{"id":8309,"date":"2011-01-20T11:00:40","date_gmt":"2011-01-20T10:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=8309"},"modified":"2011-01-18T11:45:36","modified_gmt":"2011-01-18T10:45:36","slug":"wo-kommst-du-denn-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/01\/20\/wo-kommst-du-denn-her_8309","title":{"rendered":"Wo kommst Du denn her?"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_8313\" aria-describedby=\"caption-attachment-8313\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/komodo-waran-540x351.jpg\" alt=\"\" title=\"komodo waran\" width=\"540\" height=\"351\" class=\"size-large wp-image-8313\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/komodo-waran-540x351.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/komodo-waran-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8313\" class=\"wp-caption-text\">Ein Komodo Waran, der seinen Namen der indonesischen Insel Komodo verdankt\/ Foto Steve Finn\/ Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Es gibt Tierarten, die noch nie entdeckt worden sind. Um sie ausfindig zu machen, stellen Forscher im Dschungel Fallen auf \u2013 oder st\u00f6bern in Kellern von Museen<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Magdalena Hamm<\/em><\/p>\n<p>Es gibt einen K\u00e4fer, der nach dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger benannt ist (Agra schwarzeneggeri), und eine Meeresschnecke, die nach Boris Becker hei\u00dft (Bufonaria borisbeckeri). Wenn ein Biologe n\u00e4mlich eine neue Art entdeckt, darf er ihr einen Namen geben. Und manche nutzen das, um ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten zu ehren. Sicher k\u00f6nnte man auch seiner Mutter eine gro\u00dfe Freude machen, wenn man eine h\u00fcbsche Blume oder einen Schmetterling nach ihr benennt. Aber dazu m\u00fcsste man erst einmal wissen, wie man eine neue Art entdeckt. Und auch, ob es heute \u00fcberhaupt noch Tiere oder Pflanzen gibt, die man finden und benennen k\u00f6nnte. Die gibt es \u2013 reichlich sogar. <!--more--><\/p>\n<p>Bisher wurden auf der ganzen Welt etwa 1,8 Millionen verschiedene Lebewesen entdeckt, nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Pilze (die keine Pflanzen sind) und Einzeller. Das ist zwar schon sehr viel, aber die Forscher glauben, es m\u00fcsste mindestens zehnmal so viele Arten geben. Einige sch\u00e4tzen die Biodiversit\u00e4t, so nennt man die Gesamtzahl aller Lebewesenarten, sogar auf 100 Millionen. Es gibt also noch jede Menge aufzusp\u00fcren. <\/p>\n<p>Die meisten noch unentdeckten Arten sind vermutlich winzig klein. Einzeller wie die Bakterien sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Forscher finden jeden Tag neue Bakterienarten: im Boden, im Wasser und sogar auf der menschlichen Haut. Aber ob sich die Mutter dar\u00fcber freute, wenn man ein kleines, unscheinbares Bakterium nach<br \/>\nihr benennte?<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re eine asiatische Riesenechse, ein Waran, besser. Das Tier kann es mit seiner Farbenpracht leicht mit einem<br \/>\nSchmetterling aufnehmen, findet Andr\u00e9 Koch. Der Biologe ist 33 Jahre alt, arbeitet f\u00fcr das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn und hat schon drei neue Waranarten entdeckt. Die Echsen leben in den W\u00e4ldern Indonesiens oder der Philippinen und k\u00f6nnen \u00fcber zwei Meter lang werden. <\/p>\n<p>Wie kann es da sein, dass sie so lange im Verborgenen geblieben sind? Sind sie nicht. Andr\u00e9 Koch ist zwar der erste Biologe, der die Tiere zu Gesicht bekommen hat, aber l\u00e4ngst nicht der erste Mensch. Die Einheimischen kennen die Warane genau, sie wissen, wo sie leben, und haben meist auch eigene Namen f\u00fcr sie. Eine neue Art war also meist schon lange vorher da. Aber erst wenn ein Biologe sie beschreibt, von anderen Lebewesen unterscheidet und ihr einen wissenschaftlichen Namen gibt, wird sie in den Stammbaum des Lebens aufgenommen. <\/p>\n<p>\u00bbTaxonomisch erfasst\u00ab nennt man das. Die Taxonomie ist die Wissenschaft, die versucht, Ordnung in die Vielfalt der Arten zu bringen. Sie teilt die Lebewesen in verschiedene Reiche ein, etwa Tiere und Pflanzen. Jedes Reich wird