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Der Iran und die Frage nach der politischen Vernunft

 

Um einen Krieg vorzubereiten, muss man den Gegner dämonisieren. Genau das geschieht derzeit mit dem Iran. „Der Irre aus Teheran“, „Achse des Bösen“, „Terrorregime“ – das sind nur ein paar jener Begriffe, mit denen seit geraumer Zeit aus dem Westen Richtung Iran gegiftet wird. Der Grundtenor: Das iranische Regime ist unberechenbar, ja, es ist geradezu verrückt.

Wahr ist das Gegenteil: Das iranische Regime verhält sich rational und es ist berechenbar.

Das Ziel iranischer Außen- und auch der Innenpolitik kann man in einem Satz umschreiben: Das Regime will an der Macht bleiben, und es will seinen Einfluss in der Region möglichst ausweiten. Das kann man aus guten Gründen problematisch finden, man kann auch versuchen, diese iranische Politik zu konterkarieren – doch man kann nicht sagen,  das sei irrationale Politik. Sie ist auch nicht illegitim. Denn der Iran verhält sich wie jeder andere Staat auch. Er versucht Einfluss zu gewinnen in der eigenen Nachbarschaft und immer dort, wo es ihm sonst noch möglich erscheint. Er versucht Anerkennung auf der internationalen Bühne zu bekommen.

Das Problem dabei sind die Mittel, die Teheran wählt. Zu diesen Mitteln gehörte auch eine Atombombe – sofern sich die iranische Regierung dazu entschieden hat, eine zu bauen, was wir bis heute nicht wirklich wissen.

Aber selbst eine iranische Bombe hat die Funktion, dem Ziel iranischer Politik zu dienen: Machterhalt und Einflussgewinn. Eine Atombombe dient dem Zweck, sich unangreifbar zu machen, nicht andere anzugreifen. Ihr Wert – sofern man von Wert sprechen kann – liegt in der Abschreckung, nicht im Erstschlag.

Allen Atomwaffenstaaten wird unterstellt, dass sie die ultimative Waffe nur besitzen, um abzuschrecken, nicht um einen Krieg anzufangen. Ob USA, Frankreich, Indien, Pakistan oder Israel – sie alle haben diese Waffe, um sich zu verteidigen. Das ist wohl auch die richtige Annahme.

Nur für einen atomwaffenbestückten Iran sollte diese Annahme nicht gelten? Warum? Wie ist das möglich? Warum sollte ausgerechnet der Iran aus der Logik der atomaren Abschreckung ausbrechen? Die Antwort: Weil es ein verrücktes Regime ist.

So schließt sich der Kreis. So bereitet man einen Krieg vor.

190 Kommentare

  1.   achso

    ich muss Rob recht geben
    wo haben sie die letzten jahre gelebt?
    der iran hat mehr als einmal erklärt dass das ziel die vernichtung israels ist und ehrlich gesagt hab ich nicht so die lust darauf das ein von einem fundamentalistischen menschen geführtem staat ne massenvernichtung besitzt…
    und das schlimme daran ist das wir daran noch schuld haben da die technik dafür aus deutschland stammt…

  2.   FritzB

    Wenn da keine Atomwaffen in Israel waeren, haette es diese Krakeelerei ueber preemptive hits und offenes Fenster nur bis hier, und danach kommt wieder ein Holokaust wenn jetzt nicht mindestens im Sommer was dagegen gemacht wird.
    Hitler hat auch so gerechnet, und es hat ja fast bis Moskau geklappt, bis dann der Gefrierfleischorden schnell erfunden wurde, und die Sache nicht mehr wie geplant lief. Ich glaube, dass der Brocken Iran fuer die Israel viel zu gross ist, und fuer die Yankees nicht wichtig genug, noch einen Krieg in dieser Gegend anzufangen. Und der wuerde auch noch mehr kosten als der in Vietnam und laenger dauern.

  3.   bobermann

    Ja. Die Politik Amerikas ist eine Politik der „Gespaltenen Zunge“ wie die Indianer sagen würden. In der Vergangenheit haben sie ausschliesslich antidemokratische Regiems unterstützt und gefördert, weil man mit Diktatoren und Banditen einfach besser Geschäfte machen kann. Amerika packtiert mit Pakistan, Saudi-Arabien, Kuwait…..
    Sie haben Weltherrschaftsbestrebungen.
    Leider entzieht sich das jeder demokratischen Beeinflussung. Sämtliche Verschwörungstheorien, NWO, Zionismusverdächtigungen, HAARP, Chemtrails, Aliens……….
    All das ist der Gestank und die Ausdünstung einer bösen Krankheit die von den Oligarchen Amerikas seit langem schon ausgeht. Kernfaul kann man das nennen. Die Bevölkerung verelendet in großen Teilen von Amerika. Die Demokratie ist eine Show, ein Witz. Dieses Land ist reif für einen inneren Umsturz.
    Das soll aber nicht heißen, dass ich die Zustände im Iran für gut halte. Das Mullah-Regime ist auch eine Bestialität.
    Habe Mitleid mit den unterdrückten Iranern. War 1969 da.
    Bitte Googeln nach: MARG BAR ESLAM.

