{"id":52,"date":"2008-08-14T10:31:02","date_gmt":"2008-08-14T08:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=52"},"modified":"2008-08-14T10:31:02","modified_gmt":"2008-08-14T08:31:02","slug":"der-sandelf-folge-nr-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/08\/14\/der-sandelf-folge-nr-10_52","title":{"rendered":"Der Sandelf (Folge Nr. 10)"},"content":{"rendered":"<p><em>Auf dem Kriegspfad!<\/em><br \/>\n<img src='http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2008\/34\/wissen\/kinderzeit\/sandelf\/sandelf-450.jpg' alt='Der Sandelf' class='aligncenter' \/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Sabine Friedrichson<\/span><br \/>\n<strong>Nach dem Abenteuer mit den Fl\u00fcgeln hatten sich die Kinder eigentlich nach einer ruhigen Zeit gesehnt. Nat\u00fcrlich vergeblich! Denn ohne zu \u00fcberlegen hat Cyril beim Fr\u00fchst\u00fcck einen Wunsch getan, dessen Erf\u00fcllung ihn und die Geschwister in echte Gefahr bringt.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Cyril nicht gerade <em>Der letzte Mohikaner<\/em> gelesen h\u00e4tte, w\u00e4re der n\u00e4chste Tag wohl friedlicher verlaufen. Die Geschichte geisterte noch beim Fr\u00fchst\u00fcck durch seinen Kopf, und als er sich die dritte Tasse Tee eingoss, sagte er tr\u00e4umerisch: \u00bbIch w\u00fcnschte, es g\u00e4be in England Indianer \u2013 keine richtig gro\u00dfen, wisst ihr, lieber kleine, die ungef\u00e4hr so gro\u00df sind wie wir, damit wir mit ihnen k\u00e4mpfen k\u00f6nnten.\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Niemand stimmte zu, und keiner ma\u00df dieser Bemerkung eine Bedeutung zu. Aber etwas sp\u00e4ter liefen sie in die Sandkuhle und w\u00fcnschten sich hundert Pfund in Zwei-Schilling-St\u00fccken mit dem Kopf der K\u00f6nigin Victoria drauf, um allen Irrt\u00fcmern vorzubeugen. Das war der Wunsch, der ihnen als ein wirklich vern\u00fcnftiger Wunsch vorgeschwebt hatte. Und da stellten sie fest, dass es wieder passiert war. Denn das Psammed war noch sehr \u00e4rgerlich und m\u00fcde und sagte nur: \u00bbSt\u00f6rt mich nicht immer wieder! Ihr habt euren Wunsch doch schon.\u00ab<\/p>\n<div style=\"width: 210px; float:left; border: 1px solid #ACADAE; margin: 5px 5px 5px 0px; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Der Sandelf<\/strong> &#8211; Von Edith Nesbit<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/\/bilder\/2008\/25\/wissen\/kinderzeit-blog\/sandelf.gif\" alt=\"Der Sandelf\"\/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Sabine Wilharm<\/span><\/div>\n<div style=\"width: 210px; margin: 5px 5px 5px 20px;\">\n<table width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=080814\/080814_1218696075-01&amp;var_mp3_artist=Von Edith Nesbit&amp;var_mp3_title=Der Sandelf - Folge 10&amp;ressort=a_Kultur&amp;sub_ressort=Musik');\"><strong>Gleich Anh&ouml;ren <\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/34_Sandelf_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Alle Folgen im \u00dcberblick<\/strong> &raquo;<\/a> <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00bbNicht dass ich w\u00fcsste\u00ab, antwortete Cyril. \u00bbErinnerst du dich vielleicht an gestern?\u00ab, fragte der Sandelf noch unwirscher. \u00bbDu hast mich darum gebeten, dass ihr euch etwas w\u00fcnschen k\u00f6nntet, wo immer ihr auch gerade seid, und du hast dir heute fr\u00fch schon etwas gew\u00fcnscht. Du hast es auch bekommen.\u00ab \u2013 \u00bbAch, wirklich?\u00ab, fragte Robert. \u00bbWas war das denn?\u00ab \u2013 \u00bbDas habt ihr vergessen?