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Sechs Gründe für den Abzug

 

1. Der Einsatz dauert zu lange und fruchtet zu wenig

Seit neun Jahren sind Nato-Soldaten in Afghanistan. Zuerst waren es nur ein paar Tausend, heute sind es 140.000. Das hat in Afghanistan nicht zu mehr Sicherheit geführt, sondern zu mehr Unsicherheit.

2. Ein Ziel ist erreicht

Die USA intervenierten 2001 unter anderem in Afghanistan, um dort al-Qaida zu zerschlagen. Das ist im großen und ganzen gelungen – jedenfalls wenn man den US-Generälen glauben kann.

3. Die Nachbarländer schauen zu

Keines der Nachbarländer in der Region scheint ein Interesse daran zu haben, dass die Nato in Afghanistan gewinnt. Weder der Iran, noch Pakistan, noch China, noch Indien, noch Russland  –  keines diese Länder greift der Nato unter die Arme. Es ist bisher nicht gelungen, die Nachbarländer an einen Tisch zu bringen, um eine regionale Lösung für Afghanistan zu finden. Ohne ihre Mitwirkung wird die Nato keinen Erfolg haben können.

4. Die Taliban sind keine Bedrohung für den Westen

Die Taliban sind keine terroristische Organisation mit einer internationalen Agenda. Sie haben eine nationales Ziel — sie wollen die westlichen Truppen aus Afghanistan vertreiben und in Kabul wieder an die Macht kommen. Selbst wenn ihnen die Rückkehr nach Kabul gelingen sollte, die Taliban des Jahres 2010 sind nicht mehr die Taliban des Jahres 2001.

5. Die Legitimation des Einsatzes ist brüchig

Keine deutscher und wohl auch keine europäische Politiker kann begründen, warum Soldaten in Afghanistan sterben sollen, um einen korrupte Regierung aus Wahlfälschern zu schützen. Der Verweis auf vitale Sicherheitsinteressen reicht als Einsatzbegründung nicht aus (Siehe Punkt 3 und 2)

6. Die Existenz der Nato ist nicht bedroht

Die Nato wird einen Rückzug aus Afghanistan überleben. In Afghanistan zu bleiben, bedroht die Nato stärker als alles andere.

95 Kommentare


  1. Russland wird kaum aktiv in Afghanistan mitmischen wollen.

    Einerseits wegen des Abnutzungskrieg den die damalige Sovietunion in Afghanistan gegen die von der CIA unterstützte Taliban führte, andererseits weil die Afghanische Bevölkerung über einen erneuten „Besuch“ sicherlich recht ungehalten und mit Widerstand reagieren würde.

    Des weiteren ist mir auch nicht bekannt dass Afghanistan eine Bedrohung für die russische Grenze darstellt – die Sovietunion versuchte damals Afghanistan zu annektieren.

    Der Iran fürchtest sicherlich ein erstarken der US Armee in der Gegend – zumindest ist sie aktuell „beschäftigt“.
    Wenn in Afghanistan Frieden herrscht könnte sie sich dem Iran zuwenden…

    Pakistan – hat Probleme im eigenen Land.

    Indien – soweit ich weiß hat das Land „eigene Terroristen“ und vermutlich insgesamt wenig Interesse an Afghanistan.

    Und China… ja warum soll China sich um das Schlamassel der USA kümmern…

  2.   Horst Schmidt

    Punkt! Doch niemand hört zu, niemand interessiert sich dafür.

    Der Blutzoll ist noch nicht hoch genug.

  3.   Flori Seiters

    Alles nicht ganz unwahr. Aber zwei Fragen hierzu:

    1. Was würde bei einem westlichen Abzug mit denjenigen Afghanen passieren, die mit westlichen Kräften (Aufbauhelfern, ISAF, …) kooperiert haben?

    2. Wäre die Atommacht Pakistan zu halten, wenn Afghanistan fällt?

    Der grundsätzliche Fehler in der Argumentation der meisten ist, dass sie voraussetzen, dass die NATO in Afghanistan wegen Afghanistan ist. Die ist meiner Einschätzung nach falsch. Die NATO ist dort wegen Pakistan.


