{"id":13293,"date":"2013-01-03T14:48:15","date_gmt":"2013-01-03T13:48:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=13293"},"modified":"2013-01-03T14:48:15","modified_gmt":"2013-01-03T13:48:15","slug":"marchen-zum-vorlesen-9-die-bremer-stadtmusikanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2013\/01\/03\/marchen-zum-vorlesen-9-die-bremer-stadtmusikanten_13293","title":{"rendered":"M\u00e4rchen zum Vorlesen (9): Die Bremer Stadtmusikanten"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_13295\" aria-describedby=\"caption-attachment-13295\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/01\/musikanten-540x289.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"289\" class=\"size-large wp-image-13295\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/01\/musikanten-540x289.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/01\/musikanten-300x160.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/01\/musikanten.jpg 861w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13295\" class=\"wp-caption-text\">Illustration: Gert Albrecht f\u00fcr DIE ZEIT\/www.gertalbrecht.de Text: aus \u00bbJakob und Wilhelm Grimm: Ausgew\u00e4hlte Kinder- und Hausm\u00e4rchen\u00ab, Philipp Reclam jun. GmbH &amp; Co., Stuttgart 1981<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die S\u00e4cke unverdrossen zur M\u00fchle getragen hatte, dessen Kr\u00e4fte aber nun zu Ende gingen, sodass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: Dort, meinte er, k\u00f6nnte er ja Stadtmusikant werden.<!--more--><\/p>\n<p>Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich m\u00fcde gelaufen hat. \u00bbNun, was jappst du so, Packan?\u00ab, fragte der Esel. \u00bbAch\u00ab, sagte der Hund, \u00bbweil ich alt bin und jeden Tag schw\u00e4cher werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Rei\u00dfaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?\u00ab \u2013 \u00bbWei\u00dft du was\u00ab, sprach der Esel, \u00bbich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schl\u00e4gst die Pauken.\u00ab Der Hund war\u2019s zufrieden, und sie gingen weiter.<\/p>\n<p>Es dauerte nicht lange, so sa\u00df da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. \u00bbNun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?\u00ab, sprach der Esel. \u00bbWer kann da lustig sein, wenns einem an den Kragen geht\u00ab, antwortete die Katze, \u00bbweil ich nun zu Jahren komme, meine Z\u00e4hne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne als nach M\u00e4usen herumjage, hat mich meine Frau ers\u00e4ufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: Wo soll ich hin?\u00ab \u2013 \u00bbGeh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.\u00ab Die Katze hielt das f\u00fcr gut und ging mit.<\/p>\n<p>Darauf kamen die drei Landesfl\u00fcchtigen an einem Hof vorbei, da sa\u00df auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskr\u00e4ften. \u00bbDu schreist einem durch Mark und Bein\u00ab, sprach der Esel, \u00bbwas hast du vor?\u00ab \u2013 \u00bbDa hab ich gut Wetter prophezeit\u00ab, sprach der Hahn, \u00bbweil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag G\u00e4ste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der K\u00f6chin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann.\u00ab \u2013 \u00bbEi was, du Rotkopf\u00ab, sagte der Esel, \u00bbzieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du \u00fcberall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.\u00ab Der Hahn lie\u00df sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.<\/p>\n<p>Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie \u00fcbernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen gro\u00dfen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die \u00c4ste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten f\u00fcr ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da d\u00e4uchte ihn, er s\u00e4he in der Ferne ein F\u00fcnkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es m\u00fcsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: \u00bbSo m\u00fcssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.\u00ab Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran t\u00e4ten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer gr\u00f6\u00dfer, bis sie vor ein hell erleuchtetes R\u00e4uberhaus kamen. Der Esel, als der Gr\u00f6\u00dfte, n\u00e4herte sich dem Fenster und schaute hinein. \u00bbWas siehst du, Grauschimmel?\u00ab, fragte der Hahn. \u00bbWas ich sehe?\u00ab, antwortete der Esel. \u00bbEinen gedeckten Tisch mit sch\u00f6nem Essen und Trinken, und R\u00e4uber sitzen daran und lassen\u2019s sich wohl sein.\u00ab \u2013 \u00bbDas w\u00e4re was f\u00fcr uns\u00ab, sprach der Hahn. \u00bbJa, ja, ach, w\u00e4ren wir da!\u00ab, sagte der Esel.<\/p>\n<p>Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen m\u00fcssten, um die R\u00e4uber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel musste sich mit den Vorderf\u00fc\u00dfen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels R\u00fccken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn kr\u00e4hte; dann st\u00fcrzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die R\u00e4uber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die H\u00f6he, meinten nicht anders, als ein Gespenst k\u00e4me herein, und flohen in gr\u00f6\u00dfter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was \u00fcbrig geblieben war, und a\u00dfen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.<\/p>\n<p>Wie die vier Spielleute fertig waren, l\u00f6schten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafst\u00e4tte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die T\u00fcre, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie m\u00fcde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vor- bei war und die R\u00e4uber von Weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: \u00bbWir h\u00e4tten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen\u00ab, und hie\u00df einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die K\u00fcche, ein Licht anzuz\u00fcnden, und weil er die gl\u00fchenden, feurigen Augen der Katze f\u00fcr lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelh\u00f6lzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spa\u00df, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintert\u00fcre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein; und als er \u00fcber den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen t\u00fcchtigen Schlag mit dem Hinterfu\u00df; der Hahn aber, der vom L\u00e4rmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: \u00bbKikeriki!\u00ab<\/p>\n<p>Da lief der R\u00e4uber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zur\u00fcck und sprach: \u00bbAch, in dem Haus sitzt eine gr\u00e4uliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt; und vor der T\u00fcre steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen; und auf dem Hof liegt ein schwarzes Unget\u00fcm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: \u203aBringt mir den Schelm her.\u2039 Da machte ich, dass ich fortkam.\u00ab Von nun an getrauten sich die R\u00e4uber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel\u2019s aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erz\u00e4hlt hat, dem ist der Mund noch warm.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Wochen gibt es in der KinderZEIT immer wieder ein weiteres bekanntes Grimmsches M\u00e4rchen zum Vorlesen oder Selberlesen. N\u00e4chste Woche: Hans tauscht ein Goldst\u00fcck gegen einen schweren Stein \u2013 und freut sich dar\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die S\u00e4cke unverdrossen zur M\u00fchle getragen hatte, dessen Kr\u00e4fte aber nun zu Ende gingen, sodass er zur Arbeit immer untauglicher ward. 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