{"id":7778,"date":"2010-11-30T12:22:52","date_gmt":"2010-11-30T11:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=7778"},"modified":"2010-12-02T14:56:06","modified_gmt":"2010-12-02T13:56:06","slug":"ich-schenk-dir-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2010\/11\/30\/ich-schenk-dir-was_7778","title":{"rendered":"Ich schenk Dir was!"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7781\" aria-describedby=\"caption-attachment-7781\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2010\/11\/geschenk-540x336.jpg\" alt=\"\" title=\"geschenk\" width=\"540\" height=\"336\" class=\"size-large wp-image-7781\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2010\/11\/geschenk-540x336.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2010\/11\/geschenk-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7781\" class=\"wp-caption-text\">Bekommen auch Weihnachtsgeschenke: Meerkatzen im Zoo\/ Foto: Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Als nette Geste, aus Berechnung oder weil man jemandem eine Freude machen will: Es gibt viele Gr\u00fcnde, warum Menschen (und auch Tiere) einander beschenken<\/strong><br \/>\n<em><\/p>\n<p>Von Iris Mainka<\/em><\/p>\n<p>Schon im Herbst ist in den Gesch\u00e4ften Weihnachten: Die Verk\u00e4uferinnen packen den Spekulatius und die Zimtsterne auf Extratische, daneben stapeln sich die Marzipankartoffeln. Von der Decke h\u00e4ngen Glitzersterne, Kugeln, bunte P\u00e4ckchen. Und aus den Lautsprechern t\u00f6nt <em>Morgen, Kinder, wird&#8217;s was geben<\/em>. Auch wer nicht auf den Kalender schaut, merkt schon Monate vorher: Jetzt geht es wieder ums Schenken.<!--more--><\/p>\n<p>\u00bbWei\u00dft Du denn schon, was Du Dir zu Weihnachten w\u00fcnschst?\u00ab Als ich ein Kind war, stellten meine Eltern diese Frage immer so um den Ersten Advent herum. Dann malte und schrieb ich einen Wunschzettel, den ich in einen Briefumschlag steckte und auf den ich \u00bbAn das Christkind, Himmelspforte 7\u00ab schrieb. Ich legte den Brief abends feierlich auf die Fensterbank, und am n\u00e4chsten Morgen hatte ihn dort jemand abgeholt. Vielleicht ein Engel? Oder der Weihnachtsmann auf seinem Rentierschlitten? Je \u00e4lter ich wurde, desto mehr ahnte ich, dass es wohl doch meine Mutter war. Aber das machte nichts. Mit neun Jahren fand ich sowieso viel spannender, ob mein dringendster Wunsch diesmal endlich in Erf\u00fcllung gehen w\u00fcrde: ein Pony! Am liebsten hellbraun, mit beigefarbener M\u00e4hne.<\/p>\n<p>Zwar hatten wir in unserer Wohnung im ersten Stock leider keine Weide. Aber ich stellte mir vor, dass ich dem Pony ein Eckchen in meinem Zimmer als Stall abteilen k\u00f6nnte. Nachts h\u00e4tte ich es mit ins Bett genommen, zum Kuscheln, und ihm die kalten Hufe gew\u00e4rmt. Ihr merkt schon: Ich war ein bisschen dumm damals.<\/p>\n<p>Aber wie ist das \u00fcberhaupt mit dem W\u00fcnschen und dem Schenken? Warum tun Menschen das \u00fcberall auf der Welt &#8211; zu Geburtstagen, zu Festen wie Weihnachten oder auch einfach zwischendurch?