‹ Alle Einträge

04. Mai 2017 – Ausgabe 19

 

Leserbrief zu „Lange genug?“ von Julia Bernewasser

In Ihrem Artikel „Lange genug? – Der Streit ums Turbo-Abi wird Wahlkampfthema. An manchen Schulen in NRW dürfen die Schulen selbst entscheiden“, wird unter anderem beschrieben, dass es den Schülern mit G8 an Lebenserfahrung fehlen würde.

Ja, ich bin auch einer mit dem Turbo-Abi.

Jetzt habe ich mich geoutet, dass ich G8 gemacht habe und mir dadurch ein ganzes Jahr an Lebenserfahrung fehlt?

Nach meinem Abitur im Sommer 2015 habe ich eine Ausbildung als Bankkaufmann angefangen. Ich stehe nun kurz vor meiner Abschlussprüfung und kann rückblickend nichts negatives feststellen.

Die fehlende Lebenserfahrung bei G8 hätte ich selbst mit G9 nicht sammeln können. Durch das ersparte Jahr, konnte ich schon früher Lebenserfahrungen sammeln, die man in der Schule nicht hätte sammeln können.

Jeden Tag bekomme ich mit, aus welchen Gründen die Kunden zu mir kommen und was sie bewegt:

Eine ältere Dame, die monatlich ihre Rente abholt, erzählt dabei gerne mal aus der Zeit, als sie mit ihrer Familie im zweiten Weltkrieg flüchten musste.

Ein junger Mann, der täglich kommt, weil er dringend Geld braucht, um sich neue Drogen zu kaufen, aber kein Geld mehr hat.

Ein Mann, der gerade Vater geworden ist, für seine Tochter ein Sparplan eröffnen will und dabei stolz davon erzählt, wie seine kleine Tochter geboren wurde.

Seien wir mal ehrlich, einen Zeitzeugen im Geschichtsunterricht hätte ich bei G9 vielleicht erleben können. Aber zuzusehen, wie sich ein Mensch verändert, wenn er auf Drogenentzug ist, hätte ich selbst bei G9 nur theoretisch im Biologieunterricht lernen können.

Auch das Strahlen eines frischen Vaters, hätte mir so schnell keiner im Unterricht vermitteln können. Ich könnte die Liste an gesammelten Erfahrungen noch ewig weiter führen, höre aber an dieser Stelle auf.

Wirklich fehlen tut mir jetzt mit meinen 19 Jahren dadurch keine Lebenserfahrung. Ganz im Gegenteil, wenn ich mich mit anderen gleichaltrigen unterhalte, die jetzt ihr G9-Abitur machen, merke ich, dass ich wesentlich mehr Lebenserfahrung aufweisen kann als diese. Ich kann verstehen, dass mir die Lebenserfahrung während dem Abitur möglicherweise gefehlt hat und die Lehrer dadurch entsetzt waren, aber für mich bedeutet G8 nicht fehlende Lebenserfahrung, sondern die Chance früher und noch mehr Lebenserfahrung zu sammeln.

PS: Ich gebe zu, dass ich erstmal googlen musste, wie ich einen Leserbrief schreibe, dazu war dann beim Turbo-Abitur doch keine Zeit mehr.  – Felix Deiß


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Wäre es die ‚Bild‘ sähe ich es nach; von der ‚Zeit‘ erwarte ich allerdings mehr ! Die abgebildete Waffe ist eine M und kein MG. Bitte wiki fragen. Man mag es als Detail betrachten- für mein Dafürhalten allerdings ist es etwas peinlich. Besser geht immer ! – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Ein überzeugendes Plädoyer für die deutsch-französische Freundschaft und für ein lebens- und damit erstrebenswertes Europa.

‚Berufspolitiker‘ und Journalisten schlachten politische Fakten, deren Hintergründe und Perspektiven meist kalt-nüchtern aus, nicht selten sogar in vorwurfsvoller Art und Weise. Und hier nun ein Text, von großer Empathie getragen, ja geradezu warmherzig, mit eingestandenen fehlerhaften deutschen Entscheidungen und französischen Besonderheiten und Eigenarten.

Einfach großartig in dieser humorvollen Diktion und Ausgewogenheit.

Ein dickes Dankeschön an die Autoren! Und bitte zukünftig öfter so – in diesen ansonsten recht trüben Zeiten. – Dr. Günter Koch


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Herzlichen Dank für den aufwühlenden Artikel „Ne nous quittez pas“ in dieser ZEIT-Ausgabe 19. Ich glaube, dass es wichtig wäre, diesen Artikel auf französisch zu veröffentlichen.

Falls Sie eine französische Version dieses Artikels besitzen, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese zuschicken könnten, sodass ich ihn mit meinen französischen Bekannten teilen könnte. – Julia Stadler 


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Die Bundeswehr steht nicht in der Traditionsnachfolge der Wehrmacht! Die Klarstellung in dieser Deutlichkeit war längst fällig und durchaus nicht selbstverständlich.

So trugen etwa die in der Nachkriegszeit in Dienst gestellten Zerstörer der Bundesmarine die Namen „Mölders“, „Lütjens“ und „Rommel“. Die Vorbildfunktion dieser zur Zeit des Nationalsozialismus hochrangigen Militärs für unsere Staatsbürger in Uniform darf durchaus bezweifelt werden. – Dr. Jens Bade


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Meine Güte, was worte bewirken koennten wenn man sie nicht kritisch liest….was Sie als vertrauen bezeichnen ist aus meiner sicht verantwortungslosigkeit. Was sie als angst bezeichnen ist die fuersorge von Eltern. Wenn technik dabei hilft, prima. Ich bin froh dass die heutige Generation eltern nicht mehr so hart und brutal wie fruehere generationen sind. – Corinna Weiss


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Schon wieder Post von Ihnen  und so ein Thema! Als 80-jähriger durfte ich schmunzelnd in meine Vergangenheit schauen.

Bei der Geburt meiner Tochter war ich zugegen und geriet nur in angedeutete Panik als man sie zum Wiegen forttrug. Das freundliche Personal konnte mich beruhigen. Nun kenne ich vier Enkel. tja. – Jürgen Lehmann


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Ein wenig verrückt finde ich das schon mit den übertriebenen Babyphones und Kamera unter den Matratzen. Ich denke das ist fast ein „Luxusproblem“ – wenn ich es so wahrnehme sprich beim ersten Kind will Frau Mann alles richtig machen aber ist das die Realität? Die Realität ist doch mit Ausnahme von Menschen am unterem Ende unserer Gesellschaft vielleicht. Die Realität Kinder werden so oder so groß – vielleicht etwas salopp formuliert und wenig herzlos vielleicht, aber so ist es doch oder?

Meine damit – ich habe in Rumänien im letzten Jahr (2016) Kinder

(Roma) gesehen, die haben noch nicht einmal vernünftige Schuhe und täglich etwas warmes zu Essen,zwar rein theoretisch, aber in Wirklichkeit alle zwei bis drei Tage in der Woche. Vergammelte Milchzähne und für unsere Verhältnisse wirklich arm, lernbegierig und lachen viel und sind auf ihre Art zufrieden. Studierende beklagten sich über das nicht rein Veganes Essen auf der Reise, das sind die Luxusprobleme – da schäme ich mich mit meinen fast 60 Jahren eher fremd ohne den Zeigefinger zu erheben, da sie es nicht anders wissen aufgrund von 70 Jahren Frieden und Wohlstand in den letzten 25 Jahren der breiten Masse in unserem Land und größten Teil in Europa.

Dieses zumeist auch in Schulen und Kindergärten von kirchlichen Einrichtungen oder Menschen die sich verantwortlich fühlen für das Gemeinwohl.

Unsere gemeinsame Tochter kann davon träumen so groß zu werden auch für uns eher ein „Luxusproblem“, sie wird im Vergleich zu einigen ihrer Zeitleser eher in bescheidenen Verhätlnissen groß, ob das so schlecht ist weiß ich nicht – aber sie bekommt eine gute Schulbildung und ein kleines Startgeld (3000 Euro) mit 18 für ihr Leben und dann ist sie auf sich gestellt im Hintergrund zu wissen, sie hat trotz Trennung noch Eltern, die sie mögen und so gut es geht unterstützen – mehr geht im Moment nicht. Danke für diesen guten Beitrag der Zeit und ich freue mich den Artikel lesen zu dürfen. Ich wünsche ihnen und ihrer Zeitung alles Gute für die Zukunft und bis zum nächsten Mal. – Sven Leptien


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

1947  bin ich bin ich wegen Unterernährung verschickt worden als Berliner Kind, bin  in GSTAAD  fast 2 Jahre zur Schule gegangen.

Diese Zeit hat mein Leben geprägt, … weil  der Lehrer mehr nur AUFSICHT war, DIE SCHÜLER HABEN MITEINANDER GELERNT, AUCH DIE NATUR GEHÖRTE ZUM UNTERRICHT. – Elle Kebernik


Leserbrief zu „Es geht doch!“ von Marcus Rohwetter

Es spricht doch dennoch nichts dagegen, absolute Obergrenzen im Steuerrecht festzuhalten! Denn so wäre es möglich, sich im Falle eines Verfahrens konkret darauf beziehen zu können.

Aktuell ist es eher eine Frage der Interpretation. Im Gesetz wird nicht exakt Bezug auf Gehälter genommen, sondern die Deutungshoheit liegt bei den Gerichten. Das ist doch nicht befriedigend.

Und wahrscheinlich fehlt in den Finanzämtern auch das Personal, das nötig wäre, um sich mit diesem Thema gezielt auseinander zu setzen. – Yves Pulst


Leserbrief zu „Leidkultur“ von Josef Joffe

Ihrem Artikel kann ich nur zustimmen. Nationalismus muß tabu bleiben. Die Definition nationaler Interessen sollte in Deutschland akzeptabel sein, da das übrige Europa aus einem Sammelsurium nationaler Interessen und Eigenheiten besteht. Und wenn man seine eigenen Empfindungen und Erwartungen gegenüber Zuwanderern verständlich machen kann, mag das auch die Bereitschaft fördern, sich auf deren emotionale Situation einzulassen. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Ein wertvoller Beitrag! Eine ruhige, sachliche Bestimmung dessen, um was es wirklich geht beim Thema “Leitkultur”. Hinzuzufügen wäre vielleicht, dass die westlichen Gesellschaften in ihren jahrhundertelangen Wertediskussionen zwar die alttestamentarischen und die neutestamentarischen Unhaltbarkeiten thematisiert und überwunden haben; aber den gleichen Prozess bezüglich der Koran-Texte noch nicht geleistet haben. Daher ist es erschreckend und fast besorgniserregend, wenn der deutsche Justizminister bekennt, er “habe den Koran noch nicht gelesen”. Man kann die Scharia nur zurückweisen, wenn man sie verstanden hat! Gleiches gilt für die türkischen Imame: Man kann sie nur ausweisen oder belangen, wenn man sie versteht. Hier liegt noch vieles im Argen!

Es wäre wünschenswert, dass ein so abwägender Autor wie Jochen Bittner sich dem Thema auch weiterhin widmet. – Dr. Peter Michel


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Naiv und kindisch, der Beitrag. Er hinterlässt allenfalls bei Deutschen einen Eindruck wirklicher Ernsthaftigkeit, bei Franzosen eher nicht. Die Franzosen können sich verhöhnt fühlen. Keine schlechte Wahlwerbung für Le Pen. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu “Jetzt kommt es auf uns an“ von Sigmar Gabriel

Es lässt sich durchaus nachvollziehen, wie eine “einseitige Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die Vereinigten Staaten” “im Interesse der USA und Israels sein könnte”. Es ist schon lange der Wunsch Israels, sich durch einen militärischen Einsatz gegen die iranischen Atom-Fazilitäten einen potentiellen Todfeind vom Halse zu schaffen und US-Falken trommeln auch schon seit vielen Jahren für einen solchen Schlag. Und wäre das im Interesse Israels? Wer möchte sich erdreisten, das zu bestimmen? Und wäre es im Interesse der USA? Immerhin würden sich die USA in dieser Angelegenheit Ruhe von Seiten Israels verschaffen. Und wenn der Nahe Osten dann gänzlich in Flammen stünde? Das wäre dann vorwiegend ein Problem Europas (America first). Die USA sind Selbstversorger in Energie, notfalls könnten sie Saudi Arabien ausreichen beschützen. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Geld, diese deutsche Obsession“ von Marc Brost und Mark Schieritz

Eines kann nur stimmen. Entweder: “Wir wollen nicht an das Geld der deutschen Steuerzahler.” Oder: “Die Eurozone braucht zum Beispiel einen gemeinsamen Haushalt, um Investitionen besser anschieben und auf Krisen reagieren zu können.”, einen Haushalt also, in den Deutschland am meisten einzahlt und die Südländer mit Ihrer Mehrheit über den Einsatz bestimmen können. Durch einem gemeinsamen Haushalt kommt doch nicht mehr Geld in die Eurozone, sondern es wird nur umverteilt. So, wie vermutet.- Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Bis zum Besserwissen“ von Stefan Schmitt, Ulrich Schnabel Und Andreas Sentker

Ich habe Ihren Artikel „Bis zum Besserwissen“ nicht gelesen. Schon im ersten  Absatz haben Sie mir die Lust daran genommen, indem Sie mit dem genauso uralten wie platten Scheinwitz eröffnen dass sich 90% der Autofahrer für überduchschnittlich hielten. Ha, Ha!

Anstatt dass aufgeräumt wird mit dem alten Mist, verbreiten sie ihn auch noch unreflektiert weiter und klagen am Ende des Absatzes die Menschheit an, genau dies oft zu tun.

