{"id":1549,"date":"2009-06-25T13:00:28","date_gmt":"2009-06-25T11:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=1549"},"modified":"2009-06-25T13:00:28","modified_gmt":"2009-06-25T11:00:28","slug":"ella-auf-klassenfahrt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2009\/06\/25\/ella-auf-klassenfahrt-2_1549","title":{"rendered":"Ella auf Klassenfahrt (2)"},"content":{"rendered":"<p><figure style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/26\/gesellschaft\/kinderzeit\/27\/ella-vorlesegeschichte-450.jpg\" alt=\"\u00a9 Sabine Wilharm\" width=\"450\" height=\"712\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sabine Wilharm<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><em>Von Timo Parvela<\/em><\/p>\n<p><strong>Folge 2: Lappland statt Ausland<br \/>\nElla und ihre Klassenkameraden wollen in den S\u00fcden reisen. Schon beim Abflug ging einiges schief. Nun sitzen die Kinder nicht nur im falschen Flugzeug, ihr Lehrer landet obendrein im<br \/>\nHundek\u00e4fig.<br \/>\n<\/strong><em>\u00bbElla auf Klassenfahrt\u00ab ist der dritte Roman der \u00bbElla\u00ab-Reihe des Finnen Timo Parvela,<br \/>\n\u00fcbersetzt von Anu und Nina Stohner. Das Buch erscheint am 27. Juli im Carl Hanser Verlag. Wir drucken die Geschichte in den n\u00e4chsten Wochen vorab in der KinderZEIT<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Wir mussten alle schrecklich lachen, als wir h\u00f6r\u00adten, dass der Lehrer die Nummer falsch abgelesen hatte. Wir waren zum Flugsteig 6 gerannt. Wir h\u00e4tten aber zum Flugsteig 9 rennen m\u00fcssen. Und jetzt waren wir auf dem Weg nach Lappland statt ins Ausland. Der Einzige, der dar\u00fcber \u00fcberhaupt nicht lachen konnte, war der Lehrer. Er war ganz hinten im Flugzeug. Dort sa\u00df er mit den Hunden in einer Extrakabine, die vorne Gitterst\u00e4be hatte. Kurz davor hatte er einen Streit mit der Stewardess gehabt. \u00bbKehren Sie sofort um!\u00ab, hatte der Lehrer gesagt. \u00bbEin Flugzeug kann nicht umkehren\u00ab, hatte die Stewardess geantwortet. \u00bbDann fliegen Sie eben r\u00fcckw\u00e4rts!\u00ab, hatte der Lehrer gesagt. \u00bbSagen Sie, was wollen Sie denn eigentlich?\u00ab, hatte die Stewardess gefragt. \u00bbIch will gar nichts. Ich will nur nicht nach Kittil\u00e4!\u00ab \u2013 \u00bbDieser Flug geht aber nach Kittil\u00e4.\u00ab \u2013 \u00bbIch verlange, dass Sie sofort umkehren, oder\u2008\u2026\u00ab \u2013 \u00bbOder was?\u00ab, hatte die Stewardess gefragt. \u00bbOder ich lasse Sie nachsitzen\u00ab, hatte der Lehrer gedroht. \u00bbIch lasse Sie nachsitzen und schreibe dem Flughafen einen blauen Brief, wenn Sie nicht sofort daf\u00fcr sorgen, dass das Flugzeug ins Ausland fliegt.\u00ab Wir hatten gar nicht gewusst, dass Stewardessen so stark sind. Jedenfalls hatte die Stewardess unseren Lehrer gepackt und zu der Extrakabine getragen. Die Hunde waren freiwillig hinterhergetrottet. Die Frau des Lehrers hatte von alldem nichts bemerkt. Sie hatte die ganze Zeit das Heft \u00fcber die Sicherheitsma\u00dfnahmen im Flugzeug gelesen. In der kleinen Extrakabine redete der Lehrer mit den Hunden. \u00bbNa, auch auf dem Weg ins Ausland?