{"id":1168,"date":"2009-04-23T08:30:26","date_gmt":"2009-04-23T06:30:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=1168"},"modified":"2009-04-23T08:30:26","modified_gmt":"2009-04-23T06:30:26","slug":"bilder-aus-buchstaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2009\/04\/23\/bilder-aus-buchstaben_1168","title":{"rendered":"Bilder aus Buchstaben"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2009\/18\/gesellschaft\/kinderzeit\/urheberrecht-450.jpg\" alt=\"KinderZEIT\" \/><span style=\"font-size: 10px;\">\u00a9 <a href=\"http:\/\/www.anja-maria-eisen.de\" target=\"_blank\">Anja Maria Eisen<\/a><\/span><br \/>\n<strong>Am 23. April ist \u00bbWelttag des Buches und des Urheberrechts\u00ab. Gefeiert werden Leserinnen und Leser,<br \/>\nAutorinnen und Autoren \u2013 und ihre Geschichten<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Susanne Gaschke<\/em><br \/>\nEin Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche tr\u00e4gt\u00ab \u2013 so lautet ein arabisches Sprichwort. Das ist ein sch\u00f6nes sprachliches Bild (zum Angeben: eine Metapher) f\u00fcr die Dinge, die sich in unserem Kopf abspielen, wenn wir lesen. Eben sitzen wir noch an einem verregneten Sonntagnachmittag, an dem GAR NICHTS passiert, zu Hause herum und LANGWEILEN uns \u2013 vor uns ein B\u00fcndel Papierseiten mit Buchstaben drauf. Doch dann fangen wir an zu lesen, und pl\u00f6tzlich entsteht in unserem Kopf der Garten aus dem Sprichwort. Oder die schaurige Burg von Ritter Kato aus Mio, mein Mio. Der Nachtwald, wo Bilbo Beutlin, der kleine Hobbit, seine Freunde, die Zwerge, aus den F\u00e4ngen der Riesenspinnen befreien muss. Wir sehen Harry Potter, der seinen unfreundlichen Onkel Vernon erstaunt beim Zunageln des Briefschlitzes beobachtet. Wir sehen das Magische Baumhaus. Oder die Schatzinsel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><figure style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/18\/gesellschaft\/kinderzeit\/urheberrecht-3-210.jpg\" alt=\"\u00a9 Anja Maria Eisen\" width=\"210\" height=\"210\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Anja Maria Eisen<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>\u00bbDas Land des Lesens ist ein geheimnisvoller, unendlicher Erdteil\u00ab, hat der Schriftsteller Erich K\u00e4stner dazu gesagt: \u00bbAus Druckerschw\u00e4rze entstehen Dinge, Menschen, Geister und G\u00f6tter, die man sonst nicht sehen kann. Wer noch nicht lesen kann, sieht nur, was greifbar vor seiner Nase liegt oder steht\u2008\u2026 Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen.\u00ab<br \/>\nEs ist f\u00fcr Wissenschaftler immer noch schwer zu erkl\u00e4ren, wie dieses zweite Paar Augen funktioniert. Wie unser Gehirn es also schafft, aus den Buchstaben des Alphabets Bilder und Geschichten entstehen zu lassen. Einig sind sie sich aber darin: Je mehr man liest, desto mehr Spa\u00df macht es, weil man sich umso weniger anstrengen muss, je mehr \u00dcbung man hat. Die alten Griechen, die vor fast 3000 Jahren das erste richtige Alphabet erfanden, waren sich am Anfang \u00fcbrigens gar nicht sicher, ob sie da eine besonders gute Erfindung gemacht hatten. Der ber\u00fchmte Denker Sokrates (er lebte von 470 bis 399 vor Christus) f\u00fcrchtete, die Menschen w\u00fcrden ihr Erinnerungsverm\u00f6gen verlieren, wenn sie alles aufschreiben k\u00f6nnten. Sie h\u00e4tten es dann ja nicht mehr n\u00f6tig, Geschichten wie die vom Helden Odysseus, von ein\u00e4ugigen Riesen, Seeungeheuern und griechischen G\u00f6ttern auswendig zu lernen.<br \/>\nSokrates\u2019 Sorge hat sich als unbegr\u00fcndet erwiesen. Insgesamt sind die Menschen durch B\u00fccher nicht d\u00fcmmer geworden. Die Zeit, die sie fr\u00fcher mit Auswendiglernen verbrachten, k\u00f6nnen sie heute dazu verwenden, Neues zu lesen. Dabei ist es ein gro\u00dfer Vorteil, dass es in L\u00e4ndern wie Deutschland einigerma\u00dfen billige B\u00fccher gibt, und dass man sie in B\u00fcchereien und in Schulen umsonst ausleihen kann. Das ist l\u00e4ngst nicht \u00fcberall auf der Welt so.