{"id":153,"date":"2008-10-30T10:25:38","date_gmt":"2008-10-30T08:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=153"},"modified":"2008-10-30T10:25:38","modified_gmt":"2008-10-30T08:25:38","slug":"der-kampf-im-moor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153","title":{"rendered":"Der Kampf im Moor"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dem starken Wanja ist geweissagt worden, dass er einmal Zar von Russland werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sieben Jahre auf einem Ofen liegen. \u00bbDie Abenteuer des starken Wanja\u00ab von Otfried Preu\u00dfler erscheinen demn\u00e4chst in der neuen ZEIT-Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00ab. Hier k\u00f6nnt Ihr in das Buch hineinlesen: Wanja hat seinen Ofen verlassen \u2013 aber auf dem Weg zur Zarenkrone begegnen ihm viele Gefahren, zum Beispiel die schreckliche Hexe Baba-Jaga \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Den ganzen Sommer lang wanderte Wanja von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt, durch W\u00e4lder und Steppen, an Fl\u00fcssen und B\u00e4chen entlang, bei Regen und Hitze, bei Wind und Sonnenschein. Was er zum Leben brauchte, verdiente er sich. Hier half er Weizen schneiden, dort packte er einen wild gewordenen Stier bei den H\u00f6rnern und b\u00e4ndigte ihn; bald schleppte er eine Ladung Getreide zur M\u00fchle: alles Arbeiten, die nicht viel Zeit erforderten und ihm doch seine Krautsuppe eintrugen, seinen Brei, seinen t\u00e4glichen Kanten Schwarzbrot, und manchmal ein St\u00fcck Fleisch oder Speck. <!--more--><\/p>\n<div style=\"width: 230px; float:left; border: 1px solid #ACADAE; margin: 5px 5px 5px 0px; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Der Kampf im Moor <\/strong> &#8211; Von Otfried Preussler<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/45\/wissen\/kinderzeit\/hoeren-220.jpg\" alt=\"Kinderzeit Audio\"\/><span style=\"font-size: 10px;\">&copy; photocase <\/span><\/div>\n<div style=\"width: 230px; margin: 5px 5px 5px 20px;\">\n<table width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=081030\/081030_1225353117-01&amp;var_mp3_artist=Von Otfried Preussler&amp;var_mp3_title=Der Kampf im Moor&amp;ressort=a_Wissen&amp;sub_ressort=Bildung');\"><strong>Gleich Anh&ouml;ren <\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/45_Vorlesegeschichte_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Alle Folgen im \u00dcberblick<\/strong> &raquo;<\/a> <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Oft musste Wanja zur\u00fcckdenken an den Ritter Wolok, an die schimmernde Stadt Kiew \u2013 und an die Geschichten, die ihm Wolok von den Abenteuern der Helden vom Goldenen Tisch erz\u00e4hlt hatte. Dann wurde ihm schwer ums Herz. Er war stolz auf den Dolch, den Wolok ihm zum Abschied geschenkt hatte; und bisweilen erschien ihm im Traum die Schimmelstute Bjelaja und trug ihn auf ihrem R\u00fccken wie ein Sturmwind.<\/p>\n<p>Viele Leute, mit denen er unterwegs zusammenkam, fragte er nach den Wei\u00dfen Bergen. Einige meinten, sie h\u00e4tten schon einmal von ihnen geh\u00f6rt; aber wo sie lagen und wie man dorthin gelangte, das konnte ihm niemand sagen. Der Herbst kam mit Wind und Nebel, mit Kr\u00e4henschw\u00e4rmen und dem Geschrei der Wildg\u00e4nse. Wanja wanderte eine Zeit lang am Rand eines weiten Moores dahin. Der Weg f\u00fchrte an schwarzen T\u00fcmpeln vorbei, \u00fcber schwankende Kn\u00fcppeld\u00e4mme, durch struppiges Heidekraut. Die D\u00f6rfer hier waren klein und \u00e4rmlich, die B\u00f6den karg. Unweit des Weges waren zwei alte Leute damit besch\u00e4ftigt, ein Feld zu pfl\u00fcgen. Der Bauer hatte sich selbst vor den Pflug gespannt. Die B\u00e4uerin, ein verhutzeltes Frauchen, stolperte hinterdrein und dr\u00fcckte das Pflugscheit nieder, so gut es ging.