{"id":24,"date":"2006-11-16T17:23:58","date_gmt":"2006-11-16T15:23:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=24"},"modified":"2006-11-16T17:23:58","modified_gmt":"2006-11-16T15:23:58","slug":"fragile-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/16\/fragile-demokratie\/","title":{"rendered":"Fragile Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Siegesfeier sah das nicht aus: Als der Vorsitzende der Unabh\u00e4ngigen Wahlkomission, Apollinaire Malu Malu, am Abend das vorl\u00e4ufige Endergebnis der Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Fernsehen verk\u00fcndete, hatten sich die Einwohner von Kinshasa in ihren H\u00e4usern verschanzt und auf den Stra\u00dfen patrouillierten kongolesische Polizei, UN-Blauhelme, Soldaten der EUFOR. Mit 58 Prozent der Stimmen hat Joseph Kabila die Stichwahl um das Pr\u00e4sidentenamt im Kongo deutlicher als erwartet gewonnen. Doch die Hauptstadt ist noch immer eine Hochburg seines Erzrivalen Jean-Pierre Bemba \u2013 und damit f\u00fcr feindliches Territorium den 35j\u00e4hrigen Staatschef. Die Frage ist nun: Akzeptiert Bemba das Ergebnis ? Und welchen \u201eTrostpreis\u201c wird er verlangen?<\/p>\n<p>F\u00fcrs erste h\u00e4lt sich der ehemalige Warlord alle Optionen offen, auch die der Gewalt. Am vergangenen Samstag demonstrierten einige seiner Anh\u00e4nger bei einer Schie\u00dferei mit der Polizei in Kinshasa, dass sie ihr Waffenarsenal weiter aufgestockt haben. Vier Menschen starben, nach offiziellen Angaben.<\/p>\n<p>Bemba selbst lie\u00df inzwischen verlautbaren, dass er das Ergebnis nicht akzeptiere und \u201emit allen Mitteln\u201c anfechten werde. Die Wahlkommission muss nun diverse Klagen \u00fcber Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten und Manipulation pr\u00fcfen. Sprecher von Bembas Wahlb\u00fcndnis hatten bereits am Dienstag erkl\u00e4rt, ihr Kandidat habe nach eigenen Z\u00e4hlungen 52 Prozent der Stimmen und damit die Pr\u00e4sidentschaft gewonnen. Sollte die Wahl \u201egestohlen\u201c werden, f\u00fchle man sich nicht mehr an jene Abmachungen gebunden, in denen sich beide Kandidaten vor der Stichwahl verpflichtet hatten, sowohl das Wahlergebnis als auch die k\u00f6rperliche Unversehrtheit des Gegners zu respektieren. Kabilas Pr\u00e4sidentengarde und Bembas Privatarmee hatten sich im August, wenige Wochen nach dem ersten Wahlgang, im Diplmatenviertel Gombe einen mehrt\u00e4gigen Minikrieg mit mindestens 23 Toten geliefert.<\/p>\n<p>Internationale Beobachter haben die Stichwahl und die Ausz\u00e4hlung der Stimmen bislang gelobt. Das amerikanische Carter Center, das regelm\u00e4\u00dfig Wahlbeobachter in Krisenregionen entsendet, zeigte sich zuversichtlich, dass die von den Wahlkommission verk\u00fcndeten Zahlen mit den Ausz\u00e4hlungsergebnissen der einzelnen Wahllokale \u00fcbereinstimmten. Blo\u00df ist damit noch nicht der Vorwurf aus dem Bemba-Lager gekl\u00e4rt, dass in vielen Kabila-treuen Wahlkreisen zus\u00e4tzliche W\u00e4hlerlisten aufgetaucht und angeblich verd\u00e4chtig viele Wahlzettel von Bemba-Anh\u00e4ngern f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt worden waren.<br \/>\nIn den Strassen der Hauptstadt bleibt die Stimmung extrem angespannt. Europ\u00e4ische und afrikanische Diplomaten versuchen seit Tagen, Bemba dazu zu bewegen, einen hohen Ministerposten in der neuen Regierung zu \u00fcbernehmen, die bis Ende des Jahres gebildet werden soll. Nach Berichten des britischen \u201eGuardian\u201c hat Kabila seinem Gegner den Posten des Premierministers angeboten, was dieser jedoch abgelehnt habe. Offensichtlich ist das Lager Bembas gespalten in eine verhandlungsbereite und eine militante Fraktion, die sich notfalls mit Gewalt holen m\u00f6chte, was sie durch Wahlen offenbar nicht bekommen hat: die Macht.<\/p>\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher erscheint es, dass die Mitgliedsl\u00e4nder der Europ\u00e4ische Union, allen voran Deutschland, weiterhin glauben, die Mission der EUFOR wie vorgesehen zum 30. November diesen Jahres \u201eerfolgreich\u201c abschliessen zu k\u00f6nnen. Auf Bitten der Vereinten Nationen hatte die EU zur Absicherung der Wahlen Truppen in die Hauptstadt Kinshasa entsandt, darunter auch \u00fcber 700 Bundeswehr-Soldaten. Hilfsorganisationen wie Oxfam International haben an die EU appelliert, die Mission mindestens bis zum Februar 2007 zu verl\u00e4ngern. Ein voreiliger Abzug, so Oxfam, k\u00f6nnte ein fatales Signal senden, den ohnehin fragilen Wahlprozess gef\u00e4hrden und zu neuer Gewalt f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Siegesfeier sah das nicht aus: Als der Vorsitzende der Unabh\u00e4ngigen Wahlkomission, Apollinaire Malu Malu, am Abend das vorl\u00e4ufige Endergebnis der Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Fernsehen verk\u00fcndete, hatten sich die Einwohner von Kinshasa in ihren H\u00e4usern verschanzt und auf den Stra\u00dfen patrouillierten kongolesische Polizei, UN-Blauhelme, Soldaten der EUFOR. 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