<br \/>\nAuch bei uns waren B\u00fccher in gr\u00f6\u00dferer Zahl und zu bezahlbaren Preisen nicht immer selbstverst\u00e4ndlich. Im Mittelalter gab es nur wenige B\u00fccher, die sehr kostbar waren. Sie wurden von M\u00f6nchen mit der Hand abgeschrieben. Kaum jemand konnte sie sich leisten, und ohnehin konnten nur die wenigsten Leute lesen. Erst als der Goldschmied Johannes Gutenberg (etwa im Jahr 1440) eine M\u00f6glichkeit entdeckte, B\u00fccher mit einer Presse zu \u00bbdrucken\u00ab, konnte man sie billiger und schneller herstellen. Aber es dauerte noch lange, bis sie ein ganz normaler Gebrauchsgegenstand wurden: ein St\u00fcckchen Garten, das jeder in der Tasche tragen kann.<br \/>\nAn diesem Donnerstag begehen auf der ganzen Welt Menschen, die mit B\u00fcchern zu tun haben, den \u00bbTag des Buches und des Urheberrechts\u00ab. Dazu gibt es viele Aktionen, Wettbewerbe und Vorleseveranstaltungen, die alle auf die Sch\u00f6nheit von B\u00fcchern aufmerksam machen sollen. \u00bbWelttag des Buches\u00ab \u2013 das ist leicht zu verstehen. Aber es hei\u00dft ja \u00bbTag des Buches und des Urheberrechts\u00ab. Was verbirgt sich hinter dem schwierigen Wort Urheberrecht? Es bedeutet, dass dem Autor (dem \u00bbUrheber\u00ab) eines Buches seine Erfindung, also seine Geschichte f\u00fcr immer geh\u00f6rt. Niemand darf sie einfach abschreiben und ohne Zustimmung des Autors verkaufen. Der Autor darf selbst entscheiden, wo er sein Buch ver\u00f6ffentlichen m\u00f6chte, und er muss mit dem Verleger verhandeln, wie viel Geld er bekommt.<br \/>\nMit dem Geld ist es nicht so einfach: Schriftsteller wollen mit ihren Geschichten ja nicht nur die Leser erfreuen, sie wollen auch von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen. Die Verleger aber, die den Druck der B\u00fccher bezahlen, k\u00f6nnen nie sicher sein, wie erfolgreich ein Buch wird. Deshalb versprechen sie dem Autor m\u00f6glichst wenig Geld. Von einem Buch, das zwanzig Euro kostet, bekommt er nur ungef\u00e4hr zwei Euro. Wenn man Millionen B\u00fccher verkauft, wie die Harry Potter-Autorin J.K. Rowling, kann man damit reich werden. Aber wenn ein Autor weniger Fans hat, reicht das Geld manchmal kaum zum Leben.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/18\/gesellschaft\/kinderzeit\/urheberrecht-2-210.jpg\" alt=\"\u00a9 Anja Maria Eisen\" width=\"210\" height=\"210\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Anja Maria Eisen<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Weil sie aber vom Verkauf ihrer B\u00fccher leben m\u00fcssen, sind die Autoren besonders b\u00f6se, wenn jemand ihre Texte ohne Erlaubnis ins Internet stellt. Das tun richtige Internetkriminelle, die auch Raubkopien von Filmen und Musik im Netz viel billiger verkaufen als im Laden. Das tun aber auch viele harmlose Leute, die denken, es sei ganz in Ordnung B\u00fccher, Musik und Filme umsonst im Internet zu tauschen \u2013 obwohl das in vielen F\u00e4llen zum Schutz der Autoren verboten ist. Das tun schlie\u00dflich auch gro\u00dfe Firmen wie das amerikanische Internetunternehmen Google, das die Autoren ebenfalls nicht immer fragt, ob sie wollen, dass ihre B\u00fccher kostenlos im Internet zu finden sind. Der \u00bbWelttag des Buches und des Urheberrechts\u00ab ist deshalb auch ein Protesttag gegen Buchdiebstahl im Internet. Das ist gut. Denn es ist doch nur fair, dass Schriftsteller weiter davon leben k\u00f6nnen, dass sie sich magische G\u00e4rten f\u00fcr uns ausdenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Anja Maria Eisen Am 23. April ist \u00bbWelttag des Buches und des Urheberrechts\u00ab. Gefeiert werden Leserinnen und Leser, Autorinnen und Autoren \u2013 und ihre Geschichten Von Susanne Gaschke Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche tr\u00e4gt\u00ab \u2013 so lautet ein arabisches Sprichwort. 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