{"id":44,"date":"2008-07-31T14:12:49","date_gmt":"2008-07-31T12:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=44"},"modified":"2008-07-31T14:12:49","modified_gmt":"2008-07-31T12:12:49","slug":"der-sandelf-folge-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/07\/31\/der-sandelf-folge-8_44","title":{"rendered":"Der Sandelf (Folge 8)"},"content":{"rendered":"<p><em><strong> Gestrandet!<br \/>\n<\/strong><\/em><br \/>\n<strong>Ein bisschen zu lange haben Cyril, Anthea, Robert und Jane nach ihrem Picknick auf dem Kirchturmdach geschlafen \u2013 nun ist die Sonne untergegangen, und ihre Fl\u00fcgel sind verschwunden. Wieder hat der Sandelf sie in eine vertrackte Lage gebracht! Jetzt hilft nur noch m\u00f6rderisches Geschrei\u2026<\/strong><\/p>\n<p><img src='https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/32\/wissen\/kinderzeit\/sandelf\/sandelf-450.jpg' alt='' class='aligncenter' \/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Sabine Friedrichson<\/span><\/p>\n<p>Jeder leerte nun seine Taschen auf der Plattform des Turmes aus, wo Besucher aus den letzten einhundertf\u00fcnfzig Jahren ihren Namen und den Namen ihrer Liebsten mit Federmessern in das weiche Blei geritzt hatten. Insgesamt besa\u00dfen die Kinder f\u00fcnf Shilling und siebeneinhalb Pence. Sie einigten sich schlie\u00dflich auf eine halbe Krone, die sie f\u00fcr einen angemessenen Preis hielten.<!--more--><\/p>\n<p>Anthea hatte zuf\u00e4llig ihr letztes Zeugnis in der Tasche, und nachdem sie ihren eigenen und den Namen der Schule davon abgerissen hatte, schrieb sie auf die R\u00fcckseite: \u00bbHochw\u00fcrden, wir sind sehr hungrig, weil wir den ganzen Tag haben fliegen m\u00fcssen, und wir denken, dass es kein Diebstahl ist, was einen vor dem Hungertod errettet. Wir mochten Sie nicht fragen, denn wir hatten Angst, dass Sie Nein gesagt h\u00e4tten, weil Sie zwar \u00fcber Engel Bescheid wissen, aber uns doch nicht f\u00fcr Engel halten w\u00fcrden.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNun mach doch schon Schluss\u00ab, sagten die Geschwister. So setzte Anthea nur noch hastig hinzu: \u00bbGlauben Sie uns bitte, dass unsere Beweggr\u00fcnde nicht unehrenhaft sind. Anbei eine halbe Krone als Beweis f\u00fcr unsere Aufrichtigkeit und Dankbarkeit. Nochmals besten Dank f\u00fcr Ihre Gastfreundlichkeit. Wir vier.\u00ab Die halbe Krone wurde in den Zettel eingewickelt, und die Kinder hatten das Gef\u00fchl, dass der Pfarrer nach der Lekt\u00fcre dieses Briefes alles verstehen w\u00fcrde, soweit man \u00fcberhaupt etwas verstehen konnte, ohne ihre Fl\u00fcgel gesehen zu haben.<\/p>\n<div style=\"border: 1px solid #acadae; margin: 5px 5px 5px 0px; width: 210px; float: left; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Der Sandelf<\/strong> &#8211; Von Edith Nesbit<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/\/bilder\/2008\/25\/wissen\/kinderzeit-blog\/sandelf.gif\" alt=\"Der Sandelf\" \/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Sabine Wilharm<\/span><\/div>\n<div style=\"margin: 5px 5px 5px 20px; width: 210px;\">\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"200\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=080731\/080731_1217495600-01&amp;var_mp3_artist=Von Edith Nesbit&amp;var_mp3_title=Der Sndelf - Folge 8&amp;ressort=a_Kultur&amp;sub_ressort=Musik');\"><strong>Gleich