{"id":25,"date":"2006-11-23T16:47:28","date_gmt":"2006-11-23T14:47:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=25"},"modified":"2006-11-23T16:47:28","modified_gmt":"2006-11-23T14:47:28","slug":"ultimatum-in-kinshasa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/","title":{"rendered":"Ultimatum in Kinshasa"},"content":{"rendered":"<p>Die gute Nachricht zuerst: Nach Angaben der BBC haben die ersten Mitglieder der Privatarmee von Jean-Pierre Bemba Kinshasa verlassen. Joseph Kabila, Gewinner der Pr\u00e4sidentschaftswahlen und derzeit noch Oberhaupt der \u00dcbergangsregierung, hatte gestern ein Ultimatum gesetzt: Bis Freitag m\u00fcssen Bembas Truppen aus Kinshasa verschwunden sein. Sonst, so Kabila, w\u00fcrde die kongolesische Armee sie mit Gewalt aus der Hauptstadt entfernen. Den Ausgang eines solchen Kampfes k\u00f6nnen sich die Kinois, die Bewohner von Kinshasa, schon jetzt mit Grauen ausmalen.<br \/>\nKongolesisches Milit\u00e4r ist inzwischen an mehreren strategisch wichtigen Punkten der Stadt aufmarschiert \u2013 unter anderem rund um rauchgeschw\u00e4rzten Mauern des Obersten Gerichtshofs. Drinnen sollen in diesen Stunden Richter \u00fcber den Einspruch Bembas gegen das vorl\u00e4ufige Ergebnis der Stichwahl vom 30. Oktober beraten, die Kabila nach Angaben der Wahlkommission mit 58 Prozent der Stimmen gewonnen hat. Am Dienstag hatten sich bewaffnete Anh\u00e4nger Bembas vor dem Gericht eine Schie\u00dferei mit der Polizei geliefert, Teile des Geb\u00e4udes gepl\u00fcndert und in Brand gesetzt. Richter flohen mit wehenden Roben aus den Flammen, w\u00e4hrend UN-Soldaten die Menge mit Sch\u00fcssen in die Luft auseinandertrieben.<br \/>\nKabilas Ultimatum ist nicht nur eine massive Drohung gegen Bemba, sondern auch ein klarer Affront gegen die UN-Mission. Denn das Ultimatum war nicht etwa an Bemba direkt adressiert, sondern an den Leiter der UN-Mission, den Amerikaner William Swing. Dem hatte Kabila am Mittwoch erkl\u00e4rt, die UN habe 48 Stunden Zeit, Bembas Truppen aus Kinshasa zu entfernen.<br \/>\nSeit den schweren K\u00e4mpfen in Kinshasa im August, die Bemba vermutlich proviziert hat und in deren Verlauf mindestens 23 Menschen get\u00f6tet wurden, hat sich das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Lager Kabilas und der Internationalen Gemeinschaft merklich abgek\u00fchlt. Damals waren bei einem Angriff von Kabila-treuen Truppen auf die Residenz Bembas auch UN-Chef Swing und 14 ausl\u00e4ndische Botschafter unter Beschuss geraten. Die folgende internationale Kritik und den Umstand, dass Bembas Haus seither von UN-Panzern bewacht wird, nimmt man im Amtssitz des kongolesischen Pr\u00e4sidenten offenbar sehr \u00fcbel.<br \/>\nWie es nun weiter geht, vermag niemand zu sagen. Wom\u00f6glich hat Bemba eingesehen, dass er eine gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzung zwar nicht verlieren, aber auch nicht gewinnen kann. Wom\u00f6glich sind die ersten 50 K\u00e4mpfer, die nun aus Kinshasa in das 80 Kilometer entfernte Maluku verlegt worden sind, nicht mehr als ein T\u00e4uschungsman\u00f6ver. Bemba stehen als Vizepr\u00e4sidenten der \u00dcbergangsregierung, der er nominell immer noch ist, 100 bewaffnete Leibw\u00e4chter zu. Tats\u00e4chlich hat er wohl um die tausend Mann unter Waffen und kann offenbar jederzeit Verst\u00e4rkung aus Brazzaville, der Hauptstadt des Nachbarlandes mit dem verwirrend \u00e4hnlichen Namen Republik Kongo holen.<br \/>\nAuch Kabila hat weiterhin \u00fcber 10.000 Mann der Pr\u00e4sidentengarde unter seinem direkten Befehl \u2013 eine quasi-Privatarmee, an deren Entwaffnung er nicht im Traum denkt.<br \/>\nAbwarten und Lebensmittel horten, hei\u00dft jetzt die Devise in Kinshasa. Und hoffen: Vielleicht bleibt es einigermassen ruhig, vielleicht tritt Kabila tats\u00e4chlich am 10. Dezember (was, oh Ironie, auch noch der internationale Tag der Menschenrechte ist) sein Amt an und bildet bis Ende des Jahres eine Regierung unter Einbindung des ehemaligen Warlords  und mutmasslichen Kriegsverbrecher Jean-Pierre Bemba. Im Kongo nennt man so etwas best case scenario.