{"id":34,"date":"2008-07-10T10:47:20","date_gmt":"2008-07-10T08:47:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=34"},"modified":"2008-07-10T10:47:20","modified_gmt":"2008-07-10T08:47:20","slug":"der-sandelf-folge-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/07\/10\/der-sandelf-folge-5_34","title":{"rendered":"Der Sandelf (Folge 5)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"javascript:void(openme('https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/29\/wissen\/kinderzeit\/sandelf-700.jpg',720,322,'middle','popup_01'));\"><img src='https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/29\/wissen\/kinderzeit\/sandelf-450.jpg' alt='Der Sandelf' class='aligncenter' \/><\/a><span style=\"font-size: 10px;\"> Illustration: Sabine Friedrichson<\/span><br \/>\n<em> Verflixtes Geld!<\/em><br \/>\n<strong><br \/>\nCyril, Anthea, Robert und Jane hatten gehofft, in der kleinen Stadt Rochester gro\u00df einkaufen zu k\u00f6nnen: Schlie\u00dflich hat der Sandelf ihnen einen ganzen Haufen Gold beschert. Leider m\u00fcssen sie feststellen, dass Kinder, die die Taschen voller Geld haben, den meisten Kaufleuten verd\u00e4chtig vorkommen. Ehe sie sich versehen, landen sie auf der Polizeiwache\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Die Million\u00e4re a\u00dfen ihre Br\u00f6tchen im Park auf. Doch obwohl das Geb\u00e4ck rosinenreich und weich und k\u00f6stlich war und die Gem\u00fcter der vier Kinder wieder aufrichtete, schlug doch selbst das Herz der Tapfersten bei dem Gedanken schneller, was wohl Mr. Billy Peasemarsh im Gasthaus \u00bbZum Sarazenen\u00ab sagen w\u00fcrde, wenn sie bei ihm Pferd und Wagen kaufen wollten. Die Jungen h\u00e4tten den Plan am liebsten fallenlassen, aber Jane war immer optimistisch, und Anthea neigte zur Dickk\u00f6pfigkeit, und so behielten die M\u00e4dchen am Ende die Oberhand. Die ganze Gesellschaft, die unterdessen unbeschreiblich schmutzig war, brach also zum \u00bbSarazenen\u00ab auf.<!--more--><\/p>\n<div style=\"width: 210px; float:left; border: 1px solid #ACADAE; margin: 5px 5px 5px 0px; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Der Sandelf<\/strong> &#8211; Von Edith Nesbit<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/\/bilder\/2008\/25\/wissen\/kinderzeit-blog\/sandelf.gif\" alt=\"Der Sandelf\"\/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Sabine Wilharm<\/span><\/div>\n<div style=\"width: 210px; margin: 5px 5px 5px 20px;\">\n<table width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=080710\/080710_1215675025-01&amp;var_mp3_artist=Von Edith Nesbit&amp;var_mp3_title=Der Sandelf - Folge 5&amp;ressort=a_Kultur&amp;sub_ressort=Musik');\"><strong>Gleich Anh&ouml;ren <\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/29_Sandelf_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/09\/16\/der-sandelf-alle-folgen_31\"><strong>Alle Folgen im \u00dcberblick<\/strong> &raquo;<\/a> <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Hinterhof-Methode des Angriffs, die sich beim Wirtshaus \u00bbZum Schachbrett\u00ab so gut bew\u00e4hrt hatte, wurde hier abermals angewandt. Mr. Peasemarsh hielt sich zuf\u00e4llig gerade auf dem Hof auf, und Robert begann die Verhandlungen mit den Worten: \u00bbIch habe geh\u00f6rt, dass Sie Pferde und Wagen zu verkaufen haben.