<\/p>\n<p>Sie tun es jedenfalls schon lange: Wenn vor Tausenden von Jahren irgendwo im Urwald zwei St\u00e4mme zusammentrafen, die nicht wussten, was sie voneinander zu halten hatten, legte die eine Gruppe an einem gut sichtbaren Ort ein Geschenk hin, zum Beispiel ein zartes St\u00fcck Fleisch oder ein warmes Fell. Die andere Gruppe holte diese Gabe ab und brachte ebenfalls etwas Kostbares mit &#8211; f\u00fcr die andere Gruppe. So wussten alle: Die Menschen vom anderen Stamm sind uns nicht feindlich gesinnt, sondern w\u00fcnschen sich ein friedliches Zusammenleben. Durch das Schenken konnte man also gut Streit, K\u00e4mpfe und Kriege vermeiden.<\/p>\n<p>So ist es eigentlich bis heute. Wenn man jemandem zeigen will: Ich kann Dich gut leiden!, dann schenkt man ihm etwas und macht ihm damit eine Freude. Es ist zum Beispiel ein alter Brauch, dass sich ein Mann und eine Frau gegenseitig Geschenke machen, um zu zeigen, dass sie sich ineinander verliebt haben und sich treu bleiben wollen. Wenn es ganz traditionell zugeht, kauft er ihr sp\u00e4ter einen wertvollen Ring, weil er sie bitten will, ihn zu heiraten. Auch Eltern schenken ihren Kindern Kuscheltiere, Spielzeug, B\u00fccher zum Geburtstag und zu Weihnachten, um sie sp\u00fcren zu lassen: Wir haben Euch sehr lieb und denken dar\u00fcber nach, was Euch Freude machen k\u00f6nnte. Und die Kinder basteln im Kindergarten und in der Schule ihrerseits Geschenke \u00bbf\u00fcr die liebe Mama und den lieben Papa\u00ab, sie malen ihnen einen \u00bbGutshein f\u00fcr zeenmahl Tischd\u00e4ken\u00ab oder s\u00e4gen aus Sperrholz ein neues Schl\u00fcsselbrett, das die Eltern stolz neben die Eingangst\u00fcr h\u00e4ngen. Alle Geschenke werden h\u00fcbsch verpackt und verschn\u00fcrt, damit es spannend bleibt und vorher niemand sieht, was er bekommt.<\/p>\n<p>Es geht beim Schenken also um viel mehr als nur um den Austausch sch\u00f6ner Dinge. Geschenke dr\u00fccken auch unsere Gef\u00fchle aus. Sie stehen f\u00fcr Freundschaft, f\u00fcr Anteilnahme und Liebe. Sie zeigen, wie wir zueinander stehen, wen wir m\u00f6gen und gut kennen.<\/p>\n<p>Weihnachten feiern wir in Deutschland erst seit knapp 200 Jahren als gro\u00dfes Familienfest, zu dem es Geschenke gibt. Adelige und besonders reiche Leute haben mit dieser Sitte angefangen. Nur sie konnten es sich leisten, etwas weiterzuschenken &#8211; zum Beispiel an ihre Diener, K\u00f6chinnen und Hausm\u00e4dchen. Damals ging es vor allem um notwendige und n\u00fctzliche Dinge wie Essen und Kleidung. Wenig sp\u00e4ter \u00fcbernahmen auch mittelreiche Familien diesen Brauch. Und nach und nach wurde es \u00fcblich, die S\u00f6hne und T\u00f6chter nicht nur mit warmen Socken, sondern auch mit Spielsachen zu beschenken.<\/p>\n<p>Vielleicht hofft einer beim Schenken aber im Geheimen auch manchmal auf eine Gegenleistung &#8211; das tun sogar Tiere. Bei den Eselspinguinen zum Beispiel bringen die M\u00e4nnchen dem Weibchen, mit dem sie sich gerne paaren w\u00fcrden, Kieselsteine f\u00fcrs Nest. Einen Pinguinmann, der ihr nicht gen\u00fcgend Material f\u00fcr den Nestbau anschleppt, w\u00fcrde eine Pinguinfrau nicht nehmen. Da muss er sich schon ein bisschen anstrengen. Das Schenken ist manchmal also auch mit einem Zweck verbunden: Ich gebe Dir etwas, und Du bist mir dankbar und deshalb besonders nett zu mir oder schenkst mir etwas zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Warum und mit welchen Hintergedanken auch immer man schenkt, es klappt besonders gut, wenn man wei\u00df, was dem anderen