{"id":326,"date":"2009-09-06T18:38:19","date_gmt":"2009-09-06T16:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=326"},"modified":"2009-09-06T18:38:19","modified_gmt":"2009-09-06T16:38:19","slug":"in-sachen-fdlr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2009\/09\/06\/in-sachen-fdlr\/","title":{"rendered":"In Sachen FDLR"},"content":{"rendered":"<p>So kurzlebig k\u00f6nnen bessere Nachrichten aus dem Kongo sein. Vorvergangenen Freitag hatte der deutsche Server OVH auf Intervention der Berliner <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/afrika\/artikel\/1\/webseite-der-hutu-miliz-abgeschaltet\/\">tageszeitung<\/a> die Website der Hutu-Miliz FDLR abgeschaltet. Seit einigen Tagen ist die Seite, offenbar mit neuer Registrierung bei einer britischen Web-Firma wieder online. So viel zu den T\u00fccken der Globalisierung.<\/p>\n<p>Zur F\u00fchrung der FDLR geh\u00f6ren Mitverantwortliche des V\u00f6lkermords 1994 in Ruanda. Auf ihrer Website\u00a0 dementiert die FDLR\u00a0 wortgewaltig jedes Statement der UN, jeden Zeitungsartikel \u00fcber Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutungsstrategien, mit der die Miliz seit Jahren die Bev\u00f6lkerung im Ost-Kongo terrorisiert. Zuletzt erregte ein Bericht der <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2009\/08\/21\/world\/africa\/21congo.html\">&#8222;New York Times&#8220;<\/a> den \u00c4rger der FDLR-F\u00fchrung. Darin berichten Reporter \u00fcber demobilisierte Hutu-Rebellen aus Burundi, die &#8211; ohne Arbeit und Einkommen &#8211; nur zu gern den Lockrufen der FDLR folgen und im Kongo wieder zur Waffe greifen. Die verspricht den S\u00f6ldnern Diamanten, Gold und einen heldenhaften Kampf f\u00fcr die Sache der Hutu. Kommentar der FDLR: &#8222;Schamlos erlogen.&#8220;<\/p>\n<p>Fakt ist: Diese Rekrutierungen finden statt, wie die UN best\u00e4tigen. Der Konflikt zwischen den Ethnien der Tutsi und der Hutu hatte auch in Burundi einen jahrelangen B\u00fcrgerkrieg mitangefacht. Dessen Sp\u00e4tfolgen schwappen wieder einmal in Gestalt von Wander-Rebellen in den Kongo. So viel zur Grenzenlosigkeit von Konflikten.<\/p>\n<p>Die Pressemitteilungen der FDLR werden \u00fcbrigens nicht mehr von deren Pr\u00e4sidenten Ignace Murwanashyaka unterzeichnet. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/32\/Milizenfuehrer-Mannheim?page=2\">Murwanashyaka<\/a>, der seit Jahren in Mannheim als anerkannter politischer Fl\u00fcchtling lebt, verzichtet derzeit auf \u00f6ffentliche \u00c4u\u00dferungen. Weil er wiederholt gegen ein Verbot der politischen Bet\u00e4tigung f\u00fcr die FDLR versto\u00dfen hatte, wurde er vor einigen Monaten zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe verurteilt. Das Verbot hatte die Stadt Mannheim verh\u00e4ngt, der inzwischen aufgegangen ist, wer sich da in ihrem Zust\u00e4ndigkeitsbereich nieder gelassen hat.<\/p>\n<p>Als Sprachrohr fungiert nun der in Paris lebende Exekutiv-Sekret\u00e4r der FDLR, <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2004\/08\/08\/world\/rwandan-accused-in-genocide-wins-suit-for-un-pay.html?pagewanted=all\">Callixte Mbarushimana<\/a>. Mbarushimana arbeitete 1994 in Kigali f\u00fcr das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) und war laut eines UN-Ermittlungsberichts an der Ermordung von 32 Tutsi beteiligt \u2013 darunter seine Kollegen bei UNDP. Das Internationale Ruanda-Tribunal (ICTR) stellte das Verfahren 2002 ein. Mbarushimana galt offenbar als &#8222;zu kleiner Fisch&#8220;. Er bekam schlie\u00dflich politisches Asyl in Frankreich, nachdem er &#8211; trotz Berichten \u00fcber seine Beteiligung am Genozid &#8211; noch mehrere Jahre weiter bei den Vereinten Nationen gearbeitet hatte. Im Juli 2008 wurde er auf dem Flughafen Frankfurt festgenommen, Anfang November aus der Untersuchungshaft wieder <a href=\"http:\/\/193.22.36.128\/fakt\/5940660.html\">entlassen<\/a>. Angeblich reichten die Beweise nicht aus, um ein Verfahren zu er\u00f6ffnen. So viel zur internationalen Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung mutma\u00dflicher Kriegsverbrecher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kurzlebig k\u00f6nnen bessere Nachrichten aus dem Kongo sein. Vorvergangenen Freitag hatte der deutsche Server OVH auf Intervention der Berliner tageszeitung die Website der Hutu-Miliz FDLR abgeschaltet. Seit einigen Tagen ist die Seite, offenbar mit neuer Registrierung bei einer britischen Web-Firma wieder online. So viel zu den T\u00fccken der Globalisierung. 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