mamas und Papas, hier ist das Emma-Fernsehen mit den Nachrichten. Ding Dang Dong«, flötet sie aus dem Fernseher heraus. Abdullah setzt sich mit dem Taschenrechner in der Hand davor. Emma erzählt ein paar haarsträubende Geschichten von einer entlaufenen Giraffe, dem Gewinner des Regenschirm-Flug-Wettbewerbs über den Hosenbein-Kanal und von den gerade neu erfundenen Ferien-Verlängerungs-Pillen. »Und nun kommt Abdullah und macht schönes Wetter«, sagt sie dann, wedelt mit der Hand neben dem Karton herum und zischt: »Du musst jetzt herkommen.« »Ach ja«, sagt Abdullah und steht auf. »Aber, was genau ist denn schönes Wetter?«

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»Schönes W e t t e r?« Emma kommt hinter dem Fernseher hervor. »Also, schönes Wetter ist natürlich Sonne, Schnee und Hitzefrei!« »Aha«, sagt Abdullah. »Und was ist mit Regen?« »Regen ist nicht schön. Regen muss sein!«, sagt Emma. »Komisch«, sagt Abdullah. »Ich find Regen schön.« »Sehr komisch«, sagt Emma und tippt sich an die Stirn. »Wenn’s regnet, werd’ ich nass.«

»Wenn’s regnet, macht das Spaß«, sagt Abdullah. »Wenn’s regnet, geh ich ins Haus!«, sagt Emma und nickt. »Wenn’s regnet geh ich raus«, sagt Abdullah. »Regen nervt mich voll!«, sagt Emma, und genau in diesem Moment fängt es an zu tröpfeln. Erst ein bisschen, dann immer mehr und mehr. Richtig dicke Tropfen.

»Heija, heija, Regen ist echt toll. Heija, heija, Regen!«, singt Abdullah laut, zieht seine Schuhe aus und beginnt, wie ein Indianer im Kreis zu hüpfen. Emma steht da wie angewurzelt. Die Tropfen platschen auf ihren Kopf und die Arme. Alles nass! Sie spürt, wie ihr T-Shirt an der Haut festklebt.

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Und dann fängt sie auch einfach an, herumzuhüpfen wie eine wildgewordene Indianerin und singt: »Heija, heija, Sonne, komm herbei. Heija, heija, Sonne, heija, heija!« Es dauert eine Weile, doch dann strahlt, mitten im Regen, plötzlich wirklich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Hell und warm. »Heija, heija, Regen ist echt toll«, singt Abdullah und hüpft durch die Pfützen. »Heija, heija, Sonne mag ich doll«, singt Emma und dreht sich im Kreis.

Inmitten der Tanzerei und Singerei ruft jemand noch sehr viel lauter: »A b d u l l a h!«. »Heija, heija, tschüss«, singt Abdullah und läuft die Straße hinunter nach Hause. Auf halbem Weg dreht er sich noch einmal um und winkt Emma zum Abschied. Doch dann stoppt er, zeigt in den Himmel und schreit: »Guck mal, Emma. Da!« Emma schaut hinauf: Ein riesiger, knallbunter Regenbogen spannt sich über den Himmel.

Autorin Kathi Roman wollte Bühnenbildnerin oder Journalistin werden oder Kinderbücher schreiben. Seltsamerweise wurde sie Landwirtin. Zu schreiben begann sie aber doch. Bislang entstanden ein Kinderbuch und viele Geschichten. Kathi Roman lebt im Norden von Hannover und hat drei Kinder.

Illustratorin Antje Drescher studierte Illustration und Grafik an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. Seit 1999 illustriert sie freiberuflich für verschiedene Verlage im Kinder- und Jugendbuchbereich. Sie lebt und arbeitet in Hamburg.

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Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

 

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