{"id":192,"date":"2009-06-05T00:48:40","date_gmt":"2009-06-04T22:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=192"},"modified":"2009-06-05T00:48:40","modified_gmt":"2009-06-04T22:48:40","slug":"obama-der-islam-und-sudan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2009\/06\/05\/obama-der-islam-und-sudan\/","title":{"rendered":"Obama, der Islam und Sudan"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es noch Zweifel gab, sind sie nach der <a href=\"http:\/\/www.whitehouse.gov\/the_press_office\/Remarks-by-the-President-at-Cairo-University-6-04-09\/\">Rede<\/a> von Kairo beseitigt: Zumindest als Rhetoriker ist Barack Obama ein Weltpr\u00e4sident. Der Mann kann in jeder Ecke dieser Erde das Gef\u00fchl vermitteln, dort zuhause zu sein, ohne sich anzubiedern. Er kann sich mit den Opfern eines jeden Menschheitsverbrechens und jedweder Unterdr\u00fcckung solidarisieren &#8211; zuletzt in der T\u00fcrkei mit Armeniern, jetzt mit Juden und Pal\u00e4stinsern &#8211; ohne politisch beliebigen Mitleidskitsch zu betreiben wie sein Vorvorg\u00e4nger Bill Clinton. Obama mag man nicht einmal \u00fcbel nehmen, dass ganz Kairo unter Hausarrest gestellt schien, w\u00e4hrend er in der Universit\u00e4t von Freiheit und Demokratie redete. Im Gegenteil: das ist die hohe Kunst des politischen Jiu-Jitsu. Obama erwies \u00c4gyptens Pr\u00e4sident Hosni Mubarak minimale diplomatische H\u00f6flichkeit &#8211; und dem\u00fctigte den altersstarren Herrscher eines Polizeistaats dann mit einer Rede wider die Repression. Eine Rede, wohl gemerkt, in der er seinem eigenen Land, den USA, ausdr\u00fccklich den Anspruch der Unfehlbarkeit nahm.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt &#8211; es war strategisch brilliant, ausgerechnet die Hauptsstadt eines arabischen Landes auszuw\u00e4hlen, um muslimische Holocaust-Leugner, j\u00fcdische Extremisten und amerikanische Rachefanatiker an den Pranger zu stellen. Was auch immer an realer Politik auf diese Rede folgen wird: f\u00fcr 55 Minuten hat Obama eine Internationale der Moderaten und Liberalen aller Religionen heraufbeschworen.<\/p>\n<p>Gibt&#8217;s also irgendetwas zu kritisieren an diesem beeindruckenden Auftritt? Ja &#8211; und das nicht, weil Journalisten immer meckern m\u00fcssen. Obama hat endringlich von allen Konfliktparteien im Nahen und Mittleren Osten Respekt f\u00fcr die historischen Traumata der jeweiligen Feinde eingefordert. Denn nur wer anerkennt, was der <em>Andere<\/em> in seiner Geschichte erlitten hat, kann irgendwann Frieden schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Aber er hat es leider unterlassen, eine der gr\u00f6\u00dften, aktuellen Katastrophen ausf\u00fchrlich zu benennen: die Verbrechen in Darfur und die Gefahr eines neuen Krieges im S\u00fcdsudan. Darfur erw\u00e4hnte er zusammen mit Bosnien nur in einem Satz.<\/p>\n<p>Nun geht es nicht darum, dass Obama in Kairo die komplette Liste aktueller Gr\u00e4ueltaten h\u00e4tte verlesen sollen. Aber der Sudan ist \u00c4gyptens Nachbar, und das Schweigen der arabischen Staaten zu diesem Menschheitsverbrechen in den eigenen Reihen ist der gr\u00f6\u00dfte Skandal in dieser Region. Als der Internationale Strafgerichtshof Anfang M\u00e4rz Haftbefehl gegen den sudanesischen Pr\u00e4sidenten Omar al-Bashir erlie\u00df, wurde dieser wenige Tage sp\u00e4ter von Hosni Mubarak in Kairo in die Arme geschlossen &#8211; eine demonstrative Missachtung der internationalen Strafjustiz und des Leidens der Darfuris. Ein paar deutlichere S\u00e4tze von Barack Obama h\u00e4tte ich mir dazu gew\u00fcnscht in dieser Rede von Kairo: dass, wer wortreich das Leiden der Pal\u00e4stinenser beklagt, zum Leiden der Darfuris nicht schweigen kann. Ein passendes Zitat aus dem Koran h\u00e4tte Obama sicher auch gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es noch Zweifel gab, sind sie nach der Rede von Kairo beseitigt: Zumindest als Rhetoriker ist Barack Obama ein Weltpr\u00e4sident. Der Mann kann in jeder Ecke dieser Erde das Gef\u00fchl vermitteln, dort zuhause zu sein, ohne sich anzubiedern. 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