{"id":126,"date":"2008-10-23T08:47:17","date_gmt":"2008-10-23T06:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=126"},"modified":"2008-10-23T08:47:17","modified_gmt":"2008-10-23T06:47:17","slug":"rattentanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/23\/rattentanz_126","title":{"rendered":"Rattentanz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der schlaue Kater Maurice hat sich mit einer Gruppe besonderer Ratten zusammengetan. Ihre merkw\u00fcrdigen Namen wie \u00bbSardinen\u00ab oder \u00bbGekochter Schinken\u00ab haben sie von Konservendosen. Gemeinsam mit Maurice und einem Jungen \u00fcberfallen die Ratten Menschenst\u00e4dte und t\u00e4uschen eine Plage vor. \u00bbMaurice, der Kater\u00ab von Terry Pratchett erscheint demn\u00e4chst in der neuen ZEIT Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00ab. Hier k\u00f6nnt Ihr schon mal hineinschnuppern<\/strong><br \/>\n<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"220\" align=\"left\" >\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div><img src='https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/44\/wissen\/kinderzeit\/katze-ratte-artikel-210.jpg' alt='Kinderzeit' class='alignleft' \/><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size: 10px;\">\u00a9 Mauricio Duenas\/AFP\/Getty Images<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Junge, das M\u00e4dchen und Maurice hielten sich in einer gro\u00dfen K\u00fcche auf. Allerdings fehlte etwas: Lebensmittel. Das M\u00e4dchen ging zu einem Metallkasten in der Ecke und tastete nach dem Bindfaden um seinen Hals. Wie sich herausstellte, hing ein gro\u00dfer Schl\u00fcssel daran. \u00bbHeute kann man niemandem trauen\u00ab, sagte sie. \u00bbUnd die Ratten stehlen hundertmal so viel, wie sie fressen.\u00ab \u2013 \u00bbDas glaube ich nicht\u00ab, sagte der Junge. \u00bbH\u00f6chstens zehnmal so viel.\u00ab \u2013 \u00bbWei\u00dft du ganz pl\u00f6tzlich alles \u00fcber Ratten?\u00ab, fragte das M\u00e4dchen und schloss den Kasten auf. \u00bbNicht ganz pl\u00f6tzlich. Ich hab\u2019s gelernt, als\u2026 Au! Das hat wirklich wehgetan!\u00ab \u2013 \u00bbTut mir leid\u00ab, sagte Maurice. \u00bbIch habe dich rein zuf\u00e4llig gekratzt.\u00ab Er versuchte, ein Gesicht zu schneiden, das so viel bedeutete wie: Sei kein Vollidiot. Als Katze fiel ihm das sehr schwer. <!--more--><\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen warf ihm einen argw\u00f6hnischen Blick zu. \u00bbHier ist Milch, au\u00dferdem zwei Fischk\u00f6pfe\u00ab, sagte sie. \u00bbKlingt gut\u00ab, erwiderte Maurice. \u00bbWas ist mit deinem Menschen?\u00ab \u2013 \u00bbMit ihm? Er isst praktisch alles.\u00ab \u00bbWir haben Brot und W\u00fcrstchen\u00ab, sagte das M\u00e4dchen. \u00bbAu\u00dferdem liegt da noch ein St\u00fcck K\u00e4se, aber es ist ziemlich alt.\u00ab \u2013 \u00bbIch glaube nicht, dass wir deine Nahrungsmittel essen sollten, wenn sie so knapp sind\u00ab, sagte der Junge. \u00bbOh, mein Vater sagt, es wirft ein schlechtes Licht auf die Stadt, wenn wir nicht gastfreundlich sind. Er ist der B\u00fcrgermeister.\u00ab \u2013 \u00bbEr ist die Regierung?\u00ab, fragte der Junge. Das M\u00e4dchen starrte ihn an. \u00bbIch denke schon\u00ab, sagte sie. \u00bbEigentlich macht der Stadtrat die Gesetze. Mein Vater verwaltet nur alles und streitet mit jedem. Er sagt, wir sollten nicht mehr bekommen als die anderen Leute, um in diesen schwierigen Zeiten Solidarit\u00e4t zu zeigen. Es war schon schlimm genug, dass keine Touristen mehr kamen \u2013 die Ratten haben alles noch schlimmer gemacht.