{"id":970,"date":"2009-04-02T07:10:05","date_gmt":"2009-04-02T05:10:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=970"},"modified":"2009-04-02T07:10:05","modified_gmt":"2009-04-02T05:10:05","slug":"dem-mond-so-nah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2009\/04\/02\/dem-mond-so-nah_970","title":{"rendered":"Dem Mond so nah"},"content":{"rendered":"<p><figure style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/15\/wissen\/kinderzeit\/gasometer-mond-1-450.jpg\" alt=\"\u00a9 Wolfgang Volz\" width=\"450\" height=\"539\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Wolfgang Volz<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>2009 ist das Internationale Jahr der Astronomie \u2013 der Sternkunde. In einer Ausstellung in Oberhausen ist von diesem Donnerstag an der Mond zu Gast<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Katrin H\u00f6rnlein<\/em><\/p>\n<p>Ein bisschen ist es so, als habe jemand den Mond in eine Konservenb\u00fcchse gesteckt: Der Gasometer in Oberhausen, ein stillgelegter Industrieturm, sieht aus wie eine gewaltige Dose. Nun h\u00e4ngt im Inneren an einem dicken Stahlseil ein Modell des Mondes von der Decke herab. Die Stoffkugel hat einen Umfang von fast 80 Metern. Man brauchte etwa 50 Erwachsene, die sich im Kreis an den H\u00e4nden halten, um die Kugel zu umschlie\u00dfen. Das gigantische Mondmodell ist Teil der Ausstellung <em>Sternstunden \u2013 Wunder des Sonnensystems<\/em>, die vom 2. April 2009 bis zum 10. Januar 2010 zu sehen ist.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nDer Mond in der Ausstellung ist ein gro\u00dfer Stoffballon. Darauf sind die Berge und T\u00e4ler des Himmelsk\u00f6rpers gedruckt. Er wird mit computergesteuerten Strahlern so beleuchtet, dass es aussieht, als g\u00e4be es auf der Oberfl\u00e4che des Ballons richtige Berge. In Wirklichkeit ist sie ganz glatt. Weil der Raum drumherum dunkel ist, hat man den Eindruck, in einen Nachthimmel zu schauen. Allerdings kommen wir dem wahren Mond nie so nah wie dem k\u00fcnstlichen. Der h\u00e4ngt in der Ausstellung etwa neun Meter \u00fcber den K\u00f6pfen der Besucher.<br \/>\nIm Weltall umrundet der Mond die Erde in knapp einem Monat einmal. Er selbst strahlt kein Licht aus, sondern wird von der Sonne beleuchtet. Im Laufe seiner Erdumrundung sehen wir deshalb verschiedene Mondphasen. Je nachdem, wie viel Licht von der Sonne auf den Mond trifft, erscheint er uns als Sichel, als Vollmond \u2013 oder er ist ganz verborgen, dann spricht man von \u00bbNeumond\u00ab. All das wird in der Ausstellung mit der Beleuchtung nachgestellt \u2013 im Schnelldurchlauf. In 15 Minuten erlebt man einen Monat. Und man kann den Mond von allen Seiten sehen. Das ist etwas ganz Besonderes, denn wenn wir den Himmelsk\u00f6rper von der Erde aus betrachten, sehen wir immer nur dieselbe Seite.<br \/>\nDie Idee zu der ungew\u00f6hnlichen Ausstellung hatte der Fotograf Wolfgang Volz. Er fand den Mond immer unheimlich sch\u00f6n: \u00bbEs gab so viele Abende, an denen ich ihn mit offenem Mund angeschaut habe, weil er so toll ist!\u00ab In der Ausstellung geht es um unser gesamtes Sonnensystem. Man kann sich dort alte Fernrohre ansehen, moderne Ger\u00e4te von Weltraumforschern und Fotos aus dem All. Auch Modelle der Planeten unseres Sonnensystems werden gezeigt, aber sie sind viel kleiner als der Ballonmond. Er ist der Mittelpunkt der Ausstellung \u2013 auch weil der Mond der Erde am n\u00e4chsten ist.<br \/>\nSeit Tausenden von Jahren sind die Menschen von ihm fasziniert. Schon in der Antike tr\u00e4umten sie davon, irgendwann zum Mond zu reisen. 1969 \u2013 also vor 40 Jahren \u2013 betrat schlie\u00dflich der erste Mensch den Himmelsk\u00f6rper. Millionen Leute sa\u00dfen an ihren Fernsehger\u00e4ten und sahen zu, als der Astronaut Neil Armstrong mit einem kleinen H\u00fcpfer aus seinem Raumschiff stieg. In Schauergeschichten hat der Mond die Macht, Menschen in Werw\u00f6lfe zu verwandeln, immer dann, wenn er voll am Himmel zu sehen ist. Wie gut also, dass der Mond in Oberhausen ein Kunstwerk ist!