Aber zur echten Wissenschaft. Wenn von 10 Menschen 9 gleich gut Auto fahren und einer schlechter, dann fahren 90% überdurchnittlich gut und glauben dies zurecht. Da gibt es nichts zu Lachen. – Markus Schmidt


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Der Mainzer Dom ist im Zweiten Weltkrieg 1942, 1944 und 1945 mehrfach von Bomben getroffen worden. Er ist also keineswegs „vom Krieg unberührt“ geblieben.  (Von früheren Kriegen übrigens auch nicht, während derer er unter anderem als Pferdestall und Lazarett diente.) – Alexander Müller


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Ich weiß nicht ob Sie Meldungen aus Österreich wollen, aber zu diesem Thema “ Geschäft mit der Elternliebe “ will ich was sagen !  Heute gibt es ja viel zu wenig Eltern in DE + AUT welche sich noch für Kinder entscheiden, das machen ja die Ausländer und viel mehr als wir wollen und vertragen können daher sind jene Eltern aus den eigenen Reihen sehr bemüht für  die wenigen Kinder die wir noch haben viel zu tun und auch alles das zu bieten was Sie selbst vielleicht nicht hatten ! ?

ob das mit Schutzfunktion zu erklären ist denke ich eher nicht, denn Kinder werden ja meist geplant und die dadurch entstehenden Kosten berechnet, vielleicht auch wegen der niedrigen Einkommen berechnet werden müssen ! ?

das hier von der Industrie Geschäfte oder gar irre Geschäfte gemacht werden ist verständlich denn die Anbieter sind Heute eine Masse und jeder kämpft ums Überleben ! ?  schön und ganz wichtig wäre es wenn die leider ohne jeden Verstand agierenden Politiker von “ Ihrem Wahn – ZUWANDERUNG abgehen würden und EIGENE Kinder “ wieder belohnen täten ! !  – Franz Peter JELLY  


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Bei manchen Punkten hätte man sich etwas Nachhaken gewünscht.

– Leistung

Es entsteht der Eindruck für Herrn Laffer bedeutet Leistung nur mehr Geld zu verdienen oder etwa kreative Software für Dieselmotorsteuerungen zu entwickel?. Das kann doch wohl nicht so platt gemeint sein? Was versteht also Herr Laffer genau unter Leistung?

– Lieblingskurve

Herr Laffer merkt an, dass die Einnahmen beim Steuersatz 0 % auch gleich Null sind ebenso soll es bei 100 % sein. Es sollte aber deutlicher gemacht werden, dass sich das ausschließlich auf Einkommensteuern bezieht. Bei Verbrauchssteuern, wie der Mehrwertsteuer, verhält es sich anders. Ein Mehrwertsteuersatz von 100 % wird niemand davon abhalten, sich etwas zu Essen zu kaufen, wenn er hungrig ist. Was nun die Einkommenssteuer betrifft. Bei einem Steuersatz zwischen Null und Hundert Prozent sollen die Einnahmen positiv sein. Dann sollte es auch eiun Maximum geben. Woher weiß man wo es liegt? Herr Laffer suggeriert, dass es ein ökonomisches Gesetz gäbe, dass jede Steuersenkung, wenn Sie nicht gerade auf den Satz Null fällt, zu mehr Einnahmen führen würde, egal wie der Steuersatz vorher ist. Ist das wirklich so gemeint? Wie unterscheidet man die Fälle: wann sind Steuersenkungen nützlich und wann schädlich?

– Zeitlicher Ablauf

Alle Effekte, von denen Herr Laffer wünscht, dass sie zu höheren Einnahmen führen, treten nicht sofort ein. In der Zwischenzeit muss also ein entsprechendes Defizit durch Kredite ausgeglichen werden. Hier muss geprüft werden wie viel Defizit eine Wirtschaft ohne Störungen des Gleichgewichts verkraften kann. Es ist also keineswegs ein Automatismus, dass eins Steuersenkung immer zu positiven Ergebnissen führt. Kann es nicht auch katastrophal enden? Wie kann man wieder zwischen diesen Fällen unterscheiden?

Vielleichr kann ja Herr Laffer selbst die aufgeworfenen Fragen beantworten. – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Je mehr ich recherchiere, umso weniger wundere ich mich, dass junge Leute, die in der Bundeswehr dienen wollen, von rechtsextremem Gedankengut angezogen werden.

In der Adenauerära wurde die Bundeswehr gegründet mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten. Solange im Rahmen der Wehrpflicht alle jungen männlichen Bürger eingezogen wurden, entwickelte sich innerhalb der Bundeswehr eine Meinungsbildung. Leute, die diplomatische Lösungen gegenüber militärischen Lösungen bevorzugten, hatten es schwer.  (Das war meine persönliche Erfahrung vom 01.07.1975 -30.06.1976).

Jetzt, wo in Deutschland im Augenblick keine Wehrpflicht besteht, interessiert sich für die Bundeswehr offensichtlich nur noch eine Gruppe junger Leute, die bereit ist rücksichtslos unsere angeborenen Grundrechte einzuschränken oder gar abzuschaffen.

Und wenn ich dann bei meinen Recherchen noch mitbekomme, dass ehemalige SS-Leute eine offiziell der NATO unterstellte Partisanenorganisation (oder Stay-Behind oder GLADIO u. a. herumschwirrende Namen), die offensichtlich noch heute existieren, gründeten, dann brauchen wir uns über verlorene Seelen wie Franko A. nicht zu wundern.

Hier muss Frau von der Leyen ansetzen. Sie ist in Friedenszeiten Oberbefehlshaberin der Bundeswehr und hat die Befehlsgewalt, um die Bundeswehr in unsere heutige Zeit zu führen. Ein paar schöne Reden reichen nicht. Vernebelte Kommissköpfe der Bundeswehr müssen lernen, dass wir im  21. Jahr-hundert angekommen sind und die den Menschen angeborenen Grundrechte nicht nur einzuhalten sondern auch zu leben sind.   – Bernd Marterer


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein Dossier über die Dortmunder Nordstadt zu lesen, in dem „Im Norden geht die Sonne auf“ nicht erwähnt ist, enttäuscht.

Ich empfinde diesen Spruch, den man  als Leuchtschrift sogar aus dem vorbeifahrenden Zug lesen kann, als hoffnungsstiftend. Erst recht wenn man weiß, dass er vor über 80 Jahren genau mit dieser Intention geprägt wurde – als die Nordstadt wohl auch schon in kritischem Zustand war.  – Dr. med. Dietrich Tamm


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Es ist irgendwie rührend, die die sechs Autoren Peter Dausend, Mathias Krupa, Elisabeth Raether, Gero  von Randow, Mark Schieritz und Michael  Thumann unserem französischen Nachbarland schmeicheln wollen, daß wir von Frankreich viel lernen können und daß die Bundesrepublik in wirtschaftspolitischen Fragen ihre oberlehrerhafte Haltung in Sachen Austerität endlich aufgeben sollte. Aber Bruderküsse und freundschaftliche Gesten machen noch keine konsistente Politik aus. Wichtig für die Beziehung zwischen Staaten ist , daß man notwendigen Streit nicht unsinnig eskalieren läßt.

Man darf auch nicht, wie dies Marine le Pen  leider tut, die Bundesrepublik verleumunden, um so innenpolitisch in Frankreich punkten zu können. Es ist auch wiederum  keine gute Idee , über Deutschland pauschalisierend zu sagen, wir brauchten jemand zu dem wir ein bisschen aufblicken können … und dies sei nun einmal Frankreich, nachdem wir gerade von unserem großen Bruder Amerika schlimm enttäuscht worden seien. Eine solche politische Liebeserklärung ist schlicht und einfach albern. Die Grundlage für eine gedeihliche Beziehung zwischen Staaten ist eine aufrichtige Partnerschaft.

Daß Frankreich nicht nur Atommacht ist, sondern auch das Privileg hat, eines der 5 ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsratest zu sein, ist ein Machtgefälle, das Deutschland akzeptieren muß und ja auch akzeptiert. Selbst für den eher unwahrscheinlichen Fall, daß Marine le Pen die Präsidentenwahl gewinnt, müßte die Bundesrepublik den engen Draht zu Frankreich – so gut es geht – aufrecht erhalten… und dies nicht nur aus wirtschaftlichen sondern letztlich aus weltpolitischen Gründen. An einem Mindestmaß europäischer Solidarität führt kein Weg vorbei. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Man kann die innere Integration von Zuwanderern nicht so einfach einfordern, wie dies aus dem Beitrag von Jochen Bittner herausgelesen werden kann. Die „reflexhafte Abwehr“ einer neuerlichen Aufwärmung der Leitkulturdebatte ergibt sich daraus, daß der Begriff einer °deutschen Leitkultur° (erfunden von Friedrich Merz und Bassam Tibi) sehr schnell als „Moralkeule“ (Martin Walser) mißbraucht werden kann.

Es kommt hinzu, daß aufgrund der deutschen jüngeren Geschichte der von der Sache her triftige  Begriff „Assimilation“ in bestimmter Hinsicht verpönt ist, weshalb er ja auch in der ganzen Diskussion bewußt vermieden wird. Solange sich im Bundestag keine Mehrheit für ein Zuwanderungsgesetz bildet, hat die gesamte Debatte rund um eine °deutsche Leitkultur°  den Charakter einer Ersatzveranstaltung und wirkt irgendwie unaufrichtig. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein wirklich erschreckender Artikel über No-go-Areas und/oder No-goverment-Areas in der Dortmunder Nordstadt. Und was steht unter dem Artikel? Eine protzig große Anzeige zum G20 Gipfel, mit dem Titel:

Global Solutions. We send the best global solutions to the G20 leaders. Und genau da liegt das Problem! Local solutions first! – B. Benz


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Auch ein Lob muss mal sein ! Das aktuelle ‚Dossier‘ und die ‚Geschichte‘ gefielen mir sehr gut und das ist Journalismus, wie ich ihn mir stets erhoffe. Über den Inhalt des Dossiers liesse sich stundenlang debattieren, die Immigrationsproblematik beisst sich in den eigenen Hintern, aber das will ich hier lassen.

Ich wurde mit der aktuellen Ausgabe sehr überrascht und freute mich, wenn sich das, ohne blauäugige Multikultiromantik so fortsetzen liesse. – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Nun das ist schnell bentwortet. So weit rechts wie es unsere geselschaft zu laest.das ist nicht nur ein problem der bundeswehr, ds geht durch alle berufsgruppen.ich bin in einen akabemiker haus famiele gross geworden. und habe viele aerzte richter polizisten, Apotehker und paedagogen kennen gelernt, die nie ein hel aus ihrer rechten gesinnung gemacht haben.  ob lehrer pflegekraefte oder regierung dierecktor.alle jene wussten genau wo sie willige helfer fanden ohne sich selbst zu beschmutzen.

Mit freundlichenGrußein zeit leser der nicht rechts ist bitte meinen namen nicht nenen danke. – C. Knaut


Leserbrief zu „Norwegen über alles“ von Marcus Rohwetter

Das war mal wieder eine Super-Punktlandung! Ihre Kolumne ist die ganze ZEIT wert. Natürlich gibt es auch andere tolle, beeindruckende, anregende, bewegende Artikel, aber nur Sie schaffen es fast immer, mir Lachtränen in die Augen zu zaubern. Das letzte Mal schrieb ich einen Leserbrief zu Ihrer Kolumne anlässlich Ihrer wundervollen Analyse der Wirksamkeit von Voltaren. Diese Salbe wurde mir neulich bei einem Hexenschuss von einem guten Freund per E-Mail empfohlen. Ein sehr kluger und lieber Mensch – offensichtlich leider kein ZEIT-Leser. Ich habe diesen Text aufgehoben, schick ich ihm gelegentlich mal als Scan. Machen Sie bitte bloß weiter so. Sollte mir einmal etwas extrem Absurdes auffallen, werde ich Sie bestimmt informieren, nur beschäftige ich mich meistens nicht sehr intensiv mit Werbung.  – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ihr Artikel hat mich wütend zurück gelassen. Da leben drei Ihrer Mitarbeiter ganze drei Wochen in der schlimmen Nordstadt und gehen offensichtlich nur raus, wenn die Polizei kommt und/oder es dunkel ist.

Alles was ich lese, bestätigt einfache Meinungen über Problemviertel. Hier wurde gezielt nach Bestätigungen gesucht und als sie gefunden waren, ging man im Süden ein Eis essen? Ihren Recherchen möchte ich nicht widersprechen. Die von Ihnen geschilderten Probleme sind nicht von der Hand zu weisen und brauchen gute und konsequente Lösungskonzepte. Aber dieser Stadtteil hat genausoviele Stärken. Ich finde keine der Seiten, die ich an der Nordstadt liebe in ihrem Bericht. Es gibt unzählige Gruppen und Initiativen, die das kulturelle und soziale Leben gestalten, Integration ermöglichen, Menschen stärken und zusammen bringen.

Ihnen ist mittlerweile ein ganzer Bildband gewidmet. Es gibt auf dem Nordmarkt einen Wochenmarkt, der ein Beispiel für gelingendes multikulturelles Leben ist. Es gibt ein Kulturzentrum, das selbstbewusst Menschen jeden Alters ein breites Freizeit- und Kulturangebot sichert. Es gibt einen Park, der eins der schönsten Naherholungsgebiete innerhalb des Stadtgebietes darstellt.

Ihre Reporter haben sich kein Viertel angesehen, sondern sich auf den Nordmarkt konzentriert und nach Drogen gesucht. Das ist einfach.

Vielfalt ist eine Herausforderung. Und in der Nordstadt alternativlos. Schreiben Sie das nächste Mal auch über das Licht! – Rabea Wienholt


Leserbrief zu „17 Stunden, ohne Pause“ von Felix Lill

  1. Was tut eine normale Mutter und Hausfrau? Sie ist nicht 17, sondern 24 Stunden für Haushalt und Kinder da – ohne Lohn.
  2. Haben Sie, Herr Lill, schon einmal geputzt? Egal, wie groß der Haushalt, acht (z.B.) Stunden am Stück können Sie nicht täglich saubermachen, so viel Dreck gibt es gar nicht!
  3. „… heimlich Fleischbällchen gegessen …“ für 100 HKD, das sind € 11.70!! Das fällt für mich unter Diebstahl.

Und ganz nebenbei: in Großküchen, Restaurantküchen etc. ist der Verzehr von irgendwelchen Lebensmitteln für das Personal verboten, es sei denn, der Verzehr dient der Verkostung.

In diesem Sinne – sparen Sie Ihr Mitleid für die, die es brauchen! – Sibylle Fischer


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Sie sprechen so viele gute Sachen in Ihrem “Z”-Artikel an (Trantüten an der Kasse, ätzende Selbstdarsteller in Konferenzen, etc.), dass ich nicht verstanden habe, wie Sie Iso einen enttäuschenden Artikel daraus gemacht haben: Dem Marshmallow Test begenen Sie mit Ihrer eigenen Küchenphilosophie, nicht mit wissenschaftlihen Gegenargumenten – alternative Fakten? Hillary Clinton wurde sehr oft attestiert, im Wahlkampf schließlich auch durch Obama, dass sie geduldig gewartet hat, bis Sie mit Ihrer Kandidatur an der Reihe ist. Keiner hat ihr attestiert, sie sei kein alpha-Tier.