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gute Nachricht zuerst: Nach Angaben der BBC haben die ersten Mitglieder der Privatarmee von Jean-Pierre Bemba Kinshasa verlassen. Joseph Kabila, Gewinner der Pr\u00e4sidentschaftswahlen und derzeit noch Oberhaupt der \u00dcbergangsregierung, hatte gestern ein Ultimatum gesetzt: Bis Freitag m\u00fcssen Bembas Truppen aus Kinshasa verschwunden sein. Sonst, so Kabila, w\u00fcrde die kongolesische Armee sie mit Gewalt aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":56,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[194],"tags":[],"class_list":["post-25","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wahl-in-kongo"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die gute Nachricht zuerst: Nach Angaben der BBC haben die ersten Mitglieder der Privatarmee von Jean-Pierre Bemba Kinshasa verlassen. Joseph Kabila, Gewinner der Pr\u00e4sidentschaftswahlen und derzeit noch Oberhaupt der \u00dcbergangsregierung, hatte gestern ein Ultimatum gesetzt: Bis Freitag m\u00fcssen Bembas Truppen aus Kinshasa verschwunden sein. Sonst, so Kabila, w\u00fcrde die kongolesische Armee sie mit Gewalt aus [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"B\u00f6hms Logbuch\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2006-11-23T14:47:28+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Andrea B\u00f6hm\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Andrea B\u00f6hm\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"3\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/\",\"name\":\"Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#website\"},\"datePublished\":\"2006-11-23T14:47:28+00:00\",\"dateModified\":\"2006-11-23T14:47:28+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/8e81295aad2a4133fd079a00d5889c53\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Ultimatum in Kinshasa\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#website\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/\",\"name\":\"B\u00f6hms Logbuch\",\"description\":\"Von Kabul bis Kinshasa\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/8e81295aad2a4133fd079a00d5889c53\",\"name\":\"Andrea B\u00f6hm\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7b2f270f90084490fc5cb03eb7c82fe7a861182b7fa410f87081d5cc1be35b42?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7b2f270f90084490fc5cb03eb7c82fe7a861182b7fa410f87081d5cc1be35b42?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"Andrea B\u00f6hm\"},\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/author\/andrea-boehm\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch","og_description":"Die gute Nachricht zuerst: Nach Angaben der BBC haben die ersten Mitglieder der Privatarmee von Jean-Pierre Bemba Kinshasa verlassen. Joseph Kabila, Gewinner der Pr\u00e4sidentschaftswahlen und derzeit noch Oberhaupt der \u00dcbergangsregierung, hatte gestern ein Ultimatum gesetzt: Bis Freitag m\u00fcssen Bembas Truppen aus Kinshasa verschwunden sein. Sonst, so Kabila, w\u00fcrde die kongolesische Armee sie mit Gewalt aus [&hellip;]","og_url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/","og_site_name":"B\u00f6hms Logbuch","article_published_time":"2006-11-23T14:47:28+00:00","author":"Andrea B\u00f6hm","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Geschrieben von":"Andrea B\u00f6hm","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"3\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/","name":"Ultimatum in Kinshasa - B\u00f6hms Logbuch","isPartOf":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#website"},"datePublished":"2006-11-23T14:47:28+00:00","dateModified":"2006-11-23T14:47:28+00:00","author":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/8e81295aad2a4133fd079a00d5889c53"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2006\/11\/23\/ultimatum-in-kinshasa\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Ultimatum in Kinshasa"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#website","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/","name":"B\u00f6hms Logbuch","description":"Von Kabul bis Kinshasa","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/8e81295aad2a4133fd079a00d5889c53","name":"Andrea B\u00f6hm","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7b2f270f90084490fc5cb03eb7c82fe7a861182b7fa410f87081d5cc1be35b42?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/7b2f270f90084490fc5cb03eb7c82fe7a861182b7fa410f87081d5cc1be35b42?s=96&d=mm&r=g","caption":"Andrea B\u00f6hm"},"url":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/author\/andrea-boehm\/"}]}},"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/users\/56"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}