  4. Warum sollten die Nachbarländer auch zur NATO stehen: die NATO ist ein westliches Bündnis.
    Übrigens: soweit voneinander entfernt sind Präsident Karsai und die Taliban nicht. Immerhin hatten die ihm damals, 1994 den Posten des UNO-Botschafters angeboten. Allerdings hat er darauf verzichtet.
    Jedenfalls wäre es wohl für die Region das beste, ihnen selber die Regelung der Angelegenheit zu überlassen.

  5.   Theo

    Es bleibt die Frage nach den wahren Gründen der Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan. Leider wird dies in den Medien nicht ansatzweise thematisiert. Stattdessen kreisen die Diskussionen um die Ausrüstung und die traurigen Schicksale derer, die leider ihr Leben für diesen Einsatz lassen mussten.

  6.   Atan

    Obwohl ich Herrn Ladurner in der Regel zustimme, möchte ich mal einen Artikel verlinken, der eine vorsichtig-optimistische Gegenposition einnimmt.
    http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2010/03/man-versus-afghanistan/7983/1/?

    Es scheint also nicht völlig ausgeschlossen, auch Afghanistan halbwegs zu befrieden und zu entwickeln, aber selbst bei einer optimistisch realistischen Annahme würde es mehr Truppen und mindestens weitere zwnzig, dreissig Jahre dauern. Und es fragt sich, ob diese irrsinnige, teure Anstrengung durchzuhalten wäre, wenn z.B. die Nachbarstaaten zunehmend dagegen arbeiten würden, dass die NATO Erfolg hat. Und in der gleichen Zeit die Welt sich weiterdreht, das Gewicht der asiatischen Staaten zunimmt und das der transatalntischen Allianz ab.

  7.   Christian

    Ein Autor mit Grips! Freut mich nicht der einzige zu sein der noch eine eigene Meinung hat

  8.   Marcus Aurelius

    7. Die Bevölkerung ist uns Einsatzgegnern sowieso egal.

    Dass Mädchen gerne zur Schule gehen würden, dass nicht jede muslimische Frau auf Burkas steht, dass die Taliban Musik(!) verboten haben, dass zwei Menschen, die sich lieben, auch vor der Hochzeit gerne mal Zärtlichkeiten austauschen würden, ohne, dass man ihnen dafür die Hand abhackt (nein, da habe ich mich ja glatt vertan: Hand abhacken war für Apfeldiebe, Pärchen werden massakriert), das alles scheint denen ja egal zu sein. Hauptsache Hals über Kopf raus da und die Taliban wieder an die Macht kommen lassen.


  9. Hallo,

    es giebt noch einen siebenten Grund: es gibt kein Mandat fuer einen Krieg!

    Bei allen Umfragen sind mehr als zwei drittel der Bevoelkerung gegen den

    Einsatz in Afghanistan, und sicher hat kein Waehler von CDU/FDP fuer Krieg

    gewaehlt. MFG Frank Andreas Runge


  10. Gegenpunkt.

    Leider haben unsere Poltiker den Krieg am Anfang nich genug hinterfragt und im Verteidigungsfall der Nato erklärt das Amerika angegriffen wurde und wir so mit in den Kampf ziehen.

    Nun mag mancher Bündnistreue als „veraltet “ betrachten, aber grad in der schwirigen €-Zeit mit Griechenland und nun auch anderen Länder ist Bündnistreue ein hoher Wert wegen dem wir in Afganistan sind.

    Villeicht sollten wir die Amerikaner bitten mal alle Argumente auf den Tisch zu legen wie sie den Krieg begründet haben pder uns aus der Bündnisverflichtung zu entlassen.

    Es sollte wohl jeden kal sein das sobalt die USA dort abzieht wir ebenfalls fluchtartig das Land verlassen, da ebend die Bündnistreue das einzigste ist was uns da hält.

 

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