Sie hat die Wahl außerdem unglücklich gewonnen – und mir scheint der Sieg Trumps auch ohne Vorbildcharakter, auch wenn man sagen könnte wie sie, er hat sich halt genommen, was er wollte. Schließlich kritisieren Sie Mischel für seine Überlegungen zur Altersarmut, etwas, das man gar nicht wissen könne. Sollte man auch wieder viel Rauchen? Helmut Schmidt wurde auch über 90? Offensichtlich trifft es nicht jeden Rauher, weshalb also kürzer tretten.

Mir scheint, sie haben das alles nicht ausreichend durchdacht. Dabei müssten Sie eigentlich ausreichend Zeit dafür aufgespart haben. –  Dominik


Leserbrief zu „Wie es wirklich ist… als Seelsorger Seelsorge zu brauchen“ von Felix Evers

Auf der einen Seite meinem Respekt für Ihre Offenheit, auf der anderen Seite mein Erstaunen. Wenn Sie ernsthaft beten: „…Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden…“, müßten Sie ausreichenden Trost finden.  Geben Sie sich in Gottes Hand!

Ich bin doppelt so alt wie Sie und halte nicht viel von Kirche, weder von der einen noch von der anderen, aber von der christlichen Botschaft halte ich eine menge. – Immo Richter


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Sie haben die Bedeutung der Wahl und ihre Folgen klar dargestellt. So gesehen stimme ich mit fast allem überein. Wovon ich abraten würde, ist Ihre frankophile Schwärmerei. Warum? :

Europa hat eine schlimme Geschichte hinter sich. Und jetzt wären Strategen erforderlich, die sich an eine Zusammenführung aller Nationalstaaten machen.  Und was haben wir? Schwärmer, die von einem vereinigten Europa träumen. Unsere anglophilen Schwärmer können sich von ihrem Liebesobjekt schon langsam verabschieden.  Wir wollen nicht hoffen, das es mit Frankreich noch ebenso kommt. Die Folgen haben Sie geschildert.

Was von unseren Schwärmern vergessen wird ist, das sich 1914 fast ganz Europa gegen Deutschland verbündet hat : Frankreich, England, Russland, Serbien und zum Schluss Italien (nach Christopher Clark hatte Frankreich seit 20 Jahren an diesem Revanchekrieg 1914 für 1871 gearbeitet). Und um den Sieg zu erringen, musste man die USA einspannen. Damit haben England und Frankreich ihren Weltmachtstatus eingebüßt. Was  Beide bis heute noch nicht richtig verdaut haben. Ohne dieses damalige Komplott 1914 gegen Deutschland hätte es nie einen NS-Staat gegeben und keinen 2.Weltkrieg und keinen Holocaust. Wegen diesem NS-Staat aber wird die heutige Diskussion von dem deutschen Problemstaat beherrscht.  In Brüssel kommt es noch heute ab und zu zu dieser Allianz gegen Deutschland. ( Marie Le Pen, Beppo Grillo, Berlusconi um nur einige zu nennen).

Das bedeutet, das die notwendige und wünschenswerte europäische Einigung ein schwieriges Unterfangen ist. Es werden Strategen gebraucht und keine Schwärmer. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Kleine Gehirnwäsche“ von Georg Blume

Schlimm genug die vermeintlichen messianischen Führertypen Erdogan, Le Pen, Kaczynsky, Orbán, Putin, Trump … Sie verkaufen ihre Ideologie als Religion bzw. ihre Religion als Ideologie. Noch viel schlimmer ist die ungeheuer große Anzahl von Wahlberechtigten, die diese Typen wählen! Sie glauben an Götter,  an Führer. Dominiert von Kirche und Ahnungslosigkeit. Es besteht dringender Handlungsbedarf nach einem zweiten Zeitalter der Aufklärung. Denn es muss gelingen, dass zumindest immer 51 Prozent der Wähler diese mittelalterlichen Diktaturen verhindern. – Johann ERNST


Leserbrief zu „Lange genug?“ von Julia Bernewasser

Den Artikel verstehe ich nicht so ganz. Da werden zwei Schüler gemeinsam ins Gymnasium eingeschult. Dank der Option G8 oder G9 ist dann plötzlich der eine in der 11. und die andere in der 10. Klasse, ohne dass einer von beiden ein Schuljahr wiederholt hätte. Wie geht das? Bei G8 wird doch nicht eine Klasse übersprungen? Oder hat Frau Bernewasser sich das einfach ausgedacht?

Auch verstehe ich nicht, wieso angeblich ausgerechnet die G9-Schüler eine Wochenstunde mehr haben sollen? Klingt für mich unlogisch und hätte auf jeden Fall erklärt werden müssen. – Ursula Saarbeck


Leserbrief zu „Erst regieren, dann kassieren“ von Heike Buchter

Selten hat mich die Lektüre eines Artikels Ihrer Zeitung derart erheitert, wie der Ihrige. Es begann bereits bei dem ‚Auseinanderpflücken‘ des Druckerzeugnisses zwecks besseren Handlings. Nach den Genuss Ihres Beitrages faltete ich die drucktechnisch zusammengehörigen Seiten zusammen und las dabei eine Anzeige der Hyundai Corporation über die enormen Perspektiven wirtschaftlichen Engagements in der Türkei. Im eigenen Haus gehen also wirtschaftliche Interessen über moralische Prinzipien? Wundervolles Kabarett nach dem meterhoch erhobenen moralischen Zeigefinger als Essenz Ihres Beitrages! Die ZEIT- Ausgabe vom 27.04.2017 wurde mit der Zeile ‚Lügen nach Zahlen‘ übertitelt. Als Fazit des zugehörigen Artikels wurden sechs zu stellende Fragen genannt, um trügerischen Zahlen (oder Behauptungen) auf die Schliche zu kommen. Wenden wir diese doch einmal auf Ihren Beitrag an:

  1. Hat der Produzent der Zahl ein plausibles Interesse, will er ein Phänomen groß der klein erscheinen lassen? Einen Hinweis gibt uns die wertende Überschrift des Artikels: “ …folgt damit einer fragwürdigen Tradition“. Wer hat die Kategorie ‚fragwürdig‘ empirisch belegt oder  etwaig  durch representative Untersuchungen der Gesellschaftsmeinung eruiert? Niemand? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.
  2. Geht es um ein Phänomen, bei dem es schwierig ist, ehrliche Antworten zu bekommen? Es ist zu fragen: liegen Originalverträge über die gezahlten oder zu zahlenden Honorare vor? Die American University in Washington wird lediglich als Schätzquelle angegeben. Ich lese keine Angaben der Betroffenen. Da sind wohl auch keine direkten Antworten zu erwarten? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.
  3. Ist das Ergebnis politisch opportun? Dies ist nicht eindeutig zu beantworten, da nicht angegeben ist, wer oder was Heike Buchter ist und ob es einen konkreten Anlass für den Artikel gab. ALSO ZUMINDEST FRAGWÜRDIG.
  4. Wer wurde befragt? Und wer nicht? Es habe Häme aufgrund des Honorars von Obama i.H.v. 400.000,- Dollar gegeben. Von wem, und von wievielen? Es habe ätzende Kommentare eines konservativen Senders Fox Business News gegeben. Wer betreibt den Sender und wie groß ist seine Reichweite? Ein angeblicher Ethik-Experte ( James Thurber, American University) ist enttäuscht. Wer ist das und was macht er? Und: schon wieder diese Universität. Lassen sich evtl. keine anderen ‚Experten‘ finden? Es wird als Tatsache festgestellt, dass George W.Bush 30 Mio. Dollar mit Vorträgen verdient hat. Woher kommt diese Zahl? Wer hat sie festgestellt? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.

Ich beende dies jetzt aufgrund des begrenzten Rahmens. Der Artikel stellt lediglich billige Effekthascherei mit angeblich von einer wie auch immer gearteten moralischen Instanz gespendeten Autorität  dar. Er verkennt schlicht: Diese Leute sind einfach in der glücklichen Lage, aus Ihrer Lebensgeschichte Kapital schlagen zu können. Wer täte das nicht? Vermutlich natürlich Sie, Frau Buchter. – Christof Blanke-Hördemann


Leserbrief zu „Abgewetzt und schön verschrammt“ von Hanno Rauterberg

„Kurt Cobain war der ungewollte Messias des Shabby Chic. Durch ihn wurden abgewetzte Klamotten zur massenhaften Modeerscheinung (Grunge-Look) und schließlich salonfähig. Seitdem sickert es in viele Bereiche: Mode, Kunst, Popkultur, Architektur…
Die Jugend von damals sind nun die Mid-Ager von heute. Und so wie damals (und wie in jeder Epoche) ist der Wunsch da, teilzuhaben an der Gegenwartskultur, am vermeintlich wahren Leben. Doch wie leer muss das Leben der Menschen sein, sich mit einer industriell gefertigten Identität zu identifizieren?
Antiquitäten, die tatsächlich Geschichte in sich tragen, bleiben Ladenhüter. Aber Möbel mit ausgedacht Geschichte sind Bestseller. Genauso: Dielenböden wie aus alten Schiffsplanken – abgenutzt, zerfurcht, mit Relief – herrlich. Doch bei genauerer Betrachtung ist alles nur PVC (noch nicht einmal Holz). Oder: Alte Fachwerkhäuser wie in Sachsenhausen, Frankfurt a.M., vergammeln langsam, weil sich keiner dafür interessiert. Und auf der anderen Seite des Mains hat der Altstadtverein jahrelang zäh dafür gekämpft, dass ein altes Quartier möglichst originalgetreu wieder aufgebaut wird.

Es ist nicht wirklich die Suche nach der verlorenen Identität, sondern gibt dies nur vor. Die Begegnung mit tatsächlicher Identität wird dadurch ja gerade vermieden. Denn diese kann man sich nicht zurecht konfektionieren und dann – wenn man wieder einmal Lust hat, auf eine neue Identität – austauschen. Sie trägt Dinge in sich, die stören oder unangenehm sind, die nicht in das Bild passen, das man sich selber von der Welt oder von sich malt. Sie erfordern eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Bild. Etwas überspitzt gesagt, steckt dahinter eine Angst vor innerer Haltung, vor wirklicher Identität. Denn der Shabby Chic ist kein Bekenntnis zu etwas, sondern eine Abwehrhaltung gegen etwas.“ – Johannes von Alten


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zeitredaktion, Vielen Dank für Ihren Mut ein Interview mit Herrn Laffer zu drucken.

Ich hatte da viel zu schlucken. Herr Laffer äußert, dass er froh sei sich nicht für ein Leben in Deutschland entschieden zu haben, weil er dann vermutlich „noch ein einfacher Universitätsdozent“ wäre. Ich verstehe das dahingehend, dass sein heutiges Einkommen um ein Vielfaches höher liegen dürfte. Seine Argumentation stellt eine Rechtfertigung seines Status dar. Da spielt es keine Rolle, wenn er sich dabei in Widersprüchlichkeiten verstrickt und damit den Eindruck von Altersstarrsinn erweckt.

So äußert er – leider unwidersprochen – dass Unternehmer (gibt es die noch?) viel Geld für Steuerberater und Rechtsanwälte ausgäben, die tatsächlich gezahlte Steuer dadurch viel niedriger ausfiele. Er untermauert das mit einem Beispiel des „smart“ agierenden Warren Buffett, bleibt aber eine Antwort schuldig, warum dieselben Unternehmen bei einem niedrigen Steuersatz von dieser Praxis abrücken sollten.

Er unterstellt, dass Unternehmer mehr Menschen einstellen, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Abgesehen von Investitionen in Automatisierung, die nicht unbedingt zu mehr Arbeitsplätzen führen – profitiert die Mehrheit davon, wenn sich Reiche von der Dividende der Aktienunternehmen (wo ist hier die Leistung?) in den Bahamas die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? O.K. vielleicht verschaffen sie ja einigen Inselbewohnern einen Job als Hausdiener. Ob das die Wirtschaft ankurbelt, möchte ich bezweifeln. Die Kurve, die Herr Laffer gezeichnet hat ist genau das, was man sieht: ein Windei. – David Buys


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Ein schöner Artikel, aber viel zu lang! Geht es nicht ein wenig knapper und schneller auf den Punkt? – Hans Becher


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Ein vor Selbstmitleid triefender, peinlicher Artikel, der einen direkt an Churchills Aussage „Man hat die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen“ erinnert.

Gleichzeitig macht der Artikel klar: Am „deutschen Wesen wird die Welt sicherlich NIEMALS  genesen“!!! Und das ist auch gut so!!! – Daniela Pröpper


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Vielleicht entgeht mir die Ironie im Artikel „Geduld wird überschätzt“ von Sandra Danicke; jedenfalls erinnert mich die abschätzige Identifizierung von Geduld mit Faulheit und Feigheit an Äsops Fuchs und seine sauren Trauben.

Dass es dumm ist, sinnlose Zeitvergeudung über sich ergehen zu lassen, wenn man die Möglichkeit hätte, etwas dagegen zu tun, dem stimme ich zweifellos zu. Das hat allerdings auch erst einmal nichts mit Geduld zu tun. Andererseits gibt es nun mal Dinge, Kenntnisse, Fähigkeiten, etc., die man sich nur mit Geduld und Ausdauer erarbeiten kann, selbst wenn man auf die effizientesten Mittel und Methoden setzt. Ob es hilfreich ist, sich stattdessen einzureden, man sei ohne diese ohnehin glücklicher, sei dahingestellt.

Auch der Rosengärtner sitzt ja nicht einfach faul herum und wartet, bis zufällig Rosen aus dem Boden sprießen. Er hat vielmehr alle Hände voll zu tun, um seine Pflanzen zu züchten, zu pflegen und gegen Ungeziefer zu verteidigen. Ist er deswegen weniger glücklich als jemand, der die Geduld dazu nicht aufbringt und stattdessen an den Floristen outsourct? Und schließlich: an der roten Ampel, wo man ja selten eine Alternative hat, einfach ein paar Atemzüge lang die Schwalben am Himmel zu beobachten – das ist vielleicht tatsächlich die gesündere Alternative. – Matteo Gloyer


Leserbrief zu „Erst regieren, dann kassieren“ von Heike Buchter

Zu ihrem Artikel in der letzten Ausgabe, „Zuerst regieren, dann kassieren“ möchte ich folgendes anfügen.

