{"id":98,"date":"2008-10-16T09:36:49","date_gmt":"2008-10-16T07:36:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=98"},"modified":"2008-10-16T09:36:49","modified_gmt":"2008-10-16T07:36:49","slug":"ein-schrecklicher-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2008\/10\/16\/ein-schrecklicher-tag_98","title":{"rendered":"Ein schrecklicher Tag"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum, oh warum muss der Homsa immer seinen dummen kleinen Bruder h\u00fcten? Und warum verstehen seine Eltern so \u00fcberhaupt gar nichts von Geschichten? <\/strong><br \/>\n<em><br \/>\nVon Tove Jansson<\/em><\/p>\n<p>Der zweitkleinste Homsa kroch am Zaun entlang. Manchmal blieb er regungslos liegen und beobachtete den Feind zwischen den Zaunlatten hindurch. Sein kleiner Bruder kroch hinterher. Als der Homsa beim Gem\u00fcsebeet angelangt war, legte er sich auf den Bauch und schl\u00e4ngelte sich durch den Salat. Der Feind hatte Kundschafter ausgesandt, die waren \u00fcberall. \u00bbIch werd ganz schwarz\u00ab, sagte der kleine Bruder. \u00bbSei still\u00ab, fl\u00fcsterte der Homsa, \u00bbwenn dir dein Leben lieb ist. Was glaubst du wohl, was man in einem Mangrovensumpf wird? Blau?\u00ab \u2013 \u00bbDas hier ist Salat\u00ab, sagte der kleine Bruder.<\/p>\n<p>\u00bbWenn du so weitermachst, wirst du bestimmt bald erwachsen\u00ab, sagte der Homsa. \u00bbDann wirst du genau wie Mama und Papa, und das geschieht dir gerade recht. Dann siehst und h\u00f6rst du ganz normal, und damit meine ich, dass du weder siehst noch h\u00f6rst, und dann ist es aus mit dir.\u00ab \u2013 \u00bbOho\u00ab, sagte der kleine Bruder und fing an, Erde zu essen. \u00bbDie ist vergiftet\u00ab, bemerkte der Homsa. \u00bbUnd jetzt haben sie uns erblickt, das haben wir dir zu verdanken.\u00ab <!--more--><\/p>\n<p>Zwei Kundschafter sausten auf sie herab, doch der Homsa t\u00f6tete sie schnell. Keuchend rutschte er in den Graben und blieb dort sitzen. Er lauschte, dass ihm die Ohren bebten. Die anderen Kundschafter verhielten sich still, kamen aber sachte durch das Gras angekrochen. Durchs Pr\u00e4riegras.<\/p>\n<p>\u00bbH\u00f6r mal\u00ab, sagte der kleine Bruder vom oberen Grabenrand herunter. \u00bbIch will nach Hause.\u00ab \u2013 \u00bbDu kommst wahrscheinlich nie mehr nach Hause\u00ab, sagte sein Bruder d\u00fcster. \u00bbDeine Gebeine werden in der Pr\u00e4rie ruhen, bis sie wei\u00df sind, Mama und Papa werden weinen, bis sie ertrinken, und das alles f\u00fchrt zu nichts und weniger als gar nichts.\u00ab Der kleine Bruder fing an zu schreien.<\/p>\n<div style=\"width: 230px; float:left; border: 1px solid #ACADAE; margin: 5px 5px 5px 0px; font-size: 11px;\">\n<div style=\"text-align: center; margin: 5px 5px 5px 5px;\"><strong>Ein schrecklicher Tag<\/strong> &#8211; Von Tove Jansson<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/2008\/38\/wissen\/kinderzeit\/kinderzeit-audio.jpg\" alt=\"Kinderzeit Audio\"\/><span style=\"font-size: 10px;\">Illustration: Erhard Dietl<\/span><\/div>\n<div style=\"width: 230px; margin: 5px 5px 5px 20px;\">\n<table width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"javascript:open_mp3('var_mp3_file=081016\/081016_1224140122-01&amp;var_mp3_artist=Von Tove Jansson&amp;var_mp3_title=Ein schrecklicher