Anh\u00f6ren <\/strong> \u00bb<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/32_Sandelf_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> \u00bb<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Alle Folgen im \u00dcberblick<\/strong> \u00bb<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00bbNun los\u00ab, sagte Cyril. \u00bbDie Sache ist nat\u00fcrlich nicht ohne Risiko. Wir sollten am besten auf der anderen Seite des Turmes senkrecht nach unten fliegen und uns dann dicht \u00fcber den B\u00fcschen des Friedhofs halten. Dort scheint niemand zu sein, aber man kann nie wissen. Das Fenster liegt gerade \u00fcber dem Geb\u00fcsch. Ich steige hinein und reiche die Sachen hinaus. Robert und Anthea nehmen alles entgegen, und Jane kann aufpassen. Sie hat die sch\u00e4rfsten Augen. Wenn sie jemanden sieht, dann pfeift sie. Halt den Mund, Robert! F\u00fcr unsere Zwecke kann sie gut genug pfeifen. Es soll auch lieber gar kein richtiger Pfiff sein. So, wie sie es macht, klingt es nat\u00fcrlicher und vogelhafter. Und jetzt: Ab mit uns!\u00ab<\/p>\n<p>Stehlen ist nat\u00fcrlich unrecht. Man muss aber immerhin sagen, dass den Kindern ihr Unternehmen in dieser Lage nicht wie Diebstahl vorkam. Sie betrachteten es als ehrlichen Handel. Weil zu Hause entweder Martha oder die K\u00f6chin alle Lebensmittel einkauften, hatten die Geschwister keine Ahnung, dass eine ganze gekochte Zunge, anderthalb Brath\u00e4hnchen, ein Laib Brot und eine Siphonflasche in jedem Gesch\u00e4ft wesentlich mehr als eine halbe Krone gekostet h\u00e4tten. Das alles reichte n\u00e4mlich Cyril als \u00bblebensnotwendige Nahrungsmittel\u00ab zum Speisekammerfenster hinaus, nachdem er seine Geschwister unentdeckt und ohne Zwischenfall an diesen erfreulichen Ort geleitet hatte. Er fand es heldenhaft, dass er den Versuchungen der Marmelade, der Apfeltaschen, des \u00fcbrigen Geb\u00e4cks und der kandierten Orangenschale widerstand. Er war auch stolz, dass er den Vanillepudding stehen lie\u00df, aber dieser Entschluss war nicht ganz so heldenhaft, denn dann h\u00e4tte er die leere Sch\u00fcssel wieder zur\u00fcckbringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Niemand, und war er noch so hungrig, hatte das Recht, Porzellanteller mit kleinen rosa Bl\u00fcmchen zu stehlen. Mit der Siphonflasche war es etwas anderes. Sie mussten etwas zu trinken haben, und da der Name des Herstellers auf dem Etikett stand, dachten sie, dass die Flasche auf jeden Fall zu ihm zur\u00fcckfinden w\u00fcrde. Wenn sie noch Zeit hatten, wollten sie sie selber zur\u00fcckbringen. Der Hersteller schien in Rochester zu wohnen, und das lag ja ohnehin auf ihrem Heimflug.<\/p>\n<p>Sie brachten alles auf die Turmplattform hinauf und legten es auf ein St\u00fcck Butterbrotpapier, das Cyril im obersten Regal der Speisekammer entdeckt hatte. Als er es entfaltete, bemerkte Anthea: \u00bbDas geh\u00f6rt aber nicht zu den lebensnotwendigen Dingen.\u00ab \u2013 \u00bbGeh\u00f6rt es wohl\u00ab, widersprach er. \u00bbWir m\u00fcssen die Sachen doch irgendwo hinlegen, wenn wir sie teilen wollen. Jetzt aber los! Ich kann gar nicht sagen, wie hungrig ich bin.