Man muss die Politiker daran messen, wie sehr sie ein Land und ihre Bevölkerung mit ihrer Arbeit fördern und weiterbringen. Will man Politiker haben die viel für ihr Land geben, dann wird man diese auch entsprechend bezahlen müssen. Selbstlose Aufopferung ohne Entgelt wird immer die Ausnahme sein! Daher sollte es einen nicht stören wenn Barack Obama nach seiner Amtszeit durch Vorträge und Memoiren Geld verdient. Es muss ja schließlich keiner diese lesen oder sie anhören. – Thomas Gruber


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Gespannt habe ich das Dossier über die Dortmunder Nordstadt gelesen. Wie  in beinahe allen Berichten über diesen Stadtteil, hat sich auch dieses  Dossier an den bekannten Brennpunkten Nordmarkt, Münsterstraße,  Mallinckrodtstraße abgearbeitet. Das ist zum Teil verständlich, haben  die Redakteure doch eben dort drei Wochen lang gewohnt und sind die  immensen Probleme dort nicht zu leugnen. Doch Aussagen wie „Die  Nordstadt, das ist jetzt ein Ort für Menschen, die niemand haben will“  sorgen mitunter dafür, dass sich die Lage nicht verbessert und Menschen  völlig falsches Bild von der Nordstadt bekommen.

Die Schilderungen in  dem Dossier deuten so an, als würden hier 60.000 Drogenabhängige in  schrottreifen Immobilien hausen. Auswärtige trauen sich aufgrund der  übertriebenen Berichterstattung nicht mehr in die Nordstadt. Dabei gibt  es viele Studenten wie mich, die gerne in der Nordstadt wohnen (wenn  auch, zugegeben, nicht unbedingt am Nordmarkt); man bekommt hier für  vergleichsweise wenig Geld schöne Wohnungen in Bahnhofsnähe ohne mit  hunderten Mitbewerbern um eine Wohnung buhlen zu müssen. Die einzige  Strafttat, der meine Partnerin und ich bisher zum Opfer gefallen sind,  ist der wiederholte Diebstahl unserer Auto-Antennen.  Die Probleme müssen benannt und angegangen werden, doch solange dieser  Stadtteil beschrieben wird, als würde man beim Betreten sogleich Opfer  eines Gewaltverbrechens, wird sich nicht viel ändern. – Leonard Hövelmann


Leserbrief zu „Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben“ von Katja Bernardy und Hannes Leitlein

Mit Abscheu habe ich Ihren Beitrag „Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben“ gelesen. Ich beobachte nun schon viele Jahre wie die katholische Kirche bemüht ist solch schreckliche Verfehlungen Ihrer Geistlichkeit zu relativieren…oder ganz unter den Teppich zu kehren. Es gerät dabei in Vergessenheit, dass die katholische Kirche bis zum heutigen Tag an Kinder und Jugendlichen eine Indoktrination mit unethischem und weltfremden Glaubensgut ausübt, die ich als geistige Pädophilie brandmarke.

Die vom Staat sanktionierte Taufe eines wehrlosen Säuglings ist darüber hinaus in meinen Augen nichts anderes als eine religiöse Vergewaltigung und ein eklatanter Verstoß gegen Menschenrecht.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass unsere Vorzeige-Katholiken aus Politik, Wissenschaft und Journalismus beharrlich dazu schweigen – nein, sie statten eine geschichtlich belegbare und in weiten Teilen verbrecherische Institution mit Legitimität und staatlicher Alimentation aus.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Sonntag und uns allen einen guten Ausgang der Wahlen in Frankreich. – Hans-Jürgen Ferdinand


Leserbrief zu „Komplimente an den Hund“ von Nina Pauer

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Vielen Dank für den mit Abstand besten – oder jedenfalls pointiertesten – Beitrag zur (wieder) aktuellen Leitkultur-Debatte.

Des Öfteren musste ich beim Blick in den Spiegel, den der Artikel einem vorhält, laut loslachen – mal aus der peinlichen Berührtheit des Ertapptseins, mal wegen der gelungen Komposition der Aufzählung.

Sie zeigen: So kann ein unbeschwerter Zugang zu einer an sich ernsten Debatte gelingen, Chapeau! – Lino Schattke


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Vielen Dank für Ihre schnelle und proaktive Veröffentlichung des Artikels auf französisch. Ich bin begeistert!

Einige meiner französischen Bekannten fanden den Artikel sehr ansprechend – insbesondere, da sich die Debatte im französischen Präsidentschaftswahlkampf nicht oft genug um Europe gedreht hat.

Nun hoffe ich, dass die Wahl heute für Europa endet. – Julia Stadler


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Der o.a. Artikel ist das beste, was ich bisher in allen Medien zu diesem Thema gelesen oder gehört habe! – Thomas Steinbach


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Erneut ein wohltuendes, treffendes Statement von Benedikt Erenz für demokratische Erinnerungskul- tur! Kann doch demokratische Identitätsstiftung nicht allein ex negativo nach dem Motto „Nie wie- der!“ wachsen, sondern muss Vorbilder, Leitfiguren und Plätze der Demokratiegeschichte als Orientie- rungspunkte anbieten! Deshalb wehre sich jeder im Bildungsbereich vor Ort für die demokratische Sozialisation junger Menschen Verantwortliche, wenn im pädagogischen Kompetenzwahn unver- zichtbare curriculare Kerne der Demokratiegeschichte geschreddert werden.

Empfohlen seien hier die „Göttinger Sieben“, die Politiker gern in Bronze gießen lassen und Kultusbürokraten in Sonntagsreden zitieren, bevor sie im Alltag – neoliberalen Spardiktaten folgend – Geschichtsstunden kürzen und den jämmerlichen Rest unter dem Überbau der „Kompetenzorientierung“ so von Fakten „befreien“, dass sie dem Populismus des Postfaktischen geradezu den Weg ebnen und so den Zielen hübsch formulier- ter Bildungsziele in Schulgesetzen zuwiderhandeln. – Rainer Dornbusch


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Was dem Minister offensichtlich kostbar bleibt, ist, dass wir nicht Burka sind! Warum hat er nicht ergänzt: „Wir sind auch nicht Kosakenzipfel. Wir sind nämlich Lederhose und wir sind Schweinebraten und wir sind das jährliche Schreddern oder Vergasen von 40 Millionen Küken, die teils barbarische Massentierhaltung und das Schächten auch großer Tiere.

Und wir sind manchmal ein Niveau, dass es jedem intelligenten Migranten schwer machen kann, sich integrieren zu wollen.“ Eine Leitkultur sollte Schwerpunkte setzen, welche die Zukunft und die Entwicklung unserer Gemeinschaft ins Auge fassen, statt alte tote Pferde zu reiten. Sie sollte wirklich auch dazu beitragen,  unsere Persönlichkeit edler und besser zu machen und das Niveau der Kommunikation unserer Eliten und Meinungsbildner so anheben, dass die Bevölkerung die wirklichen Aufgaben erkennt und sich beteiligen will. Zugespitzt? Ja, aber aus ernsthafter Sorge. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Erst neulich habe ich in der ZEIT gelernt: Hinterfrage Zahlen jeder Art. 99% aller Afghanen sind für die Scharia? Wie, bitte, kommt man in einem Land wie Afghanistan zu wirklich repräsentativen Zahlen, wo doch Umfragen selbst in westlichen Ländern oft danebenliegen? Es wäre auch hilfreich zu wissen, wie denn die Menschen türkischer Herkunft zur Scharia stehen. Stellen sie doch den bei weitem größten Ausländeranteil.  Meine (nicht repräsentative !) Erfahrung mit Afghanen aus der Flüchtlingshilfe: Dreiviertel geht nicht in die Moschee, keiner hat es abgelehnt, einer Frau die Hand zu geben (und umgekehrt). Ob sie „unsere“ Werte verinnerlichen werden, ist dennoch ungewiss. Viele der in Deutschland lebenden Türken, die für Erdogan votiert haben sicherlich nicht. Aber viele Anhänger von AfD, Pegida und Co. ebenfalls nicht.

Ansonsten ist de Maizieres Katalog eine beliebige Aufzählung von Gemeinplätzen, Typisch Deutsch als Alleinstellungsmerkmal sind sie sicher nicht, sondern (hoffentlich noch) mehrheitsfähig in ganz Europa. Ber es ist halt wieder Wahlkampf.  – Dietrich Briese


Leserbrief zu „Kinder, das wird teuer!“ von Kerstin Bund

Ich bin selbst niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Münster und habe daher mit großem Interesse Ihren Leitartikel gelesen. Hochaktuell ist Ihre detaillierte Beschreibung, wie von Industrie, Handel und Seelenheilern bestehende Ängste von Schwangeren und Eltern instrumentalisiert und neue Ängste zum gleichen Zweck, nämlich um Reibach zu machen, erschaffen werden.

Es artet allmählich in ein Kampf gegen Windmühlen aus, den neuen Eltern in den ersten Vorsorgeuntersuchungen (z.B. U2 – U4) klarzumachen, dass ein primär gesundes Neugeborenes in einem einigermaßen ordentlichen Zuhause – also in den allermeisten Fällen – nichts weiter braucht als Elternliebe, Muttermilch, Zuwendung, Teilhabe am Familienleben und normale Pflege. Die dafür aufzuwenden Kosten halten sich in überschaubaren Grenzen. Unter Einhaltung dieser Voraussetzungen wird das Kind ganz von allein atmen, trinken, verdauen, Kontakt aufnehmen und sich sogar normal entwickeln. Was dieses Kind nicht braucht sind: technische Sensoren, Alarmgeräte, Kameraüberwachung und irgendwelche Medikamente oder Kügelchen gegen angebliche Koliken, Blähungen und Bauchschmerzen (es sind keine!).

Ebensowenig braucht es Osteopathen, Homöopathen, Psychopathen oder ähnliche teure Heils- und Unheilbringer, die die Zeit von Vater und Mutter für das Kind stehlen und ihr Budget unnötig belasten. Ja, selbst der Kinderarzt wird meist nur für die üblichen aber wichtigen Vorsorgeuntersuchungen gebraucht – nicht für die im Babyalter üblichen Befindlichkeitsäußerungen wie kurze Schreiphasen, Nasenatmungsgeräusche, stressige Schlafrhythmik usw. Dafür sind keine Ärzte nötig. Man frage doch mal die eigenen Eltern, wie Pflegeleicht oder auch nicht man selbst gewesen ist. Da muss man nun einmal durch!

Leider verfällt der Artikel zwischendurch in das altbekannte populäre Ärztebashing – diesmal sind die Frauenärzte und Geburtshelfer dran. Was dort über die Angebote der Frauenärzte geschrieben wird ist unreflektiert, sachlich falsch und soll wohl das von einigen gewünschte negative Arztbild füttern (wollen Sie das wirklich?), das es bei den Patienten und in der Bevölkerung gar nicht gibt.

Ich arbeite in meiner Kinder- und Jugendarztpraxis mit einem Frauenarzt zusammen und kann Ihre Behauptungen (sinnlose iGL-Angebote, Untersuchungsangebote ohne medizinischen Wert, etc.) nicht bestätigen. Wahr ist allerdings, dass die Schwangeren eine sehr gute (Note 1) ärztliche und medizinische Versorgung einfordern. Mit der von den Krankenkassen angebotenen ausreichenden (Note 4!), zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung ist niemand zufrieden – weder Patienten noch Ärzte. Zwei Beispiele dafür:

  1. Ultraschalluntersuchungen mit den heutigen modernen, hochauflösenden Geräten bieten nebenwirkungsfrei eine optimale (Note 1+) Überwachung der Schwangerschaft und der Gesundheit des Feten. Nur drei Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft sind unteroptimal. die wesentlichen Entwicklungsphasen des Feten werden nur lückenhaft erfasst – gerade mal ausreichend (Note 4-).
  2. Die im Artikel genannten Infektionen während der Schwangerschaft gefährden die Schwangerschaft, die Mutter und vor allem das Kind in höchstem Maße. Eine Untersuchung auf die Immunitätslage der Mutter bezüglich dieser Krankheitserreger ist oft sinnvoll und unbedingt medizinisch anzuraten. Wenn die Krankenkassen das nicht übernehmen, dann ist das sehr bedauerlich. (Note 4- oder eher 5) Diese Untersuchungen dennoch anzubieten ist unbedingt verantwortungsvoll.

 

Als Arzt sehe ich mich in der Pflicht meine Patienten mindestens gut (Note 2) eher sehr gut (Note 1) zu behandeln. Wenn die Kosten für die dafür erforderlichen Untersuchungen nicht von den Krankenkassen vergütet werden, bleibt nichts anderes als die Patienten zu fragen, ob sie die Kosten selbst übernehmen.

Was ich mir als Arzt sicherlich nicht antun muss ist, eine ausreichende Versorgung wider besseres Wissen als gut oder gar optimal zu bezeichnen, nur um die tatsächlichen begrenzten Leistungen der Krankenkassen (Note 4) zu beschönigen. Dass sehr gute Arbeit ihren Preis hat, gilt übrigens auch für alle anderen Bereiche, nicht nur in der Medizin. Ob wir alle sie so wollen und wie dafür aufzukommen ist, steht auf einem anderen Blatt. Dieses Blatt wird aber nicht von den Ärzten gedruckt.

Ich werden meinen gynäkologischen Kollegen also darin bestärken, sehr gute Arbeit anzubieten und zu leisten, auch wenn dafür die Patientinnen, die das wünschen, zusätzliche Zahlungen leisten müssen außerhalb der Krankenkassenbeiträge. – Pedro Andreo Garcia


Leserbrief zu „Kinder, das wird teuer!“ von Kerstin Bund

Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr gelungenen Artikel! Die Probleme der heutigen jungen Eltern haben Sie sehr genau beschrieben. Ich bin zwar ein Mann, kann Ihnen aber als berenteter Geburtshelfer, der sich über 30 Jahre mit den Problemen junger Eltern viel beschäftigt hat, nur zustimmen. Dabei wird mir auch klar, warum Elternkurse, die den Eltern nachgewiesenermaßen sehr weiterhelfen könnten, von diesen nicht beachtet werden.

