{"id":255,"date":"2009-07-09T16:36:08","date_gmt":"2009-07-09T14:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=255"},"modified":"2009-07-09T16:36:08","modified_gmt":"2009-07-09T14:36:08","slug":"better-news-from-congo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2009\/07\/09\/better-news-from-congo\/","title":{"rendered":"Better News from Congo"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.nachtwei.de\/index.php\/articles\/news\/858\">\u201eBetter News statt Bad News\u201c<\/a> \u2013 so nennt Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen im Bundestag, seinen Rundbrief \u00fcber das, was in Afghanistan au\u00dfer Selbstmordanschl\u00e4gen und Gefechten mit den Taliban passiert. Das ist eine ganze Menge: unter die Rubrik &#8222;Bessere Nachrichten&#8220; fallen die beste Getreideernte seit 30 Jahren, ein r\u00fcckl\u00e4ufiger Mohnanbau, ein Innenminister, der es offensichtlich ernst meint mit dem Kampf gegen Korruption und Drogenschmuggel, und deutsche Entwicklungsexperten vor Ort, die trotz kritischer Sicherheitslage nicht weniger sondern mehr Aufbauprojekte fordern. Mit Sch\u00f6nf\u00e4rberei haben Nachtweis \u201eBetter News\u201c nichts zu tun. Er kennt Afghanistan so gut wie kaum ein anderer Politiker. Die Entwicklung dort beschreibt er als \u201ekomplex und uneindeutig\u201c \u2013 und es fuchst ihn, dass Journalisten dank ihrer Obsession mit Milit\u00e4r, Bomben und Krieg dieses Land zum \u201ehoffnungslosen Fall\u201c erkl\u00e4rt haben. Wer sich also ein genaueres Bild von der Lage zwischen Kunduz und Kandahar machen will, wird diese Lekt\u00fcre sch\u00e4tzen \u2013 und sehr bedauern, dass Nachtwei nach 15 Jahren aus dem Parlament ausscheidet.<\/p>\n<p>\u201eBetter News\u201c oder: \u201eUneindeutig und komplex\u201c \u2013 diese Rubrik gibt es ab sofort auch aus dem Kongo. Die Berichterstattung \u00fcber dieses Land f\u00e4llt zwar sehr viel sp\u00e4rlicher als \u00fcber Afghanistan. Aber auch im Fall Kongo hat sich die mediale Wahrnehmung auf einige wenige Aussagen reduziert: es ist hei\u00df, es gibt viele Rebellen und viele vergewaltigte Frauen. Alles richtig, und in seiner Ausschlie\u00dflichkeit doch v\u00f6llig falsch.<br \/>\nDeshalb also &#8211; frei nach Erich K\u00e4stner &#8211; nicht die Frage: Wo bleibt das Positive? Sondern: Wo bleibt das\u00a0 Komplexe?<br \/>\nFangen wir im Ostkongo an. \u00dcber die <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=234\">Milit\u00e4rkampagne<\/a> gegen die Hutu-Rebellen der FDLR (Forces d\u00e9mocratiques de lib\u00e9ration du Rwanda) mit ihren verheerenden Folgen f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.hrw.org\/en\/news\/2009\/07\/02\/dr-congo-massive-increase-attacks-civilians\">Zivilbev\u00f6lkerung <\/a>wurde in den vergangenen Wochen einiges berichtet.<br \/>\nDagegen liest und h\u00f6rt man fast nichts \u00fcber das politische Tauwetter zwischen dem Kongo und Ruanda, das auf die gesamte Region der Gro\u00dfen Seen ausstrahlen kann. Nicht nur auf nationaler, auch auf Provinzebene l\u00e4uft die Zusammenarbeit zwischen dem Kongo, Ruanda, Burundi und Uganda inzwischen deutlich besser. In der ehemals schlimmsten Kriegsregion seit 1945 lebt langsam der alte Traum von einer <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/afrika\/artikel\/1\/die-zaeune-fallen\/\">Handelszone<\/a> ohne Schlagb\u00e4ume, Z\u00f6lle und Steuerschranken wieder auf. Handel statt Schmuggel, freier Grenzverkehr statt latentem Kriegszustand.<br \/>\nUnd was passiert \u201eganz unten\u201c in den St\u00e4dten und D\u00f6rfern? Kamituga, die v\u00f6llig auf den Hund gekommene Bergwerksstadt in S\u00fcd-Kivu, war 2006 fast v\u00f6llig vom Stra\u00dfenverkehr in die Provinzhauptstadt Bukavu abgeschnitten. S\u00e4mtliche Waren mussten mit altersschwachen Antonows f\u00fcr teures Geld eingeflogen werden. Ins \u00f6rtliche <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=4\">Krankenhaus<\/a> gingen die Leute h\u00f6chstens noch zum Sterben, und wer nach der Behandlung doch wieder nach Hause wollte, den sperrten die \u00c4rzte ein, bis die Rechnung bezahlt war.<br \/>\nDrei Jahre sp\u00e4ter ist die Stadt ist immer noch mehr Krisengebiet als Lebensraum. Aber inzwischen gibt es wieder eine Stra\u00dfe nach Bukavu, und ein Team von Cap Anamur baut in m\u00fchseliger Kleinarbeit das Krankenhaus wieder auf. Wie das aussieht, hat der Fotograf J\u00fcrgen Escher eindrucksvoll <a href=\"http:\/\/www.juergenescher.de\/galerien\/081203_kamituga_kongo\/\">dokumentiert<\/a>. Ebenfalls empfehlenswert die Erfahrungsberichte der \u00c4rzte auf der <a href=\"http:\/\/www.cap-anamur.org\/\">Website<\/a> von Cap Anamur.<br \/>\nDie behandeln zusammen mit ihren kongolesischen Kollegen nicht nur Kranke, sondern schulen auch einheimisches Personal. Techniker renovieren die maroden Geb\u00e4ude. Demn\u00e4chst sollen ein R\u00f6ntgenger\u00e4t und eine neue OP-Ausstattung eintreffen (so es der kongolesische Zoll denn zul\u00e4sst).<br \/>\nWie so h\u00e4ufig schafft Erfolg gleich neue Probleme. Das Krankenhaus von Kamituga ist jetzt chronisch \u00fcberbelegt. Es hat sich schnell herum gesprochen, dass man dort tats\u00e4chlich gesund werden kann. Au\u00dferdem ist aufgrund der Milit\u00e4rkampagne gegen die Hutu-Milizen der FDLR die Zahl der Fl\u00fcchtlinge in der Stadt gestiegen.<br \/>\nSoviel f\u00fcr heute aus der Rubrik \u201eUneindeutig und komplex\u201c. <strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBetter News statt Bad News\u201c \u2013 so nennt Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen im Bundestag, seinen Rundbrief \u00fcber das, was in Afghanistan au\u00dfer Selbstmordanschl\u00e4gen und Gefechten mit den Taliban passiert. 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