{"id":101,"date":"2008-06-12T13:09:42","date_gmt":"2008-06-12T11:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=101"},"modified":"2008-06-12T13:09:42","modified_gmt":"2008-06-12T11:09:42","slug":"zeit-leser-spenden-fur-frauenkrankenhaus-im-kongo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2008\/06\/12\/zeit-leser-spenden-fur-frauenkrankenhaus-im-kongo\/","title":{"rendered":"ZEIT-Leser spenden f\u00fcr Frauenkrankenhaus im Kongo"},"content":{"rendered":"<p>Es hat die ganze Nacht \u00fcber geregnet in Bukavu, die Stra\u00dfe hoch zum Panzi-Hospital ist eine Schlammfurche. Immer wieder bleiben Autos stecken, Motorr\u00e4der schliddern in den Dreck. Was soll\u2019s \u2013 man f\u00e4llt ja weich.<br \/>\nEs ist mein zweiter Besuch in dem Hospital, das f\u00fcr abertausende vergewaltigter Frauen zur letzten Hoffnung und zum Zufluchtsort geworden ist. Der erste fand im Oktober 2006 statt. Damals lernte ich <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=22\">Mama Zawadi<\/a> kennen, siebenfache Mutter aus Bunyiakiri in der Provinz S\u00fcd-Kivu, Anfang 2006 von Hutu-Rebellen entf\u00fchrt, monatelang vergewaltigt, bis ihr schlie\u00dflich, schwer verletzt, die Flucht gelang. Im <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/50\/Kongo\">Panzi-Hospital<\/a> operierten \u00c4rzte ihren verst\u00fcmmelten Unterleib, so dass sie ihren Urin und Stuhlgang wieder kontrollieren kann.<br \/>\nIm Oktober 2006, am Tag meines ersten Besuchs, war Mama Zawadi aus dem Panzi Hospital entlassen worden in eine ungewisse Zukunft, nicht wissend, ob ihre Kinder noch am Leben waren, ob die Dorfgemeinschaft sie, eine vergewaltigte und \u201ebeschmutzte\u201c Frau, wieder aufnehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Mama Zawadi veranlasste ZEIT-Online-Leser zu einer Spendenaktion. Studierende des Abendgymnasiums Frankfurt, einer UNESCO-Projektschule, trugen \u00fcber 1000 Dollar zusammen. Und weil \u00dcberweisungen in den Kongo immer noch eine h\u00f6chst komplizierte Sache sind, spiele ich den Geldboten. Doktor Denis Mukwege, Leiter des Krankenhauses, und an diesem Tag h\u00f6rbar vergrippt, quittiert mit Stempel, Unterschrift und einem \u201eMerci beaucoup\u201c den Empfang. Er f\u00e4nde es doch erstaunlich, sagt er schneuzend und schniefend, dass sich Menschen ein paar tausend Kilometer entfernt, \u201e\u00fcber den Wahnsinn hier in unserem Land\u201c Gedanken machten.<\/p>\n<p\/>\n<table cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\" border=\"0\" width=\"440\">\n<tr>\n<td>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/files\/2008\/06\/denis-mukwege.JPG\" title=\"denis-mukwege.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/files\/2008\/06\/denis-mukwege.JPG\" alt=\"denis-mukwege.JPG\" width=\"440\" \/><\/a><br \/>\n<\/tr>\n<\/td>\n<tr>\n<td style=\"font-size: 11px; border-bottom: 1px solid black; margin-top: 1px; padding-top: 1px;\">\nDr. Denis Mukwege, Leiter des Panzi-Hospital, und die Buchhalterin des Krankenhauses nehmen die Spende der ZEIT-Leser entgegen. <em>Foto: Andrea B\u00f6hm<\/em><br \/>\n<\/tr>\n<\/td>\n<\/table>\n<p>\u201eWie geht es Mama Zawadi?