{"id":157,"date":"2008-10-30T10:25:55","date_gmt":"2008-10-30T08:25:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=157"},"modified":"2008-10-30T10:25:55","modified_gmt":"2008-10-30T08:25:55","slug":"ab-auf-die-leinwand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/30\/ab-auf-die-leinwand_157","title":{"rendered":"Ab auf die Leinwand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neunzig Minuten braucht man, um sich einen Film anzuschauen. Einen Film zu produzieren kann Jahre dauern. So war es auch bei \u00bbKrabat\u00ab, der jetzt in den Kinos l\u00e4uft<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<em>Von Marike Frick<\/em><\/p>\n<p>Ruhe bitte!\u00ab, ruft Marco Kreuzpaintner in die Runde. Dann nimmt er die zwei Hauptdarsteller des Films beiseite: Krabat und Tonda, gespielt von David Kross und Daniel Br\u00fchl. \u00bbKrabat, du willst wissen, was in der geheimnisvollen M\u00fchle vorgeht\u00ab, sagt er. \u00bbUnd du Tonda, willst Krabat vor genau diesem Wissen sch\u00fctzen.\u00ab Die Schauspieler nicken, denn Marco Kreuzpaintner ist der Regisseur und hat beim Filmdreh von Krabat das Sagen: Er entscheidet, wo die Schauspieler stehen sollen, wann ihr Gesicht gro\u00df gezeigt wird und ob sie \u00e4ngstlich gucken sollen oder fr\u00f6hlich. \u00bbAction!\u00ab, ruft er jetzt, und die Aufzeichnung beginnt. Ein paar Wochen noch, dann sind alle Szenen f\u00fcr den Film gedreht. Doch bis er im Kino l\u00e4uft, wird \u00fcber ein Jahr vergehen. Denn ein Film wie Krabat ist ein Puzzle mit vielen Einzelteilen: Raben lernen fliegen, N\u00e4hmaschinen rattern in der Kost\u00fcmwerkstatt, ein Musiker komponiert Ger\u00e4usche\u2026 <!--more--><\/p>\n<p>Aber langsam: Spulen wir zur\u00fcck zum Jahr 2003. Damals beginnt alles mit Uli Putz. Als Produzentin ist sie von der ersten bis zur letzten Minute dabei, wenn ein Film entsteht. Uli Putz entschlie\u00dft sich 2003: Das Buch Krabat von Ottfried Preu\u00dfler soll verfilmt werden! Der Roman erz\u00e4hlt von dem Jungen Krabat, der in einer M\u00fchle die Kunst der schwarzen Magie erlernt. Krabat ist der Neuling unter den zw\u00f6lf M\u00fcllerburschen. Der unheimliche M\u00fcller lehrt sie Zauberei \u2013 sie k\u00f6nnen sich sogar in Raben verwandeln. Als aber einer von ihnen unter merkw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden stirbt, erkennt Krabat, welchen Preis sie f\u00fcr ihre d\u00fcstere Kunst zahlen. Eine unheimliche, eine spannende Geschichte!<\/p>\n<p>Aus diesem Roman ein Drehbuch f\u00fcr die Verfilmung zu machen ist gar nicht leicht. Der Regisseur und ein Autor schreiben es sechsmal um, bis alle zufrieden sind. Und schon wartet die n\u00e4chste Aufgabe: Wo gibt es Berglandschaften, wie im Buch beschrieben? Es gibt tats\u00e4chlich Leute, deren Beruf es ist, solche Orte zu finden. Einen solchen Orte-Finder schickt Uli Putz nach Osteuropa. Er stapft durch W\u00e4lder und steigt auf Berge. In Rum\u00e4nien ist er dann sicher: Hier soll der Film gedreht werden.