<\/p>\n<p><figure style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/15\/wissen\/kinderzeit\/gasometer-mond-2-450.jpg\" alt=\"\u00a9 Wolfgang Volz\" width=\"450\" height=\"300\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Wolfgang Volz<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ihn haben keine magischen Kr\u00e4fte entstehen lassen, sondern die Arbeit vieler Helfer in den vergangenen f\u00fcnf Monaten. Ballonbauer haben gerechnet und Modelle gebaut. Die H\u00fclle durfte ja nicht schlaff oder beulig von der Decke h\u00e4ngen. Ein Gebl\u00e4se pustet nun Luft in ihr Inneres, zus\u00e4tzlich sind Leinen gespannt, um die Mondform zu erhalten.<br \/>\nDann kam die Gestaltung. Der Mond im All hat Gebirge und Krater. Von der Erde sehen wir dies als helle und dunkle Stellen. Deshalb ist auch der Ballon hell und dunkel bedruckt. Das Deutsche Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt half dabei. \u00dcber 1000 Einzelfotos des Mondes wurden zu einem Bild zusammengef\u00fcgt. Ein riesiges Puzzlespiel!<\/p>\n<p>Das zusammengepuzzelte Bild wurde auf Stoff gedruckt. Damit am Ende eine Kugel daraus gen\u00e4ht werden konnte, wurde der Ballon aus 53 einzelnen Teilen zusammengesetzt. Die N\u00e4herinnen verschwanden mitsamt ihren Maschinen fast zwischen den meterlangen Stoffbahnen.<br \/>\nAls der Mond im Februar in Oberhausen ankam, war von den Stoffmassen nichts mehr zu sehen. In nur einer Tasche lag ordentlich gefaltet die Stoffh\u00fclle. Die Ballonbauer breiteten sie vorsichtig aus und gingen nur auf Socken dar\u00fcber, um nichts zu besch\u00e4digen. Hundert Meter \u00fcber ihren K\u00f6pfen kletterten derweil M\u00e4nner zwischen den Dachbalken herum. Hier oben ist das Stahlseil befestigt, das den Ballon h\u00e4lt. Aus dieser H\u00f6he sah der Stoffhaufen wie ein schmutziges und zerkn\u00fclltes Bettlaken aus.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/15\/wissen\/kinderzeit\/gasometer-mond-3-450.jpg\" alt=\"\u00a9 Thomas Machoczek\" width=\"450\" height=\"301\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Thomas Machoczek<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Doch mit dem Luftgebl\u00e4se kam Form in den Ballon. Und als der Stoffmond in voller Gr\u00f6\u00dfe erstrahlte, war selbst der Erfinder von seinem Werk \u00fcberrascht. \u00bbDas hat mich total umgehauen\u00ab, erz\u00e4hlt Volz. \u00bbIch habe es mir jahrelang vorgestellt, und dann ist es endlich fertig. Ich stand darunter und dachte nur: Wahnsinn!\u00ab<\/p>\n<p><figure style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/2009\/15\/wissen\/kinderzeit\/gasometer-mond-4-450.jpg\" alt=\"\u00a9 Thomas Machoczek\" width=\"450\" height=\"300\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Thomas Machoczek<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Man muss aber erst einmal einen Ort finden, an dem man einen solch riesigen Ball aufh\u00e4ngen kann. Im Gasometer in Oberhausen wurde fr\u00fcher Gas f\u00fcr die Industrie gespeichert. Als er nicht mehr gebraucht wurde, wandelte man den fast 120 Meter hohen Turm in einen gigantischen Ausstellungsraum um. \u00bbMond und Gasometer passen perfekt zusammen\u00ab, findet Wolfgang Volz. \u00bbDenn der Mond ist nur toll, wenn er gro\u00df ist. Und im Gasometer m\u00fcssen die Sachen gro\u00df sein, damit sie \u00fcberhaupt \u00adwirken.\u00ab<br \/>\nWenn die Ausstellung im Januar 2010 endet, wird sich der Ballon wieder ganz klein machen. In eine normale Konservenb\u00fcchse wird er zwar nicht passen, aber in eine Tasche.<\/p>\n<p>Zur Homepage des Gasometers <a href=\"http:\/\/www.gasometer.de\" target=\"_blank\">Klicke hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2009 ist das Internationale Jahr der Astronomie \u2013 der Sternkunde. In einer Ausstellung in Oberhausen ist von diesem Donnerstag an der Mond zu Gast Von Katrin H\u00f6rnlein Ein bisschen ist es so, als habe jemand den Mond in eine Konservenb\u00fcchse gesteckt: Der Gasometer in Oberhausen, ein stillgelegter Industrieturm, sieht aus wie eine gewaltige Dose. 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