\u00ab, h\u00f6rten wir ihn fragen. Uns war es eigentlich egal, ob wir jetzt ins Ausland flogen oder sonst wohin. Hauptsache, wir flogen \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Die Reise hatten wir gewonnen. Bei einem Preisausschreiben. Unser Klas\u00adsen\u00adfo\u00adto war zum Foto des Jahres gew\u00e4hlt worden. Und das hatten wir Pekka zu verdanken. Ohne das Wespennest, das er an dem Tag gefunden hatte, w\u00e4re das Foto n\u00e4mlich ein ganz normales Klassenfoto geworden. Komisch eigentlich, dass die Wespen so sp\u00e4t im Herbst noch so munter waren. Wahrscheinlich kam es davon, dass Pekka das Nest auf die Heizung gelegt hatte. \u00bbDie Jury beeindruckt die lebhafte Stimmung und die ungew\u00f6hnliche Aufstellung der Sch\u00fcler, die sich sehr positiv von der Steifheit des gewohnten Klassenfotos abhebt\u00ab, stand auf der Urkunde. Und au\u00dferdem hatten wir die Reise gewonnen. Bitte sch\u00f6n!\u00ab, sagte die Stewardess und servierte Br\u00f6tchen und Limonade. \u00bbDie spricht aber gut Finnisch daf\u00fcr, dass sie aus dem Ausland ist\u00ab, sagte Pekka, der wieder gar nichts kapiert hatte. Wir anderen sagten nichts. Wir hatten den Mund voll. Alle au\u00dfer unserem Lehrer. Dem t\u00e4tschelte die Stewardess nur durch die Gitter den Kopf. Die Hunde bekamen Hundew\u00fcrstchen, und wir k\u00f6nnen uns get\u00e4uscht haben, aber gleich darauf knurrte jemand, und es h\u00f6rte sich an wie der Lehrer. Nach der Landung mussten wir eine Weile auf den Lehrer warten. Auch auf dem Flughafen von Kittil\u00e4 gab es ein Laufband, und es fuhren viele Koffer vorbei. Dann kam endlich die Extrakabine mit den Hunden und unserem Lehrer. Nach dem Lehrer und den Hunden kam leider nichts mehr. Unser Gep\u00e4ck war n\u00e4mlich ins Ausland geflogen. \u00bbWar ein Extraplatz, zwar ein bisschen teurer, das war\u2019s aber wert\u00ab, sagte der Lehrer l\u00e4chelnd zu dem Flughafenonkel, der ihn aus dem K\u00e4fig lie\u00df. \u00bbSch\u00f6nen Dank f\u00fcr die Gesellschaft!\u00ab, sagte der Lehrer zu den Hunden und strich seine zerknitterten Kleider glatt. \u00bbUnd was machen wir jetzt?\u00ab, fragte die Frau des Lehrers. Sie sah ein bisschen besorgt aus. Der Flughafen von Kittil\u00e4 war nicht gro\u00df. Eigentlich bestand er nur aus einem Raum mit vielen Fenstern. Aus den Fenstern konnte man sehen, dass Lappland trotz des kleinen Flughafens ein gro\u00dfes Land war. Es lag unheimlich viel Schnee, und in der Ferne sah man wei\u00dfe Berge. \u00bbFj\u00e4lls\u00ab, korrigierte uns Timo. \u00bbIn Lappland hei\u00dfen die Berge Fj\u00e4lls.\u00ab \u2013 \u00bbIm Ausland ist alles so anders\u00ab, staunte Pekka. Wir dr\u00fcckten uns die Nasen an der Fensterscheibe platt und sahen zu, wie alle Reisenden in Busse und Taxis stiegen und davonfuhren. Drau\u00dfen war es so sch\u00f6n, dass es uns \u00fcberhaupt nicht mehr leidtat, dass wir ins falsche Flugzeug gestiegen waren. \u00bbWir fliegen mit dem n\u00e4chsten Flugzeug zur\u00fcck\u00ab, sagte der Lehrer und ging zum Ticketschalter. \u00bbZwanzig Flugtickets zur\u00fcck in die Zivilisation, bitte! Bei Ihnen kann man doch mit Dirham bezahlen?