{"id":8379,"date":"2011-01-27T11:00:31","date_gmt":"2011-01-27T10:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=8379"},"modified":"2011-01-24T14:46:58","modified_gmt":"2011-01-24T13:46:58","slug":"fleisch-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/01\/27\/fleisch-nein-danke_8379","title":{"rendered":"Fleisch? Nein danke!"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_8386\" aria-describedby=\"caption-attachment-8386\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/veggie1-540x428.jpg\" alt=\"\" title=\"veggie1\" width=\"540\" height=\"428\" class=\"size-large wp-image-8386\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/veggie1-540x428.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/veggie1-300x238.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/files\/2011\/01\/veggie1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8386\" class=\"wp-caption-text\">Knallbunt und gesund: Joel, 13 Jahre, steht auf Gem\u00fcse\/ Foto: Sabine Gudath<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Einige Kinder und Jugendliche verzichten auf Bratwurst, Schinken und Schnitzel. Sie tun es aus \u00dcberzeugung: Kein unschuldiges Tier soll leiden.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Katrin Brinkmann<\/em><\/p>\n<p>Was? Das in Folie verpackte Kotelett im Supermarktregal war einmal ein Tier? Joel, damals sechs Jahre alt, staunt, als er das Plakat neben der K\u00fchltheke sieht. Darauf zeigt ein roter Pfeil von einem Schwein auf ein St\u00fcck Fleisch. \u00bbBis dahin dachte ich, Fleisch w\u00e4chst wie Gem\u00fcse auf dem Feld\u00ab, sagt der heute 13-J\u00e4hrige. Richtig schockiert ist Joel ein paar Wochen sp\u00e4ter. Auf einem Autobahn-Rastplatz entdeckt er den Lkw-Anh\u00e4nger einer Schlachterei. Lautes Quieken dringt aus dem Innern. Als Joel hineinlugt, ist er entsetzt: Der Anh\u00e4nger ist voll mit Schweinen, dicht gedr\u00e4ngt stehen sie im Laderaum. \u00bbDa war mir pl\u00f6tzlich klar, dass die Tiere geschlachtet werden, damit ich sp\u00e4ter ihr Fleisch essen kann.\u00ab Den Gedanken findet Joel so furchtbar, dass er noch am selben Tag beschlie\u00dft: \u00bbNie wieder Fleisch!\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Mit dieser Entscheidung ist er nicht allein. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland (insgesamt leben hier gut 80 Millionen) verzichten auf Fleisch. Vegetarier nennt man sie. Zwar sind die meisten von ihnen erwachsen, aber laut einer Studie haben sich auch etwa drei von hundert Kindern und Jugendlichen f\u00fcr eine fleischlose Ern\u00e4hrung entschieden. Emilie hat vor drei Jahren den Entschluss gefasst: Tote Tiere kommen ihr nicht mehr auf den Teller. Sie hatte eine Fernsehsendung \u00fcber Masth\u00fchner gesehen. Den Anblick der vielen eng aneinandergequetschten V\u00f6gel in einem gro\u00dfen, dunklen Stall kann die 14-J\u00e4hrige bis heute nicht vergessen. <\/p>\n<p>Die Tiere hockten teilweise in ihrem eigenen Mist, einige waren schon tot. \u00bbAm schlimmsten war, dass den H\u00fchnern die Spitzen ihrer Schn\u00e4bel ohne Bet\u00e4ubung abgeschnitten wurden, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen.\u00ab Wenn Tiere in gro\u00dfer Zahl auf engem Raum aufgezogen werden, sagt man dazu \u00bbMassentierhaltung\u00ab. Ziel dabei ist es, gro\u00dfe Mengen an Fleisch so rasch und billig wie m\u00f6glich zu produzieren. \u00bbFleisch ist einfach \u00fcberall\u00ab, findet Emilie. Schon morgens kommen viele ihrer Freunde mit einem Wurstbr\u00f6tchen in die Schule, mittags in der Mensa gibt es Spaghetti Bolognese, und wer zwischendurch hungrig ist, kauft H\u00e4hnchen-Nuggets oder einen Hamburger. <\/p>\n<p>Fachleute haben ausgerechnet, dass jeder Deutsche Fleischesser in seinem Leben einen riesigen Stall voller Tiere verspeist: Im Schnitt sind es 4 K\u00fche, 4 Schafe, 12 G\u00e4nse, 37 Enten, 46 Truth\u00e4hne, 46 Schweine und 945 H\u00fchner \u2013 