\u00ab Sie waren \u00fcbereingekommen, dass Robert in diesem Fall der Sprecher sein sollte, weil in Geschichten immer die M\u00e4nner und nicht die Damen Pferde kaufen und weil Cyril im \u00bbBlauen Wildschwein\u00ab schon an der Reihe gewesen war. \u00bbDann hast du die Wahrheit geh\u00f6rt, junger Mann\u00ab, antwortete Mr. Peasemarsh. Er war ein gro\u00dfer, hagerer Mann mit stahlblauen Augen und einem verkniffenen Mund.<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00f6chten gern welche kaufen\u00ab, sagte Robert h\u00f6flich. \u00bbDas kann ich mir vorstellen.\u00ab \u2013 \u00bbW\u00fcrden Sie uns bitte welche zeigen? Damit wir uns die Richtigen aussuchen k\u00f6nnen?\u00ab \u2013 \u00bbWas soll denn das hei\u00dfen?\u00ab, erkundigte sich Mr. Billy Peasemarsh. \u00bbWer schickt euch denn \u00fcberhaupt?\u00ab \u2013 \u00bbIch habe Ihnen doch gesagt\u00ab, wiederholte Robert, \u00bbwir wollen ein Paar Pferde und einen Wagen kaufen. Ein Mann hat uns gesagt, dass Sie aufgeschlossen und zug\u00e4nglich sind, aber ich habe fast das Gef\u00fchl, er hat sich geirrt.\u00ab \u2013 \u00bbDa h\u00f6rt doch alles auf!\u00ab, sagte Mr. Peasemarsh. \u00bbSoll ich vielleicht meinen ganzen Stall an Euer Hochwohlgeboren vor\u00fcbertraben lassen?\u00ab \u2013 \u00bbBitte sch\u00f6n\u00ab, antwortete Robert, \u00bbwenn es Ihnen nicht zu viel M\u00fche macht. Wir w\u00e4ren Ihnen sehr verbunden.\u00ab<\/p>\n<p>Mr. Peasemarsh steckte die H\u00e4nde in die Taschen und lachte. Aber dieses Lachen behagte den Kindern ganz und gar nicht. Dann rief er: \u00bbWillem!\u00ab Ein buckliger Pferdeknecht erschien in der Stallt\u00fcr. \u00bbHier, Willem, schau dir mal diesen jungen Herzog an! Will mir den ganzen Stall leer kaufen, samt Wagen, Zaumzeug und Hafersack. Und dabei hat er keinen Penny in der Tasche, darauf k\u00f6nnt ich wetten!\u00ab Willems Augen folgten dem ausgestreckten Zeigefinger seines Dienstherrn mit ver\u00e4chtlichem Interesse. \u00bbHat er nicht, wie?\u00ab, fragte er.<\/p>\n<p>Aber da antwortete ihm Robert, obwohl die beiden Schwestern ihn an der Jacke zupften und flehentlich baten, den R\u00fcckzug anzutreten. Er antwortete, weil er w\u00fctend war, und er sagte: \u00bbIch bin kein junger Herzog, und ich hab auch \u00fcberhaupt nicht so getan, als ob ich einer w\u00e4re. Und was das Geld angeht, was sagen Sie denn dazu?\u00ab Bevor die anderen ihn daran hindern konnten, hatte er zwei H\u00e4nde voll schimmernder Guineas aus der Tasche gezogen und hielt sie Mr. Peasemarsh vor die Nase. Der bekam Stielaugen, packte eine M\u00fcnze mit Zeigefinger und Daumen und biss darauf.<\/p>\n<p>Jane erwartete, dass er nun sagen w\u00fcrde: \u00bbDas beste Pferd in meinem Stall steht zu Ihrer Verf\u00fcgung!\u00ab Ihre Geschwister waren kl\u00fcger. Aber obwohl sie l\u00e4ngst alle Hoffnung aufgegeben hatten, traf es sie dennoch wie ein Schlag, als Mr. Peasemarsh grimmig befahl: \u00bbWillem, mach das Hoftor zu!\u00ab, und als Willem grinste und lostrabte, um sie einzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00bbWir denken gar nicht daran, Ihre Pferde zu kaufen\u00ab, rief Robert hastig. \u00bbDa k\u00f6nnen Sie jetzt sagen, was Sie wollen. Ich hoffe, dass Ihnen das eine Lehre sein wird.\u00ab Er hatte eine kleine Seitent\u00fcr gesehen, die offenstand, und w\u00e4hrend er sprach, ging er auf sie zu. Aber Billy Peasemarsh stellte sich ihm in den Weg. \u00bbNicht so geschwind, mein B\u00fcrschchen!\u00ab, sagte er. \u00bbWillem, hol die Polizei.\u00ab<\/p>\n<p>Willem lief davon, und die Geschwister dr\u00e4ngten sich wie erschrockene Schafe zusammen, w\u00e4hrend ihnen Mr. Peasemarsh eine Strafpredigt hielt. Er sagte vielerlei, unter anderem auch Folgendes: \u00bbIhr seid ja nette Fr\u00fcchtchen, f\u00fchrt ehrliche Leute mit euren Guineas an der Nase herum!