\u00ab, fragte der Lehrer. Er hatte n\u00e4mlich nur ausl\u00e4ndisches Geld. Das hatte er schon vor dem Flug gewechselt. \u00bbDarf ich hier endlich meinen Pass vorzeigen?\u00ab, fragte Pekka, der dem Lehrer gefolgt war. \u00bbDen Rest k\u00f6nnen Sie behalten\u00ab, sagte der Lehrer und legte dem Onkel am Ticketschalter ein dickes B\u00fcndel Geldscheine auf die Theke. \u00bbWie sagt man auf Ausl\u00e4ndisch: Ich m\u00f6chte einen Stempel in meinen Pass?\u00ab, fragte Pekka. \u00bbSo leicht werden Sie mich nicht los\u00ab, sagte der Lehrer, als der Schalteronkel ihm das B\u00fcndel Scheine zur\u00fcckschob. \u00bbUnd mich auch nicht!\u00ab, sagte Pekka, als der Schalteronkel ihm seinen Pass zur\u00fcckgab. \u00bbWenn wir nicht fliegen k\u00f6nnen, dann laufen wir zur\u00fcck\u00ab, beschloss der Lehrer, als der Schalteronkel vor Lachen und Kopfsch\u00fctteln nichts mehr sagen konnte. \u00bbLiebling, vergiss nicht, du hast nur noch einen Schuh\u00ab, sagte die Frau des Lehrers. Den anderen hatte er ja nicht wiederbekommen. \u00bbWie w\u00e4r\u2019s, wenn wir die ganze Bande dem Weihnachtsmann verkaufen? Der wohnt hier oben und braucht immer wieder neue Wichtel. Glaubst du, dass wir f\u00fcr das Geld zwei Flugtickets bekommen w\u00fcrden?\u00ab, sagte der Lehrer ganz leise zu seiner Frau. Wir sollten es nicht h\u00f6ren, aber wir h\u00f6rten es trotzdem. Wir h\u00f6ren alles. \u00bbJetzt beruhige dich doch. Erst mal bringe ich hier alles in Ordnung\u00ab, sagte die Frau des Lehrers und dr\u00fcckte ihn aufs Laufband. Wir setzten uns alle neben ihn hin und sahen zu, wie die Frau des Lehrers in einem B\u00fcro am anderen Ende des Flughafens verschwand. \u00bbIch habe einen Traum\u00ab, begann der Lehrer auf einmal. \u00bbIch tr\u00e4ume davon, die W\u00fcste bei Vollmond zu sehen. Ich sitze am Lagerfeuer und lausche der Stille. Der Mond leuchtet, die Kojoten heulen, und der Wind tr\u00e4gt Ger\u00fcche aus fernen L\u00e4ndern heran.\u00ab Wir fanden alle, dass der Traum des Lehrers unheimlich romantisch war. Sogar die Jungs hatten auf einmal ein Glitzern in den Augen. Schade nur, dass sein Traum auf dieser Reise nicht wahr werden w\u00fcrde. Nat\u00fcrlich hatten wir selbst auch Tr\u00e4ume. \u00bbIch tr\u00e4u\u00adme davon, im Meer zu schwimmen\u00ab, sagte Hanna. \u00bbIch tr\u00e4ume davon, mit den Einheimischen in zwanzig verschiedenen Sprachen zu sprechen\u00ab, sagte Timo. \u00bbIch tr\u00e4ume davon, auf einem Kamel zu reiten\u00ab, sagte Tiina. \u00bbIch tr\u00e4ume von Sonne und warmem Sand\u00ab, sagte ich. \u00bbIch tr\u00e4ume davon, dass ich wieder zur\u00fcck nach Hause darf\u00ab, sagte Mika weinerlich. \u00bbIch tr\u00e4ume nicht so oft\u00ab, sagte Pekka. \u00bbIch tr\u00e4ume nie und geb jedem traumhaft eins auf die Nase, der was anderes behauptet!