\u201c frage ich.<br \/>\n\u201eMama wer?\u201c Mukwege kramt in der Horrorkartei seines Ged\u00e4chtnisses nach Namen, Gesichtern und den dazugeh\u00f6rigen Verletzungen. Aber die Behandlung von Mama Zawadi ist jetzt anderthalb Jahre her, er hat seitdem \u00fcber hunderte neue Patientinnen operiert. \u201eEs sind so viele, ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern.\u201c<\/p>\n<p>Das Panzi-Hospital ist immer noch die einzige medizinische Anlaufstelle f\u00fcr vergewaltigte Frauen (und M\u00e4nner) in der Provinz S\u00fcd-Kivu. Ein zweites Krankenhaus gibt es in Goma, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Nord-Kivu. Die Kivu-Provinzen sind und bleiben die Krisenherde im Kongo. Weil sie im Grenzgebiet zu Uganda, Ruanda und Burundi liegen, sind sie beliebtes R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr Rebellen aus diesen L\u00e4ndern. Weil sie zu den rohstoffreichsten Regionen z\u00e4hlen, sind sie beliebtes Beutegebiet f\u00fcr alle m\u00f6glichen bewaffneten Gruppen, inklusive Teile der kongolesischen Armee.<\/p>\n<p>Eine gigantische Konferenz, abgehalten in Goma im Januar diesen Jahres, mitgetragen von UN, EU, den USA und der kongolesischen Regierung, versprach wieder einmal Aussicht auf Frieden. Seither l\u00e4sst sich eine vorl\u00e4ufige Befriedung  konstatieren. Doch es kommt es immer wieder zu Verletzungen des Waffenstillstandes, und das gr\u00f6\u00dfte Problem in der Region ist noch nicht ansatzweise gel\u00f6st: die Aufl\u00f6sung und Entwaffnung der FDLR-Milizen. Hinter diesem K\u00fcrzel stecken die \u201eDemokratischen Kr\u00e4fte zur Befreiung Ruandas\u201c, besser bekannt unter dem Namen \u201eInterahamwe\u201c. Jene Truppen also, die 1994 rund  800.000 Tutsi und moderate Hutu in Ruanda  ermordeten, dann \u00fcber die Grenze in den Ost-Kongo flohen und dort seither in wechselnden Allianzen die Bev\u00f6lkerung terrorisieren. Zur FDLR geh\u00f6ren l\u00e4ngst nicht mehr nur genocidaires aus Ruanda. Ihre Zahl wird heute auf 6000 Mann gesch\u00e4tzt, darunter zwangsrekrutierte kongolesische Jugendliche, aber auch Freiwillige, die den Lebensstil des pl\u00fcndernden Banditentums mit rassistischer Ausrottungsideologie (\u201eT\u00f6tet alle Tutsi\u201c) dem des unbewaffneten, bedeutungslosen D\u00f6rflers vorziehen. Auch im Ost-Kongo gibt es lange und tief sitzende Ressentiments gegen die dortige Tutsi-Minderheit.<br \/>\nDer FDLR werden nach wie vor die Mehrzahl der Vergewaltigungen in den Kivu-Provinzen zugeschrieben. Ihre Milizion\u00e4re gelten als besonders brutal. Immer wieder entf\u00fchren sie Frauen und M\u00e4dchen, weil sie in ihren St\u00fctzpunkten Haussklavinnen brauchen. Die \u00c4rzte und Psychologinnen im Panzi-Hospital haben F\u00e4lle dokumentiert, bei denen FDLR-Mitglieder Frauen Holzscheite, hei\u00df geschmolzenes Plastik oder Gewehrl\u00e4ufe in die Vagina gesto\u00dfen haben. Andere wurden zum Kannibalismus an Mitgefangenen gezwungen. Allein die Einzelheiten dieser Verbrechen aufzuschreiben, f\u00e4llt schwer &#8211;  vor allem, wenn man weiss, dass wahrscheinlich keiner dieser M\u00e4nner f\u00fcr seine Taten je zur Verantwortung gezogen wird.