<\/p>\n<p>Jetzt gehen die Vorbereitungen richtig los: Handwerker bauen die unheimliche M\u00fchle und ein ganzes Dorf. Damit alles sehr alt aussieht, wird das Holz \u00fcber Feuer geschw\u00e4rzt. W\u00e4hrenddessen schaut sich eine Kost\u00fcmbildnerin alte Gem\u00e4lde an, um zu lernen, wie sich die Menschen vor etwa 400 Jahren kleideten. F\u00fcr jeden Schauspieler fertigen 20 N\u00e4herinnen mehrere Kost\u00fcme an \u2013 jedes mindestens drei Mal. Schlie\u00dflich geht beim Drehen auch oft etwas kaputt oder wird schmutzig. Schmutz ist bei diesem Film allerdings erlaubt: Die Kleidung soll zeigen, dass die Leute arm waren. Mittlerweile sind auch die Raben geschl\u00fcpft. Uli Putz hatte n\u00e4mlich Vogeleier besorgt und sie einem Tiertrainer \u00fcbergeben. Der bringt den V\u00f6geln bei, auf Kommando loszufliegen oder sich niederzulassen.<\/p>\n<p>Drei Jahre nachdem die Produzentin die Idee zum Film hatte, beginnen im Herbst 2006 die Dreharbeiten. Eine gro\u00dfe Filmtruppe reist nach Rum\u00e4nien. Allein f\u00fcr die Scheinwerfer werden drei Lastwagen gebraucht! F\u00fcr die vielen Mitarbeiter stehen am Drehort Wohnwagen, K\u00fcchenzelte und Toilettenh\u00e4uschen bereit. \u00bbRuhe bitte!\u00ab, ruft der Regisseur erneut. Er will die Szene zwischen Krabat und Tonda noch einmal drehen. Und noch einmal. Und noch einmal. Das geht so lange, bis er zufrieden ist. Am sp\u00e4ten Abend sind zwei Szenen geschafft. Krabat-Darsteller David Kross hat trotzdem noch nicht frei. Er lernt abends und nachts noch seinen Text. Dass er deshalb am n\u00e4chsten Tag m\u00fcde aussieht, macht bei diesem Film zum Gl\u00fcck nichts: Krabat hat schlie\u00dflich kein leichtes Leben, er soll gar nicht putzmunter wirken. \u00bbBei dem Matsch und der K\u00e4lte ist es gar nicht so schwer, Krabat darzustellen\u00ab, sagt David Kross.<\/p>\n<p>In einem Studio in M\u00fcnchen wird es dann w\u00e4rmer. Hier wurde das Innere der M\u00fchle nachgebaut: der Dachboden mit den Schlafpl\u00e4tzen der Jungen, die K\u00fcche mit den Holztischen und die dunkle Kammer des Meisters. Und hier im Studio werden auch Trickszenen gedreht: Im Film st\u00fcrzt Krabat zum Beispiel von einem Felsen und steigt, in einen Raben verwandelt, in die L\u00fcfte auf. Tats\u00e4chlich aber h\u00e4ngt der Schauspieler im Studio an einem Seil und saust quer durch den Raum. Am Computer wird sp\u00e4ter die Landschaft eingebaut. Dort werden auch die Szenen in der richtigen Reihenfolge aneinandergef\u00fcgt und bearbeitet. Diese Arbeiten dauern noch einmal ein halbes Jahr! Gleichzeitig \u00fcberlegt ein Komponist, wie der Film sich anh\u00f6ren soll. Welche Ger\u00e4usche gibt es im Kampf? Wo wird Musik zu h\u00f6ren sein?<\/p>\n<p>Tricks, Ger\u00e4usche und Musik \u2013 all das gibt es in B\u00fcchern nicht. Wenn Romane verfilmt werden, wird deshalb oft gestritten, ob der Film so gut ist wie das Buch. Auch zu Krabat gibt es verschiedene Meinungen. Daf\u00fcr muss jeder selbst lesen und den Film anschauen. Und wem die Kinoversion zu gruselig ist, der kann beim Lesen seinen eigenen Film im Kopf gucken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neunzig Minuten braucht man, um sich einen Film anzuschauen. 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