<\/p>\n<p>Wanja schaute den beiden kopfsch\u00fcttelnd eine Weile zu. Dann stie\u00df er die Lanze aus Eisenholz in den Boden und krempelte sich die \u00c4rmel auf. \u00bbHe, Gro\u00dfvater!\u00ab, rief er. \u00bbIhr beiden mutet euch da ein bisschen viel zu!\u00ab Der Alte blieb stehen und wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn. \u00bbDas w\u00e4re der erste Acker, S\u00f6hnchen, der sich von selbst pfl\u00fcgte\u00ab, sagte er. Wanja trat auf ihn zu und griff nach dem Zugseil. \u00bbLass mich den Pflug ziehen\u00ab, sagte er. \u00bbIch bin jung, f\u00fcr mich ist das eine Kleinigkeit.\u00ab<\/p>\n<p>Der starke Wanja pfl\u00fcgte den alten Leuten das ganze Feld um. Es war Abend geworden, die beiden hatten ihn eingeladen, bei ihnen zu \u00fcbernachten. \u00bbUnsere H\u00fctte\u00ab, sagte der Bauer, \u00bbist klein, doch f\u00fcr drei reicht sie allemal.\u00ab Die Alte tischte dem starken Wanja einen Borschtsch auf, das ist eine Suppe von roten R\u00fcben, und hinterher eine Sch\u00fcssel voll Linsenbrei. \u00bbIss du nur, S\u00f6hnchen\u00ab, sagte sie, \u00bbDu hast auf dem Acker f\u00fcr zehn gearbeitet. Was wir dir vorsetzen k\u00f6nnen, ist d\u00fcrftig, aber es kommt von Herzen! Gott segne dir\u2019s!\u00ab Wanja lie\u00df sich den dampfenden Borschtsch und die Linsen schmecken. Das bisschen Pfl\u00fcgen, meinte er, habe ihm wenig ausgemacht. Aber f\u00fcr alte Leute sei es doch wohl eine arge Schinderei. \u00bbReicht\u2019s denn nicht auf ein Pferd?\u00ab, fragte er. \u00bbUnd wenn nicht \u2013 warum leiht ihr euch keins bei den Nachbarn?\u00ab Das sei leider nicht m\u00f6glich, sagten die Alten. Es gebe hier, in den D\u00f6rfern am Moor, keine Pferde. \u00bbUnd warum nicht?\u00ab \u00bbDie Baba-Jaga hat sie alle weggeholt\u00ab, sagte der Bauer. \u00bbDie Hexe Knochenbein. Sie haust drau\u00dfen im Moor \u2013 und sie reitet zuweilen auf einem alten Backofen aus, der l\u00e4uft auf vier gro\u00dfen H\u00fchnerpfoten. Wer ihr den Weg kreuzt, dem wirft sie ein Fangeisen um den Hals, zerrt ihn in den Morast und ertr\u00e4nkt ihn.\u00ab \u2013 \u00bbDie Pferde auch?\u00ab, fragte Wanja. \u00bbDie l\u00e4sst sie am Leben\u00ab, sagte der Alte. \u00bbSie h\u00e4lt sie im Moor gefangen. Es m\u00fcssen schon mehr als hundert sein.\u00ab \u2013 \u00bbUnd findet sich niemand, der ihr das Handwerk legt?\u00ab \u2013 \u00bbViele haben den Zweikampf mit ihr gewagt. Wer in den D\u00f6rfern herumhorcht, dem wird man von manchem tapferen Mann erz\u00e4hlen, den die verfluchte Hexe auf dem Gewissen hat.\u00ab Wie der Kampf mit der Baba-Jaga sich denn abspiele, fragte Wanja. \u00bbDer Kampf besteht darin\u00ab, sagte der Alte, \u00bbdass die Baba-Jaga ihrem Gegner das Fangeisen um den Hals wirft. Am Fangeisen h\u00e4ngt eine lange Kette. Gelingt es der Baba-Jaga, dich ins Moor zu zerren, bist du verloren. Wenn du es aber fertigbringst, sie und den Backofen auf das trockene Land zu ziehen \u2013 dann hast du sie \u00fcberwunden, und sie muss tun, was du ihr befiehlst. Aber bisher hat das keiner fertiggebracht; und ich f\u00fcrchte, so wird es bleiben.