{"id":13165,"date":"2012-11-29T13:12:23","date_gmt":"2012-11-29T12:12:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=13165"},"modified":"2012-11-29T13:12:23","modified_gmt":"2012-11-29T12:12:23","slug":"marchen-zum-vorlesen-5-dornroschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2012\/11\/29\/marchen-zum-vorlesen-5-dornroschen_13165","title":{"rendered":"M\u00e4rchen zum Vorlesen (5): Dornr\u00f6schen"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_13169\" aria-describedby=\"caption-attachment-13169\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2012\/11\/dornroeschen-540x348.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"348\" class=\"size-large wp-image-13169\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2012\/11\/dornroeschen-540x348.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2012\/11\/dornroeschen-300x193.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2012\/11\/dornroeschen.jpg 671w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13169\" class=\"wp-caption-text\">Um Dornr\u00f6schen wachzuk\u00fcssen braucht es eine gute Rosenschere!\/ Illustration: Gert Albrecht f\u00fcr DIE ZEIT\/www.gertalbrecht.de<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Vorzeiten war ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die sprachen jeden Tag: \u00bbAch, wenn wir doch ein Kind h\u00e4tten!\u00ab, und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die K\u00f6nigin einmal im Bade sa\u00df, dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: \u00bbDein Wunsch wird erf\u00fcllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.\u00ab Was der Frosch gesagt hatte, das geschah, und die K\u00f6nigin gebar ein M\u00e4dchen, das war so sch\u00f6n, dass der K\u00f6nig vor Freude sich nicht zu lassen wusste und ein gro\u00dfes Fest anstellte. Er lud nicht blo\u00df seine Verwandte, Freunde und Bekannte, sondern auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen w\u00e4ren. <!--more--><\/p>\n<p>Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche, weil er aber nur zw\u00f6lf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so musste eine von ihnen daheim bleiben. Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Sch\u00f6nheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was auf der Welt zu w\u00fcnschen ist. Als elfe ihre Spr\u00fcche eben getan hatten, trat pl\u00f6tzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich daf\u00fcr r\u00e4chen, dass sie nicht eingeladen war, und ohne jemand zu gr\u00fc\u00dfen oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme: \u00bbDie K\u00f6nigstochter soll sich in ihrem f\u00fcnfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen.\u00ab Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte sie sich um und verlie\u00df den Saal. Alle waren erschrocken, da trat die zw\u00f6lfte hervor, die ihren Wunsch noch \u00fcbrig hatte, und weil sie den b\u00f6sen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern konnte, so sagte sie: \u00bbEs soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertj\u00e4hriger tiefer Schlaf, in welchen die K\u00f6nigstochter f\u00e4llt.\u00ab<\/p>\n<p>Der K\u00f6nig, der sein liebes Kind vor dem Ungl\u00fcck gern bewahren wollte, lie\u00df den Befehl ausgehen, dass alle Spindeln im ganzen K\u00f6nigreiche sollten verbrannt werden. An dem M\u00e4dchen aber wurden die Gaben der weisen Frauen s\u00e4mtlich erf\u00fcllt, denn es war so sch\u00f6n, sittsam, freundlich und verst\u00e4ndig, dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste. Es geschah, dass an dem Tage, wo es gerade f\u00fcnfzehn Jahr alt ward, der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin nicht zu Haus waren und das M\u00e4dchen ganz allein im Schloss zur\u00fcckblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen T\u00fcre. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schl\u00fcssel, und als es umdrehte, sprang die T\u00fcre auf, und sa\u00df da in einem kleinen St\u00fcbchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig ihren Flachs. \u00bbGuten Tag, du altes M\u00fctterchen\u00ab, sprach die K\u00f6nigstochter, \u00bbwas machst du da?\u00ab \u2013 \u00bbIch spinne\u00ab, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. \u00bbWas ist das f\u00fcr ein Ding, das so lustig herumspringt?\u00ab, sprach das M\u00e4dchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel anger\u00fchrt, so ging der Zauberspruch in Erf\u00fcllung, und sie stach sich damit in den Finger.