\u00ab, fragte das Psammed, das schon wieder dabei war, sich einzuscharren. \u00bbMacht nichts, ihr werdet es schon fr\u00fch genug merken. Ich w\u00fcnsche euch viel Vergn\u00fcgen dabei. Ihr habt euch wieder etwas Sch\u00f6nes eingebrockt.\u00ab \u2013 \u00bbIrgendwie tun wir das immer\u00ab, bekannte Jane betr\u00fcbt.<\/p>\n<p>Sonderbarerweise konnte sich wirklich keiner von ihnen daran erinnern, dass sie sich an diesem Morgen schon etwas gew\u00fcnscht hatten. Auf den Satz mit den Indianern hatte niemand geachtet. Es war ein sehr unruhiger Vormittag. Jeder versuchte sich krampfhaft darauf zu besinnen, was er sich gew\u00fcnscht haben k\u00f6nnte, und weil es keinem gelang, hatten alle das Gef\u00fchl, dass in der n\u00e4chsten Sekunde etwas Entsetzliches passieren m\u00fcsste. Das zerrte an ihren Nerven. Durch die Bemerkung des Psammed wussten sie ganz genau, dass sie sich etwas \u00c4rgeres als sonst gew\u00fcnscht haben mussten, und sie verbrachten Stunden in l\u00e4hmender Ungewissheit. Erst kurz vorm Mittagessen stolperte Jane \u00fcber <em>Der letzte Mohikaner,<\/em> der aufgeschlagen auf dem Fu\u00dfboden lag, und als Anthea das Buch aufgehoben hatte, schrie sie: \u00bbIch hab\u2019s!\u00ab, und setzte sich niedergeschmettert auf den Teppich.<\/p>\n<p>\u00bbOh, Jane, wie schrecklich! Er hat sich Indianer gew\u00fcnscht! Cyril, beim Fr\u00fchst\u00fcck, wei\u00dft du noch? Er hat gesagt: \u203aIch w\u00fcnschte, es g\u00e4be in England Indianer\u2039, und jetzt sind sie da, und wahrscheinlich ziehen sie schon durchs Land und skalpieren Leute.\u00ab \u2013 \u00bbVielleicht bleiben sie in Nordengland\u00ab, sagte Jane beschwichtigend. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es Leuten, die so weit weg waren, wirklich wehtun w\u00fcrde, skalpiert zu werden.<\/p>\n<p>\u00bbNein\u00ab, widersprach Anthea. \u00bbDas Psammed hat gesagt, dass wir uns was Sch\u00f6nes eingebrockt h\u00e4tten, und das bedeutet, dass sie hierher kommen. Stell dir vor, wenn sie nun den Kleinen skalpieren!\u00ab \u2013 \u00bbVielleicht w\u00fcrde das Skalpieren bei Sonnenuntergang wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht\u00ab, sagte Jane, aber ihre Stimme klang nicht mehr so hoffnungsvoll. \u00bbBestimmt nicht!\u00ab, widersprach Anthea. \u00bbDie Dinge, die durch die W\u00fcnsche entstehen, vergehen nicht. Das siehst du an den f\u00fcnfzehn Schilling. Jane, ich werde jetzt etwas kaputt machen, und du musst mir au\u00dferdem alles Geld geben, was du besitzt. Die Indianer kommen hierher, begreifst du das nicht? Das hat das gr\u00e4ssliche Psammed doch ganz deutlich gesagt. Du wei\u00dft sicher schon, was ich vorhabe. Los jetzt!\u00ab<\/p>\n<p>Jane begriff gar nichts. Aber sie folgte ihrer Schwester gehorsam in das Schlafzimmer der Mutter. Anthea nahm den schweren Wasserkrug vom Waschtisch. Das Keramikmuster mit St\u00f6rchen und langen Gr\u00e4sern, das ihn zierte, sollte Anthea nie vergessen. Sie trug den Krug ins Badezimmer und leerte ihn vorsichtig in die Badewanne aus. Dann trug sie ihn ins Schlafzimmer zur\u00fcck und lie\u00df ihn auf den Boden fallen. Ihr wisst: Wenn man aus Versehen etwas fallen l\u00e4sst, dann gibt es tausend Scherben. Wenn man dagegen etwas mit Absicht hinwirft, dann verh\u00e4lt es sich anders. Anthea lie\u00df den Krug dreimal fallen, aber er dachte nicht daran, kaputtzugehen. Schlie\u00dflich musste sie den Stiefelknecht des Vaters nehmen und den Krug damit in St\u00fccke schlagen. Als N\u00e4chstes brach sie ihre Spardose mit dem Feuerhaken auf. Jane verk\u00fcndete nat\u00fcrlich, dass man das nicht d\u00fcrfe, aber Anthea presste die Lippen zusammen und sagte: \u00bbRed keinen Unsinn, es geht um Leben und Tod.