Seit 8 Jahren führe ich mit einer Kollegin quasi als Hobby SAFE-Kurse durch (www.safe-programm.de) und erlebe mit den Eltern zusammen, wieviel man mit etwas Aufwand schon frühzeitig tun  kann, um einigermaßen sicher in die Elternschaft zu starten und nicht von den Ängsten beherrscht zu werden. Das, was alle Eltern unserer Kurse immer wieder bestätigen ist inzwischen auch in Langzeitstudien nachgewiesen:

Diese Kurse sind gerade in der heutigen Zeit ausgesprochen hilfreich, kosten aber vor allem Mühe (nicht viel Geld, zumal eine Stiftung für Eltern, die nicht bezahlen können, einspringt). Vielleicht müssen wir eine solche Möglichkeit noch viel bekannter machen! Haben Sie die Möglichkeit und Lust, dazu beizutragen? – Dr. med. Michael Scheele


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Mit Betroffenheit und Unverständnis habe ich das Zeit-Dossier in der letzten Ausgabe gelesen. Betroffenheit, weil ich selbst einige Zeit in der Nordstadt gelebt habe, mich mit ihr schon früh auch wissenschaftlich auseinandersetzte, sie seither in ihrer Entwicklung beobachten konnte und jüngst wieder in einem Forschungsprojekt den Blick auf die Governance eines umfassenden Entwicklungsprogramms namens »nordwärts« in Dortmund richte.

Unverständnis, weil ich den Bericht aus fachlicher Sicht extrem verkürzt und einseitig finde und mir – als jahrzehntelangem ZEIT-Leser – nicht erklärlich ist, dass und warum so etwas in der von mir bislang sehr geschützten Zeitschrift veröffentlich wird. Unverständnis aber auch, weil hier sehenden Auges in Kauf genommen wird, dass ein solcher Artikel vor Ort erheblichen Schaden anrichtet, indem er das große Engagement vieler Menschen als irrelevant und scheinbar wirkungslos darstellt, vor allem aber die Stigmatisierung des ganzen Stadtteils weiter vorantreibt.

Dies schreibe ich Ihnen lediglich, damit der Hintergrund für den beigefügten Leserbrief verständlich wird, den ich ausdrücklich in meiner fachlichen Rolle geschrieben habe und in dem ich mich bemühte, die hier angedeutete emotionale Verfassung nicht durchschlagen zu lassen.

Ich würde es sehr begrüßen,  wenn es einmal Dossiers in der ZEIT zu lesen gäbe, die zumindest den Versuch machten, den (zweifellos vielschichtigen und widersprüchlichen) Wirklichkeiten in solchen »Ankunftsstadtteilen« tatsächlich gerecht zu werden. – Klaus Selle


Leserbrief zu „Wie es wirklich ist… als Seelsorger Seelsorge zu brauchen“ von Felix Evers

Dieser Beitrag ist – leider-  für mich einerseits Ausdruck des modernen Medien-Exhibitionismus , andererseits einer mittelalterlichen Glaubensauffassung.

Emotioneller Schock, Kummer und Verzweiflung des Pfarrers Evers über den Tod seiner geliebten Nichte kann ich gut verstehen, auch der ihm – wahrscheinlich bei den 400 Beerdigungen gespendete –  und nun  abhanden gekommene Trost des  „unerforschlichen Ratschlusses Gottes.“ Nicht aber sein Vorwurf:  „Warum, Gott, hast du das zugelassen?“ als er schon Zeit und Ruhe zum Nachdenken hatte.

Denn wie kann ein gebildeter Mensch des 21. Jahrhunderts einen durch freien menschlichen Willen verursachten, medizinischen Unfall „Gott“ anlasten? Allenfalls der hier versagten elterlichen Auftragspflicht… – Tione Mittl-Raht


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Danke für diesen schönen, meinungsstarken Text, ich habe beim Lesen aufgeatmet. Es geht also noch was außer Selbstbetrachtung. – Elsemarie Maletzke


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Danke für diesen Artikel. In ihrer Argumentation ist am Schluss aus meiner Sicht ein Denkfehler: in Gesellschaften, die zu 99% die Scharia für richitg halten werden Sie nicht überzeugen können. Das Erbe der Aufklärung wirkt nur bei Personen, die die Afklärung auch mitgemacht oder zumindest mitgedacht haben. – Christian Voss


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ich fürchte, dass eine starke AfD-Fraktion im Parlament notwendig ist, um die derzeitige und zukünftige Merkel-Regierung zu einer Lösung solcher Probleme zu bewegen. – Christian Voss


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Sehr gefreut hat mich, dass Sie im genannten Artikel die Frage nach der Leitkultur mit dem Böckenförde Diktum verknüpft haben. Leider zitieren Sie den Abschnitt über die Homogenität nicht mit, dieser ist aber sehr erhellend für unsere Gegenwartsdeutung. Böckenförde schreibt: „Als freiheitlicher Staat kann er … nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der … Homogenität der Gesellschaft, reguliert.“ Zunehmende „diversity“ haben die meisten Menschen in unserem Land als zunehmen der Freiheit von den Zwängen einer homogenen Gesellschaft aufgefasst.

Ist jetzt der Punkt erreicht, wo sich die Gesellschaft aufgrund nachlassender Homogenität nicht mehr selbst reguliert und der freiheitliche Staat zu Zwangsmitteln greift, die ihm eigentlich wesensfremd sind? Folgt aus „diversity“ jetzt nicht mehr Freiheit, sondern streckenweise Chaos, daraufhin Zwang und  daraufhin schließllich innere Auflösung des freiheitlichen Staates. Dass die Willkommenskultur verblasst und der Ruf nach einer stärkeren Polizeipräsenz lauter wird, wirkt wie eine Illustration von Böckenfördes Worten. Die Frage, wie wir Homogenität der Gesellschaft ausdrücken und fördern können, ist daher nur zu berechtigt. – Michael Herzer


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Vielleicht liegt es an den Begriffen: ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Geduld hat doch nichts mit Faulheit oder Drückebergertum zu tun. Sie ist dann gefragt, wenn uns Aktionismus nicht weiterhilft, aber nicht, wenn wir besser eingreifen sollten. Um in Ihrem Bild zu bleiben: An der Supermarktkasse muss ich oft geduldig sein.

Einfach weil die Kassiererin oder der Kassierer nicht beliebig schnell scannen kann. Wer dann schon wütend wird, nur weil leider gerade keine weitere Kasse geöffnet werden kann, der wird sicher nicht glücklicher sein, als ein geduldiger Mensch.

In Ihrem Beispiel geht es allerdings um ein weiteres Schlüsselwort der von Ihnen kritisierten modernen Lebensideale: Die Achsamkeit.

Und hier möchte ich Ihnen gerne ein Pladoyer für mehr Achtsamkeit schreiben:

Achtsam sein heißt Achtung haben. Achtung gegenüber seinen Mitmenschen, gegenüber allen Mitgeschöpfen, gegenüber unserer Umwelt und auch gegenüber all den Dingen, die uns umgeben. Nein, ich meine nicht, dass man mit einem kleinen Lächeln jede Kleinigkeit einen Moment betrachten soll, auch nicht, dass man mit einer riesengroßen Geduld endlos viele kleine Felder großer Mandalas ausmalt sondern dass man auf die Menschen achtet, die einem begegnen, dass man versucht, sich in sie hineinzuversetzen, sie mit dem eigenen Verhalten nicht zu verletzen.

Wenn ich an der Kasse erst umständlich einpacke, bevor ich der schon wartenden Kassiererin das Geld gebe, verhalte ich mich äußerst unachtsam, gerade wenn auch noch einige andere Kunden anstehen. Achtsamkeit kann aber eben auch sein, dass ich nicht nur mein Kind tröste, das gestürzt ist, sondern mir auch die Mühe mache, die zerrissene Hose, um die es weint, zu flicken. Oder dass ich meine gelesene ZEIT nicht achtlos in die Altpapiertonne werfe, sondern die besten Artikel vorher ausschneide, um sie weiterzugeben.

Leider ist der Begriff „Achtsamkeit“, wie eben auch „Geduld“ von der Mode auf eine völlig unachtsame Art seines tieferen Sinnes beraubt worden. Das finde ich schade, denn für mich ist es der Wert schlechthin, er beinhaltet Nächstenliebe und Gottesliebe gleichermaßen und ist so auch aus christlicher Sicht grundlegend.

An dieser Stelle ist dann auch klar, dass, wer versucht achtsam (im Wortsinn) zu sein, niemals Geduld vorschieben und etwas aussitzen kann. Wer Achtung gegenüber seinem Umfeld verspürt, fühlt sich gedrängt, zu handeln, wo es nötig ist. Ist er noch dazu geduldig, so könnte er sogar noch etwas Zeit zum Nachdenken investieren, um dann auch wirklich sinnvoll zu handeln.

So wünsche ich mir, dass diese Kombination aus Achtsamkeit und Geduld in ihrem ursprünglichen Sinn viele Menschen antreiben möge, das beste aus ihrem Leben zu machen. Und ich denke, dass die Menschen damit glücklich werden können. – Frauke Heins


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Ungenügend recherchiert: Bereits die Überschrift liegt neben der Sache. Achtsamkeit möchte derjenige (wieder) erlernen, der sich von seinem Leben gestresst fühlt und deshalb insbesondere geduldiger mit sich sein möchte. Wer energiegeladen nach dem Bus sprintet und glücklich in den Sitz gleitet, hat jedenfalls in diesem Moment kein Problem, fühlt sich nicht vom Leben gehetzt, sondern durchtrainiert. Bei Achtsamkeit geht es nicht um die Bekämpfung des gesunden Ehrgeizes, der Themen vorantreibt, sondern darum nicht bei jedem persönlich empfundenen Problem aus der Haut zu fahren. Das Leben wieder auf Normalgeschwindigkeit zurückzudrehen und im Moment zu leben, damit man eben die wichtigen Dinge (welches sie auch sein mögen) nicht verpasst. Dies nicht unbedingt wartend hinter einem langsamen, unbeholfenen Kunden an der Supermarktkasse. Achtsamkeit könnte helfen, dieses Warten auszuhalten und nicht den Fokus darauf zu legen, dass es sich um gerade um verbrannte Lebenszeit handelt, denn Abhilfe gibt es in dieser Situation an sich nicht. Und auch Asphaltiere m.E. greifen nicht zu, weil sie ungeduldig sind, sondern weil sie es sich zutrauen. Und Sprichwörter wie „In der Rhe liegt die Kraft“ etc. verwendet man üblicherweise bzw. richtigerweise gegenüber demjenigen, der ausgepowert ist. – E. Becker


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Am Ende Ihres Artikels finden Sie, dass „…ein schöner Nebeneffekt wäre…“. Ihr Optimismus ist respektabel, aber ich kann ihn nicht teilen.

Die eigentlich in vielen Regeln festgelegten Normen des Miteinander der „alteingessesenen“ Deutschen werden doch in unerträglicher Weise

schlicht ignoriert und die Exekutive ist zunehmend nicht in der Lage, diesen Normverletzern ausreichend auf die Finger zu klopfen; auch ohne „Zugezogene“ wurde bereits zu wenig für die Einhaltung der Grundnormen getan.

Aber ansonsten ein dickes Danke für Ihre eindrucksvolle, angenehm kurz gefasste Darstellung der aktuellen Situation. – D. S. Tandler


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Bei Punkt 7 ist Ihnen ein haeufiger Fehler passiert: Die ersten extrasolaren Planeten wurden bereits 1992 nachgewiesen. In Nature 355, S. 145 berichten Wolszczan und Frail ueber ein Planetensystem um dem Pulsar PSR1257+12. Die Entdeckung von 51 Peg b 1995 war die erste Entdeckung eines extrasolaren Planeten um einen sonnenaehnlichen Stern. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Der Bericht von dem Ökonom Arthur Laffer passt nicht. Ein Gutverdiener will sein Klientel schützen. Die Konkurrenz der Staaten unter einander können sich nur Staaten mit geringer Bevölkerung leisten. Aldi und Co. werden nicht einen Mitarbeiter mehr einstellen,

nur weil sie weniger Steuern zahlen. Das gilt auch für Industriebetriebe. Das freiwerdende Geld wird man für Erhöhung der Effektivität der Firma einsetzen (Personalreduzierung) oder an die Anteilseigner auszahlen.

Was macht ein Gutverdiener mit 100€ mehr im Monat: Er kauft Aktien (keine Umsatzsteuer). Was macht ein Geringverdiener mit 100€ mehr im Monat: Das Geld geht direkt in den Konsum.

Das heißt, wenn der Laden bei Aldi und Co. voller wird, brauchen die mehr Personal, und vielleicht auch ein weiteren Laden. Von den 100€ des Geringverdieners streicht der Staat in Schnitt ca. 15% MWST ein. Weiterhin die Gewerbesteuer der Betriebe und Steuer auf Gewinne werden sich auch erhöhen.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass alle Steuern nicht zu hoch sind.

Leider sind viele Politiker anderer Meinung. Vor allem nach den Wahlen, um ihre Wahlgeschenke bezahlen zu können. Um gerecht zu wirken, werden Ausnahmen eingeführt, die das Steuerrecht unübersichtlich machen und damit ungerecht. Die Steuer nach dem Bierdeckelprinzip war nicht die schlechteste Idee. – Lothar Kaulbarsch


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Was für ein wunderbarer Beitrag  von Benedikt Erenz zum Thema „Mehr Demokratie wagen“. Und dieser unverwechselbare Stil! Herzlichen Glückwunsch zu diesem Ihrem Autor.

Solch fundierter, engagierter Journalismus sollte in einem „Blatt mit Anspruch“ einen breiteren Raum einnehmen.