<\/p>\n<p>Zwanzig Minuten dauert das Gespr\u00e4ch mit Doktor Mukwege, dann muss er zur\u00fcck in die Sprechstunde. Vor seinem Behandlungszimmer hat sich eine Warteschlange von zwanzig Frauen gebildet. Ihnen geht es schon wieder so gut, dass sie aus eigener Kraft laufen k\u00f6nnen.<br \/>\nIch will dieses Mal keine Gespr\u00e4che, keine Interviews. Die Patientinnen werden oft genug besucht und ausgefragt. Kaum eine Woche vergeht ohne die Visite einer ausl\u00e4ndischen Delegation von Parlamentariern, UN-Funktion\u00e4ren oder Kirchenoberen. Einerseits zeugt das von einer zunehmend alarmierten internationalen \u00d6ffentlichkeit, was zu begr\u00fc\u00dfen ist. Andererseits st\u00f6rt es die Behandlung dieser schwer traumatisierten Frauen.<\/p>\n<p>Und sonst? Hat sich sonst nichts ver\u00e4ndert in den vergangenen anderthalb Jahren? Die Zahlen der Neuzug\u00e4nge im Panzi-Hospital sind unver\u00e4ndert hoch, bis zu zehn pro Tag. Darunter befinden sich viele Frauen, deren Vergewaltigung schon l\u00e4nger zur\u00fcck liegt, die erst jetzt vom Panzi-Hospital erfahren haben oder erst jetzt, in diesen etwas ruhigeren Zeiten, die Reise nach Bukavu wagen k\u00f6nnen. Dort erwartet sie ein f\u00fcr zentralafrikanische Verh\u00e4ltnisse gut ausgestattetes Krankenhaus. Gelder flie\u00dfen \u2013 nicht nur in Form privater Spenden wie der des Abendgymnasiums Frankfurt, sondern auch in Form von Finanzhilfen europ\u00e4ischer Regierungen.<\/p>\n<p>Die Erfolgsgeschichte des Panzi-Hospitals hat allerdings eine Schattenseite. Fast die gesamte medizinische Behandlung vergewaltigter Frauen konzentriert sich nun aus Bukavu. Viele der Patientinnen bleiben nach der Behandlung hier \u201eh\u00e4ngen\u201c. Nur wenige schaffen einen so unglaublichen Neuanfang wie Marie Louise Lunda, die nach einer Vergewaltigung vor \u00fcber einem halben Jahr mit schweren Unterleibsverletzungen hier ankam und Monate lang behandelt werden musste. Nach ihrer Genesung er\u00f6ffnete sie mit einem Kleinkredit einen Geb\u00e4ckhandel auf dem Marktplatz gleich gegen\u00fcber dem Hospital. Inzwischen lernt sie andere Frauen an, hilft der einen mit einem kleinen \u00dcberbr\u00fcckungskredit, der anderen mit einer Schnellausbildung. \u201eUnd demonstriert\u201c sagt sie, \u201ehabe ich auch schon.\u201c Im November vergangenen Jahres zogen 8000 Frauen und auch einige M\u00e4nner durch die Stra\u00dfen von Bukavu, forderten ein Ende der sexuellen Gewalt, mehr Hilfe f\u00fcr die Opfer und endlich Strafen f\u00fcr die T\u00e4ter. Nicht mehr als ein symbolischer Akt, k\u00f6nnte man sagen. Aber f\u00fcr Bukavu war es eine Sensation.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/files\/2008\/06\/poster-bukavu.JPG\" align=\"middle\" height=\"423\" width=\"366\" \/><\/p>\n<p>(&#8222;Ein echter Kerl zwingt keine Frau zum Sex&#8220; &#8211; Plakat gegen sexuelle Gewalt in Bukavu. Foto: Andrea B\u00f6hm)<\/p>\n<p>Langsam, ganz langsam kommt Hilfe auch im Hinterland an, wo die Gewalt am schlimmsten ist. Oft sind es die lokalen B\u00e4uerinnen, die sich zu einer kleinen Selbshilfegruppe zusammenschlie\u00dfen. Nur wenige internationale Organisationen, darunter <a href=\"http:\/\/www.medicamondiale.org\/projekte\/drkongo\/\">medica mondiale<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.aerzte-ohne-grenzen.de\/Laender\/Laenderauswahl\/D.R.