{"id":64,"date":"2008-09-04T07:12:37","date_gmt":"2008-09-04T05:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=64"},"modified":"2008-09-04T07:12:37","modified_gmt":"2008-09-04T05:12:37","slug":"%c2%bbwir-wohnen-in-der-schule%c2%ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/09\/04\/%c2%bbwir-wohnen-in-der-schule%c2%ab_64","title":{"rendered":"\u00bbWir wohnen in der Schule\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ist es wie bei Hanni und Nanni? Oder ganz anders? Theo und Anna besuchen ein Internat auf der Insel Spiekeroog, weit weg von zu Hause. Wie lernen sie? Was machen sie am Nachmittag? Und vor allem: Was tun sie gegen Heimweh? <\/strong><br \/>\nVon Katrin H\u00f6rnlein<\/p>\n<p>Anna und Theo liegen zwischen D\u00fcnengras im Sand: Zwei Kinder im Urlaub, k\u00f6nnte man denken. Doch Anna und Theo leben immer dann auf der Insel Spiekeroog, wenn keine Ferien sind. Sie gehen hier auf das Internat Hermann Lietz-Schule \u2013 weit weg von ihren Eltern, denn Anna kommt aus Bayern, Theo aus Nordrhein-Westfalen. Etwa hundert Sch\u00fcler besuchen die Hermann Lietz-Schule, 20 Lehrer gibt es dort und 20 andere Mitarbeiter. Das Schulgeld betr\u00e4gt rund 2000 Euro pro Monat, eine teure Angelegenheit. Anna ist zehn Jahre alt, Theo ist zw\u00f6lf \u2013 bis zu den Sommerferien waren sie die beiden J\u00fcngsten. Nach dem Sommer beginnt ihr zweites Schuljahr auf der Insel. Spiekeroog ist etwa zehn Kilometer lang, Autos sind verboten, alle fahren Rad. Es gibt ein Dorf mit einem Supermarkt, einer Drogerie, einigen Restaurants. Die Hermann Lietz-Schule liegt au\u00dferhalb, in den D\u00fcnen; bis zur achten Klasse besuchen die Sch\u00fcler die Dorfschule, gemeinsam mit den Inselkindern.<!--more--><\/p>\n<p>Im \u00bbAlbatroshaus\u00ab wohnen Anna und Theo dort zusammen mit den anderen \u00bbNordlichtern\u00ab. So werden die Sch\u00fcler aus der f\u00fcnften, sechsten und siebten Klasse genannt. Im Erdgeschoss haben die M\u00e4dchen ihre Zimmer, auf dem oberen Flur die Jungen. Im Gemeinschaftsraum gibt es eine gem\u00fctliche Ecke mit vielen Kissen, Regale mit Spielen und B\u00fcchern. Und es gibt einen Fernsehapparat \u2013 allerdings ohne Fernbedienung. Ferngesehen wird nur nach Absprache \u2013 eigentlich. \u00bbWir bekommen den trotzdem zum Laufen\u00ab, fl\u00fcstert ein Sch\u00fcler. Immer zwei Jungen oder M\u00e4dchen teilen sich ein Zimmer. Drei Poster darf jeder im Albatroshaus an seine Wand h\u00e4ngen. \u00bbDeine Zimmernachbarin \u2013 es ist, als ob sie deine Schwester w\u00e4re\u00ab, sagt Anna. Manchmal ist es auch anstrengend, dass immer andere um einen herum sind. \u00bbIch sag dann: \u203aStopp!\u2039 \u2013 das hei\u00dft rausgehen. Und mach meine Zimmert\u00fcr zu\u00ab, erz\u00e4hlt Theo. Sein Zimmernachbar versteht, wenn Theo seine Ruhe haben will.Wenn es doch mal Streit gibt, schlichtet die Betreuerin Maren. Sie k\u00fcmmert sich um die Nordlichter, tr\u00f6stet, meckert auch mal und hilft. \u00bbWie b\u00fcgele ich ein T-Shirt? Wie mache ich mein Bett? Und nach der Schule zeigen mir viele ihre Noten\u00ab, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p>Im Internat zu leben, das hei\u00dft auch, ganz viele Dinge allein zu machen. \u00bbMan muss auf einmal richtig selbstst\u00e4ndig werden\u00ab, sagt Anna. Maren kontrolliert jeden Morgen: Ist das Bett gemacht? Liegt die W\u00e4sche im Schrank? Ist der Schreibtisch aufger\u00e4umt? Wenn nicht, finden die Sch\u00fcler mittags kleine gelbe Klebezettel an ihren T\u00fcren. Bei f\u00fcnf Zetteln muss man zur Strafarbeit anr\u00fccken. Diesmal hat es Theo erwischt. Der Boden in seinem Zimmer lag voll mit seinem Kram, und die Putzfrau konnte nicht wischen. Deshalb muss Theo nachmittags Sands\u00e4cke f\u00fcr den Schuldeich schleppen. Doch er nimmt\u2019s gelassen: \u00bbNa, irgendwann muss ich das mit der Ordnung ja mal lernen.