\u00ab<\/p>\n<p>Das Picknick auf dem Kirchturm war unbeschreiblich. Die vier genossen die guten Sachen, und jeder a\u00df, so viel er konnte: zuerst aus schierem Hunger und dann, weil alles so herrlich schmeckte. Aber nachdem sie so viel gegessen hatten, wie nur in sie hineinging, und nachdem auch der letzte Tropfen Mineralwasser getrunken war, wurden sie mit einem Mal unaussprechlich m\u00fcde, besonders Anthea, die ja sehr fr\u00fch aufgestanden war.<\/p>\n<p>Ein Kind nach dem anderen verstummte und lehnte sich zur\u00fcck, und ehe eine Viertelstunde verstrichen war, hatten sie sich alle ausgestreckt und mit ihren gro\u00dfen, weichen, warmen Schwingen zugedeckt und schliefen tief und fest. Die Sonne begann im Westen zu sinken. Der Schatten vom Kirchturm kroch \u00fcber den Friedhof, \u00fcber das Pfarrhaus, \u00fcber das Feld, an welches das Pfarrhaus angrenzte. Und kurz darauf gab es gar keine Schatten mehr, die Sonne war gesunken, und die Fl\u00fcgel waren fort.<\/p>\n<p>Die Kinder schliefen immer noch. Sie schliefen aber nicht mehr lange. Die D\u00e4mmerung ist zwar sehr romantisch, aber sie macht einen fr\u00f6steln. Die vier fl\u00fcgellosen Geschwister zitterten vor K\u00e4lte und erwachten. Und da sa\u00dfen sie nun, mitten auf dem Umgang um die Kirchturmspitze im d\u00e4mmerigen Zwielicht, blaue Sterne zogen zuerst einzeln und dann zu zweit und zu zehnt \u00fcber ihren K\u00f6pfen auf, sie waren Meilen von zu Hause entfernt, hatten nur noch etwas Kleingeld in der Tasche und ein schlechtes Gewissen wegen der Sache mit der \u00bblebensnotwendigen Verpflegung\u00ab.<\/p>\n<p>Sie starrten sich gegenseitig an. Cyril, der die Siphonflasche aufhob, sprach als Erster: \u00bbWir ziehen lieber gleich los und sehen, dass wir dieses l\u00e4stige Ding loswerden. Jetzt ist es schon so dunkel, dass wir die Flasche auch vor die Haust\u00fcr des Pfarrers stellen k\u00f6nnen. Los, kommt!\u00ab<\/p>\n<p>In einem kleinen Vorbau an einer Ecke des Umganges war eine T\u00fcr. Sie hatten sie schon beim Essen entdeckt, sich aber nat\u00fcrlich nicht darum gek\u00fcmmert, denn wenn man Fl\u00fcgel hat, mit deren Hilfe man den ganzen Himmel erforschen kann, h\u00e4lt man T\u00fcren selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr nebens\u00e4chlich. Jetzt aber schauten sie die T\u00fcr an. \u00bbHier geht\u2019s nat\u00fcrlich raus\u00ab, sagte Cyril. Das stimmte sicher, aber die T\u00fcr war von der anderen Seite abgeschlossen. Die Welt wurde immer dunkler, sie waren noch weit von zu Hause entfernt, und die leere Siphonflasche mussten sie auch noch irgendwie loswerden.<\/p>\n<p>Ob eins der Geschwister geweint hat? Auf jeden Fall waren sie alle eine Zeit lang ziemlich fassungslos. Als sie wieder etwas ruhiger geworden waren, steckte Anthea ihr Taschentuch in die Sch\u00fcrzentasche, schlang ihren Arm um Jane und sagte: \u00bbMorgen fr\u00fch k\u00f6nnen wir mit unseren Taschent\u00fcchern winken. Bis dahin sind sie auch wieder trocken. Und dann wird schon jemand heraufkommen und uns hinauslassen\u2026\u00ab \u2013 \u00bbUnd die leere Siphonflasche entdecken\u00ab, unterbrach Cyril sie niedergeschlagen, \u00bbund dann werden wir wegen Diebstahls ins Gef\u00e4ngnis geworfen\u2026\u00ab \u2013 \u00bbDu hast gesagt, es sei kein Diebstahl. Du hast gesagt, du w\u00e4rst ganz sicher, dass es keiner ist.\u00ab \u2013 \u00bbJetzt bin ich aber nicht mehr so sicher\u00ab, antwortete Cyril kurz.<\/p>\n<p>\u00bbWirf das verdammte Ding doch in die B\u00fcsche\u00ab, schlug Robert vor. \u00bbDann kann uns niemand etwas anhaben.