{"id":9966,"date":"2011-07-21T12:06:36","date_gmt":"2011-07-21T10:06:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/?p=9966"},"modified":"2011-07-21T12:06:36","modified_gmt":"2011-07-21T10:06:36","slug":"urlaub-ohne-eltern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kinderzeit\/2011\/07\/21\/urlaub-ohne-eltern_9966","title":{"rendered":"Urlaub ohne Eltern"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den USA haben Kinder im Sommer drei Monate schulfrei. Was tun sie so lange? Viele fahren in ein Ferienlager.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Catriona McLaughlin<\/em><\/p>\n<p>\u00bbIch kann es kaum erwarten, wieder im Camp zu sein\u00ab, sagt Joel. \u00bbDort kann ich Kanu fahren und mit meinen Freunden Abenteuer erleben.\u00ab Wenn der Zehnj\u00e4hrige dagegen aus seinem Zimmerfenster schaut, sieht er nichts als Stra\u00dfe und mehrst\u00f6ckige Wohnh\u00e4user. Joel wohnt mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder in einer Wohnung in New York. Wie viele Kinder in amerikanischen St\u00e4dten hat er keinen Garten, und in den gro\u00dfen Central Park darf Joel noch nicht allein gehen. W\u00e4hrend des Schuljahres st\u00f6rt es ihn nicht, hier zu leben. Aber in der Ferienzeit kann die Gro\u00dfstadt ganz sch\u00f6n langweilig sein.<\/p>\n<p>Und die Sommerferien in den USA sind lang: Drei Monate haben die Kinder schulfrei. Ihre Eltern m\u00fcssen w\u00e4hrenddessen arbeiten, sie haben oft nur zehn Tage Urlaub im Jahr. Deshalb freut sich Joel, dass er auch in diesem Sommer wieder ins Ferienlager fahren darf. Solche Lager hei\u00dfen in den USA Summer Camps und geh\u00f6ren fest zum amerikanischen Leben \u2013 so wie Burger oder Baseball. Mehr als 12.000 dieser Ferienlager gibt es in dem riesigen Land. Und jedes Jahr verbringen rund elf Millionen amerikanische Kinder ihre Ferien dort.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nJoels Camp hei\u00dft Winnebago und liegt im Bundesstaat Maine, Hunderte Kilometer von New York entfernt. Zwischen Nadelb\u00e4umen stehen hier viele kleine Holzh\u00fctten, in denen jeweils sechs bis zehn Kinder schlafen. Diese einfachen Schlafh\u00fctten sind \u00fcber Pfade mit gr\u00f6\u00dferen Haupth\u00fctten verbunden. Dort treffen sich die Kinder zum Beispiel zum gemeinsamen Essen. Es gibt au\u00dferdem einen Versammlungsplatz mit einer Feuerstelle und Spielwiesen, etwa f\u00fcr Fu\u00dfball und andere Sportwettk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Wie die meisten Camps liegt Winnebago an einem See. Dort h\u00e4lt sich Joel am liebsten auf. Hier kann er mit anderen Kindern um die Wette schwimmen oder von dem gro\u00dfen Steg aus mit einem Ruderboot das Gew\u00e4sser erkunden. Die Kinder k\u00f6nnen auch segeln oder Wasserski fahren lernen, Dinge also, die man in der Stadt nicht so einfach ausprobieren kann. Im letzten Sommer hat sich Joel am Kanufahren versucht. \u00bbDabei habe ich gelernt, dass man nie aufgeben darf. Ich habe durchgehalten, auch als ich nicht mehr konnte, und habe es geschafft, den Kanu-Aufn\u00e4her zu bekommen.\u00ab<\/p>\n<p>Solche Aufn\u00e4her erhalten die Kinder in einem Camp f\u00fcr verschiedene Aktivit\u00e4ten \u2013 das kann Kanufahren sein, aber auch das Sauberhalten der eigenen H\u00fctte. Die Abzeichen werden von den Kindern gesammelt und auf ihre Jacken gen\u00e4ht. \u00bbViele geben damit an\u00ab, sagt Joel, \u00bbich mache das auch.