\u00ab, drohte der Rambo. Wir waren gespannt, was weiter passieren w\u00fcrde, als wir die Frau des Lehrers aus dem B\u00fcro kommen sahen. \u00bbGute und schlechte Nachrichten\u00ab, sagte sie. \u00bbDie guten zuerst\u00ab, verlangte der Lehrer. \u00bbIch konnte uns Flugtickets zur\u00fcck nach Hause besorgen.\u00ab \u2013 \u00bbJabadabadu!\u00ab, sagte der Lehrer. \u00bbO nein!\u00ab, sagten wir. \u00bbAber der Flug geht erst in einer Woche\u00ab, fuhr die Frau des Lehrers fort. \u00bbO nein!\u00ab, sagte der Lehrer. \u00bbJabadabadu!\u00ab, sagten wir. \u00bbEs muss einen anderen Weg geben\u00ab, sagte der Lehrer. \u00bbUnd der w\u00e4re?\u00ab, fragte seine Frau. \u00bbKeine Ahnung\u00ab, sagte der Lehrer. \u00bbRufst du an, ob wir kommen k\u00f6nnen, oder ich?\u00ab, fragte seine Frau. \u00bbWir verstecken uns im Frachtraum des n\u00e4chsten Flugzeugs und fliegen als blinde Passagiere zur\u00fcck\u00ab, schlug der Lehrer vor. \u00bbWer von uns beiden anruft, hab ich gefragt\u00ab, sagte seine Frau und hob dabei die Augenbrauen. \u00bbIch\u00ab, seufzte der Lehrer. Wir warteten, und Timo meinte, ans Warten sollten wir uns besser schon mal gew\u00f6hnen. Wenn der Lehrer n\u00e4mlich keine Unterkunft f\u00fcr uns besorgen konnte, mussten wir es vielleicht die ganze Woche auf dem Flughafen aushalten. Zum Gl\u00fcck war der Schalteronkel von vorhin sehr nett. Als er sich von seinem Lachanfall erholt hatte, schaltete er das Laufband ein. Wir durften alle in eine Fransenluke hinein- und aus einer anderen wieder herausfahren. \u00bbNa?\u00ab, fragte die Frau des Lehrers, als er zu Ende telefoniert hatte. Der Lehrer nickte stumm. Ein bisschen sp\u00e4ter stellten wir uns drau\u00dfen ordentlich in einer Reihe auf. Die Sonne schien, und es war sch\u00f6n warm, obwohl hoher Schnee lag. Das war ein Gl\u00fcck, denn wir waren alle ziemlich leicht gekleidet. Beim Anziehen am Morgen hatten wir ja nicht wissen k\u00f6nnen, dass wir am Nachmittag in Lappland sein w\u00fcrden. Es war Mai, und im Mai ist dort noch Winter, und dort, wo wir hinfliegen wollten, sollte schon Sommer sein. Trotzdem froren wir nicht, au\u00dfer vielleicht der Lehrer an dem Fu\u00df, an dem er keinen Schuh anhatte. \u00dcber den hatte er eine Plastikt\u00fcte gezogen, aber die w\u00e4rmte bestimmt nicht gut. Wir \u00fcberlegten, wen der Lehrer wohl angerufen hatte. Auf den warteten wir n\u00e4mlich. \u00bbWahrscheinlich kommt der Staatspr\u00e4sident\u00ab, sagte Timo. \u00bbBei einer Katastrophe kommt der Staatspr\u00e4sident pers\u00f6nlich, oder er schickt wenigstens ein Flugzeug, das die Menschen retten soll.\u00ab<\/p>\n<p>Timo kennt W\u00f6rter wie \u00bbKatastrophe\u00ab, er ist unser Klassengenie. \u00bbUnd dem Lehrer schickt er einen neuen Schuh\u00ab, setzte Hanna hinzu. Wir fanden es toll, dass der Staatspr\u00e4sident sich pers\u00f6nlich um uns und den Schuh des Lehrers k\u00fcmmern wollte. Das war sehr gro\u00dfz\u00fcgig von unserem Pr\u00e4sidenten. \u00bbUnd woher soll der Lehrer den Pr\u00e4sidenten eines ausl\u00e4ndischen Landes kennen?