Tag&amp;ressort=a_Wissen&amp;sub_ressort=Bildung');\"><strong>Gleich Anh&ouml;ren <\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<td style=\"padding-bottom: 5px; width: 25px;\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/43_Vorlesegeschichte_dl.zip\"> <strong>Zum Herunterladen<\/strong> &raquo;<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"padding-bottom: 5px;\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/category\/vorlesegeschichte\"><strong>Alle Geschichten im \u00dcberblick<\/strong> &raquo;<\/a> <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Der Homsa h\u00f6rte, dass dies ein Schrei war, der lange andauern w\u00fcrde. Daher lie\u00df er seinen kleinen Bruder in Ruhe und kroch weiter. Er dachte wutentbrannt: Wenn es nur keine kleinen Br\u00fcder g\u00e4be! Die m\u00fcssten gro\u00df auf die Welt kommen oder gar nicht. Die m\u00fcssten so lange in einer Schublade gehalten werden, bis sie was kapieren.<\/p>\n<p>Der Graben war nass. Der Homsa beschloss, den S\u00fcdpol zu entdecken, und stapfte platschend weiter. Mit der Zeit wurde er sehr m\u00fcde, weil Proviant und Wasser zu Ende gingen und er leider von einem Eisb\u00e4ren gebissen worden war. Schlie\u00dflich verkroch sich der Graben in der Erde, und der Homsa besa\u00df den S\u00fcdpol ganz f\u00fcr sich alleine. Inzwischen war er im Moor angelangt. Das Moor war grau und dunkelgr\u00fcn, ab und zu gl\u00e4nzte schwarzes Wasser auf, und es roch nach Moder.<\/p>\n<p>\u00bbDas Moor ist verboten\u00ab, dachte der Homsa laut. \u00bbSp\u00e4tnachts f\u00e4hrt hier der gro\u00dfe Geisterwagen. Man h\u00f6rt ihn in weiter Ferne heranrollen, aber man wei\u00df nicht, wer ihn lenkt\u2026 Nein! Hilfe!\u00ab, rief der Homsa aus. Pl\u00f6tzlich bekam er Angst. Sie fing unten im Bauch an und stieg langsam nach oben. Noch vor einer Minute hatte es keinen Wagen gegeben, niemand hatte je etwas davon geh\u00f6rt. Dann hatte er ihn gedacht, und schon war er da.<\/p>\n<p>\u00bbIch glaube\u00ab, sagte der Homsa, \u00bbich bin lieber ein Homsa, der seit zehn Jahren auf der Suche nach seiner Heimat ist.\u00ab Er erschnupperte die Richtung und machte sich auf den Weg. W\u00e4hrend er ging, dachte er an Schlammschlangen und lebendige Pilze, die hinter einem herkriechen \u2013 so lange, bis sie tats\u00e4chlich aus dem Moos heraufwuchsen. Die k\u00f6nnten einen kleinen Bruder mit einem einzigen Schnapp auffressen, dachte er betr\u00fcbt. Vielleicht haben sie das ja schon getan. Ich bef\u00fcrchte das Schlimmste.<\/p>\n<p>Er begann zu rennen. Mein armer kleiner Bruder, dachte der Homsa. Wenn die Schlammschlangen ihn erwischen, hab ich keinen kleinen Bruder mehr, dann bin ich der Kleinste\u2026 Er schluchzte und rannte, durchs Gartentor, am Holzschuppen vorbei die Treppe hinauf und schrie: \u00bbMama! Papa! Mein kleiner Bruder ist aufgefressen worden!\u00ab<\/p>\n<p>Die Homsamutter war gro\u00df und besorgt, sie \u00e4ngstigte sich st\u00e4ndig. Jetzt fuhr sie hoch und rief: \u00bbWas? Wie? Wo ist dein kleiner Bruder? Hast du nicht auf ihn aufgepasst!?\u00ab \u2013 \u00bbAch\u00ab, sagte der Homsa und beruhigte sich allm\u00e4hlich, \u00bber ist im Moor in ein Schlammloch gefallen. Und dann ist fast sofort eine Schlammschlange aus ihrer H\u00f6hle gekrochen und hat ihm die Nase abgebissen. Ich bin au\u00dfer mir, aber was soll man machen? Schlammschlangen sind viel zahlreicher als kleine Br\u00fcder.