\u00ab Er hat bereits zw\u00f6lf Abzeichen. Diesen Sommer sollen es noch viel mehr werden.<\/p>\n<p>Auch die zehnj\u00e4hrige Brooke wird in den Ferien wieder in ein Camp fahren. Acht Wochen ist sie dann weit weg von zu Hause, nur ganz selten hat sie Kontakt zu ihren Eltern. So eine lange Trennung aushalten, wie schafft sie das? \u00bbIn der ersten Woche vermisse ich meine Familie meistens sehr\u00ab, sagt Brooke. \u00bbAber ich habe immer ein Bild von ihnen dabei und meinen Stoffhasen Hop. Au\u00dferdem k\u00fcmmern sich die Betreuer gut um mich.\u00ab<\/p>\n<p>Viele der Betreuer waren selbst als Kind im Camp und wissen, wie man Heimweh und Langeweile bek\u00e4mpft: Ob klettern, gemeinsam am Lagerfeuer singen oder Theater spielen \u2013 es ist immer etwas los. Deshalb st\u00f6rt es die meisten Kinder auch nicht, dass es in den kleinen H\u00fctten oft keinen Strom gibt. Elektronische Ger\u00e4te m\u00fcssen ohnehin abgegeben werden, wenn man das Camp betritt. Nur eine Taschenlampe d\u00fcrfen die Kinder bei sich haben. Joel macht das nicht viel aus. \u00bbIch habe meine Spielkonsole sogar noch einen Monat nach den Ferien nicht mehr angefasst, weil ich es mir so abgew\u00f6hnt hatte\u00ab, sagt er. \u00bbF\u00fcr die Zeit im Camp bringe ich mir einfach B\u00fccher mit.\u00ab<\/p>\n<p>Summer Camps haben in den USA eine lange Tradition, schon 1881, also vor 130 Jahren, wurde das erste von einem Mann namens Ernest Balch gegr\u00fcndet. Seine Idee war, dass Stadtkinder in den Ferien die Natur erleben sollen. Und dieser Gedanke ist noch heute wichtig. Das erste Camp hie\u00df Chocorua und war nur f\u00fcr Jungen aus reichen Familien gedacht. Heute gibt es ganz viele verschiedene Formen von Ferienlagern: solche nur f\u00fcr Jungen oder nur f\u00fcr M\u00e4dchen, solche f\u00fcr beide Geschlechter. Teure Camps und g\u00fcnstige. Und auch solche f\u00fcr Gl\u00e4ubige einer Religion, zum Beispiel nur f\u00fcr j\u00fcdische Kinder. Man muss auch nicht unbedingt \u00fcbernachten, es gibt sogenannte Tagescamps.<\/p>\n<p>In einem solchen verbringt Annalena ihre Ferien, tags\u00fcber ist sie im Camp, aber nachts schl\u00e4ft sie zu Hause. \u00bbW\u00fcrde ein Kind aus Deutschland kommen\u00ab, sagt Annalena, \u00bbw\u00fcrde ich ihm sagen, dass es nicht lange allein bleibt, denn man findet hier schnell Freunde.\u00ab Ihre inzwischen beste Freundin, Elisabeth, hat sie am ersten Tag im Camp kennengelernt, als die beiden zusammen in einem Boot sa\u00dfen. \u00bbWenn ich gro\u00df bin\u00ab, sagt Annalena, \u00bbm\u00f6chte ich ein Camp leiten.\u00ab Am liebsten w\u00e4re der Zehnj\u00e4hrigen eins, das das ganze Jahr \u00fcber ge\u00f6ffnet ist. Solche gibt es auch. Die Kinder kommen nach der Schule dorthin, um drau\u00dfen in der Natur zu sein. \u00bbDas Allerschlimmste am Summer Camp ist n\u00e4mlich\u00ab, sagt Annalena und seufzt, \u00bbdass es am Ende des Sommers immer vorbei ist.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA haben Kinder im Sommer drei Monate schulfrei. Was tun sie so lange? Viele fahren in ein Ferienlager. 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