\u00ab<\/p>\n<p>Viel war ohnehin nicht in der Sparb\u00fcchse, nur sieben Schilling und vier Pence, aber die Schwestern hatten insgesamt noch vier Schilling au\u00dferdem, sodass sie alles in allem elf Schilling besa\u00dfen. Anthea knotete das Geld in einen Zipfel ihres Taschentuches. \u00bbKomm mit, Jane\u00ab, sagte sie und lief zum Bauernhof hinunter. Sie wusste, dass der Bauer am Nachmittag nach Rochester fuhr. Sie hatten n\u00e4mlich verabredet, dass er sie mitnehmen sollte. Aber das war noch in jener gl\u00fccklichen Zeit gewesen, als sie glaubten, vom Psammed die hundert Pfund in Zwei-Schilling-St\u00fccken bekommen zu k\u00f6nnen. Sie hatten dem Bauern f\u00fcr die Fahrt zwei Schilling f\u00fcr jedes Kind angeboten. Jetzt erkl\u00e4rte ihm Anthea, dass sie nicht fahren k\u00f6nnten. Ob er wohl stattdessen Martha und das Baby mitnehmen w\u00fcrde? Er stimmte zu, aber er war nicht sehr begeistert, dass er jetzt nur eine halbe Krone statt acht Schilling bekam.<\/p>\n<p>Danach rannten die M\u00e4dchen wieder nach Hause. Anthea holte eine kleine Dose aus ihrer Eckschublade und machte sich auf die Suche nach Martha, die gerade den Tisch deckte und nicht die allerbeste Laune hatte. \u00bbH\u00f6r mal\u00ab, begann Anthea, \u00bbich hab den Wasserkrug aus Mutters Schlafzimmer zerbrochen.\u00ab \u2013 \u00bbTypisch, immer Flausen im Kopf\u00ab, sagte Martha und stellte ein Salzfass mit energischem Schwung auf den Tisch. \u00bbSei nicht b\u00f6se, liebe Martha\u00ab, bat Anthea, \u00bbich habe genug Geld, um einen neuen zu kaufen. Wenn du nur so lieb w\u00e4rst und ihn f\u00fcr uns besorgtest! Deine Cousinen haben doch ein Porzellangesch\u00e4ft, nicht wahr? Ich m\u00f6chte so schrecklich gern, dass du heute noch gehst, falls Mutter morgen nach Hause kommt. Du wei\u00dft ja, sie hat doch gesagt, dass sie vielleicht schon morgen kommt.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbAber ihr fahrt doch selber in die Stadt\u00ab, unterbrach sie Martha. \u00bbWenn wir den neuen Krug bezahlen m\u00fcssen, k\u00f6nnen wir uns das nicht mehr leisten\u00ab, antwortete Anthea, \u00bbaber wenn du den Kleinen mitnimmst, k\u00f6nnen wir f\u00fcr dich mitbezahlen. Ach, liebste Martha, fahr doch, ich schenke dir auch diese Dose. Sieh mal, wie h\u00fcbsch sie ist \u2013 echtes Silber, mit Elfenbein und Ebenholz eingelegt, wie K\u00f6nig Salomons Tempel.\u00ab \u2013 \u00bbJa\u00ab, sagte Martha, \u00bbnein, ich will deine Dose nicht haben, Anthea. Du m\u00f6chtest doch nur das L\u00e4mmchen f\u00fcr heute Nachmittag los sein. Denk nur nicht, dass du mir etwas vormachen kannst.\u00ab Damit traf sie den Nagel so genau auf den Kopf, dass Anthea alles am liebsten blindlings und heftig abgestritten h\u00e4tte. Martha hatte kein Recht, so viel zu wissen. Anthea hielt aber dann doch lieber den Mund. Martha knallte das Brot so w\u00fctend auf den Tisch, dass es vom Holzbrett flog. \u00bbIch m\u00f6chte die Kanne aber gern haben\u00ab, sagte Anthea mit ihrer sanftesten Stimme. \u00bbDu gehst doch, nicht wahr?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNa gut, heute macht es mir nichts aus. Aber ein f\u00fcr alle Mal: Macht keinen Unsinn, wenn ich weg bin. Das w\u00e4r\u2019s.