gef\u00e4llt. Daf\u00fcr muss man ihn m\u00f6glichst genau kennen. Die Oma, die ihrer Enkelin einen Puppenwagen schenkt und nicht wei\u00df, dass die Zehnj\u00e4hrige schon l\u00e4ngst nicht mehr mit Puppen spielt, wird nicht nur gro\u00dfe Entt\u00e4uschung ernten. Das M\u00e4dchen wird auch denken: Oma wei\u00df ja gar nicht, wie ich bin und was ich gern tue! Die Oma h\u00e4tte ja wenigstens fragen k\u00f6nnen, oder? So k\u00f6nnen falsche Geschenke Schaden anrichten &#8211; einen Gef\u00fchlsschaden sozusagen.<\/p>\n<p>Aber was tue ich, wenn mir ein Geschenk ganz und gar nicht gef\u00e4llt? Zum Beispiel das gro\u00dfe W\u00f6rterbuch vom Patenonkel, der mir damit zeigen will, dass ich mal dringend meine Rechtschreibung verbessern sollte? Muss ich so tun, als w\u00fcrde ich mich dar\u00fcber freuen? Oder darf ich sagen, dass ich viel eher einen Tacho f\u00fcr mein Fahrrad gebraucht h\u00e4tte? Leider gibt es auf diese Frage keine richtige Antwort. Es muss jeder f\u00fcr sich selbst herausfinden, wie h\u00f6flich er schwindeln kann und will, um den Schenkenden nicht vor den Kopf zu sto\u00dfen. In Meinungsumfragen jedenfalls haben Fachleute herausgefunden, dass von hundert Menschen nur sieben immer ganz ehrlich zugaben, wenn sie ein Geschenk nicht leiden mochten.<\/p>\n<p>Ach ja, wollt Ihr vielleicht noch wissen, ob das damals mit dem Wunschpony geklappt hat? An Heiligabend war alles wie immer. Mein Vater konnte den Tannenbaumst\u00e4nder nicht finden, die Oma kam von weit her zu Besuch und stellte fest, dass ich \u00bbaber gro\u00df geworden\u00ab sei, und in der Kirche dauerte alles sehr, sehr lange. Dann war Bescherung. Endlich! Ich bekam neue Schuhe, die ich schon kannte, weil ich sie im Laden hatte anprobieren m\u00fcssen. Au\u00dferdem ein Buch mit Pferdegeschichten. Eine rote Handtasche. Ziemlich wenig, dachte ich &#8211; und f\u00fchlte deutlich, wie sich ein dicker Entt\u00e4uschungsklo\u00df in meinem Hals zusammenballte. Wo war denn diesmal das Hauptgeschenk?<\/p>\n<p>Und dann kam der Moment, in dem ich mit tr\u00e4nenblinden Augen hinten in der Ecke noch etwas entdeckte. Es war gro\u00df. Es war vorne h\u00f6her als hinten. Es stand ganz still und war mit einem riesigen Bettlaken bedeckt. Ich schrie: \u00bbMein Pony! Mein Pony!\u00ab, st\u00fcrzte zu dem Gro\u00dfen hin und befreite &#8211; mein erstes eigenes Fahrrad von seiner Satteldecke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7536\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2010\/10\/Cover-Kinderheft-1_20111.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"245\" \/><\/p>\n<p>Noch mehr interessante Geschichten, Artikel und Bastelideen findest Du im neuen ZEIT Kinderheft. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/familie\/2010-10\/kinderheft-winter-2010\">Hier<\/a> kannst Du einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als nette Geste, aus Berechnung oder weil man jemandem eine Freude machen will: Es gibt viele Gr\u00fcnde, warum Menschen (und auch Tiere) einander beschenken Von Iris Mainka Schon im Herbst ist in den Gesch\u00e4ften Weihnachten: Die Verk\u00e4uferinnen packen den Spekulatius und die Zimtsterne auf Extratische, daneben stapeln sich die Marzipankartoffeln. 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