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Wie „sauber“ sind die Diamanten?

 

Wie sauber sind die Diamanten?

Willkommen im Klub: Die Republik Kongo – auch Kongo-Brazzaville genannt – will seine Rohdiamanten „säubern“. Soll heißen: Das Land ist dem Kimberly-Prozess wieder beigetreten. Die Regierung in Brazzaville verpflichtet sich, die Edelsteine ab sofort einem komplizierten Prüfverfahren zu unterziehen und so zu verhindern, dass Rebellengruppen am Export mitverdienen. „Blutdiamanten“ nennt man solche Steine, wenn Milizen und Rebellen, wie vor kurzem noch in Liberia und Sierra Leone, um die Kontrolle über Diamantenfelder kämpfen und mit dem Schmuggel ihre Waffen finanzieren.
Einer internationalen Kampagne von Menschenrechtsgruppen ist es zu verdanken, dass sich Regierung und Diamantenhändler 2002 ein Kontrollsystem, den Kimberly-Prozess, beschlossen. Dem gehören inzwischen 48 Staaten, sowie die großen Diamantenfirmen und mehrere NGOs an. Dieses Triumvirat aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hat es tatsächlich geschafft, den Schmuggel mit „Konfliktdiamanten“ weitgehend lahm zu legen. Nur die Elfenbeinküste, die seit Jahren zwischen Bürgerkrieg und fragilem Frieden pendelt, gilt derzeit noch als größerer Lieferant von „Blutdiamanten“.
Also alles auf bestem Wege?
Ja und nein. Der Kimberly-Prozess ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte: zum ersten Mal haben Aktivisten der internationalen Öffentlichkeit klar gemacht, dass die horrenden Kriege in Afrika keine „uralten Stammeskonflikte“ sind, sondern viel mit der Rohstoffgier der industrialisierten Welt zu tun haben – in diesem Fall mit unserer Sitte, uns mit glitzernden Steinen zu dekorieren.
Aber erstens ist das Verfahren des Kimberley-Prozesses nicht so wasserdicht, wie es die beteiligte Industrie gern behauptet. Zweitens berührt er nicht das nächste große Problem: In vielen Exportländern – in Sierra Leone, im Kongo, in Angola – arbeiten die Schürfer in den Diamantenfelder weiterhin unter menschenunwürdigen Bedingungen. Und die nunmehr „blutfreien“ Exportgewinne kommen einer kleinen Elite zugute, nicht aber dem Aufbau der kriegszerstörten Länder und deren Bevölkerung.
Einen schweren Fall von „Elendsdiamanten“ hat nun die Organisation Partnership Africa Canada (PAC) mit einer Studie über Angola dokumentiert, einem eifrigen Teilnehmer am Kimberly-Prozess. Angolas Diamanten-Einnahmen haben sich zwischen 2002 und 2006 mehr als verdreifacht – von 45 Millionen auf 165 Millionen Dollar jährlich. Der Staatskonzern Endiama, der das Monopol für die Vergabe von Schürflizenzen besitzt, bedient vor allem internationale Firmen, die ihrerseits gut geschmierte Kontakte zur politischen Elite pflegen. Von den Einnahmen fließt fast nichts in die vom Bürgerkrieg komplett zerstörte Infrastruktur in den angolanischen Diamantenregionen.
PAC wirft der angolanischen Regierung zudem vor, den Kimberly-Prozess als Waffe gegen die verarmte Bevölkerung einzusetzen: zehntausende von Angolanern – garimpeiros genannt – schuften auf eigene Rechnung in den Diamantenfeldern und sind den Großprojekten der Endiama im Weg. Also macht man es den garimpeiros so schwer wie möglich, ihre Steine mit einem Kimberly-Zertifikat zu legalisieren. Wie? Ganz einfach: Für den einfachen Angolaner ist der Besitz von Rohdiamanten strafbar.
Was lehrt uns das?
Ein Erfolg ist ein Erfolg – und meistens legt er gleich den Blick auf das nächste Problem frei.


 

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