{"id":84,"date":"2008-06-01T14:43:20","date_gmt":"2008-06-01T12:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/?p=84"},"modified":"2008-06-01T14:43:20","modified_gmt":"2008-06-01T12:43:20","slug":"die-tage-der-penis-panik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/kongo\/2008\/06\/01\/die-tage-der-penis-panik\/","title":{"rendered":"Die Tage der Penis-Panik"},"content":{"rendered":"<p>Erstaunlich widerspruchslos haben die Anh\u00e4nger von Jean Pierre Bemba am Samstag in Kinshasa das Demonstrationsverbot hingenommen. Nicht einmal ein parlement de boue, eines der \u201eStra\u00dfenparlamente\u201c konnte ich finden, auf denen die Leute sonst so gerne Dampf ablassen. Offenbar haben die meisten Kinois, ganz einfach die Vorteile des Verbots genutzt. Keine Demonstration bedeutet: die M\u00e4rkte bleiben ge\u00f6ffnet, die Sammeltaxis fahren, die Telefonkartenh\u00e4ndler und Benzinverk\u00e4ufer bleiben im Gesch\u00e4ft. Das lief in den vergangenen Wochen schon schlecht genug. Nicht nur wegen der steigenden Benzin \u2013und Lebensmittelpreise.<\/p>\n<p>Vor einigen Wochen hatte die \u201ePenis-Panik\u201c die Ums\u00e4tze von Bars, M\u00e4rkten und den tausenden Kleinunternehmern offenbar drastisch gesenkt. Irgendwann Anfang Mai hatte sich in Windeseile die Nachricht verbreitet, die feticheurs, also die Meister, der Magie, des Wahrsagen, Heilens, aber auch des Verhexens, w\u00fcrden auf Kinshasas Stra\u00dfen Organe klauen. Nicht irgendwelche, sondern Fortpflanzungsorgane. \u201eEs waren nur M\u00e4nner betroffen\u201c, sagt Monsieur Vicky, mein Taxifahrer, und seine Stimme klingt immer noch fassungslos. \u201eSie haben den M\u00e4nnern den Sex gestohlen.\u201c Eine Ber\u00fchrung, ein Rempler, so meldete die Ger\u00fcchtek\u00fcche und das Opfer sah sich angeblich seines kleinen Unterschieds beraubt. \u201eDie Stadt\u201c, sagt Monsieur Vicky, \u201ewar in Panik.\u201c<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich. In Kinshasa wird jeder Mann und jede Frau t\u00e4glich unz\u00e4hlige Male angerempelt: im \u00fcberf\u00fcllten Sammeltaxi, auf dem Markt, in den parlements de boue, in der Kirche. Es kam zu Mobaktionen. Aufgebrachte Menschenmengen verpr\u00fcgelten vermeintliche Hexer. Die Polizei musste einschreiten.<\/p>\n<p>Nachdem die weniger seri\u00f6se Presse in Kinshasa immer wieder neue Geschichten \u00fcber vermeintlich entmannte Opfer kolportierte, habe sich, behauptet Monsieur Vicky, das Stra\u00dfenbild Kinshasas dramatisch ver\u00e4ndert. \u201eDie M\u00e4nner haben sich nicht mehr aus dem Haus getraut. Ich hatte fast nur noch Frauen im Taxi.\u201c Die Stra\u00dfenparlamente seien leer gewesen. Die Bars im Musikviertel Matonge h\u00e4tten Umsatzeinbu\u00dfen verzeichnet, in seiner protestantischen Kirche h\u00e4tten sich die M\u00e4nnerch\u00f6re gelichtet. \u201eWas hat Ihr Pastor zu dieser Angelegenheit gesagt?\u201c \u201eEr hat gesagt, da hilft nur beten.\u201c<\/p>\n<p>Im Kongo gibt es keine Grabst\u00e4tten christlicher Heiliger, deren Besuch Wunder verspricht. Also muss man im Kampf gegen b\u00f6se feticheurs schon den direkten Draht zu Gott suchen.<\/p>\n<p>Irgendwann war der Spuk dann so schnell vorbei wie er angefangen hatte: Radio Okapi, Kongos wichtigstes Massenmedium und eine Stimme der Vernunft in diesem Land, hatte seine Journalisten ausschw\u00e4rmen lassen, um nach Opfern der feticheurs zu suchen. Einige Betroffene erkl\u00e4rten sich zum Interview bereit und r\u00e4umten ein, dass sie durchaus noch im Besitz aller Organe seien, nur sei dieses eine offensichtlich durch Hexerei verd\u00e4chtig \u201egeschrumpft\u201c. Da platzte dann Kinshasas Polizeichef der Kragen. Das ganze sei ja wohl ein schlechter Witz, lie\u00df er \u00fcber alle Kan\u00e4le verbreiten. Ihm sei noch kein angebliches Opfer pr\u00e4sentiert worden, dem der Penis abhanden gekommen sei. Um ganz sicher zu gehen, lie\u00df er noch verlauten, die Polizei habe alle verd\u00e4chtigen feticheurs festgenommen. Schade eigentlich. F\u00fcr Kinshasas Frauen m\u00fcssen die Tage der Penis-Panik eine sch\u00f6ne Zeit gewesen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstaunlich widerspruchslos haben die Anh\u00e4nger von Jean Pierre Bemba am Samstag in Kinshasa das Demonstrationsverbot hingenommen. Nicht einmal ein parlement de boue, eines der \u201eStra\u00dfenparlamente\u201c konnte ich finden, auf denen die Leute sonst so gerne Dampf ablassen. Offenbar haben die meisten Kinois, ganz einfach die Vorteile des Verbots genutzt. 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