\u00ab<\/p>\n<p>Eine Schlange!?\u00ab, schrie die Mutter. Doch der Vater sagte: \u00bbBeruhige dich. Er flunkert blo\u00df.\u00ab Und der Homsavater schaute rasch auf den Hof hinaus, und da sa\u00df der kleine Bruder und a\u00df Sand. \u00bbWie oft habe ich dir schon gesagt, dass man nicht flunkern darf\u00ab, schalt der Vater, und die Mutter weinte ein bisschen und sagte: \u00bbSollte man ihn nicht besser verhauen?\u00ab \u2013 \u00bbVermutlich\u00ab, sagte der Vater, \u00bbaber das ist mir jetzt gerade zu viel. Er soll nur zugeben, dass es h\u00e4sslich ist, zu flunkern.\u00ab \u2013 \u00bbIch hab \u00fcberhaupt nicht geflunkert\u00ab, wandte der Homsa ein. \u00bbDu hast gesagt, dein kleiner Bruder sei aufgefressen worden, obwohl das gar nicht stimmt\u00ab, erkl\u00e4rte der Vater.<\/p>\n<p>\u00bbNa, ist doch prima!\u00ab, sagte der Homsa. \u00bbSeid ihr da nicht froh? Ich bin unheimlich froh und erleichtert. Wisst ihr, diese Schlammschlangen k\u00f6nnen einfach jeden auffressen, mit einem einzigen Schnapp.\u00ab \u2013 \u00bbAch du liebe Zeit\u00ab, sagte die Mutter. \u2013 \u00bbAlso ist alles gut gegangen\u00ab, fasste der Homsa fr\u00f6hlich zusammen. \u00bbGibt es heute Abend einen Nachtisch?\u00ab Da wurde der Homsavater \u00e4rgerlich: \u00bbHeute kriegst du \u00fcberhaupt kein Abendessen, bevor du nicht einsiehst, dass man nicht flunkern darf.\u00ab \u2013 \u00bbAber ist doch klar, dass man das nicht darf\u00ab, sagte der Homsa verbl\u00fcfft. \u2013 \u00bbDa siehst du\u2019s\u00ab, sagte die Homsamutter. \u00bbLass den Kleinen essen.\u00ab \u2013 \u00bbOh nein\u00ab, sagte der Homsavater. \u00bbWenn ich gesagt habe, er kriegt kein Abendessen, dann kriegt er kein Abendessen.\u00ab Der arme Vater bildete sich n\u00e4mlich ein, dass der Homsa ihm nie mehr glauben w\u00fcrde, wenn er sein Wort zur\u00fcckn\u00e4hme.<\/p>\n<p>Also musste der Homsa bei Sonnenuntergang ins Bett. Er war sehr verbittert \u00fcber seine Eltern. Nat\u00fcrlich hatten sie sich schon oft schlecht benommen, aber noch nie so wie heute Abend. Der Homsa beschloss, davonzulaufen. Er hatte sie pl\u00f6tzlich herzlich satt, und dass sie nicht in der Lage waren, zu verstehen, was wichtig oder gef\u00e4hrlich war, fand er sehr l\u00e4stig. \u00bbIch w\u00fcrde sie gern mal Aug in Auge mit einem Hotomomb sehen\u00ab, murmelte der Homsa, w\u00e4hrend er die Treppe nach unten schlich. \u00bbOder mit einer Schlammschlange. Ich kann ihnen ja mal eine schicken. Aber mit Glasdeckel, schlie\u00dflich will ich ja doch nicht, dass sie gefressen werden.\u00ab<\/p>\n<p>Der Homsa ging zur\u00fcck zu dem verbotenen Moor, um sich selbst zu beweisen, dass er selbstst\u00e4ndig war. Inzwischen war das Moor blau, beinahe schwarz, und der Himmel gr\u00fcn. Tief unten am Horizont lief ein leuchtend gelbes Band aus Sonnenuntergang und machte das Moor entsetzlich gro\u00df und traurig. \u00bbIch flunkere nicht\u00ab, sagte der Homsa und ging platschend weiter. \u00bbAlles ist echt. Der Feind und der Hotomomb, die Schlammschlangen und der Geisterwagen. Die sind genauso wirklich wie zum Beispiel die Nachbarn und der G\u00e4rtner.