  4.   Heinz Göd

    Ein Artikel, der das Problem von einer anderen Seite zeigt.

    Dass das Mullah-Regime im Iran eine Gefahr für Israel, die Länder der Region und den Westen sind, könnte sein, aus der Geschichte seit 1979(=Jahr der Revolution) herleitbar ist es aber nicht. Die USA waren da wesentlich angriffswütiger, und die USA haben schon schlimmere Regime gestützt, wenn
    sie pro-westlich waren (z.B.Pinochet).

    Auf welcher rechtlichen Grundlage stehen denn die Anschuldigungen und Maßnahmen gegen den Iran ?
    1.)Die Regierung des Irans ist gegen Israel:
    Israel ist auf dem ‚Faustrecht‘ gegründet.
    Wer das ‚Faustrecht‘ ablehnt, muss zwangsläufig gegen Israel sein.
    2.)Der AtomwaffenSperrvertrag:
    dieser ermöglicht die zivile Nutzung der KernEnergie,
    für den Bau einer Bombe gibt es keine Beweise.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffensperrvertrag
    http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NPT/Welcome.html
    an den Atomwaffensperrvertrag halten sich auch die USA nicht !

    Die rechtliche Grundlage der heutigen politischen Lage ist äusserst zweifelhaft:
    einige Staaten gründen auf dem ‚Faustrecht'(kriegerische Eroberung),
    z.B. von Argentinien über Israel, die USA bis Zaire,
    das ‚Faustrecht‘ gilt heute aber als völkerrechtswidrig.
    Diese Staaten tun sich daher schwer,
    moralisch glaub- und vertrauenswürdig aufzutreten.
    Mit Lagerdenken „‚pro-westlich=gut‘, ’nicht west-konform=böse'“
    lässt sich das nicht lösen.
    Die Welt wird daher wahrscheinlich eine neue politische Ordnung brauchen, wenn die Menschen Frieden wollen,
    ein Vorschlag ist auf
    http://home.pages.at/goedhe/GOD_Deutsch/Zukunft/2069Buch/2069D_02.html#Die%20Erde%20als%20Ganzes
    ( Suchbegriff: politisch )
    Das Ganze ist natürlich eine Utopie, aber
    Utopien von Gestern sind die Wirklichkeit von Heute,
    somit sind Utopien von Heute möglicherweise
    die Wirklichkeit von morgen ….

  5.   fse69

    „…Nur so ne Idee, aber es mag mit der sehr rational wirkenden Leugnung des Holcaust durch den Führer des Iran zusammenhängen.
    Es könnte aber in der durchaus sehr vertrauenerweckenden Absprache des Existenzrechts Israels zusammen mit der freundschaftlichen Drohung seiner Zerstörung zusammenhängen….“

    Gerade für diesen behaupteten Zusammenhang der antiisraelischen iranischen Staatsräson und einem mutmaßlichen Streben nach einer nuklearen Bewaffnung gibt es nicht einmal den Hauch eines einigermaßen rationalen Indizes, geschweige denn Beweises. Anders ausgedrückt:

    – man kann kritisieren, dass Iran Israel zur Hölle wünscht.

    – Man kann sogar kritisierend unterstellen, dass Iran tatsächlich nach einer Bombe strebt.

    Dass indes zwischen diesen beiden Stoßrichtungen auch nur der geringste Zusammenhang bestünde, ist nichts weiter als eine (noch dazu grobschlächtig-absurde) Verschwörungstheorie.

    Machen Sie sich doch mal klar, welcher Prämissen und selektiver Realitätsausblendung es bedarf, um so einen Unfug behaupten zu können:

    Sie müssen nicht nur unterstellen,

    – dass Iran seine sichere eigene Vernichtung in Kauf zu nehmen bereit wäre, um Israel in Form einer nuklearen Aggression auszulöschen, …

    – sondern noch dazu vollkommen ignorieren, was sich in den letzten zehn Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft des Landes geo- und sicherheitsstrategisch abgespielt hat.

    Von der Türkei angefangen, über die arabische Halbinsel, den persischen Golf, bishin nach Zentralasien hinein, über Afghanistan und Turkmenistan verfügen die USA über sage und schreibe 44 militärische Stützpunkte und Basen, von denen aus der Iran angegriffen werden kann. Von der hochgerüsteten US-Marine, die nach Belieben in der Region rumschippert, mal ganz zu schweigen.

    Diese USA haben nicht nur seit über drei Jahrzehnten diverse Rechnungen mit dem Land offen, genauso lang verfolgen sie (mal mehr, mal weniger intensiv und mit unterschiedlichen Mitteln) das Ziel Regime Change in Teheran. 2001 und 2003 haben sie noch dazu im östlichen wie auch westlichen Nachbarn des Landes Krieg geführt, ihr damaliger Präsident hat sie ganz offiziell als Teil der „Achse des Bösen“ geadelt. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass Iran als nächster dran gewesen wäre, wenn die amerikanische Strategie sowohl im Irak als auch in Afghanistan nicht derart gegen die Wand gefahren wäre.