\u00ab \u2013 \u00bbDer Bauer f\u00e4hrt aber fr\u00fcher, als er eigentlich wollte\u00ab, sagte Anthea eifrig, \u00bblauf lieber, und zieh dich um. Ach bitte, zieh doch den sch\u00f6nen roten Rock an, Martha, und nimm den Hut mit den rosa Kornblumen und den gelben Spitzenkragen. Jane deckt schon den Tisch, und ich wasche unterdessen den Kleinen und mache ihn zurecht.\u00ab<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Anthea das widerstrebende Lamm in seine besten Sachen steckte, warf sie von Zeit zu Zeit einen Blick aus dem Fenster. Bis jetzt war noch alles in Ordnung, keine Indianer zu sehen. Als der Kleine und Martha schlie\u00dflich in der \u00fcblichen Aufregung und Hetze verabschiedet waren, stie\u00df Anthea einen tiefen Seufzer aus. \u00bbJetzt ist er in Sicherheit\u00ab, sagte sie, warf sich zu Janes Entsetzen auf den Boden und brach in wahre Tr\u00e4nenstr\u00f6me aus.<\/p>\n<p>Jane konnte \u00fcberhaupt nicht verstehen, wie sich eine Person erst so tapfer auff\u00fchren und dann pl\u00f6tzlich zusammenbrechen konnte. Es ist nat\u00fcrlich besser, wenn man nicht zusammenbricht, aber immerhin war Anthea so lange stark geblieben, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Sie hatte ihren geliebten Kleinen aus der Gefahrenzone gebracht; denn sie war fest davon \u00fcberzeugt, dass die Roth\u00e4ute in der N\u00e4he des wei\u00dfen Hauses auftauchen w\u00fcrden. Das Fuhrwerk des Bauern w\u00fcrde bestimmt nicht vor Sonnenuntergang zur\u00fcck sein. So konnte sie es sich leisten, ein wenig zu weinen. Sie weinte teils aus Erleichterung, dass sie jetzt weinen durfte, und teils aus Stolz, weil sie das durchgesetzt hatte, was sie sich vorgenommen hatte. Sie weinte etwa drei Minuten lang, und Jane hielt sie betr\u00fcbt umschlungen und sagte in Abst\u00e4nden von f\u00fcnf Sekunden: \u00bbWein doch nicht, wein doch nicht!\u00ab<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich rieb sich Anthea die Augen so energisch mit dem Sch\u00fcrzenzipfel, dass sie den ganzen Tag lang rot blieben, und machte sich auf, um den Br\u00fcdern alles zu erz\u00e4hlen. Aber gerade in diesem Augenblick l\u00e4utete die K\u00f6chin zum Essen. Daher musste sie mit ihrem Bericht noch warten, bis sich alle vom Rinderhaschee genommen hatten. Dann ging die K\u00f6chin hinaus, und Anthea berichtete. Es ist jedoch ein Fehler, wenn man eine aufregende Geschichte bei einem guten Essen zum Besten gibt. Es schien irgendetwas an dem Rinderhaschee und den Pellkartoffeln zu sein, was die Vorstellung von Roth\u00e4uten unglaubw\u00fcrdig machte. Die Jungen brachen tats\u00e4chlich in Gel\u00e4chter aus und nannten Anthea einen kleinen Angsthasen.<\/p>\n<p>\u00bbUnd au\u00dferdem\u00ab, sagte Cyril, \u00bbwei\u00df ich genau, dass, bevor ich von den Indianern sprach, sich Jane f\u00fcr heute sch\u00f6nes Wetter gew\u00fcnscht hat.\u00ab \u2013 \u00bbNein, das stimmt nicht\u00ab, sagte Jane kurz. \u00bbNa, und wenn\u2019s wirklich Indianer sein sollten\u00ab, fuhr Cyril fort, \u00bbSalz, bitte sch\u00f6n, und Senf auch, ich krieg dies durchgedrehte Fleisch sonst nicht runter \u2013 also wenn es wirklich Indianer w\u00e4ren, dann h\u00e4tten sie die Gegend hier schon l\u00e4ngst unsicher gemacht, das wei\u00dft du ganz genau.\u00ab \u2013 \u00bbUnd warum hat das Psammy dann gesagt, dass wir uns was Sch\u00f6nes eingebrockt h\u00e4tten?\u00ab, erkundigte sich Anthea. Sie war sehr aufgebracht. Sie wusste genau, dass sie mit Geschick und Edelmut gehandelt hatte, und danach trifft es einen hart, wenn man als Angsthase bezeichnet wird. In dem Schweigen, das sich jetzt zwischen den Geschwistern ausbreitete, r\u00e4umte die K\u00f6chin die Essteller fort und brachte den Siruppudding herein. Sobald sie sich wieder zur\u00fcckgezogen hatte, begann Cyril noch einmal.