{"id":588,"date":"2010-01-28T10:59:56","date_gmt":"2010-01-28T09:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/ladurnerulrich\/?p=588"},"modified":"2010-01-28T14:59:07","modified_gmt":"2010-01-28T13:59:07","slug":"zu-kurz-gesprungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/ladurnerulrich\/2010\/01\/28\/zu-kurz-gesprungen\/","title":{"rendered":"Zu kurz gesprungen"},"content":{"rendered":"<p>Ohne Sicherheit kein Wiederaufbau \u2013 auf dieser Einsicht beruht die \u201eneue\u201c Afghanistan-Strategie der Nato.\u00a0 Darum wird sie jetzt mehr Soldaten schicken, mehr Ausbilder und mehr Geld. Das ist nicht neu.\u00a0 Seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan im Herbst 2001 wird gesagt : Die Afghanen brauchen vor allem Sicherheit, um ihr Land wieder aufbauen zu k\u00f6nnen. Und seit Beginn des Einsatzes war die Antwort immer dieselbe: mehr Soldaten, mehr Ausbilder, mehr Geld. Die Nato wird bald 120.000 Soldaten in Afghanistan stationiert haben. Begonnen hat sie mit ein paar tausend. Sicherer ist das Land deshalb nicht geworden. Warum soll also jetzt funktionieren, was acht Jahre lang nicht funktioniert hat?<\/p>\n<p>Weil man, so die Antwort, endlich begriffen habe, dass man nur mit den Afghanen und nicht gegen sie das Ziel erreichen k\u00f6nne. Deshalb soll es keine Luftangriffe mehr geben, deshalb sollen mehr Soldaten engeren Kontakt mit der Bev\u00f6lkerung garantieren und ihr Vertrauen gewinnen. Das klingt gut, doch fu\u00dft die ganze Strategie auf einen zu engen Sicherheitsbegriff.<\/p>\n<p>In den Augen der Nato sind die Afghanen sicher, wenn sie nicht von Nato-Flugzeugen bombardiert oder von Taliban terrorisiert werden.\u00a0 Das trifft sicherlich zu. Doch die Reaktionen auf den Luftangriff von Kundus haben gezeigt, dass f\u00fcr Afghanen Bomben nicht per se schlecht sind. Die Emp\u00f6rung \u00fcber die Toten von Kundus war in Deutschland zu Recht gro\u00df, doch unter den Afghanen gab es viele, die meinten, solange es die richtigen \u2013n\u00e4mlich die <a href=\"Gouverneur Omar bezeichnete ihn als &quot;ersten richtigen Schlag gegen die Taliban&quot;. \">Taliban<\/a> &#8211; treffe, sei gegen ein Bombardement nichts einzuwenden.<\/p>\n<p>Luftangriffe bei denen Zivilisten ums Leben kommen hat es in den vergangenen Jahren viele gegeben. Sie haben dem Ansehen der Nato enorm geschadet. Keine Frage. Doch f\u00fcr viele Afghanen spielen Nato\u2013Bombardements in ihrem Alltagsleben keine gro\u00dfe Rolle. Nat\u00fcrlich f\u00fchlen sie sich sicherer, wenn es keine gibt. Doch ihr Gef\u00fchl ungesch\u00fctzt zu sein, speist sich aus einer ganz andern Quelle: der allgegenw\u00e4rtigen <a href=\"http:\/\/www.unodc.org\/unodc\/en\/frontpage\/2010\/January\/corruption-widespread-in-afghanistan-unodc-survey-says.html\">Korruption<\/a>. \u00a0Tats\u00e4chlich werden Afghanen auf Schritt und Tritt von den Vertretern ihrer Regierung ausgenommen.\u00a0 Wann auch immer sie in Kontakt mit dem Staatsapparat treten, m\u00fcssen sie Schmiergelder zahlen.\u00a0 F\u00fcr das, was den Afghanen geschieht, ist Korruption nicht das richtige Wort. Man sollte von systematischer R\u00e4uberei reden.\u00a0 Niemand sch\u00fctzt sie davor. Auch nicht die Nato \u2013 im Gegenteil, sie st\u00fctzt nach Kr\u00e4ften eine korrupte Regierung.\u00a0 Wie sollen die Afghanen den Beteuerungen aus den Staatskanzleien des Westens glauben?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, Korruption kann man nicht \u00fcber Nacht beseitigen. Es ist eine langwierige, schwierige Aufgabe mit ungewissem Ausgang. Doch es ist eine Sache, diesen Kampf zu verlieren, es ist eine andere Sache, ihn gar nicht gef\u00fchrt zu haben. Die Nato muss sich vorwerfen lassen, es gar\u00a0 nicht einmal versucht zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Sicherheit kein Wiederaufbau \u2013 auf dieser Einsicht beruht die \u201eneue\u201c Afghanistan-Strategie der Nato.\u00a0 Darum wird sie jetzt mehr Soldaten schicken, mehr Ausbilder und mehr Geld. Das ist nicht neu.\u00a0 Seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan im Herbst 2001 wird gesagt : Die Afghanen brauchen vor allem Sicherheit, um ihr Land wieder aufbauen zu k\u00f6nnen. 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