\u00ab \u2013 \u00bbAber es ist doch unser Geld!\u00ab, antwortete Cyril tapfer. \u00bbDar\u00fcber wissen wir noch gar nichts, windige Behauptungen \u2013 das wird sich erst herausstellen! Und auch noch kleine M\u00e4dchen mit in die Sache verwickeln! Hier \u2013 ich lass die M\u00e4dels laufen, wenn ihr ohne Geschrei mit mir zur Polizei geht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWir wollen gar nicht, dass Sie uns laufenlassen\u00ab, erwiderte Jane in heldenhaftem Ton. \u00bbWir gehen nicht ohne unsere Br\u00fcder. Es ist genauso gut unser Geld wie ihres, Sie b\u00f6ser alter Mann.\u00ab \u2013 \u00bbWo habt ihr\u2019s denn her?\u00ab, erkundigte sich der Mann, der pl\u00f6tzlich ganz ruhig wurde, was das Gegenteil der Reaktion war, die die Jungen nach Janes Unversch\u00e4mtheit erwartet hatten.<\/p>\n<p>Jane warf den Geschwistern einen stummen Blick der Verzweiflung zu. \u00bbNa, hast du jetzt die Sprache verloren? Eben konntest du doch noch so gut schimpfen. Los jetzt, antworte!\u00ab \u2013 \u00bbAus der Sandkuhle\u00ab, antwortete die ehrliche Jane. \u00bbDenk dir was Besseres aus\u00ab, schimpfte der Mann. \u00bbDas stimmt aber\u00ab, entgegnete Jane. \u00bbDa ist ein Elf, ganz aus braunem Fell, mit Fledermausohren und Schneckenaugen, der erf\u00fcllt einem jeden Tag einen Wunsch.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDie ist wohl nicht ganz richtig im Kopf?\u00ab, fragte der Mann mit ged\u00e4mpfter Stimme. \u00bbIhr Jungs solltet euch sch\u00e4men, dass ihr \u2019ne kleine Verr\u00fcckte in eure sch\u00e4ndlichen Betr\u00fcgereien hineinzieht.\u00ab \u2013 \u00bbSie ist nicht verr\u00fcckt, und was sie sagt, ist wahr\u00ab, unterbrach ihn Anthea. \u00bbDa ist wirklich ein Elf. Und wenn wir ihn jemals wiedersehen, dann will ich mir etwas f\u00fcr Sie w\u00fcnschen, dass Sie sich wundern werden!\u00ab \u2013 \u00bbGrundg\u00fctiger!\u00ab, stammelte Billy Peasemarsh. \u00bbNoch \u2019ne Verr\u00fcckte!\u00ab<\/p>\n<p>In diesem Augenblick kehrte Willem h\u00e4misch grinsend in Begleitung eines Polizisten zur\u00fcck. Mr. Peasemarsh vertiefte sich sogleich in eine lange, heiser gefl\u00fcsterte Unterhaltung mit dem Polizisten, der schlie\u00dflich laut sagte: \u00bbWahrscheinlich haben Sie recht. Ich werd sie auf jeden Fall erst mal wegen unrechtm\u00e4\u00dfigen Besitzes in Gewahrsam nehmen. Dann kann man die Untersuchung immer noch abwarten. Der Magistrat wird sich schon mit dem Fall besch\u00e4ftigen. Die beiden Geistesgest\u00f6rten werden dann vermutlich in eine Anstalt eingewiesen und die Jungen in ein Erziehungsheim geschickt. So, und jetzt kommt mit, Kinder! Widerstand ist sinnlos. Nehmen Sie mal die M\u00e4dchen unter Ihre Fittiche, Mr. Peasemarsh, ich k\u00fcmmere mich um die Jungen.\u00ab<\/p>\n<p>Die vier Geschwister, die vor Wut und Entsetzen sprachlos waren, wurden durch die Stra\u00dfen von Rochester getrieben. Tr\u00e4nen der Scham stiegen ihnen in die Augen, sodass sie alles nur noch verschwommen sahen. Darum erkannte Robert auch die Passantin nicht, die er beinah umgerannt h\u00e4tte, bis eine vertraute Stimme sagte: \u00bbNanu, was ist denn das? Oh, Master Robert, was hast du jetzt ausgefressen?\u00ab Und eine genauso bekannte Stimme kr\u00e4hte: \u00bbAntha! Will zu Antha!\u00ab Sie waren Martha und dem Baby in die Arme gelaufen!