\u00ab, fragte Pekka, aber auf die dumme Frage bekam er keine Antwort, denn auf einmal h\u00f6rten wir ein Brummen. Erst noch ganz fern, dann kam es immer n\u00e4her, bis es sich anh\u00f6rte, als w\u00fcrde sich ein riesiger Hummelschwarm zum Angriff bereitmachen. Aber dann kam das Ger\u00e4usch gar nicht aus der Luft. Es n\u00e4herte sich von hinter den Fj\u00e4lls. Vielleicht hatte der Staatspr\u00e4sident beschlossen, statt des Flugzeugs tausend Mopeds zu schicken. Tausend Mopeds, die einen riesigen Schlitten mit lauter Essen und warmen Kleidern zogen. Und mit einem Schuh f\u00fcr den Lehrer nat\u00fcrlich. Aber es waren auch keine Mopeds. Wir staunten nicht schlecht, als irgendwann der erste rote Motorschlitten zwischen den Fj\u00e4lls auftauchte. Dem ersten folgte ein zweiter und ein dritter und ein vierter. Zwanzig rote Motorschlitten waren es am Ende, und hinter jedem hing ein kleiner Anh\u00e4nger. Den vordersten Schlitten fuhr ein Mann mit einer komischen M\u00fctze. Sie hatte vier Zipfel, die nach allen Seiten abstanden. Der Mann hatte einen langen wei\u00dfen Bart und trug eine bunte Jacke. Im Vergleich zu ihm waren die anderen Motorschlittenfahrer seltsam klein. \u00bbZwerge\u00ab, fl\u00fcsterte Hanna. \u00bbSchnee\u00adwitt\u00adchen und die neunzehn Zwerge\u00ab, fl\u00fcsterte ich zur\u00fcck. \u00bbSchneewittchen hat keinen Bart\u00ab, brummte Timo, der auch alles \u00fcber M\u00e4rchen wei\u00df. \u00bbWichtel\u00ab, fl\u00fcsterte Hanna. \u00bbDer Weihnachtsmann mit neunzehn seiner Helferwichtel\u00ab, fl\u00fcsterte ich zur\u00fcck. \u00bbUnd warum hat er ganz andere Sachen an als sonst?\u00ab, fragte Tiina, die immer alles infrage stellen muss. \u00bbDas sind seine Kleider f\u00fcr jeden Tag\u00ab, sagte Timo. \u00bbEs ist schlie\u00dflich nicht Weihnachten.\u00ab \u2013 \u00bbDas gilt nicht\u00ab, schluchzte Mika. \u00bbDa kommt der Weihnachtsmann, und ich hab noch nicht meinen Wunschzettel geschrieben.\u00ab \u2013 \u00bbVon mir kriegt er eins auf die Knolle, wenn er mir nichts bringt\u00ab, verk\u00fcndete der Rambo. \u00bbKennt der Lehrer au\u00dfer dem ausl\u00e4ndischen Pr\u00e4sidenten auch noch den Weihnachtsmann?\u00ab, wunderte sich Pekka. Dann hielt der erste Schlitten vor dem Lehrer an, und die neunzehn anderen stoppten in einer Reihe dahinter.<\/p>\n<p>Wir sahen mit leuchtenden Augen zu, wie der Weihnachtsmann in seinen Kleidern f\u00fcr jeden Tag aus seinem Motorschlitten stieg. Er kam uns d\u00fcnner vor als an Weihnachten. Timo erkl\u00e4rte, das liege daran, dass das Geschenkeverteilen so eine anstrengende Arbeit sei. Da brauche er das ganze Jahr, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen. Die Wichtel konnten wir uns leider nicht so genau anschauen, weil sie in ihren Motorschlitten sitzen blieben und Helme trugen. \u00bbDas ist ja eine sch\u00f6ne \u00dcber\u00adra\u00adschung!\u00ab, rief der Weihnachtsmann und umarmte die Frau des Lehrers. \u00bbDie sch\u00f6nste seit Langem!\u00ab, antwortete die. Dann schaute der Weihnachtsmann unseren Lehrer an, und unser Lehrer schaute zur\u00fcck. Sie schauten einander lange in die Augen und sagten kein Wort. \u00bbEr \u00fcberlegt, ob der Lehrer brav gewesen ist\u00ab, fl\u00fcsterte Timo. \u00bbEs steht in seinem Buch, aber darin liest er erst im November, vor der gro\u00dfen Reise mit den Geschenken.