\u00ab<\/p>\n<p>Ob ein Sch\u00fcler Probleme oder Sorgen hat, darauf achten auch die Heimfamilien. \u00bbDu hast hier so eine Art zweite Eltern\u00ab, erkl\u00e4rt Anna. Immer ein Lehrer \u2013 oft mit seiner eigenen Familie \u2013 bildet mit bis zu zehn Sch\u00fclern eine Heimfamilie. Sie haben einen gemeinsamen Tisch im Speisesaal, machen Spielabende und Ausfl\u00fcge.<\/p>\n<p>Trotzdem hat man manchmal Heimweh, gesteht Theo. \u00bbDann ruft man auch mal seine Eltern zu Hause an und sagt: \u203aIch hab Heimweh.\u2039 Und dann schicken sie vielleicht ein kleines Paket. Da freut man sich total \u2013 auch bevor das P\u00e4ckchen da ist.\u00ab Oder man redet mit den Zimmernachbarn. \u00bbDie haben n\u00e4mlich komischerweise immer zur selben Zeit auch Heimweh\u00ab, erz\u00e4hlt Anna.<\/p>\n<p>Viel Zeit zum Traurigsein bleibt ohnehin nicht: Morgens um halb sieben klingeln die Wecker. Um sieben gibt es Fr\u00fchst\u00fcck. Um halb acht strampeln die Nordlichter mit den R\u00e4dern in die Dorfschule. Um Viertel vor acht beginnt die erste Stunde. Insgesamt sind in drei Jahrg\u00e4ngen nur so viele Sch\u00fcler, wie anderswo oft in einer Klasse sitzen. Zum Mittagessen treffen sich alle Lietzer wieder im Speisesaal des Internats.<\/p>\n<p>Nachmittags ist dann h\u00e4ufig noch einmal Unterricht. Und zwischen f\u00fcnf und halb sieben wird geb\u00fcffelt: Arbeitsstunde. Alle Nordlichter sitzen an ihren Schreibtischen, machen Hausaufgaben und lernen. Nach der Arbeitsstunde schallt es laut \u00bbEssen!\u00ab durchs Haus, und alle flitzen \u00fcber das Schulgel\u00e4nde in den Speisesaal. Auch beim Essen gibt es Regeln: Wer zuerst da ist, deckt f\u00fcr seine Familie den Tisch. Wer die Marmelade leer macht, steht auf und f\u00fcllt die Schale nach.<\/p>\n<p>Nachmittags und abends haben Anna, Theo und die anderen oft noch \u00bbGilde\u00ab oder \u00bbAG\u00ab, Arbeitsgemeinschaft. Die Gilde \u00fcbernimmt Arbeiten f\u00fcr die Schulgemeinschaft \u2013 h\u00e4lt zum Beispiel die Fahrr\u00e4der in Schuss oder pflegt die Deiche. Die AG ist zum eigenen Spa\u00df: Anna geht reiten, spielt Handball und Theater. Theo spielt Fu\u00dfball und macht in der Kunst-AG mit. Bei solch einem Programm ist es schnell halb neun, und alle Nordlichter trudeln im Albatroshaus sein. Eine Stunde sp\u00e4ter ist Nachtruhe. Anna und Theo freuen sich darauf, im n\u00e4chsten Jahr zu den Gro\u00dfen zu geh\u00f6ren. \u00bbMan darf l\u00e4nger aufbleiben und hat nicht so viele Verbote\u00ab, sagt Theo. Ab Klasse acht m\u00fcssen sie auch nicht mehr in die Dorfschule radeln. Der Unterricht ist dann im Internat. \u00bbSp\u00e4ter wohnst du halt richtig in deiner Schule!\u00ab, sagt Anna.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es wie bei Hanni und Nanni? Oder ganz anders? Theo und Anna besuchen ein Internat auf der Insel Spiekeroog, weit weg von zu Hause. Wie lernen sie? Was machen sie am Nachmittag? Und vor allem: Was tun sie gegen Heimweh? 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