{"id":11253,"date":"2011-12-15T10:59:22","date_gmt":"2011-12-15T09:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=11253"},"modified":"2011-12-15T10:59:22","modified_gmt":"2011-12-15T09:59:22","slug":"ein-hurra-fur-den-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/12\/15\/ein-hurra-fur-den-euro_11253","title":{"rendered":"Ein Hurra f\u00fcr den Euro!"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_11255\" aria-describedby=\"caption-attachment-11255\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/12\/euro-540x359.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"359\" class=\"size-large wp-image-11255\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/12\/euro-540x359.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/12\/euro-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/12\/euro.jpg 594w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11255\" class=\"wp-caption-text\">Ein 1-Euro St\u00fcck auf einer Europakarte\/ \u00a9 Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Vor zehn Jahren hie\u00df unser Geld noch anders: D-Mark. Heute teilen wir eine gemeinsame W\u00e4hrung mit 22 Nachbarl\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Irene Berres<\/em><\/p>\n<p>Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land in Europa sein eigenes Geld. Wenn man in \u00d6sterreich Urlaub machte, musste man seinen Kaiserschmarren oder seinen Apfelstrudel mit \u00f6sterreichischen Schillingen bezahlen. In Italien bl\u00e4tterte man viele Lire f\u00fcr ein St\u00fcck Pizza hin und in Spanien Peseten, wenn man Oma einen Strohesel mitbringen wollte. Dass man sein deutsches Geld vor jedem Urlaub umtauschen musste, war nicht besonders praktisch \u2013 aber f\u00fcr viele Menschen geh\u00f6rte es eben zu den Ferien dazu. Ausland, das war fremdes Essen, fremde Sprache \u2013 und fremde W\u00e4hrung. Der ber\u00fchmte deutsche Schriftsteller Martin Walser hat vor Kurzem erz\u00e4hlt, dass er sich nicht vorstellen konnte, einen tollen franz\u00f6sischen Rotwein nicht mehr mit Francs, sondern mit dem neuen Geld zu bezahlen: dem Euro. Das erschien ihm ganz falsch.<!--more--><\/p>\n<p>Heute findet er den Euro aber gro\u00dfartig. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass der Urlaub bequemer geworden ist. Was Martin Walser und viele andere Menschen am Euro gut finden, ist etwas viel Wichtigeres: Vor nicht einmal 70 Jahren (das ist nur ein Menschenleben her) f\u00fchrten die L\u00e4nder in Europa einen schrecklichen Krieg gegeneinander (den leider Deutschland angefangen hatte). Niemand h\u00e4tte sich damals tr\u00e4umen lassen, dass danach je wieder Frieden herrschen k\u00f6nnte, dass die europ\u00e4ischen Staaten zu guten Nachbarn w\u00fcrden. Der Euro sollte auch ein Zeichen sein, ein Symbol f\u00fcr diese neue, friedliche Zeit. Er sollte zeigen: Wir arbeiten zusammen, wir werden nicht wieder gegeneinander k\u00e4mpfen. Au\u00dferdem machte es die gemeinsame W\u00e4hrung den L\u00e4ndern leichter, miteinander Handel zu treiben.<\/p>\n<p>Die Umstellung der vielen W\u00e4hrungen auf den Euro war allerdings eine Riesenaktion! Zun\u00e4chst einmal gab es ja in Deutschland noch das alte Geld \u2013 in Millionen von Sparschweinen und Portemonnaies, auf Bankkonten und Sparb\u00fcchern. Wie sollte man das alte Geld einsammeln, das neue verteilen? Man einigte sich auf einen Termin: den 1. Januar 2002. Von diesem Tag an sollten die Banken und Geldautomaten nur noch Euros ausgeben. Bei uns konnte jeder seine D-Mark-M\u00fcnzen und -Scheine bei den Banken umtauschen: F\u00fcr eine Mark bekam man etwa 51 Cent. Das ist heute immer noch so: Wer in einer Truhe einen alten Geldschein findet, kann ihn zum selben Kurs einwechseln.