{"id":1092,"date":"2012-04-19T14:30:30","date_gmt":"2012-04-19T12:30:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/ladurnerulrich\/?p=1092"},"modified":"2012-04-19T19:58:35","modified_gmt":"2012-04-19T17:58:35","slug":"fatale-schandtaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/ladurnerulrich\/2012\/04\/19\/fatale-schandtaten\/","title":{"rendered":"Fatale Schandtaten"},"content":{"rendered":"<p>Die amerikanische Regierung entschuldigt sich bei den Afghanen \u2013 wieder einmal. Diesmal, weil im Jahr 2010 US-Soldaten Leichen von afghanischen Selbstmordattent\u00e4tern gesch\u00e4ndet haben. Fotos davon sind jetzt in der Los Angeles Times ver\u00f6ffentlicht worden. Vor ein paar Wochen erst hat ein einzelner US-Soldat in einem Dorf ein Massaker angerichtet. Er erschoss 17 Afghanen im Schlaf, darunter waren neun Kinder. Bekannt geworden war auch,\u00a0 dass Soldaten auf get\u00f6tete Gegner gepinkelt und sich dabei haben filmen lassen. Ein anderes Mal haben Soldaten in einer Milit\u00e4rbasis Koran-Ausgaben verbrannt, was zu wochenlangen gewaltsamen Ausschreitungen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Gewiss, das alles sind die Taten einzelner. Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta hat Recht, wenn er angesichts der j\u00fcngsten Skandals sagt: &#8222;Dies ist Krieg. Und ich wei\u00df, dass Krieg schmutzig und gewaltt\u00e4tig ist. Ich wei\u00df, dass junge Leute manchmal in der Hitze des Augenblicks sehr dumme Entscheidungen treffen.&#8220;<\/p>\n<p>Doch es bleibt die verst\u00f6rende Tatsache, dass die selbst ernannten Befreier immer \u00f6fter barbarische Z\u00fcge tragen. Die Frage ist: Warum?<\/p>\n<p>Panetta hat es angesprochen. Krieg ist eine Brutalisierungsmaschine. Je l\u00e4nger ein Krieg dauert, desto mehr wirkt sie. Die amerikanischen Soldaten stehen seit mehr als zehn Jahren in Afghanistan. Sie f\u00fchren einen Zerm\u00fcrbungskrieg, den sie nicht gewinnen k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist zu Hause die Zustimmung zu diesem Krieg dramatisch gesunken. Schlie\u00dflich wissen die meisten Soldaten nicht mehr, warum sie eigentlich dort sind. Das untergr\u00e4bt die Moral.<\/p>\n<p>Es ist auffallend, dass sich die Skandale h\u00e4ufen, je n\u00e4her der Abzugstermin r\u00fcckt. Nach der Devise: Hier gibt es nichts mehr zu gewinnen, da k\u00f6nnen wir gleich noch einmal richtig zuschlagen,\u00a0 unserem ganzen Hass freien Lauf lassen. Der D\u00e4mon des Krieges feiert noch einmal ein grausiges Fest, bevor es zu Ende geht.<\/p>\n<p>Doch die Amerikaner \u2013 der Westen \u2013 haben noch sehr viel zu verlieren in Afghanistan. Der beschlossene Abzug 2014 ist richtig, doch ist es von gr\u00f6\u00dftem Interesse f\u00fcr den Westen, dass Afghanistan auch nach diesem Datum ein Verb\u00fcndeter bleibt. Denn Afghanistan liegt in einer geostrategisch \u00e4u\u00dferst wichtigen Region. Es grenzt an die ressourcenreichen Staaten Zentralasiens, es grenzt an Iran, an Pakistan und ist damit auch f\u00fcr Indien von Bedeutung.<\/p>\n<p>Den Krieg wird der Westen nicht gewinnen, er sollte aber Afghanistan nicht verlieren. Derzeit verhandeln die USA mit der afghanischen Regierung \u00fcber den Verbleib von Milit\u00e4rbasen nach 2014. Die Schandtaten von US-Soldaten werden diese Verhandlungen gewiss nicht erleichtern.<\/p>\n<p>Wenn es weitere Skandale dieser Dimension geben wird, wenn sie sich h\u00e4ufen werden, und das steht zu bef\u00fcrchten, dann k\u00f6nnte das Schlimmste eintreten. Die Nato w\u00fcrde das Land verlassen wie 1989 die Sowjetarmee: gehasst und verachtet von den Afghanen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die amerikanische Regierung entschuldigt sich bei den Afghanen \u2013 wieder einmal. Diesmal, weil im Jahr 2010 US-Soldaten Leichen von afghanischen Selbstmordattent\u00e4tern gesch\u00e4ndet haben. 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