{"id":59,"date":"2007-08-16T16:52:14","date_gmt":"2007-08-16T14:52:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=59"},"modified":"2007-08-16T16:52:14","modified_gmt":"2007-08-16T14:52:14","slug":"wenn-prasidentensohne-shoppen-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2007\/08\/16\/wenn-prasidentensohne-shoppen-gehen\/","title":{"rendered":"Wenn Pr\u00e4sidentens\u00f6hne shoppen gehen"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich geht es niemanden etwas an, wenn die Reichen und (mehr oder weniger) Sch\u00f6nen bei Chanel, Gucci oder Louis Vuitton einkaufen gehen. Wenn sie die Rechnung allerdings mit der Kreditkarte einer Firma bezahlen, wird es schon interessanter. Und wenn die Kassen dieser Firma aus staatlichen Rohstoffeinnahmen gef\u00fcllt werden, dann stinkt die Sache zum Himmel.<\/p>\n<p>Vor wenigen Wochen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/29\/Strafjustiz\">berichtete<\/a> die ZEIT \u00fcber Vorermittlungen der franz\u00f6sischen Justiz gegen mehrere afrikanische Staats-und Regierungschefs und deren Familienangeh\u00f6rige wegen Verdachts auf Veruntreuung. Diese besitzen in Paris und an der Riviera f\u00fcrstliche Immobilien \u2013 offensichtlich finanziert mit ihrer Beute aus der Staatskasse. Im Visier der Ermittler befinden sich (zun\u00e4chst) die Pr\u00e4sidenten zweier Erd\u00f6l exportierender L\u00e4nder: Denis Sassou-Nguesso aus der Republik Kongo (auch Kongo-Brazzaville genannt) und sein Amtskollege aus Gabun, Omar Bongo.<\/p>\n<p>Dass die beiden Herren \u00c4rger mit der Justiz bekommen haben, ist einer kleinen franz\u00f6sischen Juristenorganisation namens <a href=\"http:\/\/\">Sherpa<\/a>  zu verdanken. Die hat sich einen Pr\u00e4zedenzfall in der franz\u00f6sischen Rechtsprechung zunutze gemacht, wonach der Verdacht einer Straftat besteht, wenn der Lebenswandel einer Person eindeutig nicht durch deren Einkommen zu finanzieren ist. Afrikanische Pr\u00e4sidenten haben zwar ein f\u00fcrstliches Gehalt \u2013 f\u00fcr den Ankauf diverser Villen und Apartments (mit Blick auf den Eiffel-Turm) reicht es dann aber doch nicht.<\/p>\n<p>Die Familie Sassou-Nguesso hat nun auch in Gro\u00dfbritannien Probleme bekommen: <a href=\"http:\/\/www.globalwitness.org\/index.php\">Global Witness<\/a>, eine Organisation, die den Zusammenhang zwischen Menschenrechtsverletzungen und Rohstoffausbeutung recherchiert, hat die Kreditkarten-Rechnungen des Pr\u00e4sidentensohnes Denis Christel auf ihre Internetseite gestellt. Der geht schon mal gern f\u00fcr 4000 Euro bei Louis Vuitton in Paris einkaufen, oder stockt das heimische Parf\u00fcmdepot f\u00fcr 4700 Dollar bei Escada in Hongkong auf. Bezahlt hat Sassou-Nguesso Jr. dabei mit Kreditkarten von Scheinfirmen, deren Konten offensichtlich mit Geldern aus den Erd\u00f6lverk\u00e4ufen des Landes aufgef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Drei Milliarden Dollar hat die Regierung Sassou-Nguesso im Jahr 2006 aus \u00d6lexporten eingenommen. Trotzdem ist das Land eines der \u00e4rmsten der Welt, 70 Prozent der Bev\u00f6lkerung leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Kongolesische Aktivisten, die auf diesen Missstand hinweisen (und Organisationen wie Global Witness ma\u00dfgeblich zuarbeiten), riskieren Gef\u00e4ngnisstrafen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Entlarvung durch Global Witness war die Familie Sassou-Nguesso so emp\u00f6rt, dass sie die Ver\u00f6ffentlichung der Kreditkarten-Abrechnung durch ein Londoner Gericht verhindern lassen wollte. Am Mittwoch lehnte der London High Court diesen Antrag ab. Es sei eine zul\u00e4ssige Annahme, so der Richter, \u201edass diese Eink\u00e4ufe mit den heimlichen pers\u00f6nlichen Profiten aus \u00d6lgesch\u00e4ften\u201c stammten.<\/p>\n<p>An der Malaise der Menschen im Kongo \u00e4ndern kurzfristig weder die Aktion von Global Witness etwas, noch die Aktionen der franz\u00f6sischen Justiz (die die Sache wahrscheinlich gern begraben w\u00fcrde)<br \/>\nDoch f\u00fcr die Aktivisten in Kongo-Brazzaville steht fest: sie haben Alliierte in Europa, die ihrem Anliegen \u00d6ffentlichkeit verschaffen \u2013 und ihren Herrschern zunehmend \u00c4rger. Denn anders als zu Zeiten von Mobutu Sese Seko (Zaire) oder \u201ePapa Doc\u201c Duvalier (Haiti) k\u00f6nnen Diktatoren ihre Beute heute nicht mehr ungest\u00f6rt auf ausl\u00e4ndischen Konten bunkern. Und wom\u00f6glich denkt man ja in Br\u00fcssel bei der EU demn\u00e4chst dar\u00fcber nach, Herrschaften wie die Familie Sassou-Nguesso mit einem Einreiseverbot zu belegen. Auch wenn das auf Kosten von Louis Vuitton gehen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich geht es niemanden etwas an, wenn die Reichen und (mehr oder weniger) Sch\u00f6nen bei Chanel, Gucci oder Louis Vuitton einkaufen gehen. Wenn sie die Rechnung allerdings mit der Kreditkarte einer Firma bezahlen, wird es schon interessanter. Und wenn die Kassen dieser Firma aus staatlichen Rohstoffeinnahmen gef\u00fcllt werden, dann stinkt die Sache zum Himmel. 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