<\/p>\n<p>Martha benahm sich bewunderungsw\u00fcrdig. Sie weigerte sich, auch nur ein Wort von Mr. Peasemarshs und des Polizisten Geschichte zu glauben. Sogar dann noch, als sie Robert in einen Torweg f\u00fchrten und ihm befahlen, seine Taschen auszuleeren. \u00bbIch kann \u00fcberhaupt nichts sehen\u00ab, sagte Martha zu den M\u00e4nnern. \u00bbSie haben offenbar beide den Verstand verloren! Da ist kein Gold \u2013 nur die H\u00e4nde des armen Buben, ganz zerkratzt und schmutzig, die reinsten Schornsteinfegerh\u00e4nde. Dass ich so etwas erleben muss!\u00ab Die Geschwister hielten Martha zuerst f\u00fcr ungeheuer edelm\u00fctig, aber dann fiel ihnen das Versprechen des Psammed ein, dass Martha und die K\u00f6chin seine Gaben nicht bemerken w\u00fcrden. Martha konnte also das Gold gar nicht sehen, und deshalb sprach sie nur die reine Wahrheit.<\/p>\n<p>Die D\u00e4mmerung brach schon herein, als sie die Polizeistation erreichten. Der Polizist erstattete einem Inspektor, der in einem gro\u00dfen, kahlen Raum sa\u00df, seinen Bericht. \u00bbLassen Sie mal die M\u00fcnzen sehen\u00ab, sagte der Inspektor. \u00bbLeer deine Taschen aus\u00ab, sagte der Polizist. Cyril steckte seine H\u00e4nde verzweifelt in die Taschen, stand einen Augenblick regungslos und begann dann zu lachen. Es war kein freudiges Lachen, es h\u00f6rte sich fast wie ein Schluchzen an. Seine Taschen waren leer, genauso leer wie die Taschen seiner Geschwister. Denn bei Sonnenuntergang war das Psammedgold selbstverst\u00e4ndlich verschwunden.<\/p>\n<p>\u00bbLeer deine Taschen aus und sei still!\u00ab, sagte der Inspektor. Cyril drehte seine Taschen um, jede der neun Taschen, die seine Jacke zierten. Und alle Taschen waren leer. \u00bbNanu!\u00ab, sagte der Inspektor. \u00bbIch wei\u00df nicht, wie sie das angestellt haben \u2013 gerissene kleine Taschenspieler! Ich habe sie den ganzen Weg vor mir hergehen lassen, damit ich ein Auge auf sie haben konnte und damit sie keinen Aufruhr verursachen und den Verkehr nicht behindern.\u00ab \u2013 \u00bbIn der Tat h\u00f6chst merkw\u00fcrdig\u00ab, sagte der Inspektor und runzelte die Stirn.<\/p>\n<p>\u00bbWenn Sie Ihre Stirn genug \u00fcber meine unschuldigen Kinder gerunzelt haben\u00ab, verk\u00fcndete Martha, \u00bbwerde ich eine Pferdedroschke mieten, und dann k\u00f6nnen wir ja wohl endlich heimfahren zum Hause des Vaters dieser Kinder. Aber Sie werden noch von uns h\u00f6ren, junger Mann! Ich hab Ihnen ja gleich gesagt, dass sie keine Goldm\u00fcnzen haben, als Sie so taten, als ob Sie Geld in ihren armen hilflosen H\u00e4nden entdeckt h\u00e4tten. Es ist f\u00fcr einen diensthabenden Polizisten ein bisschen fr\u00fch am Tag, um seinen Augen nicht mehr trauen zu k\u00f6nnen. Und was den anderen Herrn angeht, so er\u00fcbrigen sich ja wohl alle Worte. Er ist der Wirt vom Gasthaus \u203aZum Sarazenen\u2039 und wei\u00df wohl sicher am besten, wie gut Schnaps schmeckt.\u00ab \u2013 \u00bbBringen Sie die Kinder um des Himmels willen fort\u00ab, sagte der Inspektor \u00e4rgerlich. Aber nachdem sie die Polizeistation verlassen hatten, sagte er noch viel \u00e4rgerlicher zu dem Polizisten und zu Mr. Peasemarsh: \u00bbNa h\u00f6ren Sie mal!\u00ab<\/p>\n<p>Auf Martha konnte man sich verlassen. Weil das Fuhrwerk nicht mehr da war, fuhr sie mit den Kindern in einer gro\u00dfartigen Kutsche nach Hause, aber obwohl sie sie auf der Polizeistation so wacker verteidigt hatte, schimpfte sie die Geschwister f\u00fcr die \u00bbeigenm\u00e4chtige Herumstromerei in Rochester\u00ab so geh\u00f6rig aus, dass niemand den alten Mann mit seinem Ponyw\u00e4gelchen zu erw\u00e4hnen wagte, der vor Rochester auf sie wartete. Und dann wurden die Kinder nach einem Tag unvorstellbaren Reichtums zur Strafe sofort ins Bett geschickt. Sie waren nur um zw\u00f6lf Rosinenbr\u00f6tchen reicher geworden, die sie schon l\u00e4ngst verdaut hatten.