<\/p>\n<p>\u00bbIch will damit nat\u00fcrlich nicht gesagt haben, dass es nicht ein guter Einfall war, uns Martha und das Lamm f\u00fcr den Nachmittag aus dem Weg zu schaffen. Aber was die Roth\u00e4ute angeht \u2013 du wei\u00dft doch allm\u00e4hlich ganz genau, dass die W\u00fcnsche fast in der selben Minute erf\u00fcllt werden. Wenn wir uns also wirklich Roth\u00e4ute gew\u00fcnscht h\u00e4tten, so w\u00e4ren sie schon lange hier.\u00ab<\/p>\n<p>Aber das sind sie ja vermutlich auch\u00ab, erwiderte Anthea. \u00bbSie verbergen sich im Unterholz, das wei\u00df doch jedes Kind. Ich finde dich wirklich ganz gemein.\u00ab \u2013 \u00bbIndianer liegen immer auf der Lauer, das stimmt doch, nicht?\u00ab, warf Jane ein, die f\u00fcr Frieden sorgen wollte. \u00bbNein, das tun sie nicht\u00ab, antwortete Cyril scharf, \u00bbund ich bin nicht gemein, sondern ich sage die Wahrheit. Und ich sage dir, es war vollkommen verr\u00fcckt, den Krug zu zerbrechen und die Spardose zu pl\u00fcndern. Ich glaube, das ist schwerer Diebstahl, und man bekommt\u2026\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbKannst du nicht damit aufh\u00f6ren?\u00ab, fragte Robert. Aber das konnte Cyril nicht. Er hatte das Gef\u00fchl, dass er verantwortlich w\u00e4re, wenn tats\u00e4chlich Indianer auftauchen sollten, deshalb wollte er nicht an sie glauben. Und gerade dieser Versuch, gegen besseres Wissen etwas abzuleugnen, macht einen besonders gereizt und ungerecht.<\/p>\n<p>\u00bbEs ist v\u00f6llig idiotisch\u00ab, fuhr er fort, \u00bbsich \u00fcber Indianer zu unterhalten, wenn es einfach auf der Hand liegt, dass Janes Wunsch erf\u00fcllt worden ist. Schaut doch nur das sch\u00f6ne Wet\u2026 \u2013 oh, oha!\u00ab Er hatte sich zum Fenster umgewandt und seine Geschwister auch. Cyril erstarrte \u2013 das Wort blieb ihm im Halse stecken, und den anderen war ebenfalls nicht danach zumute, das Schweigen zu brechen. Denn dort, zwischen den roten Bl\u00e4ttern des wilden Weins, gerade in der Fensterecke, dort kam ein Gesicht zum Vorschein, ein braunes Gesicht mit einer scharfen Nase und einem schmalen Mund und gro\u00dfen, klaren Augen. Es war bunt bemalt, von langen schwarzen Haaren umrahmt, und in diesem Haar steckten Federn. Den Kindern im Esszimmer blieb vor Entsetzen der Mund offen. Der Siruppudding auf ihren Tellern wurde kalt und fest. Sie waren wie gel\u00e4hmt. Da zog sich das federgeschm\u00fcckte Haupt pl\u00f6tzlich zur\u00fcck, und der Zauber war gebrochen. \u00bbDa!\u00ab, st\u00f6hnte Anthea. \u00bbIch hab\u2019s euch doch gesagt!\u00ab<\/p>\n<p>Der Siruppudding war nun wirklich ungenie\u00dfbar geworden.<\/p>\n<p><em><strong>Der Sandelf<\/strong> aus der Feder der britischen Autorin Edith Nesbit (1858 bis 1924) erscheint im Herbst 2008 in der neuen ZEIT Kinder-Edition. Wir drucken vorab Ausz\u00fcge (in der \u00dcbersetzung von Sybil Gr\u00e4fin Sch\u00f6nfeldt).<\/em><\/p>\n<p><em>Hast du die letzte Folge verpasst? <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\">Du findest sie unter <strong>hier<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Kriegspfad! Illustration: Sabine Friedrichson Nach dem Abenteuer mit den Fl\u00fcgeln hatten sich die Kinder eigentlich nach einer ruhigen Zeit gesehnt. Nat\u00fcrlich vergeblich! Denn ohne zu \u00fcberlegen hat Cyril beim Fr\u00fchst\u00fcck einen Wunsch getan, dessen Erf\u00fcllung ihn und die Geschwister in echte Gefahr bringt. 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