{"id":10700,"date":"2011-10-08T11:14:50","date_gmt":"2011-10-08T09:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=10700"},"modified":"2011-10-10T10:35:00","modified_gmt":"2011-10-10T08:35:00","slug":"krimizeit-fur-kinder-monster-entlaufen-bitte-melden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/10\/08\/krimizeit-fur-kinder-monster-entlaufen-bitte-melden_10700","title":{"rendered":"Krimizeit f\u00fcr Kinder: Monster entlaufen, bitte melden!"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_10723\" aria-describedby=\"caption-attachment-10723\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/10\/80356143-540x358.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"358\" class=\"size-large wp-image-10723\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/10\/80356143-540x358.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/10\/80356143-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10723\" class=\"wp-caption-text\">Aufregung in Kreuzberg! So ein Kaiman ist weggelaufen\/ \u00a9 Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Ein sprechendes Poster, ein vermisstes Reptil und drei Kinder, die sich nicht ausstehen k\u00f6nnen \u2013 Antonia Michaelis erz\u00e4hlt von einer ungemein witzigen Ermittlung mitten in Berlin<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Katrin H\u00f6rnlein<\/em><\/p>\n<p>Wie f\u00e4ngt man mitten in Berlin ein Krokodil? Ein kleines Krokodil zwar, aber eben doch ein Krokodil? \u00bbEntlaufen!\u00ab, steht auf einem Plakat im Caf\u00e9 au Spree. \u00bbGutm\u00fctiges Haustier, vermisst seit circa 16 Uhr, h\u00f6rt auf den Namen Charly. Wenn Sie Charly sehen, bitte melden Sie sich unter 0162\/27112. Gro\u00dfz\u00fcgiger Finderlohn. Charly ist ungef\u00e4hr katzengro\u00df und mittelgr\u00fcn.\u00ab Und darunter ist in winzig kleiner Schrift \u00bbGattung: Kaiman\u00ab vermerkt.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Kaiman mitten in Berlin-Kreuzberg, dazu die Aussicht auf einen Finderlohn: eindeutig ein Fall f\u00fcr das Spezialermittler-Team Kreuzberg 007, bestehend aus den Geschwistern Bella und Max und ihrem Nachbarn Pelle. Dumm nur, dass die Kinder bisher \u00fcberhaupt noch kein Spezialteam sind. Sie k\u00f6nnen einander nicht ausstehen. Schon bei ihrer ersten Begegnung sind sie sich nicht gr\u00fcn, nicht mal mittelgr\u00fcn.<\/p>\n<p>Der neunj\u00e4hrige Pelle lebt eigentlich recht zufrieden in der Bergmannstra\u00dfe in Berlin-Kreuzberg. Er verbringt seine Nachmittage im Caf\u00e9 au Spree, um mit der Besitzerin Maria zu plaudern und deren Schokoladenkuchen zu futtern: Mittagessenersatz. Pelles Vater, der Koch in einem \u00bbextrafeinen\u00ab Hotel ist, bringt n\u00e4mlich dauernd Reste mit nach Hause, weil er nach getaner Arbeit nicht auch noch f\u00fcr den Sohn am Herd stehen will. Pelle h\u00e4lt nicht sonderlich viel von diesen erlesenen Hotelspeisen, besonders dann nicht, wenn Meeresfr\u00fcchtewochen sind und er jeden Tag Hummer oder Muscheln in seiner Butterbrotdose findet.<\/p>\n<p>Ausgerechnet an solch einem \u00bbHummerkummer\u00ab-Tag, kurz bevor die Kaiman-Suchmeldung auftaucht, ist Pelles Stammplatz im Caf\u00e9 besetzt \u2212 von einer Familie, die Pelle nicht kennt. Vater, Mutter, ein Junge und ein M\u00e4dchen, eine richtige Bilderbuchfamilie. Na ja, kein allzu niedliches Bilderbuch: Der Junge, Max, ist rund wie eine Kugel und vollkommen aufs Essen fixiert. Dazu spricht er unendlich langsam \u2013 und in diesem Tempo scheint er auch zu denken. Das M\u00e4dchen, Bella, ist zwar h\u00fcbsch und \u00e4u\u00dferst schlagfertig, bezeichnet Pelle allerdings schon nach wenigen S\u00e4tzen als \u00bbbl\u00f6de\u00ab.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich zieht die Familie in Pelles Haus. Und nat\u00fcrlich m\u00fcssen erst einige Kabbeleien \u00fcberstanden werden, bis aus den dreien eine Bande werden kann. Doch dann taucht eben das kleine Krokodil auf, beziehungsweise: Es taucht nicht auf, sondern unter. Und so beginnt ein gro\u00dfes Abenteuer mit leuchtenden T-Shirts, einer ver\u00e4rgerten Lehrerin, n\u00e4chtlichen Picknicks, einer h\u00f6llisch scharfen Torte, einer wirklich sehr ver\u00e4rgerten Lehrerin, einer schwebenden Currywurstbude, Schwimmz\u00fcgen im Landwehrkanal, einer ganz unglaublich ver\u00e4rgerten Lehrerin und einem sehr verzweifelten Max.<\/p>\n<p>\u00bbEs war einmal Berlin.