\u00ab<\/p>\n<p>Das m\u00fcsse sich erst noch zeigen, erwiderte Wanja in einem Ton, der die beiden aufhorchen lie\u00df. \u00bbUm Himmels willen! Du willst doch nicht etwa selbst\u2026\u00ab \u2013 \u00bbDoch\u00ab, sagte Wanja. \u00bbIch habe den b\u00f6sen Och und den R\u00e4uber Batur besiegt \u2013 und ich hoffe, mit Gottes Hilfe werde ich auch die Baba-Jaga bezwingen. Morgen bin ich am Moor.\u00ab<\/p>\n<p>Dabei blieb es. Vor Tau und Tag stand er auf, ging zum Brunnen und wusch sich. Bei der Morgensuppe versuchten die beiden Alten noch einmal, ihn umzustimmen \u2013 vergebens. \u00bbIch danke euch, gute Leute, f\u00fcr eure Gastfreundschaft\u00ab, sagte Wanja. \u00bbSorgt euch nicht um mich, es wird alles ausgehen, wie es mir bestimmt ist. Wenn die Pferde zur\u00fcckkommen, wisst ihr, dass ich den Kampf bestanden habe.\u00ab Er nahm Abschied und wollte gehen. Aber der Alte hielt ihn zur\u00fcck und sagte: \u00bbDa nichts mehr daran zu \u00e4ndern ist, dass du hingehst und deinen Kopf wagst, will ich dir etwas anvertrauen: Solltest du wider alles Erwarten den Kampf mit der Baba-Jaga gewinnen, dann zwinge sie, dir den Rappen Waron zu geben, der schneller ist als der Steppenwind, das beste und treueste Ross. Lass dir kein anderes Pferd von ihr aufschwatzen, h\u00f6rst du \u2013 kein anderes!\u00ab Wanja dankte dem Bauern f\u00fcr seinen Rat. Dann verlie\u00df er die H\u00fctte und schlug den Weg ein, der aus dem Dorf hinausf\u00fchrte an den Rand des Moores.<\/p>\n<p>Dreimal rief Wanja mit lauter Stimme die Baba-Jaga. Beim ersten Mal r\u00fchrte sich nichts; beim zweiten Mal fegte ein Windsto\u00df \u00fcber das Moor; beim dritten Mal kam die Hexe auf ihrem Ofen herangeprescht: krummnasig, schiefm\u00e4ulig, mit fliegenden R\u00f6cken und wirr flatterndem Haar. Der Ofen lief auf st\u00e4mmigen nackten H\u00fchnerbeinen mit langen Krallen. Die Hexe hockte darauf wie ein Reiter. Mit der einen Hand hielt sie die Z\u00fcgel, in der anderen schwang sie das Fangeisen.<\/p>\n<p>Dicht vor Wanja, am Rand des Moores, z\u00fcgelte sie den Ofen. \u00bbDu hast mich gerufen, B\u00fcrschlein? Was willst du?\u00ab \u2013 \u00bbIch will mit dir k\u00e4mpfen\u00ab, erwiderte Wanja tapfer. \u00bbK\u00e4mpfen?! \u2013 Gib acht, was ich mit dir mache!\u00ab Eins \u2013 zwei warf die Baba-Jaga ihm das Fangeisen um den Hals. Klirrend schnappte es zu, mit eisernem W\u00fcrgegriff. Wanja fasste sich an die Kehle. \u00bbSo!\u00ab, rief die Baba-Jaga. \u00bbUnd nun ins Moor mit dir!\u00ab Damit wendete sie den Backofen. \u00bbVorw\u00e4rts, mein Pferdchen, hej!\u00ab Sie versuchte den starken Wanja ins Moor zu zerren. \u00bbWillst du wohl ziehen, du alter Klepper? Vorw\u00e4rts!\u00ab Die Hexe spornte den Ofen mit Geschrei an. \u00bbHej, hej, hej, hej!\u00ab Wanja st\u00fctzte sich auf die Lanze von Eisenholz. Die Kette war zum Zerrei\u00dfen angespannt, das Fangeisen w\u00fcrgte ihn halb zu Tode. Keuchend rang er nach Luft. \u00bbAlle Heiligen!\u00ab, dachte er. \u00bbSteht mir bei \u2013 wie soll das ein Mensch ertragen\u2026\u00ab Er machte sich schwer und stemmte sich mit den F\u00fc\u00dfen fest in den Boden. Die Hexe schlug wie nicht bei Trost auf den Ofen los. \u00bbNoch ein Ruck!\u00ab, rief sie. \u00bbHej, hej, hej!\u00ab<\/p>\n<p>Wanja sp\u00fcrte, dass es mit seinen Kr\u00e4ften zu Ende ging. In seiner Verzweiflung zog er Woloks Dolch aus dem G\u00fcrtel und schleuderte ihn nach dem Backofen. Knirschend bohrte die Klinge sich in die rechte Flanke des Ofens. Blut spritzte aus der Wunde. Der Ofen stie\u00df einen gellenden Schrei aus und b\u00e4umte sich auf. F\u00fcr einen Augenblick verlor die Baba-Jaga die Gewalt \u00fcber ihn. Diesen Augenblick n\u00fctzte Wanja zu einem m\u00e4chtigen Ruck. Der Ofen war nicht gefasst darauf, die H\u00fchnerbeine knickten unter ihm weg, er verlor den Halt. Wanja schleifte den Backofen samt der Baba-Jaga auf das feste Land. Kaum war das geschehen, da \u00f6ffnete sich das Fangeisen und klirrte zu Boden.