\u00ab<\/p>\n<div style=\"width: 230px; float:left; border: 1px solid #ACADAE; margin: 5px 5px 5px 0px; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Rattentanz <\/strong> &#8211; Von Terry Pratchett<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/38\/wissen\/kinderzeit\/kinderzeit-audio.jpg\" alt=\"Kinderzeit Audio\"\/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Erhard Dietl<\/span><\/div>\n<div style=\"width: 230px; margin: 5px 5px 5px 20px;\">\n<table width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=081023\/081023_1224745986-01&amp;var_mp3_artist=Von Terry Pratchett&amp;var_mp3_title=Rattentanz&amp;ressort=a_Wissen&amp;sub_ressort=Bildung');\"><strong>Gleich Anh&ouml;ren <\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/44_Vorlesegeschichte_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Alle Folgen im \u00dcberblick<\/strong> &raquo;<\/a> <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Das M\u00e4dchen nahm zwei Untertassen aus der Anrichte. \u00bbMein Vater sagt, wenn wir alle vern\u00fcnftig sind, gibt es genug\u00ab, fuhr sie fort. \u00bbIch bin ganz seiner Meinung. Aber ich denke, wenn man Solidarit\u00e4t gezeigt hat, sollte was extra gestattet sein. Wie dem auch sei\u2026 Du bist also wirklich eine magische Katze?\u00ab, fragte das M\u00e4dchen und sch\u00fcttete Milch in eine Untertasse. Sie floss nicht, sondern quoll, aber Maurice war eine Stra\u00dfenkatze und trank selbst Milch, die wegzukriechen versuchte. \u00bbOh, ja, genau, magisch\u00ab, sagte er. F\u00fcr zwei Fischk\u00f6pfe war er bereit, alles f\u00fcr jeden zu sein. \u00bbGeh\u00f6rtest wahrscheinlich einer Hexe, mit einem Namen wie Griselda\u00ab, sagte das M\u00e4dchen und legte die Fischk\u00f6pfe auf die andere Untertasse. \u00bbJa, stimmt, Griselda\u00ab, erwiderte Maurice, ohne den Kopf zu heben. \u00bbWohnte wahrscheinlich in einem Pfefferkuchenhaus im Wald.\u00ab \u00bbJa, stimmt.\u00ab<\/p>\n<p>Und er w\u00e4re nicht Maurice gewesen, wenn er nicht etwas erfunden h\u00e4tte: \u00bbAllerdings war es ein Kn\u00e4ckebrothaus, denn sie machte eine Schlankheitskur, die alte Griselda.\u00ab Das M\u00e4dchen wirkte einige Sekunden verwirrt. \u00bbSo sollte es nicht sein\u00ab, sagte sie. \u00bbEntschuldigung, habe mich geirrt, war tats\u00e4chlich ein Pfefferkuchenhaus\u00ab, f\u00fcgte Maurice hastig hinzu. Wer einem zu essen gab, hatte recht. \u00bbUnd bestimmt hatte sie gro\u00dfe Warzen.\u00ab \u2013 \u00bbVerehrtes Fr\u00e4ulein\u2026\u00ab Maurice versuchte, ganz ehrlich zu wirken. \u00bbEinige der Warzen waren mit so viel Pers\u00f6nlichkeit ausgestattet, dass sie eigene Freunde hatten. \u00c4h\u2026wie hei\u00dft du?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbVersprichst du, nicht zu lachen?\u00ab \u2013 \u00bbVersprochen.\u00ab Vielleicht gab es weitere Fischk\u00f6pfe. \u00bbIch hei\u00dfe\u2026Malizia. Lachst du?\u00ab, fragte Malizia in drohendem Tonfall. \u00bbNein\u00ab, erwiderte Maurice verwundert. \u00bbFindest du den Namen nicht komisch?\u00ab Maurice dachte \u00fcber die ihm bekannten Namen nach: Gekochter Schinken, Gef\u00e4hrliche Bohnen, Sardinen\u2026 \u00bbKlingt nach einem ganz gew\u00f6hnlichen Namen\u00ab, sagte er. Malizia bedachte ihn mit einem argw\u00f6hnischen Blick und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Jungen zu.<\/p>\n<p>\u00bbHast du auch einen Namen?\u00ab, fragte sie. \u00bbDu bist nicht zuf\u00e4llig der Sohn eines K\u00f6nigs?