noch weiter unterteilt. Warane geh\u00f6ren zum Stamm der Wirbeltiere, weil sie, anders als zum Beispiel Schnecken oder K\u00e4fer, Knochen und Wirbel haben. Sie besitzen eine Haut aus Schuppen und legen Eier, weshalb man sie zu der Klasse der Reptilien und nicht zu den S\u00e4ugetieren z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Nun wird es etwas kompliziert: Alle Riesenechsen, die man auf den asiatischen Inseln findet, geh\u00f6ren zu der Gattung<br \/>\nder Warane, doch obwohl sie sich \u00e4u\u00dferlich \u00e4hneln und eine vergleichbare Lebensweise zeigen, z\u00e4hlt man sie zu unterschiedlichen Arten, so wie man auch Hase und Kaninchen voneinander unterscheidet. Diese beiden Tiere sehen sich<br \/>\nebenfalls \u00e4hnlich, aber die Ohren und die Beine des Hasen sind viel l\u00e4nger als die des Kaninchens. Und sie k\u00f6nnen<br \/>\nmiteinander keine Jungen bekommen.<\/p>\n<p>Um diese feinen Unterschiede zwischen nah verwandten Arten zu erkennen, muss man viel wissen. Andr\u00e9 Koch ist Spezialist f\u00fcr s\u00fcdostasiatische Reptilien. Vor ein paar Jahren bereiste er zusammen mit einer Kollegin die indonesische Insel Sulawesi. Sie hatten geh\u00f6rt, dass hier Riesenechsen leben, und wollten untersuchen, ob es sich um eine eigene Art handelt. Wochenlang streiften die Forscher durch die Hitze des Dschungels und stellten Fallen auf \u2013 bis es ihnen schlie\u00dflich mit der Hilfe der Inselbewohner gelang, die Warane zu fangen und zu untersuchen. Ihre M\u00fchen wurden belohnt, denn sie konnten beweisen, dass ihre Warane eine Neuentdeckung sind.<\/p>\n<p>Sie gaben ihnen den wissenschaftlichen Namen Varanus lirungenis. Varanus steht f\u00fcr die Gattung der Warane, der Artname lirungenis bezieht sich auf das Dorf Lirung, in dessen N\u00e4he sie die Tiere gefunden haben.<\/p>\n<p>Man muss aber nicht unbedingt in die Ferne reisen, um exotische Tiere zu erforschen. Andr\u00e9 Koch hat zwei philippinische Waranarten in den Kellern gro\u00dfer Naturkundemuseen Europas entdeckt. Die Ausstellungsst\u00fccke, die man sich in solchen Museen anschauen kann, bilden meist nur einen kleinen Teil der Sammlungen. In Kellern und Lagerr\u00e4umen stapeln sich Tausende von Holzk\u00e4sten mit aufgespie\u00dften Insekten und Glasflaschen, in denen Tiere in Alkohol konserviert sind. Sie sind teilweise Hunderte Jahre alt. <\/p>\n<p>Naturforscher haben sie von Expeditionen mitgebracht. Im Zoologischen Museum in Kopenhagen in D\u00e4nemark schlummerte zum Beispiel der K\u00f6rper eines Warans, den Forscher vor langer Zeit von den Philippinen mitgebracht hatten. Andr\u00e9 Koch untersuchte ihn \u2013 und entdeckte, dass diese Art noch nicht bekannt war. Er gab ihr den Namen Varanus rasmusseni, um damit den ber\u00fchmten d\u00e4nischen Forscher Jens Rasmussen zu ehren. <\/p>\n<p>Nie w\u00fcrde Andr\u00e9 Koch \u00fcbrigens eine Art nach sich selbst benennen. \u00bbDas w\u00e4re zu eitel\u00ab, sagt er. Und was ist mit Mutti? \u00bbVielleicht benenne ich den n\u00e4chsten Fund nach ihr\u00ab, sagt der Forscher. \u00bbAnnelieses Waran \u00ab w\u00fcrde das Tier<br \/>\ndann hei\u00dfen. Andr\u00e9 Koch will noch mehr neue Arten entdecken, so wie viele andere Wissenschaftler auf der ganzen Welt. Sie alle haben es sich zum Ziel gesetzt, s\u00e4mtliche Arten zu erfassen. <\/p>\n<p>Denn letztlich sind alle Lebewesen miteinander verbunden, weil sie sich zum Beispiel gegenseitig fressen. Stirbt eine Art aus, kann es passieren, dass eine andere Art ebenfalls ausstirbt, weil die beiden voneinander abh\u00e4ngen. Um die Natur zu verstehen und zu sch\u00fctzen, ist es also sehr wichtig, m\u00f6glichst viele Glieder in der Kette des Lebens zu kennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Tierarten, die noch nie entdeckt worden sind. Um sie ausfindig zu machen, stellen Forscher im Dschungel Fallen auf \u2013 oder st\u00f6bern in Kellern von Museen Von Magdalena Hamm Es gibt einen K\u00e4fer, der nach dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger benannt ist (Agra schwarzeneggeri), und eine Meeresschnecke, die nach Boris Becker hei\u00dft (Bufonaria borisbeckeri). 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