\u00ab Mit diesem M\u00e4rchensatz beginnt Antonia Michaelis\u2019 erster Fall f\u00fcr die Kreuzberg-007-Freunde, dem inzwischen zwei weitere B\u00e4nde gefolgt sind. Es ist eine klassische Bandengeschichte: drei Kinder und ein Fall, den es gegen diverse Widerst\u00e4nde zu l\u00f6sen gilt. So weit, so bekannt. Frisch und modern sind die Charaktere, die Michaelis losschickt. Pelle, ein Junge, der bei seinem alleinerziehenden und berufst\u00e4tigen Vater lebt. Die widerborstige Bella, die dem Leser mit ihrer herablassenden Wichtigtuerei manchmal fast unsympathisch ist. Und ihr Bruder Max als entschleunigter Konterpart, der mit seiner sensiblen Beh\u00e4bigkeit schnell in die Opferrolle geraten k\u00f6nnte. Um diese drei Protagonisten strickt Michaelis ein Netz skurriler Figuren, mit dem sie augenzwinkernd Ph\u00e4nomene unserer Zeit einf\u00e4ngt: Der Vater von Max und Bella ist Inder \u2013 und arbeitet mit Computern. Auf der Stra\u00dfe leben zwei Obdachlose, die auf die Namen Milde Gabe und Haste-mal-n-Euro h\u00f6ren. Da gibt es die Caf\u00e9besitzerin Maria, die amerikanischen Touristen Kaffee au Spree (verd\u00fcnnten Kaffee) als Spezialit\u00e4t anpreist. Und nicht zu vergessen James, der mit Nachnamen Bond hei\u00dft und auf einem Poster im Esszimmer von Pelle und seinem Vater lebt. Erstaunlicherweise kann Pelle mit ihm reden, allerdings ist 007 ein unertr\u00e4glicher Angeber: \u00bbIch habe f\u00fcr solche Gelegenheiten kleine, handliche Sprengs\u00e4tze in meinem Schlipsknoten.\u00ab Dazu kommt eine ausgefallene tierische Besetzung: die schwarze Katze, die keine Vokale spricht und im Comicladen arbeitet (oder so tut), und der Hund Floyd, der im Plattenladen zwischen Baustellenh\u00fctchen liegt, damit niemand auf ihn tritt \u2013 denn sein Fell hat exakt die Farbe des Fu\u00dfbodens.<\/p>\n<p>Manchmal grenzen die Figuren, Dialoge und Szenen so sehr ans Absurde, dass man Michaelis Klamauk vorwerfen k\u00f6nnte. Meist gelingt ihr aber ein Witz, der f\u00fcr junge wie f\u00fcr erwachsene Leser unterhaltsam ist.<\/p>\n<p>\u00bbEs war einmal ein besonders buntes Stadtviertel von Berlin, das hie\u00df Kreuzberg.\u00ab Das ist der zweite Satz des Buches. Michaelis verortet damit nicht nur ihre Geschichte, sie nimmt eine Verkleinerung der Welt vor: Die Kindergeschichte spielt mitten im heutigen Berlin. Und doch erinnert die Kreuzberg-007- Welt an Dorfidyllen wie die von Astrid Lindgrens Kalle Blomquist. Michaelis legt Ortsmarken fest, die hinten im Buch auf einer Karte verzeichnet sind. Die Autorin konzentriert sich auf eine \u00fcberschaubare Zahl von Pl\u00e4tzen: das Wohnhaus der Kinder, das Caf\u00e9 von Maria, den Comicladen, den Plattenladen, den Secondhand-Russen, einen Bio-Supermarkt. Das l\u00e4rmende Gewusel einer Gro\u00dfstadt aber bleibt ausgeblendet. Zwar kann man die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze wirklich im Berliner Stadtplan finden, auch die Figuren und L\u00e4den k\u00f6nnten real existieren. Doch die Kinderbande bewegt sich frei und eigenst\u00e4ndig in einem \u00fcberschaubaren Kosmos. Michaelis \u00fcberwindet so die Un\u00fcberschaubarkeit urbaner R\u00e4ume, wie es Kindern viel leichter gelingt als Erwachsenen \u2013 und so finden die Kinderhelden hier, mitten in Berlin, ihr eigenes modernes und ziemlich bunt-verr\u00fccktes Kleink\u00f6ping.<\/p>\n<p>Ihr wollt mehr von Pelle, Bella und Max erfahren? Gern! In der kommenden Woche beginnen wir in der KinderZEIT mit einer neuen (Vor)Lesegeschichte: \u00bbHeimliches im Hinterhof\u00ab \u2013 ein weiterer Fall f\u00fcr die Detektivbande aus Berlin-Kreuzberg&#8230;<\/p>\n<p>Der spannende Krimi &#8222;Kreuzberg 007 \u2013 Mission gr\u00fcnes Monster&#8220; von Antonia Michaelis ist der erste Band der 15-teiligen neuen Krimiedition f\u00fcr Kinder von der ZEIT. <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/10\/08\/die-neue-zeit-edition-%C2%BBkrimis-fur-junge-leser%C2%AB_10703\">Hier<\/a> erf\u00e4hrst Du mehr dar\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sprechendes Poster, ein vermisstes Reptil und drei Kinder, die sich nicht ausstehen k\u00f6nnen \u2013 Antonia Michaelis erz\u00e4hlt von einer ungemein witzigen Ermittlung mitten in Berlin Von Katrin H\u00f6rnlein Wie f\u00e4ngt man mitten in Berlin ein Krokodil? 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