\u00ab \u00bbIch glaube, ich hei\u00dfe Keith\u00ab, sagte der Junge. \u00bbKeith ist kein vielversprechender Anfang f\u00fcr einen Namen\u00ab, sagte Malizia. \u00bbEr deutet auf nichts Geheimnisvolles hin. Ist das wirklich dein richtiger Name?\u00ab \u2013 \u00bbEs ist der Name, den man mir gegeben hat.\u00ab \u2013 \u00bbJa, das klingt schon besser. Ein leichter Hinweis auf etwas Geheimnisvolles\u00ab, sagte Malizia. \u00bbGerade genug, um Spannung zu schaffen. Ich nehme an, man hat dich kurz nach deiner Geburt entf\u00fchrt. Wahrscheinlich bist du der rechtm\u00e4\u00dfige K\u00f6nig irgendeines Landes, aber sie fanden jemanden, der dir \u00e4hnelt, und daraufhin hat man dich vertauscht. In dem Fall hast du wahrscheinlich ein magisches Schwert bei dir, das aber nicht magisch aussieht und sich erst als solches erweist, wenn f\u00fcr dich die Zeit gekommen ist. Wahrscheinlich hat man dich vor einer T\u00fcr gefunden.\u00ab \u2013 \u00bbDas stimmt\u00ab, best\u00e4tigte Keith. \u00bbSiehst du? Ich habe immer recht!\u00ab, sagte Malizia.<\/p>\n<p>Maurice hatte den dumm aussehenden Jungen noch nie von sich selbst sprechen geh\u00f6rt. \u00bbDavon hast du mir nie erz\u00e4hlt\u00ab, sagte Maurice vorwurfsvoll. \u00bbIst es wichtig?\u00ab, fragte Keith. \u00bbWahrscheinlich lag neben dir im Korb auch ein magisches Schwert oder eine Krone\u00ab, sagte Malizia. \u00bbIch glaube nicht\u00ab, sagte Keith. \u00bbNur ich und eine Decke lagen im Korb. Und ein Zettel.\u00ab \u2013 \u00bbEin Zettel? Das ist wichtig!\u00ab \u2013 \u00bbDarauf stand: \u203aNeunzehn halbe Liter Milch und ein Erdbeerjoghurt\u2039\u00ab, sagte Keith. \u00bbWarum neunzehn halbe Liter Milch?\u00ab \u2013 \u00bbEs war die Gilde der Musiker\u00ab, sagte Keith. \u00bbSie ist ziemlich gro\u00df. \u00dcber den Erdbeerjoghurt wei\u00df ich nicht n\u00e4her Bescheid.\u00ab \u2013 \u00bbEin ausgesetztes Waisenkind, das ist gut\u00ab, fand Malizia. \u00bbEin Prinz kann nur zu einem K\u00f6nig werden, aber eine Waise kann alles sein. Hat man dich auch geschlagen und in einen Keller gesperrt?\u00ab \u00bbIch glaube nicht\u00ab, sagte Keith und sah Malizia verwundert an. \u00bbAlle in der Gilde erwiesen sich als sehr freundlich. Sie lehrten mich viel.\u00ab \u2013 \u00bbWir haben hier ebenfalls Gilden\u00ab, sagte Malizia. \u00bbSie machen Jungen zu Tischlern und Steinmetzen.\u00ab \u2013 \u00bbDie Gilde lehrte mich Musik\u00ab, erkl\u00e4rte Keith. \u00bbIch bin ein Musiker. Ich verdiene mir meinen Lebensunterhalt selbst, seit ich sechs bin.\u00ab \u2013 \u00bbAha! Geheimnisvolles Waisenkind, sonderbares Talent, in Not aufgewachsen\u2026 Allm\u00e4hlich nimmt alles Gestalt an\u00ab, sagte Malizia. \u00bbDer Erdbeerjoghurt ist wahrscheinlich nicht so wichtig. W\u00e4re dein Leben anders verlaufen, wenn er Bananengeschmack gehabt h\u00e4tte? Welche Art von Musik spielst du denn?\u00ab \u2013 \u00bbWelche Art?\u00ab, wiederholte Keith. \u00bbEs gibt nur Musik. \u00dcberall, wenn man richtig hinh\u00f6rt.\u00ab<\/p>\n<p>Malizia sah Maurice an. \u00bbIst er immer so?\u00ab \u2013 \u00bbEr hat noch nie so viel von sich erz\u00e4hlt\u00ab, erwiderte die Katze. \u00bbBestimmt seid ihr ganz erpicht darauf, alles \u00fcber mich zu erfahren\u00ab, sagte Malizia. \u00bbMeine G\u00fcte, ja\u00ab, sagte Maurice. \u00bbEs \u00fcberrascht euch sicher nicht, dass ich zwei gr\u00e4ssliche Stiefschwestern habe\u00ab, sagte Malizia. \u00bbUnd ich muss alle Arbeiten erledigen.