{"id":271,"date":"2009-08-12T16:22:05","date_gmt":"2009-08-12T14:22:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=271"},"modified":"2009-08-12T16:22:05","modified_gmt":"2009-08-12T14:22:05","slug":"hillary-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2009\/08\/12\/hillary-in-afrika\/","title":{"rendered":"Hillary in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Politikerinnen in Afrika brauchen ein dickes Fell. Das gilt auch f\u00fcr ausl\u00e4ndische Ministerinnen auf Besuch. Hillary Clinton befindet sich derzeit auf einer Mammut-Tour durch sieben L\u00e4nder s\u00fcdlich der Sahara. In Kenia bot ein Lokalpolitiker 40 Ziegen und 20 K\u00fche f\u00fcr ihre Tochter Chelsea \u2013 als Zweitfrau. In Kinshasa forderte man sie bei einer Fragestunde mit Studenten auf, die Ansichten ihres Gatten Bill zu den Problemen des Kongo wiederzugeben. <em>Madame Secretary was not amused<\/em>. \u201eMein Mann ist nicht der Au\u00dfenminister. Ich bin die Au\u00dfenministerin.\u201c<\/p>\n<p>Zumindest die gastgebenden Staats-und Regierungschefs d\u00fcrften das begriffen haben. Kenia, S\u00fcdafrika, Nigeria, Angola und die Demokratische Republik Kongo erlebten eine amerikanische Au\u00dfenministerin, die ihre Doktrin der <em>smart power<\/em> recht beeindruckend vorf\u00fchrte. Salopp formuliert besagt die Strategie der \u201eklugen Macht\u201c gegen\u00fcber Afrika: \u201aHallo, Amerika nimmt den Kontinent ernst \u2013 als potenzielle Wirtschaftsmacht, als potenziellen Sicherheitspartner. Amerika braucht und will afrikanische Rohstoffe. Aber Amerika ist nicht China, das bei seinen Gesch\u00e4ften in Afrika weder Menschenrechte noch Korruption anspricht.\u2019<\/p>\n<p>Und so mussten sich die Gastgeber einiges anh\u00f6ren: Kenias Regierung bekam einen \u00f6ffentlichen R\u00fcffel f\u00fcr ihre Weigerung, die Drahtzieher des B\u00fcrgerkriegs im Januar 2008 zur Verantwortung zu ziehen; S\u00fcdafrikas Jacob Zuma wurde eindringlichst aufgefordert, eine h\u00e4rtere Gangart gegen Zimbabwes Robert Mugabe einzulegen; Kongos Pr\u00e4sident Joseph Kabila hatte offenbar eine keineswegs harmonische Diskussion mit Clinton \u00fcber die verheerende sexuelle Gewalt im Osten des Landes, f\u00fcr die vor allem seine Armee verantwortlich ist. In Angola, dessen Erd\u00f6l die USA brauchen, schloss Clinton ein Handelsabkommen ab und gab ganz forsch der Presse bekannt, dass ihr notorisch demokratiescheuer Gastgeber Jos\u00e9 Eduardo dos Santos \u201ebaldm\u00f6glichst\u201c  Wahlen abhalten wolle.<\/p>\n<p>Und Nigerias F\u00fchrung musste schon vor der Ankunft Clintons vernehmen, dass Washington das westafrikanische Land als das \u201ewichtigste s\u00fcdlich der Sahara\u201c ansieht. Und als \u201edas korrupteste\u201c.<br \/>\nAlles nur Rhetorik? Nat\u00fcrlich ist das alles erst mal nur Rhetorik. Aber die Rhetorik von Menschenrechten und good governance, kann ein politisches Klima schaffen, in dem Reformwillige best\u00e4rkt werden. Nicht mehr und nicht weniger hat Hillary Clinton jetzt geleistet.<\/p>\n<p>Barack Obama hatte wenige Wochen zuvor mit seiner ersten Afrika-Reise den Boden bereit, wobei sein Auftritt in Ghana eher unter die Rubrik \u201eAfrika-findet-seinen-Superstar\u201c fiel. Hillary kam nun mit ihrer smart power und klug gew\u00e4hlten, diplomatischen Provokationen hinterher.<\/p>\n<p>Nirgendwo wurde das deutlicher als im Kongo. So ungeschminkt wie kein anderer Staatsgast hat Clinton die erb\u00e4rmliche Bilanz der kongolesischen Regierung benannt \u2013 angefangen von der Korruption bis hin zur Epidemie der sexuellen Gewalt und der anhaltenden Straflosigkeit f\u00fcr Vergewaltigunger. Die Regierung sei aus schwierigsten Bedingungen \u201enach mehreren Jahren des Krieges hervorgegangen\u201c, sagte sie im Rundfunk. \u201eAber es gibt keine Ausreden mehr.\u201c Und weil die sch\u00e4rfste Kritik immer dann am besten wirkt, wenn man sich auch an die eigene Nase fasst, verlangte sie nicht nur von Staatspr\u00e4sident Kabila mehr Einsatz, sondern auch von den Vereinten Nationen und den USA. 17 Millionen Dollar hat Clinton f\u00fcr den Kampf gegen sexuelle Gewalt zugesagt, was den Aufbau einer Sondereinheit der Polizei miteinschlie\u00dfen soll.<\/p>\n<p>Diese Politik des gezielten Br\u00fcskierens funktioniert langfristig nur dann, wenn man moralische Rhetorik nicht durch politische und milit\u00e4rische Praxis konterkariert. Diese Lehre sollte die Obama-Administration nach Guantanamo und waterboarding begriffen haben. Nirgendwo l\u00e4sst sie sich besser umsetzen als in Afrika, denn nirgendwo sonst haben die USA \u2013 unabh\u00e4ngig vom Obama-Bonus &#8211; noch so viel moralisches Kapital.<\/p>\n<p>Das kann man ganz schnell verspielen. \u00c4quatorial-Guinea, ein kleines Land an der westafrikanischen K\u00fcste, stand wohlweislich nicht auf der Reiseroute der amerikanischen Au\u00dfenministerin. \u00c4quatorial-Guinea hat au\u00dfer viel \u00d6l und Gas seit 30 Jahren auch einen der brutalsten Diktatoren zu bieten. Teodoro Obiang Nguemo heisst der Mann. Der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Investor in dem kleinen Land sind die USA. Die amerikanische Au\u00dfenministerin nannte Obiang bei einem Staatsbesuch in Washington \u201eeinen guten Freund\u201c. Das ist jetzt drei Jahre her, und die Ministerin hie\u00df damals noch Condoleeza Rice. Die Zeiten k\u00f6nnen sich \u00e4ndern. K\u00f6nnen. Bis 2015 wollen die USA 25 Prozent ihrer \u00d6limporte aus dem Afrika s\u00fcdlich der Sahara beziehen. Man darf gespannt sein, wie sich das mit der Doktrin der <em>smart power<\/em> vereinbaren l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politikerinnen in Afrika brauchen ein dickes Fell. Das gilt auch f\u00fcr ausl\u00e4ndische Ministerinnen auf Besuch. Hillary Clinton befindet sich derzeit auf einer Mammut-Tour durch sieben L\u00e4nder s\u00fcdlich der Sahara. In Kenia bot ein Lokalpolitiker 40 Ziegen und 20 K\u00fche f\u00fcr ihre Tochter Chelsea \u2013 als Zweitfrau. 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