insgesamt 1094 Lebewesen. Um diesen Fleischhunger zu stillen, m\u00fcssen die Tiere in gro\u00dfer Zahl gez\u00fcchtet werden und vor allem schnell wachsen. Daf\u00fcr bekommen sie spezielles Kraftfutter, das in Fabriken hergestellt wird. K\u00fcrzlich wurde bekannt, dass sogenanntes Dioxin in solches Kraftfutter gelangt sind. Dioxin ist giftig. Es kann sich in Eiern und Tierfleisch<br \/>\nfestsetzen. In hohen Mengen ist es f\u00fcr Menschen sch\u00e4dlich. In den vergangenen Wochen haben einige Leute aus Angst weniger Fleisch und Eier gekauft. Das ist h\u00e4ufig so, wenn ein \u00bbFleischskandal\u00ab bekannt wird. Meist verzichten die Menschen aber nicht dauerhaft auf Schnitzel und W\u00fcrste.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele sind Tiere wohl nur eine Ware, sie sehen sie nicht als Lebewesen an. \u00bbDabei empfinden Tiere \u00e4hnlich wie wir Menschen!\u00ab, sagt Joel. \u00bbWarum w\u00fcrde man sonst zum Beispiel Kosmetik an Kaninchen testen?\u00ab Viele Tiere k\u00f6nnen<br \/>\ndeutlich besser sehen, h\u00f6ren oder tasten als wir. Dass wir so viel Fleisch essen, ist zudem schlecht f\u00fcr die Umwelt. \u00bbUm das Futter f\u00fcr die Tiere anzubauen, wird zum Beispiel Regenwald gerodet. Der ist aber wichtig f\u00fcr unser Klima\u00ab, sagt Emilie, die sich seit einigen Jahren bei Greenpeace f\u00fcr den Umweltschutz einsetzt. Wenn die B\u00e4ume nicht mehr da sind, k\u00f6nnen sie keine sch\u00e4dlichen Treibhausgase abbauen.<\/p>\n<p>Emilie fiel es anfangs trotzdem nicht so leicht, auf Fleisch zu verzichten. Bei H\u00fchnerfrikassee, ihrem Lieblingsessen, wurde sie noch mal schwach \u2013 besonders wenn sich der Rest der Familie gen\u00fcsslich dar\u00fcber hermachte. Einige ihrer<br \/>\nMitsch\u00fcler fanden es zun\u00e4chst seltsam, dass sie pl\u00f6tzlich Gem\u00fcse-Esserin war. Als Emilie ihnen jedoch erkl\u00e4rte, warum, wollten ein paar Freunde es ihr gleichtun \u2013 aber keiner hat lange durchgehalten.<\/p>\n<p>Auch Emilies Mutter nicht. Sie fand es von Beginn an gut, dass ihre Tochter aus \u00dcberzeugung kein Fleisch mehr essen wollte. Auch wenn sie deshalb oft doppelt kochen muss. Ein wenig sorgte sie sich allerdings auch, ob die vegetarische Ern\u00e4hrung f\u00fcr Emilie gesund ist. Zur Sicherheit schickte sie ihre Tochter zum Arzt. Alles war in Ordnung.<\/p>\n<p>\u00bbKinder und Jugendliche k\u00f6nnen auf Fleisch verzichten \u2013 solange sie noch auf K\u00e4se, Milch und Eier zur\u00fcckgreifen \u00ab, sagt Mathilde Kersting. Sie ist Expertin f\u00fcr die Ern\u00e4hrung von Kindern. Fleisch enthalte zwar viel Eisen, das der K\u00f6rper leicht verwerten k\u00f6nne, aber Vitamin C helfe dabei, dass er auch pflanzliches Eisen besser aufnehmen<br \/>\nk\u00f6nne. \u00bbVegetarier sollten deshalb zum Beispiel zum Vollkornbrot ein Glas Orangensaft trinken\u00ab, sagt die Fachfrau. <\/p>\n<p>Unser K\u00f6rper braucht also nicht unbedingt Fleisch. Trotzdem muss nat\u00fcrlich nicht jeder komplett darauf verzichten. \u00bbIch versuche niemanden zu bekehren \u00ab, sagt Emilie, \u00bbaber ich finde, dass alle zumindest ma\u00dfvoller Fleisch essen sollten.\u00ab Fachleute haben ausgerechnet, dass jedes Jahr 157 Millionen Tiere weniger aufgezogen und geschlachtet werden m\u00fcssten, wenn alle Deutschen einen fleischlosen Tag pro Woche einlegen w\u00fcrden. \u00bbDas w\u00e4re doch ein erster Schritt\u00ab, sagt Joel. \u00bbDann m\u00fcssten nicht mehr so viele Tiere in engen St\u00e4llen leben.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Kinder und Jugendliche verzichten auf Bratwurst, Schinken und Schnitzel. Sie tun es aus \u00dcberzeugung: Kein unschuldiges Tier soll leiden. Von Katrin Brinkmann Was? Das in Folie verpackte Kotelett im Supermarktregal war einmal ein Tier? Joel, damals sechs Jahre alt, staunt, als er das Plakat neben der K\u00fchltheke sieht. 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