\u00ab \u2013 \u00bbO ja!\u00ab Cyril stie\u00df ein bitteres Lachen aus. \u00bbUnd dann fliegt es jemandem auf den Kopf, und wir sind zu allem andern auch noch M\u00f6rder.\u00ab \u2013 \u00bbWir k\u00f6nnen doch nicht die ganze Nacht hier oben bleiben\u00ab, stie\u00df Jane hervor. \u00bbIch will mein Abendbrot haben.\u00ab \u2013 \u00bbAbendbrot brauchst du sowieso nicht mehr\u00ab, stellte Robert fest. \u00bbWir haben doch gerade erst zu Mittag gegessen.\u00ab \u2013 \u00bbIch will es aber trotzdem\u00ab, sagte Jane. \u00bbUnd erst recht, wenn wir die ganze Nacht hier oben bleiben m\u00fcssen. O Anthea, ich will nach Hause!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbPscht, pscht\u00ab, machte Anthea, \u00bbnicht, mein Herzchen, es wird schon alles wieder gut, nicht, nicht\u2026\u00ab \u2013 \u00bbLass sie doch weinen\u00ab, rief Robert verzweifelt. \u00bbWenn sie laut genug heult, h\u00f6rt uns vielleicht jemand und l\u00e4sst uns heraus.\u00ab \u2013 \u00bbUnd sieht die Siphonflasche\u00ab, warf Anthea geschwind ein. \u00bbSei nicht so herzlos, Robert! O Jane, sei doch ein Mann!\u00ab Jane versuchte, ein Mann zu sein, und d\u00e4mpfte ihr Geheul zu einem Schluchzen.<\/p>\n<p>Nach einer Weile sagte Cyril langsam: \u00bbSeht mal, das mit dem Siphon m\u00fcssen wir riskieren. Ich steck ihn in meine Jacke. Vielleicht sieht ihn da keiner. Ihr anderen geht eben m\u00f6glichst dicht vor mir. Im Pfarrhaus brennt Licht, man ist also noch nicht zu Bett gegangen. Wir werden so laut schreien, wie wir k\u00f6nnen. Alle auf einmal, nachdem ich bis drei gez\u00e4hlt habe. Robert, du musst wie eine Lokomotive heulen, so, wie du es immer tust, wenn du Eisenbahn spielst. Die M\u00e4dchen k\u00f6nnen es machen, wie sie wollen. Eins, zwei, drei!\u00ab Ein vierfaches Gebr\u00fcll zerriss den Abendfrieden. Ein Hausm\u00e4dchen, das im Pfarrhaus gerade die Gardinen zuzog, hielt erschrocken inne.<\/p>\n<p>\u00bbEins, zwei, drei!\u00ab Noch ein Schrei, vielstimmig und gellend. Er scheuchte die Eulen und die Spatzen auf, die mit wildem Geflatter von ihren Schlafpl\u00e4tzen im Turm aufstoben. Das M\u00e4dchen lie\u00df die Pfarrhausgardine im Stich und rannte die Pfarrhaustreppe hinunter in die Pfarrk\u00fcche. Dort fiel sie in Ohnmacht, nachdem sie einem Diener und der K\u00f6chin und dem Vetter der K\u00f6chin erkl\u00e4rt hatte, dass sie einen Geist gesehen h\u00e4tte. \u00bbEins, zwei, drei!\u00ab<\/p>\n<p>Der Pfarrer stand bereits auf der Schwelle seines Hauses, und der Schrei, der ihm diesmal entgegenschlug, lie\u00df keinerlei Zweifel mehr zu. \u00bbUm Himmels willen\u00ab, sagte er zu seiner Frau, \u00bbich glaube, in der Kirche wird jemand ermordet! Reich mir meinen Hut und einen dicken Stock, und sag Andreas, dass er mir folgen soll. Vermutlich ist es der Wahnsinnige, der den Aufschnitt und die Zunge gestohlen hat.\u00ab<\/p>\n<p>Die Geschwister hatten das Licht aufblitzen sehen, als der Pfarrer die Haust\u00fcr ge\u00f6ffnet hatte. Sie erkannten seine schattenhafte Gestalt auf der Schwelle und unterbrachen ihr Geschrei, um Luft zu holen und um abzuwarten, was er tun w\u00fcrde. Als er sich nach seinem Hut umdrehte, sagte Cyril hastig: \u00bbJetzt denkt er, er h\u00e4tte sich nur eingebildet, dass er etwas geh\u00f6rt hat. Ihr habt nicht laut genug geschrien! Noch mal! Eins, zwei, drei!