Nichts dagegen, dass Journalisten sich darüber Gedanken machen, ob sie ihr Leben als Grille oder Ameise verbringen wollen; für meinen Geschmack sollte diese pubertäre, egozentrische Befindlichkeitsschreiberei  aber höchstens so viel Platz bekommen wie eine kleine Kolumne.  – Heike Miethe-Sommer


Leserbrief zu „Leidkultur“ von Josef Joffe und „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Immanuel Kant hat schon alles zum erwünschten menschlichen Verhalten – zu dem, was uns leiten sollte – gesagt:

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ Und „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“ und „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“

DIE Zeit hat das bereits zusammengefasst: http://www.zeit.de/2000/02/NOCH_MAL_VON_VORN_WAS_BEDEUTET_DER_KATEGORISCHE

Was du nicht willst, dass man’s dir tu, das füg auch keinem andern zu. Oder noch kürzer: „Gegenseitiger Respekt!“  möge uns leiten/ unsere Leit-kultur sein! – Ortrud Mauk


Leserbrief zu „Bis zum Besserwissen“ von Stefan Schmitt, Ulrich Schnabel Und Andreas Sentker

Herzlichen Glückwunsch an das Ressort Wissen zum Jubiläum. Schön wäre es aber, wenn solche Ressort, wieder mehr Bedeutung gewännen. Gefühlt wurden in den letzten 20 Jahren vor allem „leichte“ Themen mit neuen Ressorts bedacht. Es wurde das Leben eingeführt, das Magazin wieder belebt und das Ressort Z gegründet. Alles Redaktionen, in den vor allem leichte Themen und Meinungen eine Rolle spielen und die mit dem Feuilleton um den geschliffensten Artikel konkurrieren.

Journalisten lieben diese Ressorts, aber gerade deswegen ist hier ein großer Markt an kostenlosen Angeboten entstanden. Meinung können Blogger genauso gut, der klassische Journalismus hat seine Stärke hat seine Stärke bei der Recherche und den Hintergründen.

Wünschen würde ich mir beispielsweise ein Ressort Gesellschaft, das aktuelle Trends auf wissenschaftlicher Basis hinterfragt. Das Thema Islamismus wird heftig diskutiert, über die Gedanken- und Lebenswelt der hier lebenden Muslime erfahren wir aber wenig. Auch zur „konservativen Revolte“ gibt es viel Meinung und wenig Hintergrund.

Bitte mehr Ressorts, die nicht nur schön formulierte philosophische Stücke bringen, sondern auch Hintergründe. Eben das, was das Netz nicht bietet (oder nur nach aufwändiger Recherche). Gerne im Geist eines kritischen Rationalismus. – Tilman Weigel


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Der Artikel sollte der Pädagogenschaft zur Pflichtlektüre verordnet werden! –

Was aktuell gefragt ist, wäre natürlich eine europäische Leitkultur. Nur: Wo soll die herkommen, wenn die politischen Kapazitäten jetzt mit den Brexiten verbraten werden, wahrscheinlich jahrelang: Die neue unendliche Geschichte des 21. Jahrhunderts!

Für Herrn Bittner, zwei sprachliche Anmerkungen:

Mit der Formulierung z.B. “ Grundnormen d i e s e r Gesellschaft“ – sehr, sehr häufig, fast regelmäßig auch von Politikern so verwendet – tue ich mich schwer. Warum nicht das Bekenntnis zu „unserer  Gesellschaft“? Bei „dieser“ sieht man immer den abweisenden Zeigefinger mit der Assoziation, dass man damit nichts zu tun hat.

Bei „willkommen“ handelt es sich um eine völlig falsche  sprachliche Anwendung, siehe Duden (Nr. 10 Bedeutungswörterbuch). Mit willkommen begrüßt man nur jemanden, den man sich erwünscht hat. Ein angemessenes Wort für die Situation vor zwei Jahren gibt es wohl nicht. –  Und Willkommenskultur geht erst gar nicht, die kann man nicht (wie auch eine Leitkultur) verordnen und insbesondere erst recht nicht so hochstilisieren, wie das geschehen ist. Kultur kann nur über einen langen Zeitraum entstehen (durch entsprechendes jahrelanges „Vorturnen“ von vielen Einzeldisziplinen) und nur Dritte können so etwas dann als Kultur qualifizieren.

Beides ist m.E. mit dem Duktus des Artikels kompatibel, zeigt aber zusätzlich die Kompliziertheit der Thematik. – Ernst Hankammer


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Die massive Ablehnung von links und grün der „10 Gebote“ des Innenministers zum Thema Leitkultur war vorprogrammiert, aber die Kritik aus den Reihen der eigenen Partei ist völlig entbehrlich. Die Richtlinien zum Thema Leitkultur sind jedenfalls nicht nur absolut frei von radikalen Ansätzen, sondern teilweise sogar amikal und insgesamt so grundvernünftig, dass man sie sofort umsetzen sollte. Was an Kategorien wie soziale Gewohnheiten, Bildung, Erziehung, Leistung, Tradition, Kultur, Religionen, Respekt, Toleranz oder Patriotismus und die Ablehnung von Gewalt als Durchsetzungsmethode anrüchig sein soll, bleibt unbeantwortet.

Mit der Masseneinwanderung von sogenannten Fluchtmigranten werden Lebensweisen und Einstellungen importiert, die mit Europa nicht kompatibel sind, aber nachhaltig existieren können, wenn keine verbindlichen Leitlinien definiert werden. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Hintergründig weniger um das Bekenntnis zu den Werten unserer Gesellschaft, als um die vermeintlich kulturelle Überlegenheit eines mehr oder weniger definierten Deutschseins. Es besteht aber gerade zum Ende dieser großen Koalition auch für die linken Kräfte im Lande, diesen Ball aufzunehmen und ihn selbst zu prägen, sodass sogar ein Bekenntnis zu einer Leitkultur in die Präambel des deutschen Grundgesetzes aufgenommen werden kann, in der zur deutschen Kultur das Bekenntnis zur Freiheit, zur Gleichberechtigung, zur Humanität und zur Solidarität als Leitkultur unseres Landes vorangestellt wird. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zu „Kleine Gehirnwäsche“ von Georg Blume

Ich habe ohnehin so meine Probleme mit einem einheitlichen europäischen Staat, der laufend propagiert und zu dem ja sogar ganz gerne die Türkei gezählt wird, wenn auch letztere derzeit nicht so intensiv. 27-28 Nationen, von denen man 25 sprachlich nicht versteht und von 3-4 noch nicht mal die Schrift lesen kann, und gemeinsame Amtssprache ist ausgerechnet noch eine, deren Land gar nicht mehr Mitglied in der EU ist (bekommen die Briten eigentlich Lizenzgebühren, wenn weiterhin in der EU alles in Englisch veröffentlicht wird?).

In den letzten 3-4000 Jahren sind sämtliche Staaten, in die man verschiedene Ethnien gepresst hat, schon aus viel geringeren Gründen auseinander geflogen. Wenn man nun noch erwarten kann, in einigen Jahren allerorts auf unduldsame religiöse Idioten zu treffen, wäre es vielleicht doch angebracht, einmal Lehren aus der Geschichte zu ziehen, bevor diese das Problem wieder einmal blutig löst.  – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Müsste im obigen Artikel in der „DIE ZEIT Nr. 19, Seite 3 nicht vor allem Camus vor Jean-Paul Sartre genannt werden? – Christl Fuchs


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein angstlüsterner Blick durchs Schlüsselloch. Gebührenpflichtig kann man sich angenehm gruseln, um anschließend sein Kreuzchen bei den NRW-Landtagswahlen machen zu  gehn. Und zwar so: los geht’s immer mit  „zu vielen Ausländern“. Da kommt, was man schon hat kommen sehn – kein Wunder, bei so vielen „Molukken“: Crime, Drugs & Sex!

Flächendeckende (!) Prostitutions-Phantasien, vollgeschissener katholischer Altar (oder doch beinahe), der frustrierte Ordnungshüter, abgeschmeckt mit einer Gruselszene zum Dessert. Verrohte Bälger „klatschen“ Ratten hinter Mülleimern in einem Hinterhof der Dortmunder Nordstadt. Nachdem sie eine junge blonde Pädagogin verhöhnt, in Scheiben geschnitten, gebraten und dann vergewaltigt haben. Oder doch nicht? Ärgerlich, aber hier verhalten sich auch die Dümmsten überdeutlich, wie Rollenerwartung es vorschreibt. Zwei deutsche Loser beklagen die guten alten Zeiten, ein SPD-Funktionär treibt Selbstdarstellung und ein Kommissar muss den Jagdhund mimen, der nicht beißen darf. Die Kleinbürger der Region gehen übrigens gerne in die Nordstadt  „Slumming“, d.h. sie  pinkeln besoffen in Jungmännergruppen ungeniert in die Vegetation, da, wo die Polizei nicht weit ist.

Es handelt es sich bei dieser Räuberpistole um ein schönes Beispiel dafür, wie man Bestrafungslust anheizt und die richtige Stimmung für „Waffenbürger“ – kostenlos!- in der online-Ausgabe beim Leser. Ist irgendwem aufgefallen, dass Frauen nur als junge Mütter und Nutten auftreten?  Viele andere sind mittlerweile verscheucht von dort, wo auch die Stadtspitze sie nicht haben zu wollen scheint. Auf zwei 60jährige Frauen kommen in zwei Unterbezirken statistisch drei 60jährige Männer.

Auf drei 50jährige Frauen vier gleichaltrige Männer. Zuviel Dominanzgehabe von allen Seiten – hier die dunklen Gestalten, da der lichte Staat – ist die Folge, zudem die bürgerbeteiligte Planung einer „Vergnügungsspange“ im Viertel. Ob hier die Herrenrasse ab wieder 2023 die Sau raus lassen darf?  Ich wohne hier seit 30 Jahren und freue mich darüber, dass hier nicht alle an allen herumerziehen. Natürlich auch über eine faire intelligente Polizei und kluge „de-musealisierende“ Stadtplanung, wie es seit kurzem gibt. – Sigrid Asamoah


Leserbrief zu „Frankreich entscheidet“

Macron hat gesiegt! Die Europa-Freunde haben gesiegt! Jetzt kommt der fade Alltag, die neue Arbeit. Europa muss umgebaut werden! Wo fingt man an?

Hat die Reihenfolge eine Bedeutung? Der Anfang muss aber unbedingt gelingen! Das „Fundament“ ist eben sehr wichtig.

In Ihrem Zeitartikel steht: „Die Deutschen sind grundsätzlich Pazifisten …“. Pazifismus, was heißt das konkret noch mal … ?

Pazifismus heißt auch eine Friedensbewegung, die eine internationale Friedensordnung anstrebt. Kann man nicht gerade hier den Friedensprojekt der EU an die Ziele dieser Friedensbewegung anpassen? Im Vergleich zum radikalen Pazifismus lässt sie eine militärische Selbstverteidigung als Sicherheit zu. Wofür braucht man dann noch die große Übermacht der Nato als Relikt aus dem Kalten Krieg?

Wen ein Land, wie ein Mensch, mit sich selbst im reinen sein will, dann muss Deutschland diesen „Geburtsfehler“ der Vereinigung Deutschlands 1989/90 schnellstmöglich korrigieren, d.h. entschieden und ohne irgendwelche Bedingungen freiwillig aus dem militärischen Block Nato austreten und sich als Neutralstaat erklären!

Dann darf man mit ruhigem Gewissen sagen: „Die Deutschen sind grundsätzlich Pazifisten“! – Dr.-Ing. L. Bussler


Leserbrief zu „Was haben Sie auf dem Konto“ von Ingeborg Harms

zur Kolumne von Frau Harms „Was haben Sie auf dem Konto?“ empfehle ich, mit den Begriffen „falscher Polizeibeamte, falscher BKA-Beamte“ zu recherchieren.

Sie werden dann feststellen, dass es sich bei den Anrufen um Vorbereitungshandlungen zu banden- und gewerbsmäßigem Betrug handelt. Die Anrufe der Täter erfolgen mit verfälschten Rufnummern (gespooft) aus Callcentern, die meistens in der Türkei sitzen. Die überwiegend älteren Opfer werden durch eine Vielzahl von Anrufen letztlich dazu gebracht, ihr Vermögen, Geld, Schmuck und Gold an vermeintliche Polizeibeamte zur Sicherung zu übergeben.

Der Vermögensschaden der dadurch deutschlandweit entsteht ist immens und beträgt in Einzelfällen über eine Million Euro. – Claudia Sommerrock


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Ein schöner, kurzer Beitrag! Trotzdem fehlt mir als Resümee „Bis dahin heißt der Merksatz: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“ Übrigens: Auch am Samstag tut er das. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Wie gefährlich sind diese Männer für Europa, Herr Timmermans?“ von Matthias Krupa, Ulrich Ladurner und Heinrich Wefing

Ich habe das Interview ein paar Tage nach meiner Rückkehr von einer Ungarnreise gelesen. Was Timmermans über Orbán sagt, ist, gelinde gesagt, eine Untertreibung. Georg Soros wird nicht nur von Viktor Orbán im EU-Parlament als Finanzspekulant beschimpft. Er ist auch das Objekt einer Verleumdungskampagen, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen sucht. Auf allen Straßen Budapests hängen antisemitische Plakate, die denen im Stürmer um nichts nachstehen. Siehe Anlage.

Seit den 1990er-Jahren fördert George Soros Demokratieprojekte in Osteuropa. Jetzt soll die von ihm gegründete Zentraleuropäische Universität geschlossen werden. Seit László Botka von der ungarischen sozialistischen Partei (MSZP) als Kandidat für das Premierministeramt aufgestellt wurde und nur noch zwei Prozentpunkten hinter Viktor Orbán liegt (Botka: 44 Prozent, Orbán: 46 Prozent), wird er in einer Hetzkampagne als Marionette des jüdischen Finanzkapitals (repräsentiert von dem Geldverleiher Soros) dargestellt.

Es ist müßig, darauf zu hoffen, daß „Ungarn mit den vorhandenen Instrumenten zu überzeugen und auf dem richtigen Weg zu halten“ sei (Timmermans). Ich habe in der vergangenen Woche mit zahlreichen Künstlern, Wissenschaftlern und Intellektuellen gesprochen. Alle verachten Orbán, alle fühlen sich machtlos, alle fürchten den endgülten Abstieg in den Nazisumpf. Es ist höchste Zeit, die „Gefahr für die Grundwerte“ der Union abzuwehren und den Artikel 7 des EU-Vertrags in Anwendung zu bringen. – Günter Berghaus (Dr. phil. habil.)