\u00ab Und dann blieb der Homsa stehen und lauschte. Irgendwo hinten im Moor rollte der Geisterwagen los, er knirschte und knarrte und fuhr immer schneller. \u00bbWarum hast du ihn dir auch vorgestellt!\u00ab, sagte sich der Homsa. Die Grasb\u00fcschel gaben unter seinen Pfoten nach, schwarze Wasserl\u00f6cher starrten wie Augen aus dem Riedgras, und der Schlamm kroch zwischen seinen Zehen hoch.<\/p>\n<p>\u00bbDenk blo\u00df nicht an die Schlammschlangen\u00ab, sagte der Homsa und musste sofort an sie denken, \u00bbWenn ich doch nur so w\u00e4re wie mein dicker, kleiner Bruder\u00ab, rief der Homsa verzweifelt aus. \u00bbDer denkt mit dem Bauch und isst S\u00e4gemehl und Sand und Erde. Einmal hat er versucht, einen aufgeblasenen Ballon aufzuessen. Wenn ihm das gelungen w\u00e4re, h\u00e4tten wir ihn nie wiedergesehen.\u00ab Dieser Gedanke verzauberte den Homsa so sehr, dass er stehen blieb. Ein kleiner, dicker Bruder, der in die Luft hinaufsegelte.<\/p>\n<p>Oh nein! Weit drau\u00dfen im Moor leuchtete ein Fenster. \u00bbDa gehst du jetzt hin\u00ab, sagte sich der Homsa. \u00bbUnd nicht rennen, weil du dann Angst kriegst.\u00ab Das Haus war rund, also wohnte vermutlich irgendeine Mymla darin. Der Homsa klopfte mehrmals, und als ihm niemand aufmachte, trat er ein.<\/p>\n<p>Drinnen war es warm und gem\u00fctlich. Die Lampe stand auf dem Fenstersims, und irgendwo tickte eine Uhr, und oben auf einem Schrank lag eine sehr kleine Mymla auf dem Bauch und guckte ihn an. \u00bbHallo\u00ab, sagte der Homsa. \u00bbIch hab mich in letzter Minute gerettet. Schlammschlangen und lebendige Pilze!\u00ab Die kleine Mymla musterte ihn. Dann sagte sie: \u00bbIch bin My. Ich hab dich vorhin gesehen. Du hast einen kleinen, dicken Homsa geh\u00fctet und dabei die ganze Zeit vor dich hingemurmelt und mit den Pfoten in der Luft gefuchtelt. Haha.\u00ab \u2013 \u00bbNa und\u00ab, sagte der Homsa. \u00bbWarum hockst du auf dem Schrank? Das ist doof.\u00ab \u2013 \u00bbF\u00fcr gewisse Leute\u00ab, sagte die kleine My gedehnt, \u00bbw\u00e4re das vielleicht doof, aber f\u00fcr mich ist es die einzige Rettung vor einem grauenvollen Schicksal.\u00ab<\/p>\n<p>Sie beugte sich \u00fcber die Schrankkante und fl\u00fcsterte: \u00bbDie lebendigen Pilze sind schon im Salon.\u00ab \u2013 \u00bbWas?\u00ab, fragte der Homsa. \u00bbVon hier oben aus sehe ich, dass sie auch drau\u00dfen vor der T\u00fcr sitzen\u00ab, fuhr die kleine My fort. \u00bbIch w\u00fcrde dir empfehlen, diesen Teppich vor den T\u00fcrspalt zu legen. Sonst kriechen sie herein.\u00ab \u2013 \u00bbStimmt das wirklich?\u00ab, fragte der Homsa und bekam einen Klo\u00df in den Hals. \u00bbDiese Pilze, die gab\u2019s heute Morgen n\u00e4mlich noch nicht. Die hab ich erfunden.\u00ab \u2013 \u00bbSoo?\u00ab, sagte My herablassend. \u00bbAuch die Sorte, die an den Leuten hochklettert und kleben bleibt?\u00ab \u2013 \u00bbIch wei\u00df nicht\u00ab, fl\u00fcsterte der Homsa zitternd. \u2013 \u00bbMeine Oma ist schon zugewachsen\u00ab, erw\u00e4hnte die kleine My. \u00bbSie ist da im Salon. Sie sieht wie ein gro\u00dfer gr\u00fcner Haufen aus, oben gucken nur noch ihre Schnurrhaare raus. Vor die T\u00fcr kannst du auch einen Teppich legen. Falls das \u00fcberhaupt hilft.