\u00ab \u2013 \u00bbMeine G\u00fcte, na so was\u00ab, sagte Maurice und fragte sich, ob es weitere Fischk\u00f6pfe gab. Er fragte sich auch, ob sie dies wert waren. \u00bbNun, die meisten Arbeiten\u00ab, sagte Malizia. \u00bbIch muss mein eigenes Zimmer aufr\u00e4umen!\u00ab \u2013 \u00bbMeine G\u00fcte.\u00ab \u2013 \u00bbUnd es ist fast das kleinste Zimmer.\u00ab \u00bbMeine G\u00fcte.\u00ab \u2013 \u00bbUnd die Leute sind unglaublich grausam zu mir. Sollte man von der Tochter des B\u00fcrgermeisters erwarten, mindestens einmal pro Woche den Abwasch zu machen?\u00ab \u00bbMeine G\u00fcte.\u00ab \u00bbUnd seht euch nur meine zerrissene und abgetragene Kleidung an!\u00ab Maurice sah genauer hin. Mit Kleidung kannte er sich nicht besonders gut aus. Fell reichte ihm. \u00bbHier, genau hier\u00ab, sagte Malizia und zeigte auf eine Stelle, die f\u00fcr Maurice genauso aussah wie der Rest des Kleids. \u00bbDas musste ich selbst n\u00e4hen!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbMeine G\u00fc&#8230;\u00ab Maurice unterbrach sich. Von dort, wo er sa\u00df, sah er die leeren Regale an der Wand, und was noch wichtiger war: Er sah, wie sich Sardinen von einem Riss in der alten Decke abseilte. Er trug einen Rucksack. \u00bbUnd als ob das noch nicht genug w\u00e4re: Ich muss mich jeden Tag f\u00fcr Brot und Wurst anstellen\u2026\u00ab, fuhr Malizia fort, aber Maurice h\u00f6rte ihr jetzt noch weniger zu als vorher. Es muss Sardinen sein, dachte er. Idiot! Von allen K\u00fcchen in der Stadt muss er ausgerechnet in dieser auftauchen. Gleich dreht sich das M\u00e4dchen um, sieht ihn und schreit.<\/p>\n<p>Sardinen h\u00e4tte es vermutlich f\u00fcr eine Art Applaus gehalten. Andere Ratten liefen einfach herum, quiekten und brachten Dinge durcheinander. Aber f\u00fcr Sardinen reichte so etwas nicht aus. Er musste immer seine yowoorll-Gesangs- und Tanznummer auff\u00fchren! \u00bb&#8230;und die Ratten stehlen wirklich alles\u00ab, sagte Malizia. \u00bbUnd was sie nicht stehlen, verderben sie. Es ist schrecklich! Der Stadtrat kauft Lebensmittel von anderen Orten, aber niemand hat viel \u00fcbrig. Deshalb ist das Brot bei uns so teuer.\u00ab \u2013 \u00bbTeuer, wie?\u00ab, erwiderte Maurice. \u00bbWir haben es mit Fallen, Hunden, Katzen und Gift versucht, aber die Ratten kommen immer wieder\u00ab, sagte das M\u00e4dchen. \u00bbUnd sie sind sehr schlau geworden. Lassen sich kaum noch von den Fallen erwischen.\u00ab Hinter Malizia sah sich Sardinen im Zimmer um und gab den Ratten in der Decke dann das Zeichen, den Bindfaden hochzuziehen.<\/p>\n<p>\u00bbGlaubst du nicht, dies w\u00e4re ein geeigneter Zeitpunkt, um geh weg!\u00ab, rief Maurice. \u00bbWarum schneidest du Grimassen?\u00ab, fragte Malizia und starrte ihn an. \u00bbOh\u2026\u00e4h, kennst du die Katze, die dauernd grinst? Nun, ich bin eine Katze, die Grimassen schneidet\u00ab, sagte Maurice verzweifelt. \u00bbUnd manchmal rutschen mir einfach so Dinge raus weg geh weg, siehst du, es ist schon wieder passiert, es ist eine Krankheit o nein, mach das nicht, dies ist nicht der richtige Ort, huch, schon wieder\u2026\u00ab<\/p>\n<p>Sardinen hatte seinen Strohhut vom Kopf genommen und hielt einen kleinen Spazierstock in der Pfote. Es war eine gute Nummer, das musste selbst Maurice zugeben. In manchen Orten hatte sein Auftritt gen\u00fcgt, um die Menschen in Panik zu versetzen. Sie konnten Ratten in der Sahne hinnehmen, Ratten auf dem Dach und Ratten im Teekessel. Aber Stepp tanzende Ratten \u2013 das ging zu weit. Er beobachtete Sardinen etwas zu lange. Malizia drehte sich um und klappte entsetzt den Mund auf, als Sardinen seine Schau abzog. Sie griff nach einer Bratpfanne auf dem Tisch und warf mit gro\u00dfer Zielsicherheit. Doch Sardinen verstand es, solchen Wurfgeschossen auszuweichen. Die Ratten waren daran gew\u00f6hnt, dass man Dinge nach ihnen warf. Er lief bereits, als die Pfanne das Zimmer halb durchquert hatte, um hinter der Anrichte zu verschwinden. Eine Sekunde sp\u00e4ter ert\u00f6nte ein pl\u00f6tzliches, endg\u00fcltiges, metallisches\u2026Schnapp!