    Und jetzt möchte ich Sie mal um etwas „ungeheuerliches“ bitten: versetzen Sie sich angesichts dieser Konstellation für einen Moment in die Lage der Machthaber in Teheran.

    – Sie stehen seit Jahrzehnten in offener Feindschaft zur einzigen verbliebenen Supermacht, mit der aktuell schlagkräftigsten Militärmaschinerie auf diesem Globus;

    – Supermacht führt Krieg in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft;

    – Supermacht bedroht Sie, in dem es Ihnen bei jeder Gelegenheit zu verstehen gibt, dass Sie auch noch an die Reihe kommen;

    – Supermacht hat sie in den letzten 10 Jahren zu Lande, zu Wasser und in der Luft im militärstrategischen Sinne fast komplett umzingelt;

    Um ehrlich zu sein: mir fällt aktuell kein zweites Land auf dieser Welt ein, dessen mögliches Streben nach (nuklearer) Abschreckung ich für plausibler und rationaler einstufen könnte. Dabei haben wir bis hierher nur den Faktor USA unter die Lupe genommen. Dass da einer der Nachbarn Irans Pakistan heißt, das die Bombe hat und bei dem niemand ausschließen kann, dass Islamabad irgendwann einmal in die Hände von Extremisten der Marke Taliban fallen könnte, die eben nicht nur fanatisch sind, sondern noch dazu einen „guten“ Ruf als Schiitenschlächter genießen, haben wir genauso ausgeblendet, wie den Umstand, dass Mittelmächte wie Saudi Arabien und seine Verbündeten Iran und die Shia nicht minder hassen und ebenso zur Hölle wünschen.

    All diese nüchternen, knallharten strategischen Fakten und Entwicklungen – kurzum ein durch und durch rationales Motiv Irans nach Abschreckung – blenden Sie komplett aus, zugunsten einer vollkommen irrationalen, weil suizidalen Unterstellung einer nuklearen Aggressionsabsicht gegen Israel.

    Angesichts solcher Konstellationen Herrn Ladurner mit folgender Bemerkung zu konfrontieren:

    „…Wo haben Sie gelebt die letzten Jahre? Unterm Stein?…“

    … hat da schon was unfreiwillig satirisches.

  6.   Thomas Holm

    Wird nicht das ganze ‚Bombe-oder-nicht-Bombe‘ Gehuber immer mehr überlagert von einer regionalen Konfliktlinie zwischen den levantinisch-mesopotanischen Sunniten und den proiranischen Machtzentren Ira(n)k/Syranon.

    Der GCC und nicht der Arabische Frühling ist das strategische Hinterland der Sunniten, die von der Hisbollah, aus Damaskus und Baghdad Saures bekommen. Die Eskalation dieses Konfliktstoffes wird erklärtermassen niemand aufhalten (wollen).

    Wenn es richtig häßlich wird (wir sind erst am Anfang !) kann Israel dann das Zünglein an der Waage spielen mit einem Schlag gegen den Iran; egal, ob Bombe, oder nicht Bombe.

    Ich meine das völlig wertfrei; sind nicht die muslimisch-staatlichen Konfliktakteure auf der Rutschbahn in eine Situation, in der Israel bestimmen kann, wann und in welchem Umfang der Iran als Konfliktakteur zurückgestutzt wird ?

  7.   Simon

    @ Rob

    Ich bin mir sicher, dass der Staat Israel und der Zionismus sich von einander ziemlich unterscheiden!!!

    Es wird Zeit, dass Sie Journalismus kritischer betrachten!


  8. Vernunft der USA?

    Vietnam?
    Kambodscha?
    Ost-Timor?
    Kongo?
    Chile?
    Venezuela?
    Panama?
    Ecuador?
    Irak?
    Libyen?
    Syrien?
    Iran?

    Wer sich mit diesen Themen befasst, erkennt das Schema amerikanischer Außenpolitik. Eine gute Einführung in die Strategien der „Economic Hitman“ findet sich hier http://www.youtube.com/watch?v=b-8LEso1-qM

    Die Geschichte der CIA dürfte auch zum Nachdenken anregen http://www.youtube.com/watch?v=yVTsXZRZqu0


  9. nochmals:

    https://blog.zeit.de/joerglau/2008/07/09/was-ahmadinedschad-wirklich-uber-israel-gesagt-hat_1263

    ist schon interessant, die diskussion immer wieder auf diese für viele „grundlegende“ frage verkürzen zu wollen.

    danke an thomas holm für k163, der zumindest versucht, auch die übergreifenden inner-vorderasiatischen interessen und konflikte (vorsichtig ausgedrückt) zu berücksichtigen.


  10. @168
    cool, so kann man auch versuchen, recht simpel aufmerksamkeit von der eigentlichen thematik des artikels abzuziehen.
    macht spaß, so ne diskussion zu lesen: der eine ist aber sicherlich noch vieeeeeeeel schlimmer als der andere.
    aber ist ok, weinen sie sich nur ruhig aus, über die bösen amis.

 

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