{"id":23,"date":"2006-11-08T20:03:18","date_gmt":"2006-11-08T18:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=23"},"modified":"2006-11-08T20:03:18","modified_gmt":"2006-11-08T18:03:18","slug":"here-come-the-marines","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/08\/here-come-the-marines\/","title":{"rendered":"Here Come The Marines"},"content":{"rendered":"<p>M\u00f6ge der Blitz alle Moskitos von Kinshasa erschlagen. Denn es war eine Hauptstadtm\u00fccke, die mir die Malaria verpasst hat. &#8222;C&#8217;est positif&#8220;, sagt der Laborant in Bukavu und dr\u00fcckt mir das Testergebnis in die Hand: Malaria Tropica, im Volksmund &#8222;le palu&#8220; genannt. Ein sehr freundlich klingender Spitzname f\u00fcr dieses Biest.<br \/>\nDas Gef\u00fchl m\u00fcder Knochen vor zwei Tagen hatte ich noch als normale Begleiterscheinung einer Kongo-Reise abgetan, das Fieber und die Gliederschmerzen in der vergangenen Nacht sind eindeutige Symptome. Meiner Interviewpartnerin f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen sage ich mit kl\u00e4glicher Stimme ab, worauf diese mir nicht nur gute Besserung w\u00fcnscht, sondern spontan erkl\u00e4rt: &#8222;In einer Viertelstunde hole ich Sie ab und bringe Sie ins Labor.&#8220; Mein Gl\u00fccksfall heisst Ursula Mesmer, Krankenschwester aus Z\u00fcrich und Mitarbeiterin von Malteser International in Bukavu, die nicht nur ein Auto hat, sondern auch die richtige Adresse wei\u00df: &#8222;Biosadec&#8220;, ein Gesundheitszentrum an der Ausfallstrasse zur ruandischen Grenze. Abgesehen davon, dass die Zimmerdecken vom Regen durchweicht sind, l\u00e4uft hier alles sauber und effizient ab. Der Bluttest kostet einen Dollar. Das k\u00f6nnen sich auch manche Kongolesen leisten. Der Preis f\u00fcr die Anti-Malariamittel in meiner Reiseapotheke hingegen entspricht hier sechs Monatsgeh\u00e4ltern. Die n\u00e4chsten drei Tage fahre ich das gesamte Arsenal auf: t\u00e4glich vier Tabletten hinunterkippen und &#8222;Here come the Marines&#8220; hinterherrufen.<br \/>\nNach zwei Tagen sind Fieber und Gliederschmerzen verschwunden, in der dritten Nacht tr\u00e4ume ich von Schokolade, am dritten Morgen bin ich wieder auf den Beinen, wenn auch im Tempo einer Greisin. &#8222;1:0 f\u00fcr die Marines&#8220;, denke ich und fliege weiter nach Bunia im Nordosten des Kongo, wo mich nachts ein Hustenanfall nach dem anderen durchr\u00fcttelt.<br \/>\nAlso sitze ich am n\u00e4chsten Morgen im Wartezelt des Hospitals von &#8222;Medecins Sans Frontieres&#8220; und werde von Dutzenden kongolesischer M\u00fctter gemustert, die mit ihren Kindern auf den Arzt warten, und sich vermutlich denken: &#8222;Seit wann werden hier die Weissen krank?&#8220;<br \/>\n&#8222;Husten?&#8220; fragt kurz darauf der Arzt. &#8222;Das ist eine Nebenwirkung der Malaria-Tabletten. Machen Sie sich mal keine Sorgen.&#8220; Ich schleiche halb erleichtert halb besch\u00e4mt wie ein ertappter Hypochondrier zum Ausgang, wo sonnenbebrillte Jugendliche mit Motorradtaxis auf Kunden warten.<br \/>\nViele sind ehemalige Milizion\u00e4re, die noch vor ein paar Jahren die Stadt in Schutt und Asche gelegt haben. Das Taxigesch\u00e4ft ist ihr Wiedereinstieg in ein Leben ohne Kalaschnikow. &#8222;Gegen Malaria weiss ich was&#8220;, sagt John, der ein chinesisches &#8222;Senke&#8220;-Motorrad f\u00e4hrt und eine M\u00fctze mit Kabila-Aufkleber tr\u00e4gt, was mein m\u00fcdes Hirn daran erinnert, dass hier Wahlen stattgefunden haben. &#8222;Nehmen Sie Chinin, bis Ihnen so richtig schlecht wird. Dann ist das alles kein Problem.&#8220; Ich bedanke mich f\u00fcr den Tip und gebe ihm Trinkgeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6ge der Blitz alle Moskitos von Kinshasa erschlagen. 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