{"id":14132,"date":"2013-06-06T11:00:29","date_gmt":"2013-06-06T09:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=14132"},"modified":"2013-06-06T11:00:38","modified_gmt":"2013-06-06T09:00:38","slug":"hello-mr-president","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2013\/06\/06\/hello-mr-president_14132","title":{"rendered":"Hello, Mr. President!"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_14133\" aria-describedby=\"caption-attachment-14133\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/06\/obama-540x376.jpg\" alt=\"So sieht unser Zeichner den Besuch von Barack Obama\/ \u00a9 golden-cosmos.com\" width=\"540\" height=\"376\" class=\"size-large wp-image-14133\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/06\/obama-540x376.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/06\/obama-300x209.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2013\/06\/obama.jpg 618w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14133\" class=\"wp-caption-text\">So sieht unser Zeichner den Besuch von Barack Obama\/ \u00a9 golden-cosmos.com<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong><br \/>\nIn zwei Wochen kommt der amerikanische Pr\u00e4sident Barack Obama nach Berlin. Dort herrscht dann \u00bbSicherheitsstufe 1\u00ab. Aber was bedeutet das eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Peter Dausend<\/em><\/p>\n<p>Wenn ein Journalist in diesen Tagen bei der Berliner Polizei anruft und fragt, wie viele Beamte bei dem Besuch von US-Pr\u00e4sident Barack Obama im Einsatz sein werden, so bekommt er zu h\u00f6ren: \u00bbDar\u00fcber geben wir keine Auskunft \u2013 bei dem Besuch herrscht Sicherheitsstufe 1.\u00ab Fragt man nach, welche Stra\u00dfen abgesperrt werden und welche Z\u00fcge und Busse an den beiden Besuchstagen nicht fahren d\u00fcrfen, so sagt der Polizeisprecher: \u00bbDas geben wir erst kurzfristig bekannt \u2013 es herrscht Sicherheitsstufe 1.\u00ab Und wenn man dann noch wissen will, welche Route der amerikanische Pr\u00e4sident vom Flughafen Berlin-Tegel ins Regierungsviertel nehmen wird, dann hei\u00dft es: \u00bbTut uns leid \u2013 Sicherheitsstufe 1.\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Nach dem Gespr\u00e4ch ist man nicht unbedingt schlauer, aber um zwei Fragen reicher: Was hei\u00dft eigentlich Sicherheitsstufe 1? Und warum herrscht sie, wenn der US-Pr\u00e4sident zu Besuch kommt?<\/p>\n<p>Barack Obama wird am 18. und 19. Juni in Berlin sein, es ist das erste Mal, dass er als Pr\u00e4sident der USA Deutschland besucht. Vor ziemlich genau f\u00fcnf Jahren, am 20. Juli 2008, war er zwar schon einmal in Berlin, damals war er aber noch nicht der Pr\u00e4sident, sondern der Kandidat der Demokratischen Partei Amerikas f\u00fcr dieses Amt. Vier Monate sp\u00e4ter gewann er die Wahl. Vor f\u00fcnf Jahren sprach Obama vor der Siegess\u00e4ule im Berliner Tiergarten zu 200000 Menschen \u2013 aber die Sicherheitsvorkehrungen waren nicht so streng, wie sie in zwei Wochen sein werden.<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident gilt als der m\u00e4chtigste Mann der Welt, weil die USA das politisch einflussreichste, milit\u00e4risch st\u00e4rkste und wirtschaftlich bedeutendste Land der Erde sind. Obama kann daher leicht eine Zielscheibe von Gegnern der USA sein, zum Beispiel aus L\u00e4ndern, gegen die Amerika Krieg gef\u00fchrt hat. Der Pr\u00e4sident ist aber auch ein m\u00f6gliches Ziel von politischen Fanatikern in den USA, zum Beispiel von Rassisten, die ihn ablehnen, weil er dunkle Haut hat. Obama ist der 44. Pr\u00e4sident in der Geschichte der Vereinigten Staaten \u2013 vier seiner Vorg\u00e4nger wurden ermordet: Abraham Lincoln (16. Pr\u00e4sident) im Jahr 1865, James A. Garfield (20. Pr\u00e4sident) im Jahr 1881, William McKinley (25. Pr\u00e4sident) im Jahr 1901 und John F. Kennedy (35. Pr\u00e4sident) 1963. Daher gibt es nirgends so strenge Sicherheitsvorschriften und -ma\u00dfnahmen wie an den Orten, an denen der US-Pr\u00e4sident auftaucht. Sicherheitsstufe 1 halt.