<\/p>\n<p>\u00bbHa!\u00ab, rief Malizia, als Maurice und Keith zur Anrichte starrten. \u00bbJetzt gibt es eine Ratte weniger.\u00ab \u2013 \u00bbEs hat Sardinen erwischt\u00ab, sagte Keith. \u00bbNein, nein, es war eindeutig eine Ratte\u00ab, erwiderte Malizia. \u00bbSardinen laufen wohl kaum selbst\u00e4ndig durch eine K\u00fcche.\u00ab \u2013 \u00bbEr nannte sich Sardinen, weil er diesen Namen auf einer rostigen alten B\u00fcchse sah und ihn f\u00fcr schick hielt\u00ab, sagte Maurice. \u00bbEr war eine gute Ratte\u00ab, sagte Keith. \u00bbEr stahl B\u00fccher f\u00fcr mich, als sie mich lesen lehrten.\u00ab \u2013 \u00bbEntschuldige bitte, bist du verr\u00fcckt?\u00ab, fragte Malizia entgeistert. \u00bbEs war eine Ratte. Nur eine tote Ratte ist eine gute Ratte.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbHallo?\u00ab, ert\u00f6nte da eine leise Stimme hinter der Anrichte. \u00bbSie kann unm\u00f6glich \u00fcberlebt haben!\u00ab, brachte Malizia hervor. \u00bbEs ist eine riesige Falle!\u00ab \u2013 \u00bbH\u00f6rt mich irgend jemand? Ah, der Stock biegt sich allm\u00e4hlich durch\u2026\u00ab, verk\u00fcndete die Stimme. \u00bbDas ist doch nicht etwa die Ratte, die da spricht?\u00ab, fragte Malizia. Maurice sp\u00e4hte hinter die Anrichte. \u00bbIch sehe ihn\u00ab, sagte er. \u00bbHat den Stock in die Falle gekeilt, als sie zugeschnappt ist! He, Sardinen, wie geht\u2019s?\u00ab \u2013 \u00bbGut, Boss\u00ab, erwiderte Sardinen im Halbdunkel. \u00bbWenn diese Falle nicht w\u00e4re, w\u00fcrde ich sogar sagen, dass alles perfekt ist. Habe ich bereits erw\u00e4hnt, dass sich der Stock biegt?\u00ab \u2013 \u00bbJa, das hast du.\u00ab \u2013 \u00bbInzwischen ist er noch etwas mehr gebogen, Boss.\u00ab<\/p>\n<p>Keith ergriff das eine Ende der Anrichte und \u00e4chzte leise. \u00bbSchwer wie ein Fels!\u00ab, sagte er. \u00bbSie ist voller Geschirr\u00ab, sagte Malizia. \u00bbAber Ratten sprechen doch nicht wirklich, oder?\u00ab \u2013 \u00bbAus dem Weg!\u00ab, rief Keith. Mit beiden H\u00e4nden griff er nach der R\u00fcckwand der Anrichte, st\u00fctzte einen Fu\u00df an die Wand und zog. Das Geschirr geriet ins Rutschen, als das gro\u00dfe M\u00f6belst\u00fcck kippte. Keith streckte die Hand nach der Falle aus und ergriff Sardinen. Als er die Ratte hochhob, gab der Stock nach, und die Falle schnappte endg\u00fcltig zu. Ein Teil des Stocks wirbelte durch die Luft. \u00bbIst alles in Ordnung mit dir?\u00ab, fragte Keith. \u00bbNun, Boss, ich kann nur sagen: Zum Gl\u00fcck tragen Ratten keine Unterw\u00e4sche\u2026 Danke, Boss\u00ab, sagte Sardinen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Hier<\/strong><\/a> findest du alle Vorlesegeschichten der Kinderzeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der schlaue Kater Maurice hat sich mit einer Gruppe besonderer Ratten zusammengetan. Ihre merkw\u00fcrdigen Namen wie \u00bbSardinen\u00ab oder \u00bbGekochter Schinken\u00ab haben sie von Konservendosen. 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