\u00ab<\/p>\n<p>Das war der beste Schrei der Nacht, und die Frau des Pfarrers klammerte sich mit beiden Armen an ihren Mann und schrie vor Schreck mit. \u00bbDu darfst nicht gehen!\u00ab, jammerte sie. \u00bbNicht allein. Jessie!\u00ab Das M\u00e4dchen war wieder zu sich gekommen und st\u00fcrzte aus der K\u00fcche herbei. \u00bbAndreas soll kommen! Ein gef\u00e4hrlicher Wahnsinniger steckt in der Kirche! Andreas muss sofort hin\u00fcberlaufen und ihn zu fassen kriegen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWenn man den dabei blo\u00df nicht selber zu fassen kriegt\u00ab, murmelte Jessie insgeheim, als sie wieder in die K\u00fcche zur\u00fcckging. \u00bbH\u00f6r mal, Andreas\u00ab, sagte sie dann, \u00bbda schreit jemand in der Kirche wie verr\u00fcckt, und die Frau sagt, du sollst r\u00fcbergehen und ihn zu fassen kriegen.\u00ab \u2013 \u00bbNicht allein, kommt gar nicht in Frage\u00ab, murmelte Andreas leise, aber entschlossen. Zu seinem Herrn sagte er jedoch nur: \u00bbJa, Sir?\u00ab \u2013 \u00bbHast du diese Schreie geh\u00f6rt?\u00ab \u2013 \u00bbJa, ich glaub, ich hab da irgendwas geh\u00f6rt\u00ab, antwortete Andreas. \u2013 \u00bbNun gut, dann vorw\u00e4rts!\u00ab, befahl der Pfarrer. \u00bbLiebe Margret, die Pflicht befiehlt mir, dass ich gehe!\u00ab Er f\u00fchrte seine Frau mit sanfter Gewalt ins Wohnzimmer zur\u00fcck, schlug die T\u00fcr zu und st\u00fcrzte hinaus, wobei er Andreas am Arm mit sich zerrte.<\/p>\n<p>Ein Schwall von Rufen begr\u00fc\u00dfte sie. Als danach abermals Stille herrschte, rief Andreas: \u00bbHe, Sie da! Haben Sie gerufen?\u00ab \u2013 \u00bbJa\u00ab, riefen vier entfernte Stimmen zur\u00fcck. \u2013 \u00bbDie Rufe scheinen aus der Luft zu kommen\u00ab, bemerkte der Pfarrer. \u00bbSehr merkw\u00fcrdig.\u00ab \u2013 \u00bbWo sind Sie?\u00ab, rief Andreas, worauf Cyril mit seiner tiefsten Stimme so laut wie m\u00f6glich antwortete: \u00bbKirche! Turm! Spitze!\u00ab \u2013 \u00bbDann kommen Sie runter!\u00ab, befahl Andreas, und dieselbe Stimme antwortete: \u00bbUnm\u00f6glich! T\u00fcr verriegelt.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDu meine G\u00fcte\u00ab, sagte der Pfarrer. \u00bbAndreas, hol die Stalllaterne. Vielleicht w\u00e4r es ganz gut, wenn wir noch einen Mann aus dem Dorf holten.\u00ab \u2013 \u00bbDamit ich unterwegs dann die ganze Bande, die vermutlich dahintersteckt, auf dem Hals habe! Nein, Sir, wenn das keine Falle ist, will ich Otto hei\u00dfen! Der Vetter von der K\u00f6chin ist gerade da. Er ist Wildh\u00fcter, Sir, und daran gew\u00f6hnt, mit verd\u00e4chtigen Typen umzugehen. Und er hat sein Gewehr bei sich.\u00ab<\/p>\n<p><em>Der Sandelf aus der Feder der britischen Autorin Edith Nesbit (1858 bis 1924) erscheint im Herbst 2008 in der neuen ZEIT Kinder-Edition. Wir drucken Ausz\u00fcge (in der \u00dcbersetzung von Sybil Gr\u00e4fin Sch\u00f6nfeldt) vorab<\/p>\n<p>Hast du die letzte Folge verpasst? <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\">Du findest sie hier<\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestrandet! Ein bisschen zu lange haben Cyril, Anthea, Robert und Jane nach ihrem Picknick auf dem Kirchturmdach geschlafen \u2013 nun ist die Sonne untergegangen, und ihre Fl\u00fcgel sind verschwunden. Wieder hat der Sandelf sie in eine vertrackte Lage gebracht! 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