{"id":181,"date":"2009-06-02T22:54:25","date_gmt":"2009-06-02T20:54:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=181"},"modified":"2009-06-02T22:54:25","modified_gmt":"2009-06-02T20:54:25","slug":"nieder-mit-der-entwicklungshilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2009\/06\/02\/nieder-mit-der-entwicklungshilfe\/","title":{"rendered":"Nieder mit der Entwicklungshilfe?"},"content":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=146\">Madonna<\/a> und ihren Adoptionspl\u00e4nen in Malawi gibt es nichts Neues zu berichten. Wohl aber von der &#8222;Wir-und-die-armen-Afrikaner&#8220;- Debatte. <a href=\"http:\/\/www.dambisamoyo.com\/\">Dambisa Moyo<\/a>, eine sambische Harvard-\u00d6konomin, macht in den USA und Kanada gerade Furore mit ihrem Buch &#8222;Dead Aid&#8220;, in dem sie mit der westlichen Politik einer vermeintlich falschen F\u00fcrsorge gegen\u00fcber Afrika abrechnet.<\/p>\n<p>Wer sich ein wenig mit der Debatte um Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe befasst, wird sich erinnern, dass vor vier Jahren schon einmal ein afrikanischer \u00d6konom, der Kenianer <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/international\/spiegel\/0,1518,druck-363663,00.html\">James Shikwati<\/a>, Hilfsgelder an afrikanische Staaten f\u00fcr Gift erkl\u00e4rte. Moyos Argumente lauten \u00e4hnlich: Entwicklungshilfe bef\u00f6rdere eine Mentalit\u00e4t der Abh\u00e4ngigkeit, n\u00e4hre Korruption und gewaltt\u00e4tige Konflikte, halte L\u00e4nder in Armut statt sie daraus zu befreien. Kurzum: Sie verursache mehr Schaden als Nutzen. Stoppt die Hilfe &#8211; so die Schlussfolgerung &#8211; und die Afrikaner lernen ganz schnell, sich selbst zu helfen, auf die Kr\u00e4fte des freien Marktes und auf den Handel mit China zu setzen.<\/p>\n<p>Die Praxis der Entwicklungshilfe kann einen oft zur Weissglut bringen, aber Moyo \u00fcbersieht mit ihren ebenso plakativen wie provokanten Thesen ein paar wesentliche Details:  Der freie (Finanz)markt hat soeben der Welt und vor allem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/23\/Afrika\">Afrika<\/a> einen schweren Schlag in die Magengrube verpasst; Chinas wirtschaftlicher Segen in afrikanischen L\u00e4ndern ist h\u00f6chst umstritten; und dass Entwicklungshilfe gewaltt\u00e4tige Konflikte bef\u00f6rdert, hat bislang noch niemand nachweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Interessanter wird es, wenn sich Moyo die wei\u00dfe Pop-und Film-Prominenz vorkn\u00f6pft, unter anderem U2-S\u00e4nger Bono, den Schutzheiligen der &#8222;Save Africa&#8220;-Bewegung.<\/p>\n<p><em>&#8222;T<\/em><em>hey have become the de facto faces of Africa. The fact that they globally are viewed as the people defining the policy agenda, attending the G8 and the G20, is completely absurd.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Moyo emp\u00f6rt sich dabei nicht nur \u00fcber die fehlende demokratische Legitimation solcher selbst ernannter Vertreter der Armen. Sie emp\u00f6rt sich &#8211; wie in diesem <a href=\"http:\/\/www.nationalpost.com\/news\/canada\/story.html?id=1647433\">Interview <\/a>mit der kanadischen Zeitung <em>National Post<\/em> &#8211; auch \u00fcber afrikanische Regierungen, die sich das gefallen lassen.<\/p>\n<p><em>&#8222;We, as Africans and as a global society, should want to hear from the African governments &#8212; what their plan is, what their strategy is. I don&#8217;t want to hear from the celebrity about what they think Africans should be doing any more than a Canadian would want to hear from Michael Jackson about the credit crisis.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was nicht heisst, dass sich jeder afrikanische Regierungchef oder jede Regierungschefin von irischen Rocks\u00e4ngern erz\u00e4hlen l\u00e4sst, wo es lang gehen soll. Ellen Johnson-Sirleaf, Pr\u00e4sidentin von Liberia, hat unl\u00e4ngst in der <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/wp-dyn\/content\/article\/2009\/04\/08\/AR2009040803599_pf.html\">&#8222;Washington Post&#8220;<\/a> beschrieben, dass Afrika eben nicht nur aus Fl\u00fcchtlingen in Darfur, Piraten in Somalia und Diktatoren in Zimbabwe besteht. Sondern auch aus L\u00e4ndern wie &#8222;Ghana, Tanzania, Mozambique und Liberia, in denen sich leise eine Wende zum Besseren vollzieht.&#8220;  Afrika, sagt Johnson-Sirleaf,  dazu geh\u00f6rten auch 34 Millionen Kinder, die seit 2000 eingeschult worden sind, dazu geh\u00f6rten sinkende Malaria-Raten in Ruanda, \u00c4thiopien und Sansibar und sinkende Armutsraten. Nicht alles, aber einiges davon ist \u00fcbrigens das Ergebnis vern\u00fcnftiger Entwicklungshilfe.<\/p>\n<p>All diese Fortschritte sind durch die Weltwirtschaftskrise gef\u00e4hrdet, f\u00fcr die die afrikanischen L\u00e4nder am allerwenigsten k\u00f6nnen. &#8222;Eine bittere Ironie&#8220;, sagt Johnson-Sirleaf. Sie fordert besser abgestimmte internationale Hilfe, mehr Direktinvestitionen und vor allem faire Handelsbeziehungen. Letzteres verlangt auch Moyo und  weist darauf hin, dass fairer Handel nicht nur darin besteht, \u00f6kologisch und politisch korrekten Tee aus dem Dritte-Welt-Laden zu kaufen. Fairer Handel &#8211; das hie\u00dfe, westliche M\u00e4rkte f\u00fcr afrikanische Agrarprodukte zu \u00f6ffnen und Subventionen an unsere Bauern zu stoppen. Das hie\u00dfe, Afrikas M\u00e4rkte nicht mehr mit unseren Altkleider zu \u00fcberschwemmen.  Faire Wirtschaftsbeziehungen hie\u00dfe, europ\u00e4ische Fangflotten zur\u00fcck zu pfeiffen, bevor sie Afrikas K\u00fcstengew\u00e4sser endg\u00fcltig leer gefischt haben. All diese Schritte w\u00fcrden afrikanische Volkswirtschaften tats\u00e4chlich sehr viel schneller und nachhaltiger voran bringen als Entwicklungshilfe.  Aber sie w\u00fcrden dem Westen &#8211; also uns &#8211; auch sehr viel mehr weh tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Madonna und ihren Adoptionspl\u00e4nen in Malawi gibt es nichts Neues zu berichten. Wohl aber von der &#8222;Wir-und-die-armen-Afrikaner&#8220;- Debatte. 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