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Spannender Bericht, aber zumindest die Aussage, Drogenbesitz sei bei geringer Menge für den Eigenkonsum “ nicht strafbar“,  ist falsch. Es gibt nur die Möglichkeit, in einem solchen Fall von der Strafverfolgung abzusehen, wenn die Schuld gering ist und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht ( § 31 a BtMG). Beide Voraussetzungen dürften den Beschreibungen im Bericht folgend nicht vorliegen, so dass es sicher nicht beim bloßen Platzverweis verbleiben wird, sondern auch eine Anzeige zu fertigen ist. Die Entscheidung liegt in jedem Fall bei der Staatsanwaltschaft. – Hans-Werner Riehe


Leserbrief zu „Frankreich entscheidet“

Front national ist salonfähig geworden

Ich erinnere mich noch gut an die Wahl von Barack Obama. Gross war in Europa die Euphorie und noch höher die Erwartungen. Geblieben ist vor allem Enttäuschung. Ist nun Euphorie in Frankreich angebracht? Mitnichten. Immerhin hat jeder dritte Franzose, welcher zur Wahl gegangen ist, eine Rechtsextreme gewählt. Dies ist sehr bedenklich. Natürlich lässt sich das Glas auch halbvoll betrachten.

Marine Le Pen ist nicht gewählt worden oder noch nicht? Denn sollte der neue Präsident Macron die massiven Herausforderungen in Frankreich in den kommenden Jahren nicht ansatzweise lösen können, so dürfte der Front national bei der nächsten Wahl weiter zu legen. Europa mag eine Verschnaufpause bekommen haben, aber nicht mehr und sollte in Brüssel nun wieder zur Tagesordnung übergegangen werden, dann wird der Aufstieg der Rechtspopulisten weitergehen.

Die Unzufriedenheit in vielen europäischen Staaten ist in vielerlei Hinsicht spürbar, einfache politische Botschaften finden in diesem Kontext sehr oft fruchtbaren Boden. Der Front national wird mit dieser Niederlage nicht einfach verschwinden; im Gegenteil. Mit Marine Le Pen ist die rechtsradikale Partei in der Mitte der französischen Gesellschaft angekommen. Emotionale panikartige Übertreibungen sind nicht angebracht, Schönfärberei jedoch wäre genauso falsch. – Pascal Merz


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Mit großem Interesse habe ich den Bericht mit dem oben genannten Artikel zur Dortmunder Nordstadt gelesen. Je tiefer ich in den Artikel eindrang, um so mehr wuchs meine Enttäuschung über diesen Bericht.

Ich kenne einige der Protagonisten im Artikel persönlich, als Anwohnerin und diplomierte Geografin lebe ich sei rund 30 Jahren in der Dortmunder Nordstadt, mit Nähe zum Borsigplatz.
Seit 11 Jahren biete ich mit meinem eigenen Unternehmen „Borsigplatz VerFührungen“ Stadtteiltouren, jenseits des Mainstream-Tourismus, in allen drei Nordstadtquartieren an.
Hier ein Link zu unserem Unternehmen: http://www.borsigplatz-verfuehrung.de/

Das Unternehmen habe ich unter anderem gegründet weil mir die einseitige „Blaulicht“-Berichterstattung über unseren Kiez unglaublich auf den Geist ging. Auch weil ich den Blick der Menschen für die Besonderheiten der Nordstadt schärfen möchte und damit einer weiteren Stigmatisierung etwas entgegen setzen möchte. Was wir hier machen stärkt den Zusammenhalt der Menschen und schafft eine neue Identität der Anwohner mit dem Lebensumfeld.

Doch nun zu meiner Kritik. Ich möchte vorweg schicken das alles was im Artikel steht der Wahrheit entspricht, dennoch hätte ich mir sehr gewünscht das der Bericht ausgewogen die Probleme der Nordstadt aufzeigt und als Gegenüberstellung auch die vielen positiven Entwicklungen bei uns im Norden.

Just im Dez. 2016 wurde die Dortmunder Nordstadt als Kreativ.Quartier Ruhr ausgelobt, ein Zeichen für die reichhaltige Kunst- und Kreativszene (rund 80 Künstler, ca. 30 Kreativwirtschaftler).
Neben der bunten Szene gibt es viele Aktivitäten im Bereich der wachsenden Gruppe von Studenten die die Nordstadt als Wohnquartier entdeckt haben. Ich selbst bin Vorsitzende des Netzwerks KulturMeileNordstadt e.V., ich gehöre dem Hoeschpark e.V. an, dem Hoesch-Museum e.V., den Naturkundemuseum e.V. den Fredenbaumpark e.V. u.v.m. Sie dürfen mich gern als Nordstadtaktivistin bezeichnen, auch als Nordstadtexpertin werde ich gern gehandelt, einige nenne mich auch liebevoll Miss Borsigplatz!

Nicht aufzählen kann ich die vielen Institutionen und Einrichtungen die sich für Jugendliche ebenso aktuell für Flüchtlinge einsetzen, ganz zu schweigen von den Schulen die sich seit Jahren bemühen in einem Bereich mit hohem Migrationsanteil gut Bildungsarbeit zu leisten. Und schließlich die Subkultur, die Szenekneipen, die drei Programmkinos, die Galerien, Ateliers und alternativen Stadtteilprojekte. Was mir darüber hinaus sehr am Herzen liegt ist die Integrationsarbeit die wir Nordstadtbewohner tagtäglich, ungefragt und vollkommen ehrenamtlich für unsere Stadt leisten.

In der Nordstadt spricht man nicht über Integration mal lebt sie! Die Nordstadt ist der Integrationsmotor für die Gesamtstadt Dortmund. Die Wertschätzung dieser nachbarschaftlichen Leistung fehlt mir nicht nur in Ihrem Bericht, er fehlt mir grundsätzlich in der Betrachtung der drei Quartiere. Darum fordere ich deutlich Solidarität mit den Menschen im Dortmunder Norden, sowohl von unserer Stadtgesellschaft in Dortmund als auch von überregionalen Medien!

Im Artikel werden leider auch nur zwei Quartiere erwähnt, die Nordstadt besteht aber auf dem Hafen-, dem Nordmarkt- und dem Borsigplatz-Quartier, das ist besonders  schade weil es doch am Hafen gerade so richtig aufwärts geht.

All das findet keinen Widerhall in Ihrem Artikel, warum nicht. Die Journalisten haben sich doch immerhin 3 Wochen in Do-Nord aufgehalten. Ich stelle mir die Frage wie der Arbeitsauftrag formuliert war. Denn so blind kann man in unserem Kiez nicht sein, es gibt genügend Möglichkeiten sich „gut“ sprich in fairer Form über die Nordstadt zu informieren.

Ich halte derlei einseitige Berichterstattung für journalistischen Populismus. Von DER ZEIT, die ich und mein Umfeld sehr schätzen, hätte ich einen deutlich ausgewogeneren Journalismus erwartet.

Um hier nicht als beleidigte Leserin dazustehen mache ich Ihnen folgendes Angebot:
Begleiten Sie mich und meine Kunden/Gäste doch mal bei einer unserer Nordstadt VerFührungen und schärfen Sie dabei den Blick für die Besonderheiten und positiven Entwicklungen bei uns in der Dortmunder Nordstadt. – Annette Kritzler


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Zum Artikel von Sandra Danicke:“Die Behauptung, der Geduldige lebe gesünder, weil er sich nicht stressen lasse…….

Der trödelnde Mann an der Kasse erinnert mich an meinen alten Vater, der darauf bestand, seine Einkäufe nach einem bestimmten System einzupacken. Er wurde nie ungeduldig behandelt (Schleswig Holstein).- Ich glaube, die Fähigkeit, Geduld zu haben, ist regional unterschiedlich ausgeprägt. Hier noch ein Beispiel aus meiner Wahlheimat Baden Württemberg: ein älterer Herr
ordert etwas unsicher angesichts des reichhaltigen Angebots des Bäckers: „ein Brot“. – Die Verkäuferin:“ Da sind sie bei uns richtig“. Anschließend berät sie ihn freundlich.

In meiner Heimat Berlin hätte man wohl genervt gefragt: „Na und wat für ens?“- Geduld gegenüber den Mitmenschen, auch mit uns selbst, macht meiner Erfahrung nach das Leben leichter, freundlicher und reicher. – Hendrickje Lohmiller


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Erstmal Glückwunsch zum Jubiläum. Das Ressort Wissen ist gelungen und eine Erfolgsgeschichte.

Der genannte Artikel ist interessant, aber bei «14: Computer sind nicht intelligent» musste ich etwas schmunzeln. Es ist schlichtweg falsch, dass mit Software ausgestattete Computer eigenständig lernen. Diese Zuschreibung der «lernenden Maschinen» ist eine Vermenschlichung und bedient genauso ein Klischee wie die angeblich «glücklichen Delphine» die immer lächeln. Sind die ansonsten gut informierten und kritischen Autorinnen & Autoren der ZEIT etwa der Propaganda der Informatiker auf dem Leim gegangen?

Hinter dem wohlmeinenden Spott verbirgt sich indes eine ernste Sorge: Folgt doch die Gesellschaft leichtgläubig den Irrlichtern und Versprechungen der KI-Gemeinde. Dem Tam-Tam und dem Trommelwirbel möchte ich entgegenhalten: Aus Sicht der Mathematik ist in den letzten Jahren nichts Entscheidendes passiert. Es gab keinen «Durchbruch» oder sonst eine Erkenntnis, die es vorher nicht gegeben hätte. Die Algorithmen, die unter dem Kampf-Begriff «Künstliche Intelligenz» zu Markte getragen werden, sind seit vielen Jahren bekannt und verstanden. Auch die sogenannten «Neuronalen Netze» – auch hinter diesem Begriff stehe eine Vermenschlichung und ein Klischee – bezeichnen nichts weiter als ein Klasse von nichtlinearen, parametrisierten Funktionen.  In manchen Anwendungen im Rahmen von Klassifikations-Algorithmen können diese sinnvoll eingesetzt werden; in anderen Fällen sind andere Funktionsklassen überlegen.

Ist es für die kritischen ZEIT-Journalistinnen und –Journalisten nicht eine besonders interessante Aufgabe dem irrationalen Hype die Kraft der Fakten entgegenzusetzen? – Prof. Dr. Martin Bünner


Leserbrief zu „Eltern verhalten sich postfaktisch“ von Manuel J. Hartung

Politische Sprengkraft soll sie haben, die brandneue Analyse der Mercator Stiftung zu G9, eine Ohrfeige sein für alle Politiker, die mit dem Versprechen, zu G9 zurückzukehren, die Wahlen gewinnen wollen!

Einer der wichtigsten deutschen Bildungsforscher, Olaf Köller, wird zitiert und vergleicht die Haltung G9-befürwortender Eltern und Politiker mit Donald Trumps Leugnung der Ergebnisse der Klimaforschung.

“Postfaktisch“ sollen wir Eltern uns also verhalten!

Bei unserer Argumentation stehen nicht Fakten im Vordergrund, unsere politische Meinung und unser Handeln in Bildungsfragen wird eher von unserer perspektivischen Wahrnehmung dem eigenen Wertesystem entsprechend (s. Wikipedia) bestimmt?

Ja, und Gott sei Dank ist das (noch) so!

Dieses elterliche “postfaktische” Verhalten ist und war schon immer die Voraussetzung für die erfolgreiche Aufzucht überlebensfähiger, neurosenfreier Nachkommen.

Dem geht übrigens zumeist der manchmal zu ausgeprägtem “postfaktischen“ Denken und Handeln führende Zustand des Verliebtseins voraus!

Interessant, dass die emotionalen und moralischen Besonderheiten dieser Verbindung , der Eltern-Kind- Beziehung, sogar in der deutschen Rechtsprechung berücksichtigt werden, indem Eltern, die in der Absicht, ihr Kind zu schützen, einen anderen verletzen oder töten, von Seiten der Justiz verständnisvolle Milde erfahren.

Daher ist der Vergleich dieses uralten, lebensnotwendigen Instinkts mit dem egomanen Handeln eines narzisstischen, machthungrigen Menschen, dem neben der Wahrheitsliebe auch der globale Weitblick zu fehlen scheint, wenig treffend, und wurde hier fast schon “postfaktisch” zur politischen Emotionalisierung wenige Tage vor den Landtagswahlen eingesetzt.

Die Analyse selbst taugt angeblich dazu, ein (wenn nicht das) Hauptargument der G8-Gegner schlüssig zu widerlegen, nämlich die deutliche zeitmangelbedingte Abnahme der Freizeitbeschäftigungen bei Schülern:

So würden Sportvereine keinen Einbruch verzeichnen, die Mitgliedszahlen – besonders die der Mädchen- stiegen an, Schülerwettbewerbe boomten.

Ja, hier wurden sicher viele Zahlen erfragt, gesammelt und berechnet, aber:

Hat man auf den Sportplätzen überprüft, ob die Schüler auch wirklich zum Training erschienen?

Hat man ausgeschlossen, dass die Mitgliedschaft aus dem verzweifelten Bedürfnis heraus angestrebt wurde, zeitbedingt fehlende Freundschaften durch geplante soziale Kontakte bei der wöchentlichen Stunde Badminton zu kompensieren?

Oder weiß man sicher, dass die Anmeldung nicht auf Verordnung des Hausarztes gegen die Migräne, durch langes Sitzen bedingte Rückenbeschwerden oder die beginnende Fettleibigkeit erfolgte?

Warum untersuchte man nicht die zahlenmäßige Entwicklung an den Musikschulen, die wegen der kostspieligen Gebühren viel zuverlässiger auf die wirkliche Ausübung dieser Freizeitbeschäftigung schließen ließe?

Und könnte es sein, dass der Boom der Schülerwettbewebe aus der Not der staatlichen Gymnasien geboren wurde, in Konkurrenz zu den (teils privaten und damit von gesetzlichen Vorgaben wie dem G8 ausgeschlossenen) anderen Schulen auch noch genügend Schüler von sich zu überzeugen; Schüler also nur aus Prestigegründen sozusagen halbfreiwillig, und teilweise in der Unterrichtszeit, daran teilnahmen?

So gäbe es noch viele Fragen zu stellen, ohne deren Berücksichtigung eine alltagstaugliche Interpretation der erhobenen Zahlen und Daten unredlich also nahezu “post-postfaktisch” erscheint.

Fragen, die vielleicht allein die Eltern beantworten könnten, würde man auf sie hören….

Die Mercator Stiftung befasst sich unter anderem mit dem Thema der Chancengleichheit. Sie tritt dabei als Verfechterin der Ganztagsschule in Erscheinung.