<\/p>\n<p>Am meisten beunruhigte sie der Gedanke, dass die Goldm\u00fcnze des alten Mannes genauso wie alle anderen bei Sonnenuntergang verschwunden war. Und deshalb gingen sie am n\u00e4chsten Tag in das Dorf hinunter, um sich daf\u00fcr zu entschuldigen, dass sie ihn im Stich gelassen hatten. Der Besitzer des Ponyw\u00e4gelchens begr\u00fc\u00dfte sie jedoch sehr freundlich. Die Guinea war nicht verschwunden, und er hatte ein Loch hineingebohrt und sie an seine Uhrkette geh\u00e4ngt. Was aber das Goldst\u00fcck anging, das der B\u00e4cker bekommen hatte, so hatten die Kinder das Gef\u00fchl, dass sie sich nicht so gro\u00dfe Sorgen darum zu machen brauchten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag regnete es. Es regnete so stark, dass die Kinder nicht drau\u00dfen spielen und schon gar nicht jemanden wie den Sandelf st\u00f6ren konnten, der auf Wasser so empfindlich reagierte, dass er noch nach Tausenden von Jahren an der Stelle Schmerzen empfand, wo ihm einmal die linke Schnurrbartspitze nass geworden war. Der Tag zog sich endlos hin, und erst am Nachmittag kam den Geschwistern die Idee, ihrer Mutter zu schreiben. Robert stie\u00df bei dieser Gelegenheit ein volles, au\u00dferordentlich gro\u00dfes Tintenfass um. Es ergo\u00df sich gerade \u00fcber die Ecke von Antheas Schreibpult, an der sie sich aus Klebstoff und Pappkarton etwas zurechtgebastelt hatte, was sie als Geheimfach bezeichnete. Gleichzeitig rann ein Tintenstrom \u00fcber Antheas halbfertigen Brief, der nun lautete: \u00bbLiebe Mutter, ich hoffe, es geht dir gut, und ich hoffe, Gro\u00dfmutter ist wieder gesund. Gestern waren wir\u2026\u00ab Was dann kam, hatte die Tinte verdeckt, und ganz unten waren die letzten S\u00e4tze mit Bleistift geschrieben: \u00bbIch habe die Tinte nicht umgekippt, aber es hat so lange gedauert, bis wir alles aufgewischt hatten, deshalb nichts mehr f\u00fcr heute, denn die Post wird gleich abgehen. Von Deiner Dich liebenden Tochter Anthea.\u00ab<\/p>\n<p>Roberts Brief wurde nicht einmal begonnen. Zun\u00e4chst hatte Robert ein Schiff auf das L\u00f6schpapier gekritzelt, w\u00e4hrend er dar\u00fcber nachdachte, was er schreiben wollte. Dann war das Tintenfass umgefallen, und er musste Anthea helfen, ihr Pult sauber zu wischen. Dabei versprach er ihr, ein neues Geheimfach zu kleben, das noch besser sein w\u00fcrde als das alte. Sie bat: \u00bbMach es aber gleich!\u00ab Und deshalb brachte er bis zur Ankunft des Postwagens keinen Brief zustande, obwohl das Geheimfach auch nicht fertig wurde.<\/p>\n<p>Cyril schrieb ganz schnell einen langen Brief und machte sich dann \u2013 nach der Bauanleitung aus dem \u00bbGartenfreund\u00ab \u2013 daran, eine Schneckenfalle zu konstruieren.<\/p>\n<p><em><br \/>\nDer Sandelf aus der Feder der britischen Autorin Edith Nesbit (1858 bis 1924) erscheint im Herbst 2008 in der neuen ZEIT Kinder-Edition. Wir drucken Ausz\u00fcge (in der \u00dcbersetzung von Sybil Gr\u00e4fin Sch\u00f6nfeldt) vorab.<\/em><\/p>\n<p>Hast du die letzte Folge verpasst? Du findest sie <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Illustration: Sabine Friedrichson Verflixtes Geld! 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