<\/p>\n<p>Wanja trat auf die Hexe zu. \u00bbNun \u2013 wer hat wen besiegt?\u00ab Die Baba-Jaga stieg vom Ofen, aschfahl im Gesicht vor Wut. Sie knirschte mit ihren langen Pferdez\u00e4hnen, sie fauchte wie eine b\u00f6se Katze. Sie hatte den Kampf verloren \u2013 und basta. \u00bbWas verlangst du von mir?\u00ab Wanja sagte fest und mit lauter Stimme: \u00bbDen Bauern ihre Pferde \u2013 und mir den Rappen Waron: Das verlange ich!\u00ab Die Hexe wich einen Schritt zur\u00fcck, sie duckte sich wie zum Sprung. \u00bbWas du verlangst, soll geschehen\u00ab, kr\u00e4chzte sie. \u00bbLass uns zu mir nach Hause reiten, auf meinem Ofenpferdchen ist f\u00fcr uns beide Platz.\u00ab<\/p>\n<p>Auf dem Backofen ritten die Baba-Jaga und der starke Wanja \u00fcber das weite Moor, dass der Schlamm spritzte und der Wind ihnen um die Ohren pfiff. Weit drau\u00dfen im Moor stand die H\u00fctte der Baba-Jaga: ein schiefes, schludriges H\u00e4uschen mit blinden Fenstern und schimmligen Balken, das Strohdach an vielen Stellen durchgefault. \u00bbDa w\u00e4ren wir \u2013 brrr, mein \u00d6fchen!\u00ab Links von der H\u00fctte begann ein langer, fast mannshoher Bretterzaun. Als Wanja dar\u00fcber hinwegblickte, sah er auf eine Pferdekoppel. Dort grasten mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen die von der Baba-Jaga auf den D\u00f6rfern zusammengestohlenen Pferde \u2013 alle gut im Futter, soweit sich das aus der Ferne erkennen lie\u00df, aber krank vor Heimweh. \u00bbSchick sie in ihre D\u00f6rfer zur\u00fcck!\u00ab, befahl Wanja. \u00bbUnd wehe dir, wenn auch nur eines zu Schaden kommt!\u00ab Die Hexe murmelte etwas in einer fremden, unverst\u00e4ndlichen Sprache und fuchtelte mit den H\u00e4nden. Dann steckte sie zwei Finger in den Mund und stie\u00df einen schrillen Pfiff aus. Wanja fasste sich an die Ohren, die Alte kicherte. \u00bbUm Vergebung, falls ich den Herrn erschreckt habe.\u00ab Im Bretterzaun hatte sich auf den Pfiff hin ein Tor ge\u00f6ffnet. Die Pferde der Bauern kamen herbeigetrottet und schauten. \u00bbLauft, gute Pferdchen!\u00ab, rief der starke Wanja. \u00bbSeht ihr nicht, dass ihr frei seid?\u00ab Nun begriffen die Bauernpferde. Freudig st\u00fcrmten sie aus der Koppel, mit fliegender M\u00e4hne und wehendem Schweif. Nach allen Richtungen stoben sie davon, ein jedes zur\u00fcck in sein Heimatdorf. Und keines sank auch nur einen Fingerbreit im Morast ein, daf\u00fcr hatte die Hexe mit ihren Zauberspr\u00fcchen gesorgt.<\/p>\n<p>\u00bbZufrieden, der Herr?\u00ab \u2013 \u00bbSo weit ja\u00ab, sagte Wanja. \u00bbNun aber her mit dem Rappen Waron!\u00ab Die Hexe buckelte. Mit schiefem Grinsen f\u00fchrte sie Wanja zu einem Stall, darin standen zwei pr\u00e4chtige Pferde: ein Goldfuchs mit langer, geflochtener M\u00e4hne und eine herrliche Schimmelstute, in allen Dingen Bjelajas Ebenbild. \u00bbSchneefl\u00f6ckchen ist zu haben\u00ab, sagte die Baba-Jaga, \u00bbund Goldf\u00fcchslein auch\u2026\u00ab Wanja klopfte der Schimmelstute den Hals. Zutraulich schmiegte sie ihm den Kopf an die Schulter. \u00bbNun, wie gefallen dir meine Tierchen? Eins davon kannst du mitnehmen.\u00ab \u2013 \u00bbUnd der Rappe Waron?\u00ab, fragte Wanja. \u00bbAch, der!\u00ab, rief die Hexe Knochenbein. \u00bbDort hinten steht er und frisst das Gnadenbrot.