In ihrer anerkennenswerten Empathie mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen unserer Gesellschaft kann man ihr fast schon eine elterlich fürsorgliche Haltung zugestehen, die eben diese Minderheit in den Focus ihrer Betrachtungen stellt.

So werden mit namhaften Forschern Studien durchgeführt, deren Ergebnisse, anders als unsere “postfaktischen” elterlichen Einschätzungen, nun garantiert den Fakten entsprechen sollen Dabei kämpft sie löwenhaft um den „Knochen“ Bildungsausgaben und warnt trotz nachweislich fehlender Vorteile des G8 vor der teuren Re-Reform, da das hierfür ausgegebene Geld dann nicht mehr zur Verbesserung der Chancengleichheit ihrer geförderten Schülergruppe zur Verfügung stehen würde.

Warum aber werden die Interessen der Stiftung und der G9- befürwortenden Eltern derart gegeneinander ausgespielt? Müssen sie sich doch nicht zwangsläufig ausschließen.

Auch ich als Mutter, die sich für das neunjährige Abitur einsetzt, wünsche mir mehr Chancengleichheit für sozial benachteiligte Menschen.

Ebenso sollten die Mitglieder der Mercator Stiftung mein Anliegen respektieren!

Hinschauen und hinhören – auch bei anderen, couragiert den Mund aufmachen, Toleranz und Rücksichtnahme vorleben – unabhängig von Legislaturperioden und dem eigenen Prestige oder Profit.

Gerade als Vorbilder erfüllen Eltern (und Stiftungen) eine wichtige Rolle, die die folgenden Generationen hoffentlich übernehmen werden und ebenfalls weitergeben…!

Ist es in einem reichen, wirtschaftsstarken Land wie Deutschland etwa nicht möglich, den Bildungsetat so zu vergrößern, dass beide Gruppen ausreichend unterstützt und gefördert werden können?

Gibt es nur diesen einen, mittlerweile zerfledderten “Knochen”, an dem von beiden Seiten gezerrt wird?

Und ja, ich verhalte mich gerne “postfaktisch”, finde mittlerweile sogar schmunzelnd Gefallen an diesem vormals von mir nie verwendeten Modewort.

Umarme ich meine Kinder doch aus einer tiefen, warmen Intuition heraus und nicht, weil psychologische Studien dies empfehlen! – Anja Plesch-Krubner


Leserbrief zu „Alles, was recht ist“ von Class Tatje

Wie kann eine untergeordnete Konzernangestellte „dafür sorgen, dass aus Regeln für 620000 Mitarbeiter nicht nur Floskeln werden und sich so etwas wie der Dieselskandal nicht wiederholt“, wenn die Eigentümerfamilien Porsche und Piech und ich schließe Winterkorn und Müller ein „wenig Interesse an harter Aufklärung zeigen“? Harte Aufklärung wird erst möglich sein, wenn Winterkorn, Müller und ihre engsten und vertrautesten Mitarbeiter in Untersuchungshaft sitzen und der eklatante Gesetzesbruch ihres Unternehmens nicht als Schummelei oder Trickserei beschönigt wird, sondern als das behandelt wird, was es ist – ein Verbrechen. Diskussionen um Frau Werner und anderes Moralgefasel lenken nur ab. Von den 620000 Mitarbeitern sind höchstens 60 kriminell und zwar die ganz oben. – Harald Bost


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Traditionspflege in der Bundeswehr und den dazu auch in der ZEIT erschienenen Artikeln möchte ich Sie auf einen Umstand hinweisen, der mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Es betrifft die Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall (deren Namen ja erst 2012 geändert wurde, nachdem sie Jahrzehntelang nach einem General der Wehrmacht benannt war, der nachweislich glühender Nationalsozialist und Antisemit war). Dort ist bis heute der Kaserneneingang mit Wehrmachtssoldaten in Überlebensgröße „geschmückt“, denen man nur verschämt das Hakenkreuz auf der Brust entfernt hat, sowie einem Adler, den man dadurch „entnazifiziert“ hat, dass man das Hakenkreuz durch ein Edelweiß ersetzt hat. Für mich ist es unverständlich, dass solche Symbolik von einem Ministerium geduldet wird, dessen Ministerin sich ja eindeutig positioniert hat mit der Aussage, dass die Wehrmacht in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sei. – Thomas Armbrüster


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Vielen Dank für Ihren o.a. Beitrag.

Ich möchte noch einen m.E. wesentlichen Aspekt hinzufügen. Ich denke, das erfolgreiche militärische Handwerk lebt von unbedingten vertikalen Abhängigkeitsverhältnissen. In jeder Armee der Welt gehören dazu Befehlshörigkeit, ein gewisser Kadavergehorsam und die dahin führende notwendige Gehirnewäsche. Sicherlich ist das, je nach Tradition oder demokratischem Verständnis, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die von Ihnen beschriebenen und von Frau von der Leyen beklagten Schikanen und weitere Exzesse sind dafür nahezu unabdingbar.

Der mündige Bürger in Uniform wird vielleicht (wobei ich mir darüber auch nicht allzu sicher bin) keinen Angriffskrieg mittragen, aber er wird wahrscheinlich auch keinen „gerechten“ Verteidigungskrieg gewinnen können. Für diese Erkenntnis wurden meiner Meinung nach genannte unmenschliche Verhaltensweisen bisher stillschweigend toleriert.

Wenn wir uns als Gesellschaft jetzt von dieser Praxis verabschieden und trotzdem unsere Verteidigsbereitschaft nicht aufgeben wollen, gibt es dafür eine Lösung. Wir zahlen dafür im Rahmen der EU oder Nato und verabschieden uns offiziell von der Idee einer eigenständigen Armee. Die Vorstellung von einer demokratisch organisierten, nach humanitären Maßstäben aufgestellten Armee, die dann im Ernstfall auch noch militärisch erfolgreich sein soll, ist m.E. eine Illusion.

Die 2. These Ihres Artikels betraf rechtsradikale Tendenzen und Traditionen in der Bundeswehr.

Ich würde da unterscheiden. Ein rechtes Übergewicht ergibt sich zwangsläufig, da vermutlich fast jede Person, die sich als links und/oder humanistisch geprägt einordnet, einen Wehrdienst in der Bundeswehr für sich ablehnt. Dadurch ergibt sich notwendigerweise eine „rechte“ Mehrheit mit bisweilen rechtsradikalen Auswüchsen.

Die Einordnung der Berufung auf die Tradition der Wehrmacht als rechtsradikal ist vermutlich neu und erst jetzt nach Ableben der letzten Aktiven aus diese Zeit  möglich. Ich vermute, dass sich Ihr verstorbener Herausgeber gegen so eine Darstellung verwart hätte. Dadurch bleibt aber die Bekämpfung dieser falsch verstandenen Tradition m.E. nach trotzdem richtig und muss auf jeden Fall weiter verfolgt werden.

Noch einmal vielen Dank für diesen wichtigen Debattenanstoß und weiter so! – Gunnar Millow


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Man sollte endlich mit der negativen Konditionierung der Kategorie Familie aufhören und Kinder nicht ständig als Kostenfaktor darstellen oder mit Begriffen wie „Armutsfalle“, „Jobbremse“ und „Karrierekiller“ in Zusammenhang bringen. Letztlich hängen Pensions- und Familienpolitik kausal zusammen und wer den Generationenvertrag nicht einhält, sollte Restriktionen akzeptieren. Kinder sind die Zukunft jeder Gesellschaft und das demographische Problem mit Einwanderung zu lösen, wird nicht funktionieren, sondern nur zusätzliche Probleme nach sich ziehen. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

In einem Interview mit der Zeit [Zeit Nr. 19 v. 4. Mai 2017, S. 23] spricht sich der US-Amerikanische Ökonom Arthur Laffer gegen supra- und internationale Regelungen zur Bekämpfung von Steueroptimierung durch Konzerne aus.

Er ist der Meinung, auch ohne ein solches gemeinsames Vorgehen der Staaten sei ein ruinöser Wettbewerb in Form einer endlosen Abwärtsspirale der (Unternehmens-) Steuersätze nicht zu befürchten. Immerhin seinen Unternehmen ja auch auf funktionierende Staaten und deren Infrastrukturen angewiesen. Daher hätten sie selbst kein Interesse an einem solchen, für den Staat ruinösen, Wettbewerb.

Wer’s glaubt, möchte man schreien.

Aber Laffer ist sich nicht zu schade noch einen drauf zu setzen.

Nicht zu Letzt zeige sich am Beispiel vieler afrikanischer Staaten wie recht er habe. Dort seien die Steuersätze mitunter viel zu gering um eine wettbewerbsfähige Infrastruktur zu schaffen. Daher würden sich dort auch keine Unternehmen ansiedeln.

Leider lässt er dann im Dunkeln, was genau die afrikanischen Staaten jetzt anstellen sollten um die nötige Infrastruktur errichten zu können, mit deren Hilfe sie das Geld erst einnehmen könnten, welches sie für ersteres benötigten. Oder vielleicht ist er ja auch der Meinung, wer einmal im Wettbewerb des Marktes unterlegen ist, braucht auch keine zweite Chance mehr.

Natürlich haben Unternehmen großes Interesse an einem stabilen und wohlhabenden Staat mit funktionierender Infrastruktur. Wer bildet denn sonst die Arbeitnehmer an Schulen und Hochschulen aus?

Wer baut denn die Straßen, Schienen und Energienetze um die Produkte zu den Märkten zu schaffen?

Wer sichert die Rechte der Unternehmen durch ein funktionierendes Rechtssystem mit unbestechlicher Justiz, Rechtspflege und Verwaltung?

Die Liste könnte schier endlos so weiter gehen. All das kostet Geld, viel Geld. Geld, das der Staat bevor er es ausgibt im Wege der Steuer einnehmen muss.

Es mag sein, dass ein Steuerstaat wie Deutschland und manch anderes Industrieland aus Sicht eines Unternehmers eine ineffiziente Mittelverwendung betreibt und dazu zu hohe Steuern erhebt. Aber meint Laffer tatsächlich, dass für Unternehmen ein Punkt erreicht sein kann ab dem ihnen die Steuersätze zu gering erscheinen? Was wirklich passiert wenn man den allheilbringenden Wettbewerb unkontrolliert zwischen den Ländern wirken lässt, kann man doch heute bereits staunend beobachten.

Internationale Konzerne greifen liebend gern auf die tatsächlich, im internationalen Vergleich, hervorragenden Infrastrukturen, Sozial- und Rechtssysteme der Industrienationen wie Deutschland zurück. Dort finden sie qualifizierte Mitarbeiter, stabile und effiziente Grundbedingungen und zudem noch große wohlhabende Absatzmärkte.

Auch die Manager die für die Unternehmen handeln, leben gerne in diesen funktionierenden Staaten und nicht auf den Kanalinseln, in Panama oder Delaware.

Aber obwohl sie all das so gerne in Anspruch nehmen, müssen die EU Finanzminister über die Verhinderung von Steuervermeidungsprinzipien beraten, weil die Unternehmen wie Amazon, Apple und Starbucks ihre Gewinne als „Kosten“ für Lizenzrechte in Länder mit Niedrigsteuersätzen verschieben.

Die Unternehmen schauen also nicht einfach bloß, in welchem Land ihnen das Verhältnis aus Steuerbelastung und Grundbedingungen am optimalsten erscheint. Das entspräche einem fairen Wettbewerb. Höhere Steuern würden durch die damit ermöglichten und besseren Grundbedingungen kompensiert. Wenn nicht, müsste der Staat steuern senken oder diese effizienter einsetzen. Stellt beispielsweise ein Staat kostenlose Schulen und Hochschulen zur Verfügung liegen dafür vielleicht die Einstiegsgehälter der Mitarbeiter niedriger, weil selbige nicht mit einem Schuldenberg in das Arbeitsleben starten müssen [vgl. bspw. Einstiegsgehälter der USA mit denen Deutschlands].

Nach diesem System funktioniert der Wettbewerb den Laffer sich vorstellt und den man auch jetzt immer wieder beobachten kann aber nicht. Ganz im Gegenteil, die Unternehmen schauen zunächst wo ihnen die Voraussetzungen gefallen, dort sind sie unternehmerisch tätig und erwirtschaften ihre Profite.

Dann schauen sie in einem zweiten Schritt, in welchem Land die Steuersätze am niedrigsten sind, dorthin verschieben sie die Einnahmen. Ohne Einnahmen bleiben keine Steuern, aber Sozial- und Infrastrukturausgaben, die gibt es zu Hauf.

Dies mag eine logische Folge des von Laffer so gelobten Marktes und Wettbewerbes sein. Aber leider fehlt ihm die Weitsicht oder Ehrlichkeit, dass dem Markt eben wegen seiner Gesetzmäßigkeiten die nur nach Kosten, Ertrag und Effizienz funktionieren, die Macht diesen Kreislauf zu durchbrechen eben fehlt.

Natürlich soll ein Staat nicht unkontrolliert Steuern erheben, natürlich braucht er ein Korrektiv. Aber der ungezügelte Wettbewerb ist dabei sicherlich der Größte Bock im Gartenbaubetrieb. Viel mehr ist es auch hier, wie so oft im Leben, keine „alles oder nichts“ Entscheidung. Viel mehr liegt der Erfolg eines Steuersystems in einem gezügelten und kontrollierten Wettbewerb. Der einerseits das „rase to the bottom“ eben verhindert bevor man, wie die eingangs erwähnten afrikanischen Staaten dem Zynismus des Arthur Laffer ausgeliefert ist. Und anderseits dabei stastliche Ineffizienz und Verschwendung durch Anreizsysteme verhindert.

Darüber kann und sollte man diskutieren. Diese müssten dann aber allen offensten. Nicht bloß Großkonzernen mit internationalen Gesellschaftsstrukturen und den teuersten Steuer- und Gesellschaftsrechtlern, sondern viel mehr auch dem kleinen Gartenbaubetrieb und Angestellten mit familiär gebundenem Wohnort.

Zudem müssten sich Unternehmen ehrlich entscheiden. Will ich in einem Land wirtschaftlich tätig sein, dann zahle ich auch dort Steuern, oder ich lasse eben beides. Rosinenpickerei hat mit fairem und regulierendem Wettbewerb nichts zu tun. – Julius Wieske