\u00ab<\/p>\n<p>Das Herz des Homsas klopfte, und seine Pfoten waren so steif, dass er es kaum schaffte, die Teppiche zusammenzurollen. Irgendwo im Haus tickte die Uhr weiter. \u00bbDieses Ger\u00e4usch, das sind die Pilze, die wachsen\u00ab, erkl\u00e4rte die kleine My. \u00bbDie wachsen, bis die T\u00fcren platzen, und dann kommen sie auf dich zugekrochen.\u00ab \u2013 \u00bbHol mich auf den Schrank rauf!\u00ab, schrie der Homsa. \u00bbHier ist kein Platz mehr\u00ab, sagte die kleine My.<\/p>\n<p>Es klopfte an die Haust\u00fcr. \u00bbKomisch\u00ab, seufzte die kleine My. \u00bbDass sie sich die M\u00fche machen, anzuklopfen, obwohl sie doch einfach hereinkommen k\u00f6nnen\u2026\u00ab Der Homsa st\u00fcrzte zum Schrank und versuchte, hochzuklettern. Es klopfte noch einmal. \u00bbMy! Es klopft!\u00ab, rief jemand im Haus. \u00bbJa, ja, ja!\u00ab, schrie die kleine My. \u00bbDie T\u00fcr ist offen. Das da, das war meine Oma\u00ab, erkl\u00e4rte sie. \u00bbUnglaublich, dass sie immer noch sprechen kann.\u00ab Der Homsa starrte die Salont\u00fcr an. Langsam \u00f6ffnete sich ein kleiner schwarzer Spalt. Der Homsa schrie und rollte sich unters Sofa. \u00bbMy\u00ab, sagte die Oma, \u00bbwie oft habe ich dir gesagt, dass du die Haust\u00fcr aufmachen sollst, wenn es klopft.\u00ab<\/p>\n<p>Die Oma war sehr alt und \u00e4rgerlich und hatte ein Nachthemd an. Sie \u00f6ffnete und sagte: \u00bbGuten Abend.\u00ab \u2013 \u00bbGuten Abend\u00ab, sagte der Homsavater. \u00bbEntschuldigen Sie. Aber haben Sie meinen Sohn gesehen, den zweitkleinsten\u2026\u00ab \u2013 \u00bbDer ist unterm Sofa!\u00ab, schrie die kleine My. \u00bbDu kannst vorkommen\u00ab, sagte der Homsavater. \u00bbIch bin dir nicht b\u00f6se.\u00ab \u2013 \u00bbSo, so, unterm Sofa\u00ab, sagte die Oma m\u00fcde. \u00bbNat\u00fcrlich ist es nett, Besuch zu bekommen, und die kleine My darf ihre Freunde gern einladen. Aber mir w\u00e4re es lieber, sie w\u00fcrden tags\u00fcber spielen.\u00ab \u2013 \u00bbEs tut mir schrecklich leid\u00ab, sagte der Vater. \u00bbN\u00e4chstes Mal kommt er bestimmt am Vormittag.\u00ab<\/p>\n<p>Der Homsa kroch unterm Sofa hervor. Er sah weder My noch ihre Oma an, sondern ging geradewegs zur T\u00fcr. Der Homsa war so gekr\u00e4nkt, dass er fast weinte. \u00bbPapa\u00ab, sagte er. \u00bbDieses M\u00e4dchen\u2026 du ahnst gar nicht\u2026 Da geh ich nie mehr hin\u00ab, fuhr er heftig fort. \u00bbSie flunkert so f\u00fcrchterlich, dass einem schlecht wird!\u00ab \u2013 \u00bbDas verstehe ich\u00ab, sagte der Vater tr\u00f6stend. Und damit gingen sie nach Hause und a\u00dfen den ganzen Nachtisch auf, der noch \u00fcbrig war.<\/p>\n<p><em>Die \u00bbGeschichten aus dem Mumintal\u00ab erscheinen im Herbst in der neuen ZEIT Edition \u00bbFantastische Geschichten f\u00fcr junge Leser\u00abWeitere Informationen auf ZEIT ONLINE: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/jungeleser\">www.zeit.de\/jungeleser<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum, oh warum muss der Homsa immer seinen dummen kleinen Bruder h\u00fcten? Und warum verstehen seine Eltern so \u00fcberhaupt gar nichts von Geschichten? Von Tove Jansson Der zweitkleinste Homsa kroch am Zaun entlang. Manchmal blieb er regungslos liegen und beobachtete den Feind zwischen den Zaunlatten hindurch. Sein kleiner Bruder kroch hinterher. 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