<\/p>\n<p>Was das konkret bedeutet \u2013 und was auf Berlin jetzt zukommt \u2013, erkennt man, wenn man sich an die letzten Besuche von amerikanischen Pr\u00e4sidenten in Deutschland erinnert. Vor sieben Jahren lud Bundeskanzlerin Angela Merkel Obamas Vorg\u00e4nger, George W. Bush, in die kleine Hansestadt Stralsund an der Ostsee ein. F\u00fcr die Menschen in Stralsund war das nicht unbedingt angenehm.<\/p>\n<p>12500 Polizisten aus allen Bundesl\u00e4ndern wurden f\u00fcr diesen Tag an die Ostsee geschickt. Drei Tage zuvor hatten Sicherheitsbeamte damit begonnen, die 2200 Gullydeckel in der Stadt zuzuschwei\u00dfen, damit kein ungebetener Gast durch die Kanalisation kriechen und pl\u00f6tzlich vor Bush auftauchen konnte. Die Polizei durchsuchte die H\u00e4user rund um den Stralsunder Marktplatz, wo sich Merkel und Bush treffen wollten, und \u00fcberpr\u00fcfte die Bewohner. Am Abend vor dem Besuch mussten die Stralsunder ihre Autos aus der Innenstadt wegfahren und woanders parken. Bis 18 Uhr mussten im Stadtzentrum alle B\u00e4nke und St\u00fchle, alle Blumenk\u00e4sten und Papierk\u00f6rbe von den Stra\u00dfen ger\u00e4umt sein. An oder in ihnen h\u00e4tte man ja eine Bombe verstecken k\u00f6nnen. Auch die Fenster durften die Bewohner nicht mehr \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Am Besuchstag herrschte ab sieben Uhr morgens Ausgangssperre in der Innenstadt: Niemand durfte mehr ins Stadtzentrum, und die Menschen, die dort lebten, durften ihre H\u00e4user nicht verlassen. Nur einige extra ausgew\u00e4hlte und \u00fcberpr\u00fcfte Leute durften zum Marktplatz, um dem Pr\u00e4sidenten zuzuwinken. Bush fuhr mit einer Autokolonne aus 40 Wagen vor. Politische Mitarbeiter sa\u00dfen darin, \u00dcbersetzer \u2013 und viele amerikanische Sicherheitsbeamte, die in aller Welt als Secret Service bekannt sind. Auf den D\u00e4chern standen Menschen mit Maschinengewehren zum Schutz des Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Knapp eineinhalb Jahre zuvor war Bush schon einmal in Deutschland, damals besuchte er unter anderem die Stadt Mainz. Als er in Frankfurt gelandet war, waren mehrere S-Bahn- und Bus-Linien f\u00fcr Stunden stillgelegt, zwei Autobahnen auf der Strecke nach Mainz, auf denen pro Tag mehr als 120000 Autos unterwegs sind, wurden gesperrt \u2013 hier durfte nur die Kolonne des Pr\u00e4sidenten fahren. Und die Innenstadt von Mainz war komplett abgeriegelt, kein Gesch\u00e4ft ge\u00f6ffnet. Wer als Journalist Bush an diesem Tag begleiten wollte, hatte sich Wochen zuvor anmelden m\u00fcssen \u2013 und wurde auf seinem Weg zum US-Pr\u00e4sidenten insgesamt f\u00fcnf Mal kontrolliert.<\/p>\n<p>Im Kanzleramt sind nun alle ganz aufgeregt, da gerade Obamas Besuchsprogramm auf die Minute genau durchgeplant wird. Der Pr\u00e4sident kommt zu einem sogenannten Arbeitsbesuch nach Berlin. Das bedeutet, dass Obama viele politische Gespr\u00e4che f\u00fchren wird und dabei wenig Zeit hat f\u00fcr gro\u00dfe Zeremonien, wie sie bei f\u00f6rmlichen Staatsbesuchen \u00fcblich sind. Es wird also viele Kontrollen geben \u2013 und wenig Feiern: kein Festessen beim Bundespr\u00e4sidenten, keinen Empfang mit rotem Teppich, Musik und milit\u00e4rischen Ehren.<\/p>\n<p>Der Protokollchef, ein Mitarbeiter des Ausw\u00e4rtigen Amtes, achtet darauf, dass Obama rechtzeitig zu seinen Terminen kommt. Und falls doch mal ein Gespr\u00e4ch l\u00e4nger dauert als geplant, k\u00fcmmert er sich darum, dass alle Betroffenen informiert werden. Obama ist aber auch nach besonders langen Unterhaltungen meistens p\u00fcnktlich, weil f\u00fcr ihn Stra\u00dfen kurzfristig abgesperrt werden und eine Polizeieskorte auf Motorr\u00e4dern ihn von Termin zu Termin begleitet.<\/p>\n<p>Gespannt darf man darauf sein, ob Obama einen Satz auf Deutsch mitbringt. Wenn er nach Berlin kommt, ist es fast auf den Tag genau 50 Jahre her, dass ein anderer Pr\u00e4sident an diesem Ort den wohl ber\u00fchmtesten Satz gesprochen hat, den je ein Amerikaner auf Deutsch sagte. Das war John F. Kennedy, der Satz hie\u00df: \u00bbIch bin ein Berliner.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In zwei Wochen kommt der amerikanische Pr\u00e4sident Barack Obama nach Berlin. Dort herrscht dann \u00bbSicherheitsstufe 1\u00ab. Aber was bedeutet das eigentlich? 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