\u00ab<\/p>\n<p>Halb versteckt hinter einem grauen Vorhang stand ein elender, d\u00fcrrer Klepper mit Triefaugen und verfilzter M\u00e4hne. \u00bbDies soll Waron sein?\u00ab \u2013 \u00bbDu sagst es.\u00ab Wanja besah sich den Rappen n\u00e4her. Was f\u00fcr ein sch\u00e4biges Tier! Wanja war drauf und dran, sich f\u00fcr Schneefl\u00f6ckchen zu entscheiden: Da fiel ihm die Warnung des alten Mannes ein. Wie zuf\u00e4llig streifte sein Blick die Baba-Jaga, und er sah sie grinsen. \u00bbNun?\u00ab, dr\u00e4ngte die Hexe. \u00bbDu hast deine Wahl getroffen?\u00ab \u2013 \u00bb0 ja\u00ab, sagte Wanja. Der Rappe Waron war mit einem Strick festgebunden. Wanja l\u00f6ste den Knoten und f\u00fchrte Waron ins Freie. Als sie die Stallt\u00fcr durchschritten, verwandelte sich die d\u00fcrre, r\u00e4udige Schindm\u00e4hre in ein strahlendes Heldenross. Der Fuchs aber und die Schimmelstute wurden im gleichen Augenblick wieder zu dem, was sie in Wirklichkeit gewesen waren: ein Strohwisch und eine alte Nachtm\u00fctze.<\/p>\n<p>Der Baba-Jaga hatte ihre Hexenkunst nichts gen\u00fctzt. W\u00fctend schwang sie sich auf den Backofen und ritt kreischend davon. So gro\u00df war ihr Zorn, dass sie Feuer fing. Lichterloh brennend st\u00fcrzte sie sich mit dem Ofen in einen der schwarzen Moort\u00fcmpel und versank darin. \u00bbDie sind wir los!\u00ab, sagte Wanja. \u00bbNun brauchen die Bauern sich nicht mehr vor ihr zu f\u00fcrchten.\u00ab Wohlgef\u00e4llig betrachtete er den Rappen Waron, dessen Fell in der Sonne gl\u00e4nzte wie schwarze Seide. \u00bbWie stolz du den Kopf h\u00e4ltst, Waron! Und wie feurig du in die Runde blickst!\u00ab Das edle Ross trug den starken Wanja auf die Heide hinaus. \u00bbLauf zu, mein Waron!\u00ab Da st\u00fcrmte der Rappe mit Wanja dahin, schneller als der Steppenwind. Die Leute, denen sie unterwegs begegneten, sahen blo\u00df einen Schatten und sp\u00fcrten den scharfen Luftzug. \u00bbWas war das?\u00ab, fragten sie. \u00bbWill es schon Winter werden? Es scheint, dass der Sturm uns die ersten Schneewolken \u00fcbers Land treibt.\u00ab<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Hier<\/strong><\/a> findest du alle Vorlesegeschichten der Kinderzeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem starken Wanja ist geweissagt worden, dass er einmal Zar von Russland werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sieben Jahre auf einem Ofen liegen. \u00bbDie Abenteuer des starken Wanja\u00ab von Otfried Preu\u00dfler erscheinen demn\u00e4chst in der neuen ZEIT-Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00ab. Hier k\u00f6nnt Ihr in das Buch hineinlesen: Wanja hat [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":182,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[986],"tags":[],"class_list":["post-153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vorlesegeschichten"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Dem starken Wanja ist geweissagt worden, dass er einmal Zar von Russland werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sieben Jahre auf einem Ofen liegen. \u00bbDie Abenteuer des starken Wanja\u00ab von Otfried Preu\u00dfler erscheinen demn\u00e4chst in der neuen ZEIT-Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00ab. Hier k\u00f6nnt Ihr in das Buch hineinlesen: Wanja hat [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"KinderZEIT-Blog\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2008-10-30T08:25:38+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/45\/wissen\/kinderzeit\/hoeren-220.jpg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Redaktion