-Kongo.php\">M\u00e9decins sans Fronti\u00e8res<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.malteser.de\/61.Malteser_International\/61.05.Projekte\/61.05.02.Afrika\/ald_projekt_liste.asp?region=1&amp;sprache=1&amp;land=demokratische%20republik%20kongo\">Malteser International<\/a>, dringen mit ihren mobilen Kliniken und Beratungsteams in die D\u00f6rfer vor. Krankenh\u00e4user in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten wie Kamituga, die dem Panzi-Hospital einige Arbeit abnehmen k\u00f6nnten und f\u00fcr viele der betroffenen Frauen sehr viel leichter zu erreichen w\u00e4ren, liegen v\u00f6llig danieder. Dezentralisierung der Hilfe \u2013 das ist die n\u00e4chste gro\u00dfe Aufgabe.<\/p>\n<p>Zahlen \u2013 nat\u00fcrlich wollen die internationalen Geldgeber, die Journalisten immer wieder Zahlen. Wie viele Frauen und M\u00e4nner sind Opfer sexueller Gewalt geworden? Wie viele kommen jeden Monat neu dazu?<br \/>\nAnderswo gibt die Polizei Statistiken \u00fcber Gewaltverbrechen heraus. Im Kongo z\u00e4hlen Polizisten oft selbst zu den T\u00e4tern. Nur die wenigsten Frauen sind mutig oder waghalsig genug, ihre Vergewaltigung zur Anzeige zu bringen. Wer Zahlen will, bekommt sie im staubigen B\u00fcro der Organisation \u201eVoix des sans voix ni libert\u00e9\u201c, der \u201eStimme f\u00fcr die ohne Stimme und Freiheit\u201c \u2013 kurz VOVOLIB. Es liegt in einer Steinbaracke hinter einem Internet-Cafe in Bukavus Innenstadt. Hier arbeiten Catherine Masimika, Jean Paul Ngongo und ein halbes Dutzend weitere Anw\u00e4lte, \u00c4rzte und Studenten. Sie dokumentieren Polizeigewalt, willk\u00fcrliche Verhaftungen, Morddrohungen gegen kritische Journalisten. Sie unterrichten das Einmaleins der Menschen-und B\u00fcrgerrechte in Schulen, an der Universit\u00e4t und in Kirchen, sie predigen, dass ein B\u00fcrger dieses Landes Rechte hat.<br \/>\nUnd sie haben 32 Frauen und M\u00e4nner in der ganzen Provinz darin geschult, F\u00e4lle von Vergewaltigung zu registrieren, die Opfer notfalls in Sicherheit zu bringen oder nach Bukavu ins Panzi-Hospital.<\/p>\n<p>Jean-Paul Ngongo, ein kleiner d\u00fcnner Jurist in viel zu gro\u00dfem Jackett, \u00fcberschl\u00e4gt die Zahlen f\u00fcr die vergangenen Jahre. 1999 wurde VOVOLIB gegr\u00fcndet, bis \u201e2005 haben wir etwa 40.000 F\u00e4lle registriert. 2007 waren es 3216.\u201c Die Dunkelziffer liegt h\u00f6her. Um wie viel? Ngongo zuckt die Schultern.<br \/>\nSie k\u00f6nnten ihre Provinz-Teams verst\u00e4rken, wenn sie ein wenig mehr Geld h\u00e4tten. \u201eMit 60.000 Dollar m\u00fcssen wir auskommen\u201c, sagt Basimika, eine 25 j\u00e4hrige Betriebswirtin, die f\u00fcr VOVOLIB die Finanzen verwaltet. Das macht 5000 Dollar im Monat. Damit lassen sich gerade mal B\u00fcromiete, Benzin-und Telefonkosten abdecken.