\u00ab Wir hielten den Atem an und hofften, dass der Lehrer wenigstens so brav gewesen war, dass der Weihnachtsmann ihm einen neuen Schuh brachte. Da schlang der Weihnachtsmann pl\u00f6tzlich die Arme um unseren Lehrer und dr\u00fcckte ihn lange und fest. \u00bbWillkommen zu Hause, mein Sohn!\u00ab, sagte der Weihnachtsmann. \u00bbDanke, Paps\u00ab, sagte der Lehrer. \u00bbAha\u00ab, sagte Pekka, als h\u00e4tte ausgerechnet er verstanden, was vor sich ging. Wir anderen verstanden es n\u00e4mlich nicht. \u00bbWie nennt man den Sohn des Weihnachtsmanns?\u00ab, fragte Hanna. \u00bbWichtel?\u00ab, schlug ich vor. Der Lehrer war viel zu gro\u00df f\u00fcr einen Wichtel. Von der Gr\u00f6\u00dfe h\u00e4tte er h\u00f6chstens ein Elf sein k\u00f6nnen. Wir wussten nur alle, dass Elfen sch\u00f6n sind. Wir hatten schlie\u00dflich den Herrn der Ringe gesehen. \u00bbWahrscheinlich nennt man den Sohn des Weihnachtsmanns einfach Weihnachtsmann junior\u00ab, vermutete Timo. So musste es sein. Schlie\u00dflich ist Timo unser Klassengenie. Au\u00dferdem fanden wir es toll, dass unser Lehrer der Sohn des Weihnachtsmanns war. Dann mussten wir die Schneeanz\u00fcge anziehen, die uns die Wichtel mitgebracht hatten, und in die Anh\u00e4nger steigen. \u00bbIch hab\u2019s gewusst\u00ab, sagte Mika. \u00bbImmer krieg ich was anzuziehen vom Weihnachtsmann. Immer nur so bl\u00f6de weiche P\u00e4ckchen.\u00ab Zu allem Ungl\u00fcck war sein Anzug auch noch so gro\u00df, dass die \u00c4rmel fast doppelt so lang waren wie seine Arme. Der Weg zum Haus des Weihnachtsmanns war nicht weit. Der Schnee wirbelte hinter den Schlitten auf und glitzerte wie Sternenstaub. Alles war unfassbar wei\u00df und sauber. Der Himmel war strahlend blau, und wir mussten jedes Mal lachen, wenn die Schlitten \u00fcber einen Schneeh\u00fcgel h\u00fcpften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Timo Parvela Folge 2: Lappland statt Ausland Ella und ihre Klassenkameraden wollen in den S\u00fcden reisen. Schon beim Abflug ging einiges schief. Nun sitzen die Kinder nicht nur im falschen Flugzeug, ihr Lehrer landet obendrein im Hundek\u00e4fig. \u00bbElla auf Klassenfahrt\u00ab ist der dritte Roman der \u00bbElla\u00ab-Reihe des Finnen Timo Parvela, \u00fcbersetzt von Anu und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":182,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,986],"tags":[],"class_list":["post-1549","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-vorlesegeschichten"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Ella auf Klassenfahrt (2) - KinderZEIT-Blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2009\/06\/25\/ella-auf-klassenfahrt-2_1549\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ella auf Klassenfahrt (2) - KinderZEIT-Blog\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Von Timo Parvela Folge 2: Lappland statt Ausland Ella und ihre Klassenkameraden wollen in den S\u00fcden reisen. 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