Deutsche Mythen

Der Politologe Herfried Münkler glaubt, dass Deutschland wieder Mythen braucht, um die Aufgaben zu bewältigen, die sich dem Land stellen. In einem Interview mit dem Spiegel bekennt er sich zum preussischen Wertekanon: „Es zeichnete sich durch Askese aus, Pflichtbewusstsein und die Bereitschaft der Eliten, etwas für ihr Land und den Staat zu tun: Ihm zu dienen, ohne zuerst an ihren eigenen Vorteil zu denken. Dieses Preußen brauchen wir.“

Ich frage mich angesichts von Münklers Sehnsucht nach Mythen im Namen von welchem Mythos wir den Einsatz in Afghanistan begründen wollen?  Die Diskussion ist es wert, geführt zu werden.

Build Afghanistan
Mauerinschrift in einem Vorort von Mazar @Ulrich Ladurner, Mazar-e-Sharif, August 2009

 

Gefährliches Kunduz

Kundus galt lange als eine der sichersten Gegenden Afghanistans. Seit zwei Jahren aber verschlechtert sich die Sicherheitslage. Auf dem Flughafen von Kundus sind 700 Bundeswehrsoldaten in einem Feldlager stationiert. Immer öfter werden sie in Feuergefechte verwickelt. Der Gouverneur der Provinz, Haji Omar, sagte zu mir im Gespräch, dass die Taliban aus Pakistan für die zunehmende Angriffe verantwortlich seien. Im Vorraum seines Büros sieht es jedenfalls nicht besonders beruhigend aus:

The Burka and the gun
Burka und Kalaschnikow in Kunduz @Ulrich Ladurner, August 2009 Kunduz

 

Globale Gefahr

Unser Schicksal entscheidet sich am Hindukusch. Wer das nicht glaubt, bekommt hier den Beweis, dass der Globus in den Händen der Afghanen ist:
Welt:Afghanist
Der Globus in den Händen der Afghanen @Ulrich Ladurner, Mazar-e-Sharif 2009

Wer sich über den Präsidenten Afghanistans, Hamid Karzai, ein Bild verschaffen möchte, dem empfehle ich die Geschichte von Elizabet Rubin im New York Times Magazine

 

Afghanisches Selbstverständnis

Heute haben die Taliban acht Raketen auf Kabul abgeschossen. Dabei haben sie die amerikanische Botschaft nur knapp verfehlt. Ein Talibansprecher sagte: „Wir haben die Kontrolle!“ Er spielte damit auf die Legende an, dass die Afghanen unbesiegbar sind. Im 19. Jahrhundert haben sie die Briten aus dem Land geworfen, im 20. Jahrhundert die Russen – im 21. Jahrhundert, so die Taliban, wird die Nato folgen. An die „Unbesiegbarkeit“ der Afghanen glauben nicht nur die Taliban, sie ist Teil des nationalen Mythos Afghanistans.

Dieses Gemälde stellt den Kampf der Afghanen gegen die Invasoren dar. Es hängt im Palast des Gouverneurs der Provinz Balkh. Der Gouverneur ist ein erklärter Feind der Taliban.

Ölbild-Mazar
Wie Afghanen Invasoren vertreiben @Ulrich Ladurner, Mazar-e-Sharif 2009
 

Präsidentenwahlen

Omar:Karzai
Mullah Omar und Hamid Karzai @Ulrich Ladurner, Mazar-e-Sharif, August 2009

Man würde es nicht glauben, dass der eine der Vorgänger des anderen ist. Links Mullah Omar, rechts der amtierende Präsident Afghanistans Hamid Karzai. Und noch schlimmer: Mullah Omar will auch der Nachfolger Karzais werden. Allerdings stellt er sich am 20. August nicht den Wahlen. Er will mit der Waffe in der Hand an die Spitze Afghanistans.

 

Afghanische Tatsachen

Gestern habe ich gelernt, dass das Binnenland Afghanistan einen Meeresstrand haben muss, heute lehrt mich Afghanistan, dass der Eiffelturm nicht in Paris steht, sondern hier: in Kabul
Paris:Kabul2
Ein Afghane vor dem Eiffelturm in Kabul @Ulrich Ladurner, August 2009
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Noch ein Afghane vor dem Eiffelturm in Kabul @Ulrich Ladurner, August 2009
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Zwei Afghanen vor dem Eiffelturm in Kabul @Ulrich Ladurner, August 2009

 

Paschtunen als globale Gefahr

Morgen beginne ich eine Reise nach Afghanistan und Pakistan. Angeblich hängt es vom Verhalten der 37 Millionen Paschtunen in dieser Region ab, ob wir im Westen in Sicherheit leben können oder nicht. Nicht zum ersten Mal entscheidet dieses Volk angeblich über unser Schicksal. Da lässt sich in dem sehr guten Artikel des Mittelostexperten Juan Cole nachlesen