<\/p>\n<p>Beide wirken, als h\u00e4tten sie 48 Stunden nicht geschlafen, als halte sie ein Dauerschock im Zustand ersch\u00f6pfter Wachsamkeit. Ngongo fingert die Statistiken \u00fcber Gerichtsverfahren aus seinem Ordner. Vergewaltigung wird nach kongolesischem Strafrecht mit f\u00fcnf bis 20 Jahren Haft bestraft. Das hei\u00dft nichts in einem Land mit einer notorisch korrupten Justiz. F\u00fcr 2007 haben die Mitarbeiter von VOVOLIB 64 Vergewaltigungsprozesse gez\u00e4hlt \u2013 und der Kl\u00e4gerin mit Rat und Tat und auch Personenschutz zur Seite gestanden. In vierzehn F\u00e4llen, sagt Ngongo, seien Urteile ergangen. Neun Haftstrafen wurden verh\u00e4ngt. Vier Verurteilte seien im Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nUnd die anderen?<br \/>\n\u201eHaben Richter, Polizisten oder Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter bestochen.\u201c Er zieht sein Handy aus der Tasche, klickt Text-Nachrichten der vergangenen Wochen an. Es sind unverhohlene Morddrohungen von M\u00e4nnern, die wegen Vergewaltigung angezeigt worden sind. Die meisten auf Swahili, einige auf Franz\u00f6sisch. \u201eKlage? Das werdet Ihr mit Eurem Blut bezahlen.\u201c Oder: \u201eDu kennst die Spielregeln. Jetzt gibt es keine Gnade mehr.\u201c Nach jeder Drohung gibt Ngongo die Nummer des Absenders an die Polizei weiter. Ein Ritual ohne Folgen. Dann sagt er so leise, dass ich ihn fast nicht verstehe: \u201eEine unserer Prozessbeobachterinnen ist letzte Woche ermordet worden. Sie m\u00fcssen entschuldigen, wir sind etwas durcheinander.\u201c Wabiwa Kabisuba war 27 Jahre alt, Mutter von vier Kindern, seit Jahren bei VOVOLIB aktiv, wo sie  vergewaltigte Frauen betreute und diejenigen, die ihre T\u00e4ter anzeigen wollten, zu Polizei und Gericht begleitete. Am 18. Mai, so erz\u00e4hlt Ngongo, h\u00e4tten acht Uniformierte Kabisuba gegen Mitternacht aus ihrem Haus gezerrt und erschossen.<\/p>\n<p>Die anderen Mitarbeiter von VOVOLIB \u00fcbernachten bis auf weiteres nicht mehr in ihren H\u00e4usern. Aber sie arbeiten weiter. Vor drei Tagen haben sie den Fall zweier M\u00e4dchen aufgenommen, die eine vier, die andere f\u00fcnf Jahre alt, die von ihrem Nachbarn vergewaltigt worden seien. Auch hier, sagt Ngongo, verbreite sich wie in S\u00fcdafrika der Wahn, wonach M\u00e4nner meinen, sich durch Sex mit Jungfrauen von AIDS heilen zu k\u00f6nnen. Deswegen, glaubt Ngongo, steige die Anzahl kleiner M\u00e4dchen unter den Opfern.<br \/>\nDer Nachbar der beiden M\u00e4dchen wurde ausnahmsweise prompt verhaftet. Dann gab seine Familie offenbar einen Umschlag mit Geldscheinen bei der Polizei ab. Gestern hat Jean Paul Ngongo den Mann auf der Stra\u00dfe gesehen. Einen Prozess wird es vermutlich nie geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat die ganze Nacht \u00fcber geregnet in Bukavu, die Stra\u00dfe hoch zum Panzi-Hospital ist eine Schlammfurche. Immer wieder bleiben Autos stecken, Motorr\u00e4der schliddern in den Dreck. Was soll\u2019s \u2013 man f\u00e4llt ja weich. Es ist mein zweiter Besuch in dem Hospital, das f\u00fcr abertausende vergewaltigter Frauen zur letzten Hoffnung und zum Zufluchtsort geworden ist. 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