KinderZEIT\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Redaktion KinderZEIT\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"12\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153\",\"name\":\"Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#website\"},\"datePublished\":\"2008-10-30T08:25:38+00:00\",\"dateModified\":\"2008-10-30T08:25:38+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/6e0d5a68bc7cd962fb05619f0ec7869c\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Der Kampf im Moor\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#website\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/\",\"name\":\"KinderZEIT-Blog\",\"description\":\"Politik, Kultur und R\u00e4tsel f\u00fcr junge Leser\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/6e0d5a68bc7cd962fb05619f0ec7869c\",\"name\":\"Redaktion KinderZEIT\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/01961d03edfd521f933356966a7e7db36c1281b66ec7fb6d1013979dca8baef8?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/01961d03edfd521f933356966a7e7db36c1281b66ec7fb6d1013979dca8baef8?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"Redaktion KinderZEIT\"},\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/author\/katrin-hoernlein\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog","og_description":"Dem starken Wanja ist geweissagt worden, dass er einmal Zar von Russland werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sieben Jahre auf einem Ofen liegen. \u00bbDie Abenteuer des starken Wanja\u00ab von Otfried Preu\u00dfler erscheinen demn\u00e4chst in der neuen ZEIT-Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00ab. Hier k\u00f6nnt Ihr in das Buch hineinlesen: Wanja hat [&hellip;]","og_url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153","og_site_name":"KinderZEIT-Blog","article_published_time":"2008-10-30T08:25:38+00:00","og_image":[{"url":"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/45\/wissen\/kinderzeit\/hoeren-220.jpg"}],"author":"Redaktion KinderZEIT","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"Redaktion KinderZEIT","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"12\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153","name":"Der Kampf im Moor - KinderZEIT-Blog","isPartOf":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#website"},"datePublished":"2008-10-30T08:25:38+00:00","dateModified":"2008-10-30T08:25:38+00:00","author":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/6e0d5a68bc7cd962fb05619f0ec7869c"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/der-kampf-im-moor_153#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Der Kampf im Moor"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#website","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/","name":"KinderZEIT-Blog","description":"Politik, Kultur und R\u00e4tsel f\u00fcr junge Leser","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/6e0d5a68bc7cd962fb05619f0ec7869c","name":"Redaktion KinderZEIT","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/01961d03edfd521f933356966a7e7db36c1281b66ec7fb6d1013979dca8baef8?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/01961d03edfd521f933356966a7e7db36c1281b66ec7fb6d1013979dca8baef8?s=96&d=mm&r=g","caption":"Redaktion KinderZEIT"},"url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/author\/katrin-hoernlein"}]}},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/182"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}