<\/p>\n<p>In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich \u00fcber das ganze Schloss: der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin, die eben heimgekommen waren und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten h\u00f6rte auf zu brutzeln, und der Koch, der den K\u00fcchenjungen, weil er etwas versehen hatte, in den Haaren ziehen wollte, lie\u00df ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den B\u00e4umen vor dem Schloss regte sich kein Bl\u00e4ttchen mehr.<\/p>\n<p>Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr h\u00f6her ward und endlich das ganze Schloss umzog und dar\u00fcber hinaus wuchs, dass gar nichts mehr davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf dem Dach. Es ging aber die Sage in dem Land von dem sch\u00f6nen schlafenden Dornr\u00f6schen, denn so ward die K\u00f6nigstochter genannt, sodass von Zeit zu Zeit K\u00f6nigss\u00f6hne kamen und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten. Es war ihnen aber nicht m\u00f6glich, denn die Dornen, als h\u00e4tten sie H\u00e4nde, hielten fest zusammen, und die J\u00fcnglinge blieben darin h\u00e4ngen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines j\u00e4mmerlichen Todes.<\/p>\n<p>Nach langen, langen Jahren kam wieder einmal ein K\u00f6nigssohn in das Land und h\u00f6rte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erz\u00e4hlte, es sollte ein Schloss dahinter stehen, in welchem eine wundersch\u00f6ne K\u00f6nigstochter, Dornr\u00f6schen genannt, schon seit hundert Jahren schliefe, und mit ihr schliefe der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin und der ganze Hofstaat. Er wusste auch von seinem Gro\u00dfvater, dass schon viele K\u00f6nigss\u00f6hne gekommen w\u00e4ren und versucht h\u00e4tten, durch die Dornenhecke zu dringen, aber sie w\u00e4ren darin h\u00e4ngen geblieben und eines traurigen Todes gestorben. Da sprach der J\u00fcngling: \u00bbIch f\u00fcrchte mich nicht, ich will hinaus und das sch\u00f6ne Dornr\u00f6schen sehen.\u00ab Der gute Alte mochte ihm abraten, wie er wollte, er h\u00f6rte nicht auf seine Worte.<\/p>\n<p>Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornr\u00f6schen wieder erwachen sollte. Als der K\u00f6nigssohn sich der Dornenhecke n\u00e4herte, waren es lauter gro\u00dfe sch\u00f6ne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und lie\u00dfen ihn unbesch\u00e4digt hindurch, und hinter ihm taten sie sich wieder als eine Hecke zusammen. Im Schlosshof sah er die Pferde und scheckigen Jagdhunde liegen und schlafen, auf dem Dache sa\u00dfen die Tauben und hatten das K\u00f6pfchen unter den Fl\u00fcgel gesteckt. Und als er ins Haus kam, schliefen die Fliegen an der Wand, der Koch in der K\u00fcche hielt noch die Hand, als wollte er den Jungen anpacken, und die Magd sa\u00df vor dem schwarzen Huhn, das sollte gerupft werden. Da ging er weiter und sah im Saale den ganzen Hofstaat liegen und schlafen, und oben bei dem Throne lag der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin. Da ging er noch weiter, und alles war so still, dass einer seinen Atem h\u00f6ren konnte, und endlich kam er zu dem Turm und \u00f6ffnete die T\u00fcre zu der kleinen Stube, in welcher Dornr\u00f6schen schlief. Da lag es und war so sch\u00f6n, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er b\u00fcckte sich und gab ihm einen Kuss. Wie er es mit dem Kuss ber\u00fchrt hatte, schlug Dornr\u00f6schen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an. Da gingen sie zusammen herab, und der K\u00f6nig erwachte und die K\u00f6nigin und der ganze Hofstaat und sahen einander mit gro\u00dfen Augen an. Und die Pferde im Hof standen auf und r\u00fcttelten sich; die Jagdhunde sprangen und wedelten; die Tauben auf dem Dache zogen das K\u00f6pfchen unterm Fl\u00fcgel hervor, sahen umher und flogen ins Feld; die Fliegen an den W\u00e4nden krochen weiter; das Feuer in der K\u00fcche erhob sich, flackerte und kochte das Essen; der Braten fing wieder an zu brutzeln; und der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige, dass er schrie; und die Magd rupfte das Huhn fertig. Und da wurde die Hochzeit des K\u00f6nigssohns mit dem Dornr\u00f6schen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergn\u00fcgt bis an ihr Ende.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Wochen gibt es in der KinderZEIT immer wieder ein weiteres bekanntes Grimmsches M\u00e4rchen zum Vorlesen oder Selberlesen. N\u00e4chste Woche: Wie hei\u00dft blo\u00df das M\u00e4nnlein, das der K\u00f6nigin ihr Kind stehlen m\u00f6chte?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorzeiten war ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die sprachen jeden Tag: \u00bbAch, wenn wir doch ein Kind h\u00e4tten!\u00ab, und kriegten immer keins. 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