<\/p>\n<p>Viele Leute wollten sich das neue Geld schon in der Silvesternacht holen \u2013 das neue Jahr beginnt ja um 0.00 Uhr. Deshalb hatten die Regierung und die Banken im Voraus furchtbar viel planen und organisieren m\u00fcssen, damit die Geldautomaten gut gef\u00fcllt waren und niemand entt\u00e4uscht wurde. In Berlin und M\u00fcnchen wurden 4,3 Milliarden neue Euro-Scheine gedruckt. Allerdings war am Anfang alles streng geheim: Niemand Fremdes durfte bei der Geldproduktion zusehen. Die Mitarbeiter der Druckereien durften kein Wort von ihrer Arbeit erz\u00e4hlen, nicht einmal zu Hause. Das war wichtig, damit Geldf\u00e4lscher keine Chance hatten, die Scheine nachzumachen.<\/p>\n<p>Die Euro-M\u00fcnzen kamen unter anderem aus der Pr\u00e4geanstalt Staatliche M\u00fcnze Berlin. Zw\u00f6lf gr\u00fcne Maschinen spuckten dort 850 M\u00fcnzen pro Minute aus. Schon seit dem Sommer 1999 hatten diese Maschinen rund um die Uhr gerattert. Jeden Tag haben die Mitarbeiter elf bis zw\u00f6lf Kisten mit M\u00fcnzen gepackt, jede etwa 700 Kilogramm schwer. Insgesamt gibt es in Deutschland f\u00fcnf M\u00fcnzpr\u00e4geanstalten. Bis zum 1. Januar 2002 entstanden dort 17 Milliarden deutsche Euro-M\u00fcnzen \u2013 genug, um eine Lastwagenkolonne von mehr als 52 Kilometer L\u00e4nge zu f\u00fcllen!<\/p>\n<p>In den letzten vier Monaten vor dem Jahresende 2001 herrschte Geldtransporter-Hochbetrieb auf den Stra\u00dfen. Innerhalb weniger Wochen wurden in ganz Deutschland 2,3 Milliarden Euro-Scheine im Wert von 132 Milliarden Euro und 15,5 Milliarden Euro-M\u00fcnzen im Wert von 4,8 Milliarden Euro an die Banken ausgeliefert. Das Gewicht des Geldes betrug rund 71500 Tonnen, es war damit etwa so schwer wie 440 Jumbojets! Der Transport stellte eine Herausforderung f\u00fcr die Polizei dar: Schlie\u00dflich wussten auch alle Gangster, dass der Euro kommen w\u00fcrde. Um die Transportfahrzeuge zu sch\u00fctzen, begleiteten Polizisten jede gro\u00dfe Tour mit Blaulicht. Das war nat\u00fcrlich nicht gerade unauff\u00e4llig. Nur bis es tats\u00e4chlich losging, konnten die Strecken wirklich geheim gehalten werden. Daf\u00fcr mussten die Wagen unterwegs aber kein einziges Mal anhalten und kamen rasch zu ihrem Ziel. Gelohnt h\u00e4tte sich ein \u00dcberfall ohnehin nur bei einem Geldtransporter mit Scheinen. M\u00fcnzen n\u00e4mlich sind viel zu schwer: 30000 Euro wiegen etwa 500 Kilogramm. Die kann selbst ein sehr starker Gangster nicht schnell wegtragen.<\/p>\n<p>Und was geschah mit dem alten Geld, mit der D-Mark, die jetzt \u00fcberfl\u00fcssig geworden war? Rund 2,6 Milliarden Geldscheine waren ja nun zu nichts mehr zu gebrauchen. \u00dcbereinandergestapelt h\u00e4tten sie einen Turm von mehr als 300 Kilometer H\u00f6he ergeben. Wohin damit? In der Bundesbank machten Maschinen Konfetti aus dem Geld und rissen jeden Schein in 800 winzige Teile (es sollte ja niemand die alten Scheine zwei- oder dreimal gegen neue Euros eintauschen). Ein Gro\u00dfteil der Geldschnipsel landete in den M\u00fcllverbrennungsanlagen und ging zwischen leeren Joghurtbechern und anderem Hausm\u00fcll in Flammen auf. Ein kleinerer Teil wurde zu Briefpapier, auf dem mit etwas Fantasie noch die Bilder der Geldscheine zu erkennen waren. Es gab auch den Vorschlag, die alten Scheine zu kompostieren. Die Druckfarbe war daf\u00fcr aber zu giftig. Auch aus der Idee, Toilettenpapier aus dem Geldkonfetti zu machen, wurde nichts. Das wollten die Deutschen ihrer Mark dann doch nicht antun! Den M\u00fcnzen erging es besser als den Scheinen: Nach dem Einschmelzen gelangten sie als Euro-M\u00fcnzen zur\u00fcck in die Geldbeutel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zehn Jahren hie\u00df unser Geld noch anders: D-Mark. Heute teilen wir eine gemeinsame W\u00e4hrung mit 22 Nachbarl\u00e4ndern Von Irene Berres Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land in Europa sein eigenes Geld. 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